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König Konstantin und Königin Anne-Marie

König Konstantin und Königin Anne-Marie

In diesen Tagen kratzen die Verantwortlichen in Athen die letzten Euros zusammen, um dem Staatsbankrott zu entgehen. So ist es verständlich, daß niemand aus der griechischen Regierung oder der Opposition Geld für ein Geburtstagsgeschenk für König Konstantin II. sammelt. Unter normalen Umständen wäre sogar in einem chaotischen Staatswesen wie Griechenland der 75. Geburtstag eines [früheren] Staatsoberhaupts ein Grund zum Innehalten und Reflektieren.

Reflektiert hat der König der Hellenen bereits vor ein paar Wochen im ZDF-Interview. Seine Vita spiegelt nicht nur die Geschichte Griechenlands in den letzten acht Jahrzehnte, sondern auch die Europas wider. Geboren am 2. Juni 1940 als zweites Kindes des griechischen Kronprinzenpaars Paul und Friederike, nahm er in der Thronfolge Platz 2 ein. Die Ehe seines Onkels, König Georg II., war kinderlos geblieben und es war absehbar, daß der junge Konstantin König der Hellenen werden würde. Nicht einmal ein Jahr nach seiner Geburt fielen italienische und deutsche Truppen über Griechenland her und das Kleinkind mußte mit seiner Mutter fliehen – erst auf die Insel Kreta, dann nach Ägypten und schließlich landete er in Südafrika, wo 1942 auch seine jüngste Schwester, Prinzessin Irene, geboren wurde.

Nach der Befreiung 1945 wurden die Kämpfe in Griechenland in einem blutigen Bürgerkrieg fortgesetzt. 1946 brachte ein Referendum dem Land die Monarchie zurück und am 27. September dieses Jahres betrat König Georg II. nach fünfjähriger Abwesenheit wieder sein Heimatland, doch bereits am 1. April 1947 erlag er einem Herzinfarkt. Mit der Thronbesteigung König Pauls I. rückte Konstantin zum Kronprinzen auf. Er besuchte Schulen in Athen und erwarb drei Abschlüssen an griechischen Militärakademien. Zusätzlich war er an der juristischen Fakultät der Athener Universität eingeschrieben und las moderne europäische Geschichte in Cambridge. Bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom gewann Kronprinz Konstantin mit seiner Mannschaft eine Goldmedaille im Segeln und damit die erste Goldmedaille für Griechenland seit 1912.

Schlagzeilen am 22. April 1967 in der Abendpost Nachtausgabe

Schlagzeilen am 22. April 1967 in der Abendpost Nachtausgabe

Am 6. März 1964, dem Todestag König Pauls, wurde sein Sohn zum siebten König der Hellenen ausgerufen. Die politische und wirtschaftliche Lage Griechenlands war bereits damals prekär. Zu allem Unglück putschten am 21. April 1967 auch noch Obristen gegen die demokratische Ordnung des Königreichs. König Konstantin beschrieb später, daß ihn die Militärs in der königlichen Villa Tatoi von der Außenwelt abschnitten und er keinen Kontakt mit der Regierung oder Generälen der griechischen Armee aufnehmen konnte. Anders als sein Schwager Juan Carlos 1981 konnte er sich auch nicht über Fernsehen oder Radio an die Öffentlichkeit wenden. Um Zeit zu gewinnen, nahm er den Putschisten den Amtseid als neue Regierung ab. Diese Taktik wurde ihm später als Kollaboration ausgelegt, ja, die üblichen Verdächtigen warfen ihm sogar vor, den Putsch angezettelt zu haben. Im Dezember 1967 sah er die Zeit gekommen, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen. Doch sein Versuch, die Militärs abzusetzen, scheiterte und er mußte das Land verlassen. Er bezog in der griechischen Botschaft in Rom eine Residenz, denn er blieb weiterhin griechisches Staatsoberhaupt, in Griechenland wurde ein Regent an seine Stelle gesetzt. Als royalistische Marineoffiziere im Mai 1973 gegen das Obristenregime rebellierten, erklärte Ministerpräsident Papadopoulos den König für abgesetzt. In einer getürkten Volksabstimmung am 29. Juli 1973 organisierte die Militärjunta eine scheinbare Zustimmung zur Ausrufung der Republik.

Die neue republikanische Form der Diktatur brach jedoch schon ein Jahr später zusammen. Nun war es an den aus dem Exil zurückgekehrten Politikern, eine Farce eines Referendums zu organisieren, das seinerzeits am 9. Dezember 1974 das gewünschte Ergebnis brachte. König Konstantin hatte mit seiner Familie schon 1973 das Botschaftsgebäude in Rom verlassen und siedelte nach Großbritannien um. Dort gründete er eine griechische Schule, in die nicht nur seine Kinder, sondern auch viele Nachkommen der griechischen Gemeinde auf der Insel gingen. Kronprinz Paul, im Mai 1967 in Tatoi geboren, und Prinz Nikolaos, der 1969 in Rom zur Welt kam, besuchten die Königliche Militärakademie Sandhurst.

Ein kurzer Aufenthalt in Griechenland im August 1993 wurde für König Konstantin zum Triumph - und zog  die Enteignung seines Besitzes nach sich. Die Entscheidung der griechischen Regierung wurde 2002 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für unrechtmäßig erklärt.

Ein kurzer Aufenthalt in Griechenland im August 1993 wurde für König Konstantin zum Triumph – und zog die Enteignung seines Besitzes nach sich. Die Entscheidung der griechischen Regierung wurde 2002 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte für unrechtmäßig erklärt.

In Griechenland wurde König Konstantin offiziell zur persona non grata erklärt. Zwar durfte er 1981 für wenige Stunden ins Land zurück, als seine Mutter, Königin Friederike im Garten von Tatoi bestattet wurde, aber erst im August 1993 erlaubte ihm Ministerpräsident Mitsotakis für ein paar Tage eine Urlaubsreise – unter der Auflage, daß er keine größeren Städte besuchte. Aber gerade in den ländlichen Gebieten und auf den Inseln, die der König und seine beiden ältesten Söhne besuchte, war die Begeisterung groß. Die POASOK-Regierung von Andreas Papandreou ließ die Königsfamilie 1994 enteignen. Der König zog vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und gewann im März 2002 den Prozeß. Doch wie so oft half ihm dies nichts, seine Güter – vor allem die Villa Tatoi, wo Mitglieder der griechischen Königsfamilie bestattet sind – bekam er nicht zurück. Der Gerichtshof hatte nämlich eine finanzielle Entschädigung zugelassen und so wurde ihm die lächerliche Summe von 12 Millionen Euro zuerkannt. Um noch Salz in die Wunden zu reiben, nahm die Regierung Papandreou das Geld als dem Katastrophenfonds Griechenlands, aus dem sonst Opfer von Naturkatastrophen alimentiert werrden. Um den Opfern kein Geld vorzuenthalten, gründete König Konstantin 2003 die Anna-Maria Foundation, die sich der Hilfe von Katastrophengeschädigten widmet.

In den letzten Jahren verbringt König Konstantin mehr und mehr Zeit in seinem Heimatland. Gelegentlich tauchen Gerüchte auf, er habe sich ein Haus dort gekauft oder er lebe auf der Insel Spetses, wo 2010 sein Sohn Prinz Nikolaos heiratete. Aber Gewißheit gibt es nicht. Das ZDF sprach mit ihm in einem Hotel, von dessen Balkon er am 25. März 2015 auch die Feierlichkeiten zum griechischen Unabhängigkeitstag beobachtete.

Majestät, herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag!

König Konstantin ist und bleibt König.

König Konstantin ist und bleibt König.

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