Wofür Corona steht

Hundertprozentig unrepublikanisch

Hundertprozentig unrepublikanisch

Corona-Kommentar vom 8. November 2009 zur Bildung der neuen Bundesregierung

Auch wenn junge Leute aufgrund des demographischen Wandels in Deutschland immer seltener anzutreffen sind, lohnt es sich, einmal speziell aus ihrer Sicht einen Blick auf die Bundesrepublik und jene Koalition zu werfen, die in den nächsten vier Jahren in Deutschland das Sagen haben wird. Das Ergebnis dieser Betrachtung gleich vorweg:
Aufgrund von Klientelismus und Reformunwilligkeit sind weder die Republik noch die neue Regierung in ihr in der Lage, die Generationengerechtigkeit zu sichern.

Gut ist zwar, daß die Regierung sich durch die Zweideutigkeiten und vagen Formulierungen sowohl im Wahlprogramm als auch im Koalitionsvertrag kaum zu etwas verpflichtet hat und daher einen großen Handlungsspielraum besitzt, um zwingend notwendige Reformen einzuleiten. Wird sie den Spielraum aber auch nutzen, wie es König Friedrich Wilhelm I., die preußischen Reformer nach 1807 oder Fürst Bismarck nach 1862 getan haben? Es ist kaum davon auszugehen. Im Gegensatz zu Preußen ist die Bundesrepublik den Beweis ihrer Reformfähigkeit noch schuldig geblieben. Schon beim von den DDR-Bürgern ausgelösten großen Aufbruch 1989 wurde es von den bundesdeutschen Politikern verpaßt, die allgemeine Veränderungsstimmung für Korrekturen am Grundgesetz zu nutzen. Jeder andere angekündigte große Wurf, wie zum Beispiel die Föderalismusreform, ist seitdem kläglich gescheitert. Die Anzeichen, daß sich auch unter der Merkel-Regierung nichts spürbar ändern wird, sind dabei überdeutlich: Die Steuerentlastungen sind außer für eine verschwindend geringe, der FDP zugeneigten Minderheit eine Farce. Auf der anderen Seite wird es trotz Schuldenbremse nicht zu einer strengen Haushaltspolitik kommen. Irgendein findiger Rechtsverdreher wird immer ein Schlupfloch dafür finden, unangenehme aber notwendige Einschnitte zu umgehen.

Da jede Partei außerdem vor allem ihre eigene Klientel vertritt, sind am Allgemeinwohl orientierte Änderungen wohl auch gar nicht gewünscht. Verglichen mit den treuen, über 60jährigen Stammwählern der beiden großen Parteien werden Menschen unter 30 Jahren viel weniger hofiert. Wenn aber in ihrem Sinne nicht wesentliche Schritte zur Lösung der großen Probleme – seien es beispielsweise Staatsverschuldung, Arbeitsmarktpolitik oder Gesundheit – eingeleitet werden, gibt es auch keine Generationengerechtigkeit: Der politische Spielraum der jungen Menschen wird durch die Verschuldung immer kleiner und das Gesundheitssystem und die Altersvorsorge werden viel schlechter sein als heute. Hinzu kommt, daß gerade den jungen Menschen, die für jene die großen Lasten tragen müssen, die die Schulden gemacht haben, in der überwältigenden Mehrheit der Fälle kein unbefristeter Vollzeitarbeitsvertrag mehr gewährt wird. Von einem „Wer Arbeit sucht, wird Arbeit finden“, wie Kaiser Wilhelm II. es noch sagen konnte, sind wir weiter entfernt denn je. Im Angesicht von Klientelismus und Reformunwilligkeit fehlt also auch aus Sicht der jungen Menschen ein „pouvoir neutre“, ein ehrlicher Makler mit Blick für das Gemeinwohl jenseits von einzelnen Wählerschichten. Dieser kann nicht von den Parteien bestimmt werden, da ein solches Amt Unabhängigkeit und damit ein direktes gegenseitiges Treueverhältnis erfordert, wie es über Jahrhunderte zwischen König und Untertanen existierte. Solange diese Instanz fehlt, wird auf Kosten der Jungen weitergemauschelt. L.R.

Aus: „Corona – Nachrichten für Monarchisten“, Ausgabe 52 (III, 16/2009)

7 Gedanken zu “Wofür Corona steht”

  1. Marie sagte:

    ein sehr interessanter Blog ist das. Vor allem lehrreich. gruss marie

  2. Dr Volker Schönle sagte:

    Wir möchten gern den Newsletter von „Corona“ als Mail erhalten. Adresse:
    Wir bitten um Antwort.
    Familie Schönle

  3. Grüß Gott, vielen Dank für Ihre umfangreiche Webseite. Wir hatten schon einmal Telefoniert, leider ist kein treffen zustande gekommen. Ich würde gern den Kontakt wieder beleben und wenn Ihr erlaubt eure Seite auch mit der unseren verlinken und umgekehrt. Desweiteren bitte ich um Erlaubnis von eurer Seite Textpassagen für Beiträge in unserem Vereinsmagazin zitieren zu dürfen. Selbstverständlich mit Ursprungshinweis. So erreichen wir vieleicht für unser gemeinsames Ziel mehr Menschen. Es grüßt Sie herzlichst Tobias Lein

    • Ich (Dr. Johann-Georg Raben) möchte alle Welfenfans und Welfenforscher auf ein von mir verfasstes Buch zur Geschichte der Welfen hinweisen, das im November 2014 erschienen ist. Es hat den Titel „Gestalten der englischen und hannoverschen Geschichte“ und ist erschienen beim Verlag Books on Demand in Norderstedt. Rund 100 Seiten aus verschiedenen Teilen des Buches können probeweise und kostenlos im Internet gelesen werden unter Googlebooks beziehungsweise unter Amazon.blickinsbuch. (Meinen Namen oder den Titel eingeben.) Dankbar wäre ich für eine Besprechung und Vorstellung des Buches in „corona“. Ich wäre auch dankbar für eine Rückmeldung auf diese Mitteilung. Mit freundlichen Grüßen: Dr. Johann-Georg Raben, Bahnhofstr. 47, 49828 Neuenhaus, Tel. 05941-8746, E-Mail: johanngeorgraben(at)yahoo.de

  4. Peter Harste sagte:

    Ich bin ein gewöhnlicher deutscher Bürger mit tschechischen Wurzeln und habe gelinde gesagt von unserer „Demokratie“ die Faxen dicke. War es überhaupt jemals eine echte Demokratie? Es ist längst überfällig, dass dieses System verschwindet, überhaupt jedes ideologisch durchtränkte System, das naturrichtige Prinzipien verleugnet!
    Wer sich mit Geschichte beschäftigt, und damit meine ich nicht die durch unser Schulsystem indoktrinierte, kommt gar nicht umhin, mit völlig anderen Blickwinkeln konfrontiert zu werden – und wird sein Weltbild nach und nach umstellen (oder besser: korrigieren – einer „Wahrheit“ näher kommen zumindest).
    Rückblickend muss die Zeit zwischen 1871 und 1914 wahrlich eine goldene gewesen sein und ist definitiv wieder erstrebenswert! Ein dem Volk, den Bürgern dienender Kaiser wäre in unserer identitätslosen und wertefreien jeder-gegen-jeden-Gesellschaft das Symbol für eine prosperierende Zukunft.
    Nicht falsch verstehen: ein Kaiser als „Erlöser“ ist nicht die Lösung. Ein jeder ist gefragt, ein jeder mit seiner Verantwortung. Ein Kaiser aber steht für die „alten“ Werte, für Identität und Zugehörigkeit.

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