König Carl XVI. Gustaf von Schweden feiert seinen 70. Geburtstag

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König Carl Gustaf ChReVm-WIAA8JwN.jpg largeZu seinem 70. Geburtstag hat König Carl XVI. Gustaf von Schweden die ungeteilte Sympathie seiner Untertanen erfahren. Auch die internationale Aufmerksamkeit, die dem seit 15. September 1973 regierenden Monarchen zuteil wurde, wird dem Schwedenkönig gefallen.

Gerade die deutsche Presse gefällt sich darin, die schwedische Königsfamilie auf die „deutsche“ Silvia Sommerlath und die drei Kinder des Königspaars zu reduzieren. Das spiegelte sich in einer Geburtstagssendung des ZDFs, die mit dem reichlich dümmlichen Titel „König – Krone – Kindersegen“ ein Bild entwarf, das der ZDF-Pressetext so anpries: „Seit über vier Jahrzehnten ist Carl XVI. Gustaf König von Schweden: nicht immer geliebt aber respektiert. Skandalerprobt aber trotzdem glücklich. Was ist sein Geheimnis Affairen Kontakte ins Rotlichtmilieu und Lobesreden auf absolutistische Herrscher: Die Liste seiner angeblichen Fehltritte ist lang. …

Man nehme ein paar Gerüchte, durchmische sie mit Halbwahrheiten und eigener Phantasie sowie einer Rücknahme all dessen mit dem Attribut „angeblich“ und heraus kommt ein ZDF-Film für die beste Abendsendezeit. Doch was es wirklich mit dem sogenannten Skandal auf sich hat, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als aufgebauschte Sensationsmache: Das Buch Carl XVI Gustaf – Den motvillige monarken (Carl XVI Gustaf – Der unwillige Monarch) erschien im November 2010 und sagte dem König all die Laster nach, die vermeintliche Geschichtsexperten beim sächsischen König August dem Starken oder dem englischen Heinrich VIII. zu verorten meinen. Die schwedische Öffentlichkeit nahm die „Enthüllungen“ weit gelassener auf als manche Medien, die schon glaubten, eine Krise der Monarchie ziehe herauf. Doch von Widerwilligkeit kann bei diesem Monarchen nicht die Rede sein. Mehr als fünf Jahr später sitzt er noch immer auf dem Thron und will partout nicht altersbedingt abdanken. Er habe noch viel Lust am Regieren und fühle sich mit 70 keinesfalls zu alt, um seine Aufgaben zu erfüllen, ließ er in verschiedenen Interviews anläßlich seines Geburtstags die Journalisten wissen.

1946 wurde der ersehnte Erbe Carl Gustaf geboren, v.l. Prinzessin Sibylla mit dem neugeborenen Prinzen Carl Gustaf with the young prince, Heir Apparent Gustaf Adolf, Princess Margaretha (standing), Princess Birgitta, Princess Christina and Princess Désirée.

1946 wurde der ersehnte Erbe Carl Gustaf geboren, v.l. Prinzessin Sibylla mit dem neugeborenen Prinzen, Erbprinz Gustaf Adolf, Prinzessin Margaretha (stehend), Prinzessin Birgitta, Prinzessin Christina und Prinzessin Désirée.

Zwar ist seine älteste Tochter und Thronerbin Victoria heute älter als er es war, als er den Thron bestieg, aber er will der jungen Familie Zeit geben, die ersten Jahre der beiden Kinder gemeinsam zu verbringen.

König Gustaf VI. Adolf mit seinem Enkel und Kronprinzen Carl Gustaf.

König Gustaf VI. Adolf mit seinem Enkel und Kronprinzen Carl Gustaf.

Carl Gustaf mußte seinem Großvater 1973 nachfolgen, weil sein eigener Vater 1947 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. In den frühen siebziger Jahren war die schwedische Königsfamilie stark geschrumpft. Nach dem salischen Gesetz waren nur die männlichen Angehörigen der Bernadotte-Dynastie thronberechtigt, also kamen die vier Schwestern Carl Gustafs nicht als Kronerben in Frage, alle seine Onkel hatten morganatische Ehen geschlossen und lebten vielfach im Ausland. Seine Mutter, Prinzessin Sybilla aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha, war 1972 an Krebs gestorben und es blieb als einziges Mitglied des Königshauses mit vollen Thronfolgerechten sein Onkel Prinz Bertil. Erst die Änderung der Nachfolgeregelung 1980, die die absolute Primogenitur einführte, erlaubte es Prinzessin Victoria (*14. Juli 1977), in der Thronfolge den ersten Rang einzunehmen und ihren Bruder Prinz Carl Philip (*13. Mai 1979), der bei seiner Geburt Kronprinz war, von Position eins zu verdrängen. Seither haben nicht nur die drei Kinder von Carl Gustaf und Silvia gleiche Rechte, sondern auch deren fünf Kinder, Prinzessin Estelle (*2012), Prinz Oscar (*2016); Prinz Alexander (*2016); Prinzessin Leonore (*2014) und Prinz Nicolas (*2015). Die schwedische Königsfamilie ist von 1973 bis heute stark angewachsen. Eine komplette Thronfolgeliste steht auf der Webseite des Königshauses.

Erste Parlamentseröffnung des neuen Königs 1974. Hinter ihm steht Prinz Bertil, damals Kronprinz, und am linken Bildrand ist Premierminister Olof Palme zu sehen, der stets ein Gegner der Monarchie war und dennoch seinen Amtseid auf den König leistetet.

Erste Parlamentseröffnung des neuen Königs 1974. Hinter ihm steht Prinz Bertil, damals Kronprinz, und am linken Bildrand ist Premierminister Olof Palme zu sehen, der stets ein Gegner der Monarchie war und dennoch seinen Amtseid auf den König leistetet.

Bei der Verfassungsänderung von 1972 verlor der schwedische König alle politischen Rechte. Die damals regierenden Sozialdemokraten setzten sie jedoch nicht zu Lebzeiten des greisen Königs Gustaf VI. Adolf in Kraft, sondern erst mit dem Thronwechsel 1973. Es sollte dem neuen König einen Dämpfer verpassen. Aber König Carl Gustaf ging mit der Situation gelassen um. Wie alle europäischen Monarchen ist er bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit und bei seinen Reden unter besonderer Beobachtung. Das Wort eines Monarchen hat um so mehr Gewicht, je weniger politisch er oder sie zu sagen hat. Dabei hat Carl Gustaf, obgleich kein begnadeter Redner, immer wieder die Stimmung im schwedischen Volk gut getroffen. Nicht nur seine Weihnachtsansprachen werden von allen verfolgt. Bis heute wird seine Ansprache an die Hinterbliebenen der Tsunamiopfer 2004 gerühmt. Zuvor hatte er schon kritisiert, daß die schwedische Regierung komplett in die Weihnachtsferien gereist war und niemand nach dem 2. Weihnachtsfeiertag bereit war, sich um die mehr als 500 toten schwedischen Touristen zu kümmern, die in den verwüsteten Küstengebieten auf den Rücktransport warteten. Von Seiten der Regierung wurde nur gemosert, damit habe der König seine Kompetenzen überschritten, aber von den Schweden wurde der König mit Lob überschüttet, weil er genau das ausdrückte, was viele ebenso empfanden. Erinnert sich jemand daran, wie damals der deutsche Bundespräsident hieß und was er sagte?

König Carl Gustaf bei einem Treffen mit dem schwedischen Kabinett. Seit ihrer Volljährigkeit nimmt auch Kronprinzessin Victoria an Kabinettssitzungen teil.

König Carl Gustaf bei einem Treffen mit dem schwedischen Kabinett. Seit ihrer Volljährigkeit nimmt auch Kronprinzessin Victoria an Kabinettssitzungen teil.

Nach der schwedischen Verfassung ist er das Staatsoberhaupt. Er kann an Kabinettssitzungen teilnehmen und der Premierminister erstattet ihm bericht. Er sitzt dem Beirat für auswärtige Beziehungen vor und eröffnet die neue Legislaturperiode des Reichstags. Er nimmt die Akreditierungsschreiben der ausländischen Botschafter entgegen und absolviert – mit der Königin – Staatsbesuche bzw. empfängt ausländische Staatsbesucher. Damit ist das Königspaar das schwedische Gesicht im Ausland. Auch in Schweden sind die Mitglieder der Königsfamilie immer auf Reisen. Ihre Besuche in den 21 Län, wie die schwedischen Provinzen heißen, verbinden die Nation. Dies ist um so wichtiger, als Schweden pro Kopf der Bevölkerung in Europa die meisten Migranten aufnimmt. Wie sehr die Neuankömmlingen sich in Schweden integrieren, wird auch davon abhängen, wie sie das Königtum und die königliche Familie akzeptieren.

Länge leve den svenska kungen som fyller 70-år!

Zum Königsgeburtstag wurden auch neue Briefmarken herausgegeben, die die drei Generationen zusammen zeigt.

Zum Königsgeburtstag wurden auch neue Briefmarken herausgegeben, die die drei Generationen zusammen zeigen.

Das Photo zum Geburtstag. Unter den Gästen, die König Carl Gustaf zum Geburtstag gratuloierten, befanden sich auch zahlreiche Angehörige des deutschen Hochadels, besonders aus dem Haus Wittelsbach und Sachsen-Coburg und Gotha.

Das Photo zum Geburtstag. Unter den Gästen, die König Carl Gustaf zum Geburtstag gratuloierten, befanden sich auch zahlreiche Angehörige des deutschen Hochadels, besonders aus dem Haus Wittelsbach und Sachsen-Coburg und Gotha.

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Gewiß, die nächste Bundeswahl ist für Monarchisten kein Thema, aber in Corona wurde schon das Merkel-Wort von Alternativlosigkeit kommentiert. Trotz ihrer fallenden persönlichen Umfragewerte scheint sie zur personifizierten Alternativlosigkeit zu werden.

Hier ist der passende Spruch dazu:

Gefunden am 25. April 2016 auf Twitter.

Gefunden am 25. April 2016 auf Twitter.

Und wer glaubt, eine andere Lösung zu kennen, sei gewarnt: Wer AfD wählt, sorgt ebenfalls dafür, daß alle Merkel bekommen. 

Die meistabgebildete Frau der Welt feiert ihren 90. Geburtstag

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Die Königin gemalt 1954 von Sir William Dargie.

Die Königin gemalt 1954 von Sir William Dargie.

Als Königin Elizabeth und Prinz Philip im Juni 2015 Deutschland besuchten, zeigte sich die britische Presse erstaunt, mit welchem Enthusiasmus die als zurückhaltend verschrieenen Deutschen die Gäste willkommen hießen. Vier offizielle Staatsbesuche absolvierte die Monarchin in Deutschland und besonders der erste im Mai 1965 war ein solcher Erfolg, daß noch heute alle davon schwärmen, die dabei waren. Davon zeugten nicht nur die Fernsehdokumentationen, die 2015 im Vorlauf zur neusten Visite gezeigt wurden. Unzählige Photos wurden dazu aus den Alben gekramt und stolz den Nachgeborenen gezeigt.

Queen's Birthday Briefmarke 2007

Queen’s Birthday Briefmarke 2007

Wem der Jubel galt, ist eine offene Frage. War es 1965 die bildschöne junge Königin und der Umstand, daß sie 20 Jahre nach dem Krieg die Aussöhnung mit dem Kriegsgegner des 2. Weltkriegs symbolisierte, so empfanden fünfzig Jahre später vor allem die jugendlichen Schaulustigen Bewunderung für die Frau, die unbeirrt ihrer Pflicht nachkommt. In einer Zeit, da viele einfach hinschmeißen und Bindungsangst die Norm ist, hat sich Elizabeth II. nie von ihrem Eid, den sie am 2. Juni 1953 bei ihrer Krönung schwor, getrennt. Sie hat, wie es in dieser Woche in einer BBC-Dokumentation hieß, bei der Krönung wie ein Priester ein Gelübde abgelegt, das sie gewillt ist, bis zum Tod auszufüllen. Eine Loyalität zur Krone, eine Loyalität gegenüber ihrer Aufgabe und eine Loyalität ihren Völkern gegenüber, denn nicht nur das Vereinigte Königreich hat sie als Monarchin, sondern auch 16 Staaten des Commonwealth erkennen sie als Staatsoberhaupt an. Die Geburtstagsbriefmarken aus Australien demonstrieren das.

Queen's Birthday Briefmarke

Die Queen’s Birthday Briefmarke von 2008 zeigt ihre Ordensdekoration, denn sie vergibt als Königin von Australien auch die Auszeichnungen des Order of Australia.

Ihr heutiger 90. Geburtstag wird dementsprechend weltweit gefeiert. In einem Alter, da andere bereits seit etlichen Jahren ihren Ruhestand genießen, absolviert die Königin noch immer jedes Jahr über 400 öffentliche Aufgaben – von der Einweihung einer Bahnlinie bis zu Ordensverleihungen. Der Zauber der Monarchie rührt auch von ihrem Motto her: „Never explain – Never complain“. Nichts erklären, nicht klagen. Die Königin gibt keine Interviews und wenn ihr etwas nicht gefällt, dann äußert sie Kritik hinter verschlossenen Türen. Sie stellt niemanden bloß und macht niemanden in aller Öffentlichkeit herunter. Einen Auftritt wie ihn Wolfgang Schäuble vor einigen Jahren mit seinem Pressesprecher inszenierte, wäre bei Königin Elizabeth undenkbar.

Queen's Birthday Briefmarke

Queen’s Birthday Briefmarke 2009

Für eine  90-jährige ist die Königin in einer bemerkenswerten gesundheitlichen Verfassung. Ihre Mutter starb im 102. Lebensjahr und wenn die Tochter dasselbe Alter erreicht, wird ihr ältester Sohn und Thronerbe, Prinz Charles, bei seiner Krönung fast 80 Jahre alt sein. Niemand weiß, wie seine Pläne aussehen, aber nichts spricht dagegen, daß er in diesem Alter seine Regentschaft antreten wird. Seine Ideen haben ihn jung gehalten und mit seinem Prince’s Trust hilft er vielen Jugendlichen. Sie bringen ihn mit ihren Wirtschaftsentwürfen mit den – wie es heute heißt – Start-up Unternehmen zusammen. Die Forderung, eine Generation zu überspringen, sollte vielleicht erst einmal an Politikern ausprobiert werden. Bei der königlichen Erbfolge sollte die Reihenfolge eingehalten werden.

Happy Birthday, Your Majesty!

Die diesjährigen Queen's Birthday Briefmarken waren im Nu ausverkauft.

Die diesjährigen Queen’s Birthday Briefmarken waren im Nu ausverkauft.

Direkter Vergleich von Republik und Monarchie: Belgier mit König zufrieden – Franzosen mit Präsident unzufrieden

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Seit Mai 2012 amtiert als französischer Staatspräsident François Hollande. Nie zuvor hatte er einen Ministerposten bekleidet oder war irgendwie mit der Verwaltung eines Ministeriums beschäftigt. Als Erster Sekretär der Sozialistischen Partei (1997 – 2008) hatte er wohl noch am ehesten politisch-administrative Führungsaufgaben. Mit seiner Amtsführung sind 2016 – nach knapp vier Jahren als Staatsoberhaupt –  noch 10% der Franzosen zufrieden.

Der unpopulärste Präsident der 5. Republik: François Hollande als Aufmacherthema in der Zeitung L'Opinion vom 18. April 2016

Der unpopulärste Präsident der 5. Republik: François Hollande als Aufmacherthema in der Zeitung L’Opinion vom 18. April 2016

Die Unzufriedenheit mit dem Präsidenten überträgt sich auch auf seinen Premierminister, Manuel Valls:

Im März 2016 waren noch 14% mit François Hollande zufrieden.

Im April 2016 waren noch 14% mit François Hollande zufrieden, 85% unzufrieden, ebenfalls unzufrieden zeigten sich 74% der Befragten mit der Arbeit von Regierungschef Valls.

Ganz anders im Nachbarland Belgien, wo am 21. Juli 2013 ein neuer Monarch inthronisiert wurde. Die belgischen Medien haben nun eine 1000-Tage-Bilanz vorgelegt und festgestellt, wie zufrieden die Belgier mit König Philippe I. der Belgier sind. Im Gegensatz zur französischen Republik sind die Belgier mit ihrem Staatsoberhaupt sehr zufrieden: 69% erklärten dies bei einer Befragung, nur 31% setzten kein Vertrauen in ihn:

69% der Belgier sind mit ihrem Monarchen zufrieden.

69% der Belgier sind mit ihrem Monarchen zufrieden.

Noch höher fiel die Zustimmung zum Königspaar aus. 77% der Belgier erklärten, König Philippe und Königin Mathilde hätten gut auf den Terroranschlag in Brüssel am 22. März reagiert:

77% zeigten sich zufrieden mit dem Verhalten des Königspaars nach den Terroranschlägen in Belgien.

77% zeigten sich zufrieden mit dem Verhalten des Königspaars nach den Terroranschlägen in Belgien.

Es bewahrheitet sich, was Corona bereits im November 2015 in bezug auf das krisengeschüttelte Frankreich schrieb: Die Republik ist die Antwort schuldig geblieben.

Die wirtschaftlichen Eckdaten von François Hollandes vierjähriger Herrschaft sind überwiegend negativ.

Die wirtschaftlichen Eckdaten von François Hollandes vierjähriger Herrschaft sind überwiegend negativ.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 164

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Paris: Gedenken an Royalisten in der Résistance

Hierzulande wird an den Widerstand des 20. Juli 1944 zwar erinnert. Was für Ziele die Verschwörer verfolgten, ist der Obrigkeit heute jedoch eher unangenehm, denn ein Gebilde wie die Bundesrepublik wollten sie ebensowenig wie die meisten anderen Widerstandsströmungen. So erwähnt Kronprinz Louis Ferdinand in seinen Memoiren ausführlich die Bestrebungen eines Teils der Verschwörer, ein monarchisches Regime einzuführen, wovon die Hohenzollern wußten. Daß sie nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler nicht damit in Verbindung gebracht wurden, war nur dem Umstand zu verdanken, daß die Verbindungsmänner dies auch unter Folter nicht verrieten, wovon man aber im offiziellen Gedenken an die Verschwörer nichts hören oder lesen wird.

Dem royalistischen Widerstands-kämpfer Jacques Renouvin wid-mete die französische Republik auch eine Briefmarke (hier in der Einladung zum 26. März).

Dem royalistischen Widerstands-kämpfer Jacques Renouvin widmete die französische Republik auch eine Briefmarke (hier in der Einladung zum 26. März).

In Frankreich, welches normalerweise auch nicht gerade für seinen freundlichen Umgang mit seiner rechten Opposition bekannt ist, ist dies immerhin anders. Jüngst, am 26. März, wurde zwei royalistischen Widerstandskämpfern der Résistance gegen die deutsche Besatzung ein Platz gewidmet.  Der Place Mireille-et-Jacques-Renouvin im Pariser Stadtviertel Saint-Germain-des-Prés gedenkt zweier Résistancemitglieder aus dem Umfeld der royalistischen Action Française. Eingeweiht wurde der neue Name von der sozialistischen Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, und es nahmen ihre linken Koalitionäre von den Kommunisten und kleineren linken Parteien neben Royalisten von der Nouvelle Action Royaliste und der Action Française teil. Dabei wurde von der Bürgermeisterin ausdrücklich die „patriotische und monarchistische” Überzeugung der bei-den Geehrten sowie eines Teils der Résistance-Kämpfer insgesamt gewürdigt.

Des Royalistes dans la Résistance von François-Marin Fleutot, erschienen 2000 bei Flammarion, doku-mentiert auf 511 Seiten die vielschichtige Welt der französischen Royalisten.

Des Royalistes dans la Résistance von François-Marin Fleutot, erschienen 2000 bei Flammarion, dokumentiert auf 511 Seiten die vielschichtige Welt der französischen Royalisten.

Die generelle Haltung der Royalisten während der deutschen Besatzung war nicht eindeutig. Ein großer Teil verhielt sich neutral, weil die Angst vor dem Kommunismus und auch die Abneigung gegen die Republik mindestens so groß war, wie die Abneigung gegen die deutschen Besatzer. Diese Haltung vertrat auch der langjährige Chef der französischen Royalisten, Charles Maurras, der sich nicht gegen die Unterstützung von Marschall Pétain für das Deutsche Reich aussprach. Ein anderer Teil wandte sich jedoch gegen diese Linie. Jacques Renouvin (1905-1944) bezahlte sein Engagement dabei mit dem Leben: Er wurde nach Mauthausen deportiert, wo er den Tod fand. Seine Frau Mireille Renouvin wurde in Frankreich inhaftiert und bekam 1943 in der Haft einen Sohn, Bertrand, welcher heute Chef der Nouvelle Action Royaliste und damit der prominenteste Vertreter eines Royalismus von links ist. L.R.

 

Zahl der deutschen Monarchiebefürworter konstant

Wenngleich Republikaner in Deutschland glauben (machen), Monarchisten seien in diesem Land ausgestorben, so hält sich die Zahl der Befürworter konstant im zweistelligen Bereich. Waren es 2010 noch 13 Prozent, die ein monarchisches Staatsoberhaupt gerne sähen, stieg die Zahl 2013 vor dem Monarchenwechsel in den Niederlanden auf 19 Prozent. Wieder drei Jahre später ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov (veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung vom 13. April) unter 1.041 Teilnehmern, daß 16 Prozent der Befragten eine deutsche Monarchie befürworten – 12 Prozent konnten sich zu keiner Entscheidung durchringen.

Zufällig erschien in der letzten Woche eine zweite Umfrage. Das VIP-Magazin Neue Post hat 1.003 Leute gefragt, welche europäische Königsfamilie sie sich für Deutschland wünschen. 26 Prozent optierten für die schwedische Königsfamilie, 21 Prozent für das niederländische Königshaus. Auf die naheliegende Frage nach den deutschen Thronanwärtern kam die Neue Post nicht.

Vergleiche hinken immer und vor vorschnellen Schlüssen sei gewarnt, aber übertrüge man die Sympathiewerte für die monarchische Staatsform auf die parteipolitische Ebene, so läge die Zahl der Monarchiebefürworter bei Bundestagswahlen vor den Wählern von Linken, Grünen oder AfD. Die Anhängerschaft der FDP wäre sogar dreifach überboten. Allerdings konzentrieren sich die deutschen Monarchisten nicht auf eine Partei, sondern sie sind in allen politischen Richtungen und Strömungen zu finden, manchmal mehr, manchmal weniger.

Es geht auch nicht darum, die Phantasie einer monarchistischen Partei heraufzubeschwören. Eine solche wird es nicht geben, denn erfolgversprechend ist eine weitere Kleinstpartei in keinem Fall. Leider ist das Dilemma der deutschen Monarchisten ihr extremer Individualismus. An ihm scheitert nicht nur jeder Versuch einer parteipolitischen Umsetzung der positiven Umfrageergebnisse, sondern schon die Organisation kleiner gemeinsamer Aktionen ist von keinem Erfolg gekrönt. Davon zeugt in diesem Jahr die gescheiterte Fahrt nach Haus Doorn am 4. Juni.

Anhänger des monarchischen Gedankens dürfen sich über positive Umfragewerte freuen, praktischen Nutzen werden sie leider nicht daraus ziehen können. H.S.

Der April ist ein Monat mit vielen königlichen Geburtstagen: Am 15. April feierte König Philippe I. der Belgier seinen 56. Geburtstag, ein Tag später beging seine Tochter Prinzessin Eléonore ihren 8. Geburtstag. Drei weitere königliche Geburtstagskinder feierten am 16. April: Königin Margrethe II. von Dänemark ihren 76., Großherzog Henri I. von Luxemburg seinen 63. und sein Sohn Prinz Sébastien seinen 26. Am 21. April wird Königin Elizabeth II. 90 Jahre alt und ein ganzes Commonwealth wird sie feiern. Der jüngste Sohn von König Konstantin II. der Hellenen, Prinz Philippos wird am 26. April 30 Jahre alt und einen Tag später vollendet König Willem-Alexander der Niederlande sein 49. Lebensjahr. Am Monatsende wird ganz Schweden den 70. Geburtstag seines Königs Carl XVI. Gustaf feiern. Ad MUltos Annos!

Der April ist ein Monat mit vielen königlichen Geburtstagen: Am 15. April feierte König Philippe I. der Belgier seinen 56. Geburtstag, einen Tag später beging seine Tochter Prinzessin Eléonore von Belgien ihren 8. Geburtstag. Drei weitere königliche Geburtstagskinder feierten am 16. April: Königin Margrethe II. von Dänemark ihren 76., Großherzog Henri I. von Luxemburg seinen 61. und sein Sohn Prinz Sébastien von Luxemburg seinen 24. Am 21. April wird Königin Elizabeth II. 90 Jahre alt und ein ganzes Commonwealth wird sie feiern. Der jüngste Sohn von König Konstantin II. der Hellenen, Prinz Philippos von Griechenland und Dänemark wird am 26. April 30 Jahre alt und einen Tag später vollendet König Willem-Alexander der Niederlande sein 49. Lebensjahr. Am Monatsende wird ganz Schweden den 70. Geburtstag seines Königs Carl XVI. Gustaf feiern. Ad multos annos!

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Die vollständige 164. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 164

Inhalt der 164. Ausgabe:

  • Frankreich: Gedenken an Royalisten in der Résistance
  • Zahl der deutschen Monarchiebefürworter konstant
  • Tobias Friske: Staatsform Monarchie
  • Prinz Jean von Frankreich setzt sich für Christen in Syrien ein

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 163

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Monarchietheorie: Max Weber und die traditionelle Herrschaft

Max Weber (1864 - 1920)

Max Weber (1864 – 1920)

Der weltweit anerkannte Erfurter Soziologe Max Weber (1864-1920) bedauerte das von ihm in seinen letzten Jahren erlebte Ende der Monarchie, auch wenn er kein besonderer Freund des Monarchen Wilhelm II. war.

Nach Weber gibt es drei reine Formen der Rechtfertigung von Herrschaft: die rationale, die traditionelle und die charismatische. Wenig überraschend fallen die Monarchien dabei unter die traditionelle Rechtfertigung von Gewaltausübung, während die charismatische Herrschaft theoretisch auch von einem Diktator ausgeübt werden könnte, und die rationale Herrschaft schließlich beim Parlament liegt. Wie schon Montesquieu, spricht sich aber auch Weber für eine Mischung aus verschiedenen Elementen aus, da die rein rationale Herrschaft zu schwach sei, um für sich allein genügend Legitimität für eine stabile Herrschaft zu begründen. Nur die Monarchie könne eine fruchtbare Verbindung mit den anderen beiden Formen der Legitmität herstellen. Unter anderem sei dies auch notwendig, damit das nicht von anderen getan wird – so war Max Weber ein ausgesprochener Gegner der von Hindenburg und Ludendorff geführten Obersten Heeresleitung und lastete es Kaiser Wilhelm II. an, sich dagegen nicht verwahrt zu haben.

Gegen Ende des 1. Weltkriegs sprach sich Weber für eine parlamentarische Monarchie aus, die ja auch im Oktober und November 1918 für kurze Zeit Bestand hatte. Unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg war er allerdings der Meinung, die preußische Monarchie sei diskreditiert und er konnte sich für Deutschland eher eine Republik vorstellen, wobei auf einer theoretischen Ebene „die streng parlamentarische Monarchie die technisch anpassungsfähigste und damit stärkste Staatsform” blieb, wie Weber in seinem Werk „Deutschlands künftige Staatsform” aus dem Dezember 1918 schrieb. Dies schrieb er aber nicht zuletzt auch deswegen, weil er die kleindeutsche Lösung ablehnte und den Weg der Österreicher ins Reich nicht durch dynastische Vorbehalte gefährdet sehen wollte. Wie Max Weber die weiteren Entwicklungen in der Weimarer Republik gesehen und ob er sich am Ende durch die Unfähigkeit der republikanischen Staatslenker nicht auch wieder mit den Hohenzollern versöhnt hätte, wird man durch seinen Tod im Jahre 1920 leider nicht erfahren. Für Royalisten bedeuten die Schlußfolgerungen, zu denen Max Weber bezüglich seiner Herrschaftslehre gelangt ist, auch, daß die Möglichkeit einer Wiederkehr der Monarchie so gut wie ausgeschlossen ist. Ist mit der Tradition erst einmal gebrochen, gibt es auch keine Legitimität mehr. Ein neuer König müßte sich also zuallererst auf sein Charisma stützen, damit dessen Nachfolger dann wiederum eine traditionelle Herrschaft begründen können. L.R.

Pressefreiheit im Kaiserreich und heute

In der Corona wurde schon oft darüber geschrieben, daß die Presse im Kaiserreich frei und vermutlich freier gewesen ist, als heutzutage. Hierfür sind wir teilweise auch kritisiert worden und es kam der Eindruck auf, wir würden uns den Lügenpresse-Vorwürfen anschließen, einem Terminus, welcher fälschlicherweise Akteuren im 3. Reich zugeschrieben wird, jedoch aus dem 1. Weltkrieg kommt und die Erfindungen der englischen und sonstigen Entente-Presse über vermeintliche deutsche Greueltaten bezeichnete.

Wer dies will, kann sich selbst ein Bild von der Pressefreiheit im Kai-serreich machen: Das Reichspreßgesetz ist bei Amazon erhältlich

Wer dies will, kann sich selbst ein Bild von der Pressefreiheit im Kaiserreich machen: Das Reichspreßgesetz ist bei Amazon erhältlich

Wie war es also wirklich? Die Pressefreiheit wurde 1874 im Reichspreßgesetz festgelegt. Es führte unter anderem die Impressumspflicht ein, was die Verantwortlichkeit der Herausgeber sicherstellen sollte, hob die Konzessionspflicht für den Betrieb eines Verlages auf und führte die Pflicht zur Gegendarstellung im Fall von Falschmeldungen oder verleumderischen Behauptungen ein. In einigen Bundesstaaten Deutschlands galt das Gesetz bis 1966 und in den neuen Bundesländern wurde es in Ermangelung anderer Gesetzestexte 1990 wieder eingeführt und erst 2007 abgelöst, was vor allem am Aufkommen der neuen Medien lag.

Ein weiterer bemerkenswerter Umstand war die Kleinteiligkeit der damaligen Presse. Medienkonzerne gab es nicht und überregionale Zeitungen waren eine große Ausnahme, auch wenn der Telegraph und die Verbreitung von Meldungen über Nachrichtenagenturen schon üblich waren.

In der Praxis wurden die im Reichspreßgesetz vorgesehenen Bestimmungen jedoch von Bismarck zwischen 1878 und 1890 im Rahmen der Sozialistengesetzgebung für einen Teil der Publikationen aufgehoben. Im 1. Weltkrieg wurde die Presse dann einer strengen Zensur unterworfen, um die Bevölkerung im Unklaren über die militärische Situation zu lassen.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Pressezensur dann im Zuge der Republikschutzgesetze, die gezielt gegen Monarchisten gerichtet waren, und während des Nationalsozialismus fortgesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Gründung von Zeitungen und Verlagen von den alliierten Militärregierungen gefördert und in der Bundesrepublik wurde die Pressefreiheit auf Grundlage des Pressegesetzes aus dem Kaiserreich wiederbelebt. Dies funktionierte dann alles auch eine ganze Weile recht gut und sogar so gut, daß die Bürger im feindlichen System der DDR zahlreiche Anstrengungen unternahmen, um Zugang zu westdeutschen Medien zu bekommen.

Nach der Jahrtausendwende und dem Einzug des Internets in alle Haushalte hat sich diese Situation jedoch verändert. Die freie Zugänglichkeit von Nachrichten stellte Zeitungen und Verlage vor ernsthafte ökonomische Probleme und führte in der Konsequenz zu Schließungen und Fusionen. Warum sollte man etwas finanzieren, was man kostenlos und oft auch in einer halbwegs akzeptablen Qualität im Internet finden kann? Die Journalisten werden nunmehr oftmals als sogenannte „Freelancer” beschäftigt, und für wirklich gehaltvolle Recherche fehlen oftmals Zeit und Mittel. Möchte man also schnell und damit rentabel an Insiderinformationen herankommen, muß man denen gewogen sein, die einem diese Informationen zukommen lassen, oder sucht sich andere Einnahmequellen, wie jüngst der Fall eines Journalisten zeigte, der der AfD für eine monatliche Zuwendung eine positive Berichterstattung versprach. Die Dunkelziffer von Journalisten mit solchen Sondervereinbarungen dürfte dabei entsprechend sein. Unter diesen Voraussetzungen läuft auch der Betrieb eines gigantischen, öffentlich-rechtlichen Rundfunkbetriebes, wie er weltweit einzigartig sein dürfte, ins Leere. Die Journalisten und Moderatoren werden angesichts der Situation auf dem freien Markt nicht in die Hand beißen, die sie füttert. Schließlich führt die Marktsituation dazu, daß die Journalisten skandalisieren müssen, denn andere Nachrichten lassen sich nicht verkaufen. Bei alles in allem recht harmlosen Erscheinungen wird schnell der Teufel an die Wand gemalt, was zu Reizüberflutung und Hysterisierung in der Bevölkerung führt. So kommt dann der Eindruck auf, die Medien würden alle dasselbe berichten und es kommt auch eine Art Weltuntergangsstimmung auf.

Ist es also haltbar zu sagen, daß das Kaiserreich mehr Pressefreiheit hatte, als die Bundesrepublik? Zumindest teilweise schon. Dies ist zwar nicht immer der Absicht der verantwortlichen Politiker geschuldet, denn diese hoben ja mehrfach die rechtlichen Errungenschaften des Pressegesetzes auf. Wie auf anderen Gebieten hatte das Kaiserreich aber wenigstens dieses für die damaligen Zeiten sehr moderne Gesetz, welches seitdem kaum verändert wurde, und gleichzeitig war die Technologie noch nicht so weit, daß es zu einer Monopolisierung der Medienlandschaft kommen konnte. Man kann der Politik heute also sicher nicht vorwerfen, daß sie mit den Medien zusammen in irgendwelchen Hinterzimmern konspiriert, um den Bürgern die objektive Wahrheit vorzuenthalten, wohl aber, daß sie nicht in der Lage ist, wie in Deutsch-lands Gründerzeit in der Monarchie kreative und fortschrittliche Antworten auf die Anforderungen der Zeit zu finden. L.R.

Unter den zehn freiheitlichsten Staaten sind sieben Monarchien.

Unter den zehn freiheitlichsten Staaten fanden sich 2015 sieben Monarchien. Auch zwei Jahre zuvor waren in der Statistik der Reporter ohne Grenzen sieben der zehn pressefreundlichsten Staaten Monarchien.

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Die vollständige 163. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 163

Inhalt der 163. Ausgabe:

  • Monarchietheorie: Max Weber und die traditionelle Herrschaft
  • Pressefreiheit im Kaiserreich und heute
  • Prominente Monarchiebefürworter
  • Jungroyalisten in Nepal wollen mit Waffengewalt die Monarchie zurückbringen

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Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 162

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Monarchietheorie: Friedrich Naumann – Der Kaiser im Volksstaat

Friedrich Naumann (1860 - 1919)

Friedrich Naumann (1860 – 1919)

Zumindest im mitteleuropäischen Raum war und ist der Monarchismus überwiegend im konservativen Spektrum verortet, dezidiert liberale (ganz zu schweigen von linken) Stimmen bilden die Ausnahme. Einer der bedeutendsten Beiträge zur Entwicklung des monarchischen Gedankens aus freisinniger Perspektive stammt von dem bekannten Theologen und sozialliberalen Politiker Friedrich Naumann (1860-1919). Man wird Naumann kaum als Monarchisten im engeren Sinn bezeichnen können, dessen politisches Denken hauptsächlich um Krone oder Dynastie gekreist wäre und der die entscheidenden Zeitfragen von diesem Standpunkt aus beurteilt hätte. Umso höher ist es daher zu werten, daß er sich von seiner liberal-demokratischen Gesinnung nicht zu republikanischen Gedankenspielen hat verleiten lassen. Vielmehr erkannte er das Potential der Monarchie und dachte darüber nach, wie deren Vorteile für den demokratischen Staat nutzbar gemacht werden können – denn es sei weniger wichtig, ob eine Einrichtung dem Gleichheitsprinzip entspreche, als daß sie dem Gemeinwesen und seinen Bürgern nütze. Diesem Thema widmete er sein seit 1900 in mehreren Auflagen erschienenes Buch Demokratie und Kaisertum. Ein Handbuch für innere Politik. 1917 spitzte Naumann seine Thesen unter dem Eindruck des Weltkriegs in einer Broschüre mit dem Titel Der Kaiser im Volksstaat nochmals zu, die in der von Walther Schotte und Wilhelm Heile herausgegebenen Schriftenreihe Der Deutsche Volksstaat erschien. Im Rahmen dieser Reihe kamen unter anderem auch der bekannte Preußen-Historiker Otto Hintze, der Soziologe Max Weber und der spätere Bundespräsident Theodor Heuß zu Wort.

Naumann hatte verstanden, daß der freiheitliche Nationalismus des 19. Jahrhunderts sein Ziel, den Nationalstaat, nur durch ein Bündnis mit der preußischen Militärmonarchie hatte verwirklichen können. Umso mehr war er überzeugt von der Notwendigkeit der Demokratisierung des politischen Systems des Kaiserreiches, vor allem angesichts der gewaltigen Opfer, die das gesamte Volk während des Weltkriegs gebracht hatte. Wolle die Monarchie nicht von immer mehr Menschen als störender Anachronismus empfunden werden, müsse sie sich den gewandelten Umständen anpassen, denn heute sei der König „ein Mann, der auf den guten Willen seiner Untertanen angewiesen ist.“ Dies gelte umso mehr, als die legitimistische Idee durch Bismarcks Politik 1866 nicht wiedergutzumachenden Schaden erlitten habe. Es müsse an das altgermanische Volkskönigtum angeknüpft werden, das in scharfem Gegensatz zu den Monarchien der oft landfremden Bundesfürsten stehe. Umgekehrt bedürfe auch der Staat des Volkes als einer gewachsenen, natürlichen Gemeinschaft, die durch einen abstrakten Gesellschaftsvertrag nach westlichem Muster nicht zu ersetzen sei.

Der Neubau des Volksstaates erfordere jedoch die umfassende Parlamentarisierung des Reiches, die für den Monarchen viele Vorteile mit sich bringe. So könne die Verantwortung für unpopuläre Maßnahmen auf das Parlament abgewälzt werden und selbst die Opposition sei dem Kaiser ein wertvoller Verbündeter gegen eine erstarrte Bürokratie. Die gegen den Parlamentarismus agitierenden Konservativen verwechselten – vielleicht mit Absicht – die Interessen der Krone mit ihren Parteiinteressen. Zwar sei die Monarchie in alter Zeit aus dem Grundadel hervorgegangen, aber eben stets in einem Konkurrenzverhältnis zu diesem gestanden. Daher dürfe sie sich nun nicht wieder an ihn binden, um nicht ihren Anspruch auf Führung des gesamten Volkes zu verlieren. Selbst wenn man, wie die Sozialdemokratie, der Krone egoistische Motive unterstelle, handle es sich dabei nämlich keinesfalls um die Interessen des Adels oder gar der Großkapitalisten. Vorrangiges Ziel des Monarchen sei stets die Erhaltung der Dynastie und der Krone, und sollte dies durch Kooperation mit der Linken gewährleistet sein, dürfe davor nicht zurückgeschreckt werden.

Naumanns typisch liberaler Glaube an die dauernde Notwendigkeit von Wandel und Anpassung läßt freilich die Frage nach dem Kern des Königtums unbeantwortet, der nicht aufgegeben werden darf, will die Krone sich nicht selbst verleugnen. Dennoch, neben ihrer Bedeutung für die monarchistische Theoriebildung sind Naumanns Schriften vor allem auch ein beeindruckendes Zeugnis für die Freiheit der politischen Debatte im Kaiserreich selbst noch während des Krieges. Auch auf diesem Gebiet haben sich die Dinge nach 1918 und bis heute nicht unbedingt zum Besseren entwickelt… T.G.

Der König ist vom Staatsbegriff völlig umgossen, ragt ins Übersinnliche und Unausdenkliche hinein, ist ein Symbol wie ein altes Heiligtum, voll von bereits wieder verstorbenen Wundern, gesättigt mit merkwürdiger Mystik, und gerade in dieser unglaublichen und überverständigen Gestaltung wird er erst das Instrument, das die Menge der Verständigen brauchen, wenn allerletzte, alleräußerste Entscheidungen gefällt werden sollen. – F. Naumann

König Michael von Rumänien schwer krank

Mit dieser Erklärung vom 1. März 2016 übertrug König Michael die königlichen Rechte auf seine älteste Tochter und Kronprinzessin Margareta.

Mit dieser Erklärung vom 1. März 2016 übertrug König Michael die königlichen Rechte auf seine älteste Tochter und Kronprinzessin Margareta.

König Michael I. von Rumänien (*1921) ist an Blutkrebs erkrankt, muß sich umgehend in Behandlung begeben und hat mit sofortiger Wirkung Kronprinzessin Margareta dazu ermächtigt, ihn bei allen öffentlichen Auftritten zu vertreten. Außerdem wird sie Vorsitzende des Kronrats.

Als Kindkönig herrschte Michael I. von 1927 bis 1930 und später während des 2. Weltkrieges ab 1940 bis zum Beginn der kommunistischen Ära, in der er 1947 nach zwei Jahren als einziger Monarch in einem kommunistischen Land zur Abdankung gezwungen wurde. Danach lebte er im Exil in England und der Schweiz.

11829740551990, vier Monate nach dem Sturz des kommunistischen Diktators Nicolae Ceauşescus, reiste Michael mit einem dänischen Diplomatenpaß zurück nach Rumänien, wurde aber von der Polizei genötigt, das Land zu verlassen. 1992 reiste er abermals nach Rumänien und die Nachricht verbreitete sich im rumänischen Volk wie ein Lauffeuer. Über eine Million Menschen versammelten sich in den Straßen Bukarests, um den König zu begrüßen. Der damals amtierende Präsident Ion Iliescu bekam es daher mit der Angst um sein Amt zu tun und veranlaßte Michael abermals, das Land zu verlassen. Hätte er sich in diesem Moment geweigert und die Absetzung des Präsidenten verlangt, wäre ihm wahrscheinlich entsprochen worden. Daß er es nicht getan hat, war rückblickend vielleicht ein Fehler, denn erst 1997 durfte er das Land erneut besuchen, jenes Mal, um zu bleiben. Seitdem hat der rumänische Staat dem König zahlreiche Ehrenbezeugung erwiesen, unter anderem durch die Rückgabe von Besitztümern und die Anwesenheit hoher Regierungsvertreter bei Feierlichkeiten der Königsfamilie. Der letzte Schritt aber ist noch nicht getan. In zahlreichen Ländern gibt es ein Sprichwort, welches so viel bedeutet wie „Was zwei Mal passiert, wird auch ein drittes Mal passieren.” Auch wenn es nur symbolisch und von kurzer Dauer wäre, wäre Michael eine dritte Amtszeit als König mehr als zu gönnen. L.R.

Als Fünfjähriger bestieg König Michael 1927 nach dem Tod seines Großvaters, König Ferdinand, den rumänischen Thron.

Als Fünfjähriger bestieg König Michael 1927 nach dem Tod seines Großvaters, König Ferdinand I., den rumänischen Thron.

Die Burg Hohenzollern soll auf kein Wahlplakat

Prinz Georg Friedrich wehrt sich gegen die Verwendung eines Bilds der Burg Hohenzollern zu parteipolitischen Zwecken.

Prinz Georg Friedrich wehrt sich gegen die Verwendung eines Bilds der Burg Hohenzollern zu parteipolitischen Zwecken.

In drei Bundesländern wird in einer Woche ein neuer Landtag gewählt. Da mit Veränderungen ungekannten Ausmaßes zu rechnen ist, werden alle Mittel eingesetzt. Auch monarchische Symbole kommen zum Einsatz. Die Burg Hohenzollern wurde im Südwesten von der Alternative für Deutschland (AfD) auf einem Wahlplakat mit dem Slogan „Damit Baden-Württemberg Heimat bleibt!“ abgebildet.

Dagegen hat der Chef des Kaiserhauses vor Gericht Einspruch erhoben, jedoch lehnte das Stuttgarter Landgericht eine einstweilige Verfügung ab. Die AfD sagte aber zu, freiwillig die Plakate nicht weiter einzusetzen. Prinz Georg Friedrichs Anwalt, Markus Hennig, sagte dem SWR in Berlin, der Prinz sehe in den Plakaten eine ungerechtfertigte, parteipolitische Inanspruchnahme. Aus historischer und politischer Verantwortung äußere sich das Haus traditionell nicht parteipolitisch. Zum Teil seien schon ausländische Gäste auf das Haus zugekommen, um sich zu beschweren. H.S.
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Die vollständige 162. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 162

Inhalt der 162. Ausgabe:

  • Monarchietheorie: Friedrich Naumann – Der Kaiser im Volksstaat
  • Die Burg Hohenzollern soll auf kein Wahlplakat
  • König Michael von Rumänien schwer erkrankt
  • Libyen: Parlament studiert Wiedereinführung der Monarchie

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 161

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Dem Kaiser in Doorn die Reverenz erweisen

Ehrenkränze im kaiserlichen Mausoleum, die am 4. Juni 2011 niedergelegt wurden.

Ehrenkränze im kaiserlichen Mausoleum, die am 4. Juni 2011 niedergelegt wurden.

Als vor fünf Jahren des 70. Todestags von Kaiser Wilhelm II. gedacht wurde, machten sich nur relativ wenige Deutsche nach Doorn auf, um dem Kaiser die Ehre zu geben. Im Internetblog Blaue Narzisse las sich die Enttäuschung so: „Daß sich zu der Gedenkveranstaltung lediglich zwanzig Personen einfanden, zeigt jedoch, wie gering die Verbreitung des Monarchismus in Deutschland ist.“ Es tut uns leid, eingestehen zu müssen: Fünf Jahre werden es nicht mehr sein. Die Zeiten haben sich nicht geändert.

Haus Doorn war in den letzten Jahren immer wieder von Schließung bedroht. Die niederländische Regierung strich die Mittel zum Unterhalt des Museums und wollte die kaiserlichen Schätze für geschätzt 135 Millionen € versteigern lassen. Jeder Besucher - aus Deutschland - trägt zur Erhaltung von Haus Doorn bei.

Haus Doorn war in den letzten Jahren immer wieder von Schließung bedroht.

Corona ermutigt dennoch alle deutschen Monarchisten, sich auf den Weg nach Doorn zu machen. Es entspricht der individualistischen Einstellung von Monarchisten, wenn der Besuch von Haus Doorn von jedem einzelnen allein geplant und ausgeführt werden muß.  Eine gemeinsame Reise ist leider nicht möglich, denn das Echo auf das Angebot, eine solche zu organisieren, war zu schwach. Armer Kaiser, wirklich von allen Getreuen verlassen!

Monarchietheorie: Montesqieu und Ruhm und Ehre

Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755)

Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755)

Charles de Secondat, Baron de Montesquieu (1689-1755) war einer der wichtigsten französischen Denker des 18. Jahrhunderts und der Aufklärung. Seine Lehren werden in den Schulbüchern heute leider hinter radikaleren Autoren wie Rousseau oder Voltaire zurückgestellt, und interessanterweise wurde er gerade während der Französischen Revolution fast überhaupt nicht rezipiert, heute ist Montesquieu jedoch viel aktueller als andere Autoren jener Zeit.

Nach Montesquieu gibt es drei mögliche Staatsformen: Gewaltherrschaft, Monarchie und Republik. Diese sind jeweils durch ein charakteristisches Prinzip gekennzeichnet: Furcht, Ehre und Tugend. Während in einer Republik jeder vernunftbegabt sein und im Sinne des Gemeinwesens handeln muß, damit das Gebilde funktioniert, übernimmt dies in der Monarchie der Monarch. Alle anderen Menschen gehen dem Streben nach, ihr Ansehen und Prestige zu vergrößern, um so in einer ständischen Gesellschaft ihre Stellung zu verbessern, was also eher mit der Suche nach „Ruhm“ als mit „Ehre“ bezeichnet werden kann, wie Montesquieu es eigentlich genannt hat. Damit dieses Streben nach Ruhm nicht in gemeinwohlschädigenden Egoismus ausufert, gleicht der Monarch die verschiedenen Interessen also aus. Durch die anspruchsvollen Voraussetzungen des Funktionierens einer Republik hält Montesquieu ähnlich wie Rousseau diese Staatsform für größere Gebilde für ungeeignet und empfiehlt die Monarchie, wenn sie, wie die Republik auch, mit dem Prinzip der Gewaltenteilung verknüpft ist.

Baron Montesquieu ist in der Tat einer der ersten Verfechter der Notwendigkeit einer Gewaltenteilung gewesen: Exekutive, Judikative und eine in zwei Kammern geteilte Legislative mit einem aristokratischen Oberhaus müssen sich gegenseitig kontrollieren. Nur so kann Machtmißbrauch verhindert werden. Ob der Baron heute, wo die politischen Parteien die Richter bestimmen, die Exekutive wählen und die Legislative stellen, wohl noch von Gewaltenteilung sprechen würde? L.R.
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Die vollständige 161. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 161

Inhalt der 161. Ausgabe:

  • Dem Kaiser in Doorn die Reverenz erweisen
  • Graf von Paris verurteilt Festnahme von ehemaligem Vier-Sterne-General
  • Monarchietheorie: Montesquieu und Ruhm und Ehre
  • Karibik: Die Republik wird nur von Politikern gewünscht

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Neuseelands Premierminister: „Zu meinen Lebzeiten wird es keine Republik geben“

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Während in Australien verfassungsfeindlich eingestellte Ministerpräsidenten am Nationalfeiertag Australia Day dazu aufriefen, eine Republik zu errichten, hat im vier Flugstunden entfernten Neuseeland der dortige Premierminister John Key versichert: NZ a republic? Not in my lifetime.

Als Reaktion auf die Attacke gegen die australische Krone sagte er gegenüber den Medien: „I don’t think there’s any chance New Zealand is going to become a republic anytime soon. In fact, I would be amazed if New Zealand becomes a republic in my lifetime. And I’m hoping to live a long and happy life.“ Und als Kommentar zu den Diskussionen in Australien zitierte ihn der New Zealand Herald noch mit der Einschätzung zur australischen Diskussion, „he said he would also be surprised if Australia moved that way soon.

Prinz Charles und Herzogin Camilla mit Premierminister John Key (re.) während ihres letzten Neuseelandaufenthalts im November 2015.

Prinz Charles und Herzogin Camilla mit Premierminister John Key (re.) während ihres letzten Neuseelandaufenthalts im November 2015.

Jüngste Aufenthalte von Prinz Charles, Herzogin Camilla, Prinz Harry und dem jungen Herzogspaar von Cambridge zeigten die Loyalität der Neuseeländer zu ihrer Königsfamilie, was auch John Key so beurteilte: „The bond with the Royal family has been growing stronger and closer in the last 10 to 20 years, particularly with the young royals. I just think there is no appetite to become a republic.

Noch einen gegensätzlichen Standpunkt vertritt der Premierminister. Während sich in Australien die meisten Monarchisten mit Händen und Füßen gegen eine neue Flagge wehren, hat John Key den Austausch der neuseeländischen Fahne aktiv betrieben. Am 13. Dezember 2015 konnten die Neuseeländer in einer Volksabstimmung zwischen sechs vorgeschlagenen Varianten einer neuen Nationalflagge wählen. Und mit 50,53% wurde dieses Symbol zum Sieger ausgerufen:

John Key mit einer Flagge, die er gerne als neues Nationalsymbol sehen würde.

John Key mit einer Flagge, die er gerne als neues Nationalsymbol sehen würde.

Allerdings ist die Regierung fair und im März wird erneut ein Referendum abgehalten. Die Neuseeländer haben dann die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie die seit 1902 bestehende Nationalflagge beibehalten oder die neue einführen wollen. Und es sieht momentan danach aus, als ob sie die alte mit dem Union Jack in der Ecke beibehalten wollten. In Meinungsumfragen liegt die alte Flagge mit 61% Zustimmung gegen 30% für einen Wechsel weit in Führung.

Meinungsumfragen zeigen, daß ein Wunsch nach Flaggentausch nur in Grenzen vorhanden ist.

Meinungsumfragen zeigen, daß ein Wunsch nach Flaggentausch nur in Grenzen vorhanden ist.

Die Bemühungen, den Australiern eine andere Flagge zu geben, dürfte auf ähnlich viel Ablehnung stoßen wie in Neuseeland.

Bei einem dritten Punkt geht John Key einen anderen Weg: Kurz nach seinem Amtsantritt hat er 2009 ermöglicht, daß die höchste Stufe des neuseeländischen Verdienstordens wieder als „Knighthood“ bezeichnet wird. Die Träger dieses Ordens dürfen sich als Sir oder Dame anreden lassen. Keys Vorgängerin Helen Clark von der Labour Party hatte diese Auszeichnung 2000 beseitigt. Seither haben etliche Neuseeländer diese Knighthoods erhalten und sie scheinen allgemein akzeptiert zu sein.

Ganz anders in Australien, wo der monarchistische Premierminister Tony Abbott ebenfalls wenige Monate nach seinem Amtsantritt Knighthoods wieder ermöglichte und 2014 die Königin von Australien die ersten Ehren vergab. Im Januar 2015 gab es eine Medienkampagne dagegen, daß am Australia Day Prinz Philip diese australische Ehrung erhielt. Und kaum hatte Malcolm Turnbull im September 2015 erfolgreich gegen Tony Abbott geputscht, schaffte der Erzrepublikaner die Knighthoods schon wieder ab.

Der australische High Commissioner (Botschafter) in Großbritannien war anwesend, als die Königin von Australien Prinz Philip mit den Insignien eines Knight of the Order of Australia auszeichnete.

Der australische High Commissioner (Botschafter) in Großbritannien Alexander Downer war anwesend, als die Königin von Australien Prinz Philip mit den Insignien eines Knight of the Order of Australia auszeichnete.

Die markanten Unterschiede charakterisieren John Key, der mit einem sympathischen Anspruch seine Amtsgeschäfte aufnahm: „I want to leave New Zealand in better shape than I found it. I know the job of Prime Minister is not forever and I’m going to do the best I can every day to make that difference.“ Seine ruhige Hand führte vielleicht dazu, daß er in Europa nahezu unbekannt ist. Dabei hätte der Sohn einer österreichischen Einwanderin verdient, daß man ihn besser kennt. Seine jüdische Mutter Ruth Key, 1922 als Ruth Lazar geboren, kam 1938 gerade rechtzeitig noch aus dem von den Nazis annektierten Österreich heraus und erreichte im Februar 1939 Großbritannien, wo sie ihren Mann kennenlernte. Mit ihm wanderte sie nach Neuseeland aus, wo ihre drei Kinder zur Welt kamen, so auch 1961 der Sohn John.

Griechischer König Konstantin erzählt dem ZDF seine Lebensgeschichte

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Im deutschen Fernsehen kommen die Mitglieder des griechischen Königshauses selten vor. Sowohl in den öffentlich-rechtlichen wie in den kommerziellen Kanälen spielen eher schwedische, dänische, spanische und natürlich britische „Royals“ eine Rolle. Da ist es löblich, wenn das ZDF König Konstantin II., seine Frau, Königin Anne Marie, und Kronprinz Paul zu Wort kommen läßt. Das Lob trifft aber eine Sendung, die an einem Sonntagabend um 23.30 im Sendeschema versteckt und dann auch noch als „ZDF-History“ verkauft wurde. Fast könnte die Idee aufkommen, das ZDF wolle gar nicht, daß die Sendung von allzuvielen Zuschauern verfolgt werde. Wer sie ob der späten Ausstrahlung verpaßte, für den steht sie in der Mediathek zum Ansehen bereit.

Hochzeit von Kronprinz Paul von Griechenland mit Prinzessin Friederike von Hannover 1937

Hochzeit von Kronprinz Paul von Griechenland mit Prinzessin Friederike von Hannover 1937

Der Kurzabriß der griechischen Monarchie – von König Otto I. aus dem Hause Wittelsbach bis zum aktuellen König – ist zeitbedingt nur ein schneller Überflug von 185 Jahren Geschichte. In Details konnte Julia Melchior, die für die Dokumentation verantwortlich ist, dabei nicht gehen. Auch die Eltern König Konstantins werden nur relativ kurz gestreift, aber immerhin sind einige Filmaufnahmen von König Paul I. und Königin Friederike zu sehen, die jeden Royalisten erfreuen.

Proklamation König Konstantins II. 1964

Proklamation König Konstantins II. und Ablegung des Eids auf die griechische Verfassung 1964. Neben ihm steht seine Schwester Irene, die zu dem Zeitpunkt Kronprinzessin war.

Nach dem Tod König Pauls im März 1964 übernahm der erst 23-jährige Konstantin die Amtsgeschäfte. Ursprünglich kam er mit seinem Premierminister Georgios Papandreou gut zurecht, doch erschütterte 1965 der ASPIDA Skandal um den Sohn des Regierungschefs, Andreas Papandreou, die griechische Innenpolitik. Daß er beim ZDF nicht erwähnt wurde, ist bedauerlich, denn er steht zentral für die Auseinandersetzung zwischen König und Premierminister. Stattdessen übergab man das Wort dem hinzugezogenen griechischen Historiker George Mavrogordatos, der den Zwist sehr vereinfachend so darstellte: „Konstantin war gerade 24 und der Premierminister hätte vom Alter sein Großvater sein können. Es machte den Anschein als ob ein unreifer Junge eine angesehene Persönlichkeit schlecht behandelte. Damit wurde eine Krise losgetreten, die die Demokratie zerstörte.“ Und am Ende die Monarchie, möchte man anfügen, aber eine Erklärung der Ursachen war das nicht.

Den Verlauf des Referendums von 1974 mußten König und Königin in London verfolgen, weil ihnen Griechenland die Einreise verweigerte.

Den Verlauf des Referendums von 1974 mußten König und Königin in London verfolgen, weil ihnen Griechenland die Einreise verweigerte.

Der Militärputsch vom 21. April 1967 überraschte dennoch den König und er reagierte in dieser Situation nicht richtig. Abgeschnitten von seinen Beratern und der Außenwelt konnte er nicht vollbringen, was 1981 sein Schwager König Juan Carlos in Spanien tat. Ihm fehlten die Mittel, sich direkt an die Griechen zu wenden und dazu aufzurufen, dem Putsch Widerstand entgegenzusetzen. Auch daß ein royalistischer Putschversuch 1973 die Obristen bewog, die Monarchie abzuschaffen und sie sich diesen Schritt in einer Scheinvolksabstimmung bestätigen zu lassen, kam beim ZDF nicht vor. Das Referendum von 1974 war dem ZDF jedoch eine Erwähnung wert.

Über den gescheiterten Gegenputsch im Dezember 1967 und den Flug ins Exil wurde oft geschrieben und das Magazin stern titelte einst: „Der König putschte wie ein Anfänger.“ Dazu sagte der König im ZDF-Interview: „Ein König und seine altgedienten Generäle haben doch keine Ahnung, wie man einen Putsch macht. Ich jedenfalls wußte nicht, wie ein Putsch funktioniert.

König Konstantin, Königin Anne-Marie mit Prinz Michael von Griechenland und Dänemark bei einer Wohltätigkeitsgala in Athen 2015.

König Konstantin, Königin Anne-Marie mit Prinz Michael von Griechenland und Dänemark bei einer Wohltätigkeitsgala in Athen 2015.

Die ZDF-Dokumentation hat sich zu recht der interessanten Persönlichkeit Konstantins II. zugewandt und Julia Melchior (sie hatte schon im Juli 2012 das Haus Hohenzollern in der SWR/WDR-Dokumentation gekonnt vorgestellt) gebührt Dank für die faire Art, mit der sie ans Werk ging. Sie umging nicht die schwierige Lage für den König und ließ den griechischen Historiker George Mavrogordatos gleich zu Beginn sagen: „Im Griechenland von heute ist das Königtum ein Tabu. Es wird verteufelt.“ Sollte es in Deutschland ein Tabu gegeben haben, so durchbrach es Julia Melchior. Dafür sei ihr danke gesagt.

Die Kronprinzenfamilie im Bild, das ihre Weihnachtskarte schmückte.

Die Kronprinzenfamilie im Bild, das ihre Weihnachtskarte schmückte.

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