Nach den belgischen Wahlen ruft König Philippe Politiker dazu auf, „die nötigen Schlüsse zu ziehen und sich auf Lösungen zu einigen“

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Bei der Aufzeichnung der Ansprache des Königs zum belgischen Nationalfeiertag war auch erstmals die Thronfolgerin, Prinzessin Elisabeth, dabei. Früh übt sich, wer eine gute Königin werden will.

Ansprache Seiner Majestät des Königs zum Nationalfeiertag am 21. Juli 2019

Meine Damen und Herren,

vor zwei Monaten haben Sie Männern und Frauen Ihr Vertrauen geschenkt, von denen Sie Antworten auf die Fragen erwarten, die Sie umtreiben.  Sie haben unterschiedlich gewählt, aber letztlich geht es Ihnen allen um dieselben wichtigen Themen: Beschäftigung, Klima, Armut, Migration.  Themen, die übrigens auch die Menschen in vielen anderen Ländern der Welt beschäftigen.

Es geht jetzt darum, hieraus die nötigen Schlüsse zu ziehen und sich auf Lösungen zu einigen.  Ich verstehe die Zwänge, denen unsere Politiker Rechnung tragen müssen.   Aber die Herausforderungen sind derart, daβ sie rasch und mit Mut und Entschlossenheit angepackt werden müssen.  Und sie sind so eng miteinander verflochten, daβ sie eine intensive Zusammenarbeit auf allen Ebenen erfordern.

Unser Land ist voller Talente und Energie. Es fehlt nicht an gutem Willen und Ideen.  Im Gegenteil.  Viele unter uns engagieren sich mit Überzeugung in ihrer direkten Umgebung, zeigen sich solidarisch in ihrer Gemeinschaft oder bei groβen Solidaritätsaktionen, sehnen sich nach sinnvollen und ambitionierten Projekten.  Es geht darum, all den guten Willen zu mobilisieren.

Begeisternde Projekte kommen zustande im Dialog und durch das Bündeln von Kräften.

Im offenen und wahren Dialog steckt ein enormes Potential.  Schöpfen wir es aus.  Einen offenen Dialog zu führen, bedeutet, bereit zu sein, den anderen zu verstehen mit seinen Überzeugungen und Entscheidungen, auch wenn man sie nicht teilt.  Den anderen spüren zu lassen, daβ man ihn braucht, um zu einer Lösung zu kommen, ohne Vorbehalt.  Im offenen Dialog ist auch kein Platz für Lügen und verletzende Worte.

Der echte Dialog stellt sich der Komplexität. Er nuanciert und strebt danach, einander zu ergänzen. In den Bereichen wie Klima und Beschäftigung, aber auch der Mobilität, Energie, Erziehung und Ausbildung können wir nur durch ein koordiniertes Handeln und im offenen und ehrlichen Gespräch miteinander effizient sein.

Unsere Kräfte zu bündeln, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, dafür gibt es auf vielen Gebieten schöne Beispiele: in unseren Unternehmen, wo neue Formen der Zusammenarbeit entstehen.  Bei unseren Wissenschaftlern, die in vielen Bereichen der Spitzenforschung eng miteinander kooperieren.  Bei unseren Regisseuren und den vielen Künstlern, die die Seele unseres Landes hinaus in die Welt tragen.  Von Hollywood bis zum preisgekrönten belgischen Pavillon auf der Biennale von Venedig, der das Ergebnis einer schönen Zusammenarbeit zwischen allen Gemeinschaften unseres Landes ist.

Unsere Gabe zum Dialog und unser Talent, Menschen zusammenzubringen, stellen wir auch mit Erfolg in den Dienst des europäischen Projekts.

Unsere Verschiedenheit und Komplementarität sind unsere Stärke.  So sind wir international bekannt, und so erwartet man uns auch.  Vielleicht sind wir uns dessen nicht genügend bewuβt.  Dabei ist es genau das, was uns auszeichnet.  Und darauf dürfen wir auch zurecht stolz sein.

Das alles muβ uns für unser Land eine neue Ambition geben.  Obendrein ist es das beste Heilmittel gegen Angst, das Gefühl von Ohnmacht und Resignation.  Unsere Demokratie kann dadurch nur gewinnen.

Das wünsche ich uns allen am heutigen Tage: daβ wir den verantwortungsvollen Dialog suchen, daβ wir unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit weiter stärken und daβ wir stolz sind auf das, was unser Land so einmalig macht.

Die Königin und ich wünschen Ihnen einen schönen Nationalfeiertag.

Es lebe Belgien !

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Rede Seiner Majestät des Königs der Belgier beim Abendessen von Ministerpräsident Bodo Ramelow

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Das belgische Königspaar trug sich ins Goldene Buch der Stadt Weimar ein.

Herr Ministerpräsident,

ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Worte und die herzliche Begrüßung, die die Königin und ich seit unserer Ankunft in Thüringen heute morgen erlebt haben.

Es ist für uns beide eine große Freude, hier in Weimar zu sein, nicht zuletzt wegen der vielen Bande, die meine Familie und das Königreich Belgien mit Ihrem Land verbinden. Die Geschichte meiner Familie ist natürlich eng mit der Ihres Landes verknüpft. Das Haus Wettin gelangte um 1442 in den Besitz der Grafschaft Thüringen. Hier in Thüringen bot Kurfürst Friedrich der Weise Luther Schutz und Unterschlupf. Wir haben uns sehr gefreut, unseren offiziellen Besuch in Gotha, im Schloß Friedenstein, zu beginnen, das um 1640 von Herzog Ernst dem Frommen erbaut wurde und seinen Namen als Aufruf zum Frieden erhielt.

Nicht nur die historischen Bindungen zwischen unseren beiden Ländern sind sehr stark. Auf wirtschaftlicher Ebene sind wir ebenfalls eng miteinander verbunden. Politisch arbeiten wir seit Jahrzehnten im wunderbaren europäischen Projekt zusammen. Und auf kultureller Ebene teilen wir die gleiche Sprache. Wir wurden heute auch an das bahnbrechende Wirken des belgischen Architekten und Künstlers Henry van de Velde erinnert, der hier in Weimar im frühen 20. Jahrhundert fruchtbaren Boden für die Entwicklung seines Lebenswerks gefunden hat. Seine bemerkenswerten Leistungen und Ideen gelten als Grundlage der späteren Bauhausbewegung, deren 100. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, an die europäische Berufung dieser Künstlergeneration und an die Rolle zu erinnern, die Kunst und Architektur bei der europäischen Einigung gespielt haben und auch weiterhin spielen.

Weimar war die Hauptstadt der deutschen Aufklärung, und so habe ich mich besonders gefreut, vorhin dem Wohnhaus von Goethe einen kurzen Besuch abstatten zu können. Diese Stadt brachte die schönsten Blüten der Europäischen Kultur hervor. (…) Die Tatsache daß, nur einen Steinwurf entfernt, so viele Opfer des Naziregimes ihre Menschenwürde und ihr Leben verlieren mußten, erinnert uns daran, daß wir stets wachsam bleiben müssen. Das Gedenken an die Opfer im Lager Buchenwald an diesem Nachmittag hat die Königin und mich tief beeindruckt. Es ist wichtig, diese bittere Seite der Geschichte in konkrete Handlungen zur Stärkung von Demokratie und Menschenrechten für uns und zukünftige Generationen zu übersetzen.

Herr Ministerpräsident,

die Königin und ich sind sehr dankbar, heute hier im schönen Thüringen und insbesondere in diesem Schloß Belvedere zu Gast sein zu dürfen. Mit diesem Besuch hoffen wir, unsere beiden Länder und Völker noch näher zusammenzubringen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte Sie alle aufzustehen (…). Ich lade Sie ein, Ihr Glas auf die Gesundheit von Ministerpräsident Bodo Ramelow und Frau Germana Alberti vom Hofe zu erheben.

Leben in der konstitutionellen Monarchie Marokko

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Der Vater des jetzigen Monarchen, König Hassan II. von Marokko (*9. Juli 1929 – † 23. Juli 1999) wurde vor 90 Jahren geboren und starb vor 20 Jahren. Er war König seit dem Tod seines Vaters am 26. Februar 1961

Der Autor lebt seit einigen Monaten in Marokko, einer konstitutionellen Monarchie, wo König Mohammed VI. anders als seine Pendants in den europäischen parlamentarischen Monarchien die Politik zu einem guten Stück selbst bestimmt. Dies tut er unter anderem über Thronreden, in denen er sogenannte „hohe königliche Orientierungen“ (hautes orientations royales) vorgibt, die seine Minister dann umzusetzen haben. Laut Verfassung bestimmt er auch den Premierminister, auch wenn er diesen aus der stärksten Partei wählen muβ. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und bestimmt die Richtlinien der Politik der sogenannten souveränen Bereiche selbst: Verteidigung, Außenpolitik und Recht. Gleichzeitig ist der König auch Oberhaupt der Gläubigen. Informell sind viele Funktionen in Marokko zwischen gewählter Volksvertretung und dem König und seinem Umfeld gespiegelt: In den Regionen gibt es beispielsweise einen königlichen Gouverneur, den Wali, der die Zügel bei wichtigen Fragen an den Parlamenten vorbei in die Hand nehmen kann. Das Umfeld des Königs, das sogenannte „Maghzen“, besetzt zahlreiche Schlüsselpositionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Schließlich besitzt der König auch die meisten marokkanischen Großunternehmen. Wenn man über den König spricht oder schreibt, muß man immer die Höflichkeitsformel „Gott helfe ihm“ anfügen, bei verstorbenen Königen wird die Formel „Gott möge seiner Seele gnädig sein“ gebraucht.

König Mohammed VI. empfing im März 2019 Papst Franziskus zu einem Besuch.

Der seit 1999 regierende Mohammed VI., dessen Bild in allen Amtsstuben hängen muβ und auch in den meisten Geschäften hängt, gilt im Volk als beliebt, und das ist auch ehrlich gemeint, sonst hätte die Monarchie wie so viele andere Regierungen den Arabischen Frühling kaum überlebt, auch wenn der König dann im Zuge einer Verfassungsreform 2011 einige Rechte abgab. Die noch weit davor durchgeführte Reform des Familienrechts von 2004, welche Frauen deutlich mehr Rechte zugesteht, hat der König gegen zahlreiche Widerstände durchgesetzt, und das wird ihm von den meisten Marokkanern hoch angerechnet. Er ist auch der erste Monarch mit einer Ehefrau statt mehreren Konkubinen. Die Islamisten hält der König in Schach, was Marokko zu einem der am wenigsten strikten arabischen Länder in bezug auf den Islam macht. Die starke Präsenz der königlichen Polizei und der königlichen Streitkräfte macht Marokko zudem zu einem der sichersten Länder in Nordafrika, was auch für Wirtschaftsinvestitionen und die Ansiedlung von Unternehmen ein entscheidender Faktor sein kann. Schließlich konnten seit der Flüchtlingskrise auch substantielle Fortschritte im Hinblick auf die Anerkennung der marokkanischen Hoheit über die Westsahara gemacht werden, denn niemand möchte einen weiteren fragilen Staat in der Nähe Europas.

Trotzdem ist vieles im Argen in Marokko: Armut, Korruption, häusliche Gewalt, Ungleichheit, fehlende Freiheit der breiten Masse, schlechte Bildung. Viele junge Menschen sind enttäuscht, weil sie mit ihren Studien, die nicht europäischen Standards entsprechen, weit entfernt davon sind, eine für sie angemessene Arbeit zu finden und oft leben die Menschen in Marokko bis zur Heirat und der Suche eines eigenen Heims in einem Raum mit ihren Brüdern und Schwestern. Ein normales Gehalt liegt in den Städten vielleicht bei 600 Euro. Das gilt aber nur für Leute, die einen Arbeitsvertrag haben, und auf dem Land kommen die Menschen vielleicht mit 100 Euro im Monat zu Rande. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hält nicht mit der demographischen Entwicklung mit, und so suchen momentan noch sehr viele Marokkaner ihr Glück im Ausland. Falsche Erwartungen und kulturelle Unterschiede führen dann dazu, daß viele von ihnen scheitern und einige von ihnen kriminell werden, was zu einem schlechten Ruf von Marokkanern in Europa geführt hat. Ausschreitungen wie zu Silvester 2015 in Köln werden aber durchaus auch in Marokko als nationale Schande empfunden und diejenigen, die in Europa kriminell werden, müssen nicht denken, daß sie in ihrem Heimatland ehrenvoll empfangen werden.

Wenn man die Situation also mit europäischen Ländern oder den USA vergleicht, schneidet das Land natürlich schlecht ab. Ein solcher Vergleich wäre jedoch falsch, vielmehr muß Marokko mit anderen Ländern der arabischen Welt verglichen werden, und hier schneidet es wie bereits erwähnt sehr gut ab. Das schafft Marokko anders als der große, aber instabile Nachbar Algerien, wo Erdöl sprudelt, ohne größere natürliche Ressourcen.

Als in Paris im November 2018 des Waffenstillstands des 1. Weltkriegs gedacht wurde, wurden von Präsident Macron auch König Mohammed VI. (M.) und sein Sohn Kronprinz Moulay Hassan empfangen.

Sorgen bereitet für die Zukunft neben der demographischen Entwicklung der Gesundheitszustand des Königs, über den offiziell nicht gesprochen werden darf, wobei der physische Verfall jedoch für jedermann sichtbar ist. In jüngster Vergangenheit unterzog sich Mohammed VI. einer Operation am Herzen und ihm wurde auch ein Tumor in der Nähe des Auges entfernt. Kronprinz (Moulay) Hassan ist noch sehr jung und hätte kaum das politische Gewicht seines Vaters, jedoch sieht man ihn seit der Herzoperation bei offiziellen Anlässen immer an seiner Seite.

Alles in allem kann also gesagt werden, daß die Monarchie seit der Unabhängigkeit einen sehr guten Job macht, was auch zu Überlegungen führt, wie heute wohl Staaten wie Libyen, der Irak, der Iran oder andere Staaten der arabischen Welt aussehen würden, hätten sie wie Marokko, Jordanien oder auch die Golfstaaten ihre Monarchien behalten. Hassan II., der Vater des gegenwärtigen Königs, überlebte zwei Putschversuche gegen ihn im übrigen nur sehr knapp. Daß die heute stabile Monarchie in Marokko überlebt hat, war also eine sehr glückliche Wendung.

L.R.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 220

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Persischer Kronprinz kritisiert Europa

Der persische Kronprinz Reza Pahlavi hat die europäischen Staaten für ihre laxe Haltung gegenüber dem Regime im Iran kritisiert. Versuche, sich mit dem Regime in irgendeiner Form zu einigen, bezeichnete er als Zeitverschwendung. Man solle lieber den Willen des Volkes beachten, die säkulare Opposition fördern und den Regimewechsel vorantreiben, wenngleich mit friedlichen Mitteln. Das Regime sei marode und es herrsche im Land eine revolutionäre Situation wie 1979. Nach dem Regimewechsel sei dann eine massive Politik des Wiederaufbaus erforderlich.

Gerade Deutschland hatte lange an dem sogenannten Atomdeal mit dem Iran mitgearbeitet und wollte auch nach dessen Aufkündigung durch die USA daran festhalten. In der langen Merkelzeit sind die außenpolitischen Erfolge in der Tat rar gesät: Eurorettung, Migrationskrise, Ukrainekrieg. Nirgends ist es gelungen, dauerhafte Lösungen zu finden. Der Atomdeal mit dem Iran konnte dem deutschen Publikum dagegen als Erfolg verkauft werden, obwohl noch jedes Land, welches die Atombombe haben wollte, diese auch bekommen hat. Wer die Berichterstattung zum Iran auf der einen und eigentlich befreundeten Ländern wie Ungarn, Polen und Italien auf der anderen Seite verfolgte, konnte die Ayatollahs daher geradezu für Friedensengel halten. Die Realität ist eine andere: Jüngst waren in der Straße von Hormus zwei Tanker angegriffen worden, wobei Experten davon ausgehen, daß der Iran darin verwickelt sein könnte. Der Iran unterstützt Rebellen in Syrien, im Libanon und im Jemen. Regimegegner werden in dem Land regelmäßig hingerichtet. Die Frauenrechte wurden unter der schiitischen Theokratie in dramatischer Weise zurückgebaut. Es ist dem ziemlich unberechenbaren US-amerikanischen Präsidenten, von dem man sagt, er könne sich die Pahlavis auf dem persischen Thron vorstellen, zu verdanken, daß die Frage nach der Zukunft der Menschen in Persien wieder auf der internationalen Agenda ist. L.R.

Spanier vertrauen König Felipe VI.

Nach dem fünfjährigen Thronjubiläum von Könige Felipe am 19. Juni wurde in der Tageszeitung El Mundo eine Meinungsumfrage veröffentlicht, die dem Monarchen bescheinigte, daβ er sich seit 2014 das Vertrauen der Spanier erworben hat: 62,8% sehen seine Tätigkeit als positiv an, 20,8% als negativ und 11,2% waren neutral oder hatten keine Meinung geäuβert. Die Meinungsumfrage schlüsselte die ermittelten Zahlen auch nach Parteianhängern auf. Danach haben 86,9% der Wähler der liberalen Zentrumspartei Ciudadanos eine positive Meinung vom König, gefolgt von 84,6% der konservativen Volkspartei Partido Popular. Bei der neuen populistischen Partei Vox waren 83,6% angetan vom Monarchen und auch bei den Sozialisten der PSOE stimmten mit 66,7% mehr als zwei Drittel der Arbeit des Königs zu. Bei der linksextremistischen Partei Podemos, die bislang im Parlament die Minderheitsregierung des Sozialisten Pedro Sanchez stützt, waren 49,2% gegen den König und die spanische Monarchie. Jedoch fanden sich auch unter ihren Anhängern 24%, die mit Felipe VI. zufrieden waren. Die Meinungsumfrage sparte die  Wähler der separatistischen und kommunistischen Gruppen aus. Ihre Sympathiewerte für die Monarchie dürften sich auf dem Niveau der Podemosanhänger bewegen.

In der noch kurzen Amtszeit des Königs bewältigte er schon drei Parlamentswahlen und ein Konstruktives Miβtrauensvotum. Danach legte der sozialistische Ministerpräsident Sánchez Pérez-Castejón im Juni 2018 den Amtseid vor dem König ab. Rechts im Photo der abgewählte Ministerpräsident Mariano Rajoy Brey.

Vergleiche hinken immer, sind manchmal notwendig, aber schwierig, weil deutsche Daten fehlen. So sollen den Zahlen aus Spanien Auswertungen des Ipsos, unabhängiges Markt- und Meinungsforschungsinstitut, gegenübergestellt werden. Im Dezember 2016 fand es heraus, daβ 70% der Deutschen der Regierung kein Vertrauen schenkten. Eine Frage nach der Beliebtheit des Bundespräsidenten und seines Amts wurden nicht gestellt beziehungsweise sind unbekannt. Antworten darauf wären eher mit den Sympathiewerten des spanischen Monarchen vergleichbar. H.S.

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Die vollständige 220. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 220

Inhalt der 220. Ausgabe:

  • Persischer Kronprinz kritisiert Europa
  • Spanier geben König Felipe gute Noten
  • Kronprinz Georg Friedrich verliert Rechtsstreit um Burg Rheinfels
  • Vor 50 Jahren: Der Lehenseid des Fürsten von Wales

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Das Herzogtum Anhalt

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Im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt steckt ein beträchtlicher Anteil des früheren Herzogtums Anhalt.

Als Fürstentum existierte Anhalt seit dem 13. Jahrhundert und wurde von einem Zweig der Askanier, demselben Haus, welches vor den Hohenzollern auch in Brandenburg herrschte, regiert. Durch zahlreiche Erbteilungen wurde das Land jedoch bald zerstückelt: Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Zerbst, Anhalt-Köthen, Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Plötzkau. Diese Gebiete wurden, wenn eine Herrscherlinie ausstarb, teilweise wieder zusammengeführt, teilten sich aber bald darauf wieder. Die anhaltinischen Kleinstaaten waren stets mit Preußen verbündet und brachten den einen oder anderen General hervor. Am berühmtesten dürfte „Der alte Dessauer“, Leopold von Anhalt-Dessau sein (1676-1747), der Gleichschritt, Drill und Infanterietaktiken in der preußischen Armee einführte, am 1. und am 2. Schlesischen Krieg teilnahm und gleichzeitig auch als Fürst in Dessau regierte.

Nachdem die anhaltinischen Herrscher von Napoleon zu Herzögen erhoben wurden, erloschen in der Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich alle anhaltinischen Linien bis auf eine, so daß das Land 1863 als Herzogtum mit Hauptstadt Dessau wiedervereinigt und durch die traditionelle Allianz mit Preußen 1866 nach der Niederlage Österreichs nicht aufgelöst, sondern in den Norddeutschen Bund und das Deutsche Reich überführt wurde. Anhalt hatte im Reichstag zwei Abgeordnete und im Bundesrat einen.

Der erste anhaltinische Herrscher im neuen Deutschen Reich war Leopold IV. Friedrich, dieser war zu Zeiten der Reichsgründung aber schon hochbetagt und verschied noch 1871. Ihm folgte sein Sohn Friedrich I. und 1904 Friedrich II. Das Bestehen Anhalts im Kaiserreich scheint sehr unspektakulär verlaufen zu sein, denn es gibt kaum Aufzeichnungen über bedeutende Ereignisse in dieser Zeit. Wirtschaftlich hatte die Metallindustrie Gewicht und auch der Bergbau war von großer Bedeutung. Herzog Joachim Ernst war 1918 der letzte Bundesfürst, der im Deutschen Reich den Thron bestieg, jedoch wurde ihm ein Regent zur Seite gestellt, da er noch nicht volljährig war. Er lebte nach dem Fall der Monarchie auf Schloß Ballenstedt, den Aufstieg der Nationalsozialisten sah er sehr kritisch. Joachim Ernst starb 1947 in sowjetischer Gefangenschaft an Erschöpfung, nachdem er bereits unter den Nationalsozialisten mehrere Monate im Konzentrationslager saß. Heutiger Chef des Hauses ist der 1941 geborene Eduard. L.R.

PS.

Anläßlich der Rückkehr von Prinz Eduard nach Dessau veröffentlichte die Mitteldeutsche Zeitung am 28. Januar 2016 einen ausführlichen Bericht, in dem es unter anderem hieß:

Joachim Ernst von Anhalt wurde Anfang 1944 von den Nazis ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands standen vor dem durch Dachau-Erfahrung zum Nazigegner gereiftem Adelsspross erneut gestiefelte Uniformierte. Die sowjetische Militäradministration verhaftete den „Gutsbesitzer“, verhörte ihn in Halles Rotem Ochsen. Nach Verlegung in das Speziallager Torgau wurde der schwer Erkrankte nach Weihnachten 1946 noch einmal überführt: In das Lager Buchenwald, „wo der gerade 46-Jährige im Februar 1947 umgebracht und verscharrt wurde. Die Nazis sperrten Juden ins KZ, die Machthaber nach ihnen die Adligen“, so von Anhalt.

Dieses Trauma hat die Kinder belastet. Heute lebt neben Eduard nur noch die 1940 geborene Schwester Edda. Die älteren Schwestern Marie Antoinette und Anna Luise waren im 1993 Alter von 63 und 2003 mit 70 Jahren gestorben. Eduards älterer Bruder Leopold Friedrich (geboren 1936) war bereits mit 25 Jahren bei einem Autounfall schwer verunglückt und an den Folgen verstorben. Seit dessen Tod 1963 ist Eduard Prinz von Anhalt Chef des Hauses Anhalt-Askanien.

Im November 2018 verursachten Bilder vom Massengrab der herzoglichen Familie auf dem städtischen Friedhof Dessau-Ziebigk Schlagzeilen: Die sterblichen Überreste der drei letzten regierenden Herzöge von Anhalt, zweier Herzoginnen, von vier Prinzen und Prinzessinnen – und Prinzregent Aribert von Anhalt, der für den minderjährigen Herzog Joachim Ernst am 12. November 1918 für das Haus Anhalt den Thronverzicht erklärte, waren nach 1945 von der lokalen SED-Führung aus dem Mausoleum  herausgeholt und auf dem Friedhof verscharrt worden. Mehr zum Zuständigkeitsstreit hier.

Das Königreich Sachsen

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Es ist für den Autoren stets ärgerlich, wenn von den „neuen Bundesländern“ gesprochen wird, denn Länder wie Brandenburg oder Sachsen haben als Kurfürstentümer eine weit längere Geschichte, als Neuschöpfungen wie das Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW, auch wenn die historischen Wurzeln der Staaten, die diesen Konstrukten vorangingen, innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation natürlich ebenso bedeutend sind.

Sachsen wurde dabei immer vom Haus Wettin regiert, welches seine Ursprünge in Merseburg und in der Lausitz hat. Im 15. Jahrhundert teilte sich das Haus in die ernestinische und die albertinische Linie, wobei die Albertiner in Sachsen und die Ernestiner in thüringischen Kleinstaaten wie Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Meiningen herrschten. Erstaunlich ist es dabei, daß die Ernestiner durch Heiratspolitik außerdem in ganz Europa herrschten: so früher in Portugal und Bulgarien und noch heute in Belgien und England.

Das Königreich Sachsen in der Zeit des 2. Kaiserreichs.

In diesem Artikel soll es jedoch um Sachsen und die Albertiner gehen: Deren Geschichte als traditionellem Verbündeten Österreichs war spätestens seit Friedrich dem Großen durch den Antagonismus mit dem benachbarten Preußen geprägt. Durch das militärische Geschick des Nachbarn sollte das Land mehrfach aufgelöst werden und wurde nur auf Fürsprache der Habsburger bewahrt. 1806 durch Napoleon zum Königreich erhoben, fand die letzte Auseinandersetzung Sachsens mit Preußen 1866 statt und endete wie die Kriege davor mit einer Niederlage. Beim anschließenden Friedensschluß wurden dann die Grenzen Sachsens so festgelegt, wie sie im wesentlichen noch heute bestehen und es fand eine Aussöhnung mit den Hohenzollern statt, um die sich nach dem Tod von König Johann vor allem König Albert bemühte, welcher 1873 auf den Thron kam und bis 1902 herrschte. Im Reichstag stellte das Königreich 23 von 397 Abgeordneten und im Bundesrat hatte es 4 von 61 Stimmen. Vielleicht aufgrund des stetigen militärischen Mißgeschicks hatte die Innenpolitik in Sachsen eine hohe Bedeutung und es gelang, eine relativ erfolgreiche Industrie aufzubauen, die das Land zu einem der reichsten deutschen Länder machte, welches sich aber auch früh mit einer starken Arbeiterbewegung auseinandersetzen mußte. Es bestand ein Zweikammersystem, wobei die zweite Kammer in geheimer und gleicher Wahl gewählt wurde und die erste Kammer in ihrer Zusammensetzung eher mit dem heutigen britischen Oberhaus vergleichbar war. Albert versuchte, die Lage der Armen zu verbessern und stieß eine Verwaltungsreform, eine Steuer- und Wahlrechtsreform an. Auf Albert folgte Georg, welcher jedoch nur zwei Jahre herrschte und dann an den Folgen einer Grippe verschied.

Der letzte Monarch, Friedrich August III., galt als sehr bescheiden, sprach Dialekt und war sehr volksnah und beliebt. Ohne Eskorte wurde er in Wirtshäusern in Dresden beim Skatspielen gesehen und ging mit den Dresdnern in Zivilkleidung einkaufen. Als wichtige Meilensteine seiner Regierungszeit sind die Sanierung des Staatshaushalts und eine Wahlrechtsreform zu nennen, die den Sozialdemokraten mehr politische Teilhabe gewährte. Die 3. Armee, welche bei Kriegsausbruch 1914 überwiegend von Sachsen gestellt wurde, führte er nicht ins Feld, sondern überließ das Kommando den Generälen von Hausen und später von Einem. Bei der Abdankung nach dem unglücklichen Kriegsausgang ist von ihm der Satz „Dann macht euern Dreck doch alleene“ überliefert, jedoch ist es nicht sicher, ob er so wirklich gefallen ist. Auch soll er, als er nach dem Sturz der Monarchie von einigen Bürgern erkannt und bejubelt wurde, „Na, ihr seid mir ja schöne Republikaner“, gesagt haben. Er besuchte Kaiser Wilhelm II. mehrfach in seinem Exil in Doorn und versuchte, das Weimarer Republikschutzgesetz zu verhindern, was dafür spricht, daß die beiden Dynastien am Ende wirklich versöhnt waren und der König politisch engagiert blieb. Bei seiner Beerdigung 1932 gaben ihm 500.000 Sachsen die letzte Ehre.

Beerdigung von König Friedrich August III. von Sachsen in Dresden 1932

Nach dem Tod des Königs ging die Thronfolge auf Friedrich Christian und später auf Maria Emanuel über. Da dieser keine männliche Nachfahren hatte, erklärte er den Sohn seiner Schwester Anna zum Thronfolger. Prinz Alexander von Sachsen-Gessaphe war eine Zeit lang Berater der sächsischen Regierung, lebt heute aber in Mexiko und hat ein erfolgreiches Speditionsunternehmen. Er hält die Monarchie in Deutschland für denkbar, kann sich aber statt eines Hohenzollern auf dem deutschen Thron eher einen Wittelsbacher vorstellen, wie er einmal in einem Gespräch sagte.

L.R.

Prinz Alexander von Sachsen, Markgraf von Meiβen und seine Familie

Die Fürsten zu Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen

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Das Territorium des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen ist braun gefärbt, das des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt orange.

Die Grafen von Schwarzburg wurden erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Schwarzburg benennt dabei tatsächlich keine Stadt, sondern eben eine Burg, die sich an der Schwarza befand, einem kleinen Zufluß der Saale, so daß der geographisch relevantere Name der Gebiete der Beiname ist, also Rudolstadt beziehungsweise Sondershausen. Das Gebiet rund um die beiden Städte wechselte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation häufig Gestalt und Ausdehnung, im Jahr 1599 einigten sich Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen dann aber auf eine territoriale Aufteilung, die im wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand hatte. Beide Gebiete waren dabei jedoch keine geschlossenen Besitzungen, sondern ein Flickenteppich kleiner, geographisch weit auseinanderliegender Territorien. Schwarzburg-Rudolstadt umfaßte eine Oberherrschaft mit Rudolstadt, Stadtilm und Blankenburg, sowie eine Unterherrschaft mit dem Gebiet um Frankenhausen, Schwarzburg-Sondershausen eine Unterherrschaft mit Sondershausen und eine Oberherrschaft rund um Arnstadt.

1710 wurden beide Grafschaften Fürstentum und waren zu Zeiten Napoleons und danach Mitglieder im Deutschen Bund. Im Krieg von 1866 auf der Seite des Gewinners konnten sie ihren Bestand im Deutschen Reich von 1871 sichern. Beide Fürstentümer hatten im Kaiserreich je rund 100.000 Einwohner und trieben die Industrialisierung voran. Sie besaßen je einen Sitz in Reichstag und Bundesrat. Ihre Fürsten hatten eine Vorliebe für’s Militär, hielten sich aber in der Ausübung ihrer Herrschaft gegenüber Regierung und Parlament eher zurück.

Schwarzburg-Rudolstadt war aufgrund des Wahlsystems im Kaiserreich eine Hochburg der Sozialdemokratie, während Schwarzburg-Sondershausen von den Konservativen dominiert wurde, die der Sozialdemokratie eine politische Teilhabe lange verwehrten.

Fürst Günther Viktor Schwarzburg-Rudolstadt

Der letzte Herrscher von Schwarzburg-Rudolstadt war Günther Viktor, welcher als sehr introvertiert galt. Als 1909 Fürst Karl-Günther von Schwarzburg-Sondershausen stirbt, wird er in Personalunion Chef dieses Fürstentums und nennt sich nur noch Fürst von Schwarzburg. Beide Fürstentümer, die, hätte das Deutsche Kaiserreich weiter Bestand gehabt, für sich alleine genommen sicher wenig lebensfähig gewesen wären, sollten eigentlich zusammengeführt werden. Dies scheiterte aber am Kriegsausbruch und an der Weigerung der Sondershausener, die Angst vor einem Erstarken der Sozialdemokratie hatten. Günther Viktor, der Kriegsteilnehmer von 1870, wäre gerne 1914 mit seinen Soldaten ins Feld gezogen, war aber bei Kriegsausbruch schon zu alt. Er ist der vorletzte Bundesfürst, der im November 1918 abdankt und stirbt 1925 in Sondershausen. Da auch Günther Viktor keine Kinder hatte, benannte seine Frau Fürstin Anna-Luise von Schwarzburg 1942 den Prinzen Wilhelm von Schönburg-Waldenburg per Adoption zum Erben, dieser fiel jedoch bei der Landung der Alliierten in der Normandie. Heutiger rechtmäßiger Fürst von Schwarzburg wäre somit der 1940 geborene Ulrich von Schönburg-Waldenburg.  L.R.

Die Witwe des Fürsten Günther Viktor, des vorläufig letzten Regenten der Fürstentümer Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt, starb am 7. November 1951 in Sondershausen. Sie sollte am Abend des 10. November in der Schwarzburger-Gruft von St. Andreas zu Grabe getragen werden. Keine Todesanzeige durfte in den Zeitungen veröffentlicht werden. Nicht in Sondershausen, wo Fürstin Anna Luise unter dem Schutz des sowjetischen Stadtkommandanten im Schloß bis zu ihrem Tod lebte, und auch nicht in Rudolstadt. Trotzdem war die Schloßkirche in Sondershausen am Vormittag des 10. November zum Trauergottesdienst gefüllt bis auf den letzten Platz. Tausende säumten die Straßen, als der Sarg zum Bahnhof überführt wurde. Das wiederholte sich nachmittags in Rudolstadt bei der Fahrt des Sarges zur Stadtkirche.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 219

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In Rumänien wurde die Gründung der eigenen Königsdynastie 1866 mit einer Serien von Festlichkeiten und zahlreichen Sondermarken der Staatspost gefeiert. Auch wenn König Michael I. von Rumänien am 30. Dezember 1947 gezwungen wurde, das Land zu verlassen, ist die Frage der Monarchie im Land lebendig geblieben und eine Wiedereinsetzung der Dynastie in ihre Rechte bleibt akut.

Kein „Modernisierungsverlierer“ – Die Monarchie in der Forschung

Die Monarchieforschung ist lebendiger denn je. Das belegen exemplarisch drei in jüngerer Zeit von der Coburger Prinz-Albert-Gesellschaft veröffentlichte Tagungsbände, alle zwischen 2015 und 2018 im traditionsreichen Verlag Duncker & Humblot erschienen, in denen eine beachtliche Riege nationaler wie internationaler Historiker versammelt ist, deren (mitunter in englischer Sprache verfaßten) Beiträge sich durch einen wohltuend unvoreingenommen Blick auf die vergangenen 200 Jahre Monarchiegeschichte auszeichnen. Was dabei besonders aufhorchen läßt, ist der zu verzeichnende Paradigmenwechsel, eine deutlich veränderte Sichtweise auf die Institution der Monarchie und ihre erstaunlichen Anpassungsleistungen nach den großen Herausforderungen seit 1789.

Das Problem besonders der älteren bundesrepublikanischen Geschichtsschreibung benennen dabei unmißverständlich Frank-Lothar Kroll und Benjamin Hasselhorn in ihren Beiträgen für den Band Hannover – Coburg-Gotha – Windsor. Probleme und Perspektiven einer vergleichenden deutsch-britischen Dynastiegeschichte vom 18. bis in das 20. Jahrhundert (2015). „Die Frage nach der zeitgenössischen Modernität monarchischer Herrschaftsformen“, so Kroll, zähle zu den „nicht eben häufig erwogenen Problemstellungen der neueren deutschen Historiographie.“ Ganz im Gegenteil galten Monarchien als „abgelebte Relikte einer glücklich überwundenen vordemokratischen Gesinnung, mit der zu beschäftigen es sich nicht lohnte, und an deren Nachleben ungern erinnert wurde. (…). Die ‚royalen‘ Vergangenheiten der meisten deutschen landesstaatlichen Monarchien, von denen es bis zum November-umsturz 1918 immerhin noch 22 vollauf funktionsfähige Exemplare gegeben hatte (…), wurden lange Zeit entweder verdrängt oder verspottet oder mit wohlfeilen Gesten gönnerhaft abgetan und in den Bereich des historisch Irrelevanten und Anekdotenhaften verwiesen.“

Doch liege das Hauptproblem einer solchen Sichtweise, wie Hasselhorn konstatiert, in der „Normativität der mit ihr verbundenen Schlußfolgerungen. Die Monarchie im 19. Jahrhundert kann man nämlich eigentlich nur dann als Anachronismus bezeichnen, wenn man ein normatives Konzept von Fortschritt vertritt, nach dem dieser (…) letztendlich zwangsläufig auf Demokratie und Parlamentarismus zulaufe.“ Dabei sprächen die historischen Tatsachen gar nicht unbedingt für diese Auffassung. So blieb die Monarchie – lange auch in Frankreich – der Normalfall, ja man könne mit Dieter Langewiesche gar von einem „Jahrhundert der Monarchie“ sprechen. Selbst die damals neu gegründeten Staaten in Europa hätten sich „ausnahmslos monarchische Verfassungen“ gegeben.

Freilich bleibt dabei völlig unbestritten, daß die europäischen Monarchien infolge der großen politischen und geistigen Zäsur von 1789 und den Umwälzungen der folgenden Kriegsjahrzehnte nicht einfach zum status quo ante zurückkehren konnten, sondern sich einem deutlich spürbaren Anpassungsdruck ausgesetzt sahen. Daß dieser Transformationsprozeß doch insgesamt ziemlich erfolgreich gemeistert wurde, zeigen unter anderem die Aufsätze des Bandes Inszenierung oder Legitimation? Die Monarchie in Europa im 19. und 20. Jahrhundert (2015), welche sich mit der Erprobung und Durchsetzung „neuer, zeitgemäßerer Formen einer Legitimation der existentiell bedrohten Königsmacht“ (Vorwort) im weiten Spannungsfeld von aufstrebendem Bürgertum, liberaler und radikaldemokratischer Strömungen, von Konstitutionalismus, Nationalbewegung, Kulturpolitik, Industrieller Revolution und sozialer Frage sowie eines gesteigerten öffentlichen Interesses im anbrechenden Medienzeitalter auseinandersetzen.

Auch wenn sich dabei nicht jede Herrscherpersönlichkeit vorbehaltlos in diesen Wandlungsprozeß einfügen wollte – angesichts der Exzesse der Französischen Revolution, angesichts eines bei manchem noch tiefsitzenden Bezugs zur traditionellen, christlich-sakral begründeten Legitimität, angesichts des drohenden politischen Machtverlustes durch Einbindung in eine Verfassung: Auch diese Beweggründe sind verständlich, schließlich blieb jeder ein Kind seiner Zeit, einer Zeit mithin, in der wie nie zuvor völlig unterschiedliche Konzepte und Sichtweisen miteinander kollidierten – kann man hier doch von einer insgesamt großen Mitgestaltungsbereitschaft sprechen und mit Frank-Lothar Kroll festhalten (wie oben), daß gerade die Monarchen „an zahlreichen zeitgenössischen Modernisierungsleistungen, so an den meisten europäischen Nationalstaatsgründungen (…) einen unverzichtbaren Anteil“ hatten und der „engmaschige Zusammenhang von ‚Monarchie‘ und ‚Moderne’“ an etlichen weiteren Beispielen belegt werden kann. „Die Überlebenskraft der meisten europäischen Dynastien“, so Kroll weiter, „speiste sich ganz wesentlich aus diesem Zusammenhang.“ Das „Verschwinden zahlreicher Kronen Europas in den Jahren 1917 bzw. 1945“ sei „zumeist keine Folge wachsender Funktionsunfähigkeit oder gar Unzeitgemäßheit der monarchischen Staatsform“, sondern „durch ‚äußere‘ Faktoren bedingt (…).“ Gerade in der Rückschau bestehe demnach „keinerlei Veranlassung, die monarchische Vergangenheit Europas im Allgemeinen und das ‚Erbe der Monarchie‘ in Deutschland im Besonderen historiographisch zu marginalisieren oder im Sinne eines ‚republikanischen Triumphalimus‘ pauschal zu denunzieren.“

Auch wenn sich dabei nicht jede Herrscherpersönlichkeit vorbehaltlos in diesen Wandlungsprozess einfügen wollte – angesichts der Exzesse der Französischen Revolution, angesichts eines bei manchem noch tiefsitzenden Bezugs zur traditionellen, christlich-sakral begründeten Legitimität, angesichts des drohenden politischen Machtverlustes durch Einbindung in eine Verfassung: Auch diese Beweggründe sind verständlich, schließlich blieb jeder ein Kind seiner Zeit, einer Zeit mithin, in der wie nie zuvor völlig unterschiedliche Konzepte und Sichtweisen miteinander kollidierten – kann man hier doch von einer insgesamt großen Mitgestaltungsbereitschaft sprechen und mit Frank-Lothar Kroll festhalten (wie oben), daß gerade die Monarchen „an zahlreichen zeitgenössischen Modernisierungsleistungen, so an den meisten europäischen Nationalstaatsgründungen (…) einen unverzichtbaren Anteil“ hatten und der„engmaschige Zusammenhang von ‚Monarchie‘ und ‚Moderne’“ an etlichen weiteren Beispielen belegt werden kann. „Die Überlebenskraft der meisten europäischen Dynastien“, so Kroll weiter, „speiste sich ganz wesentlich aus diesem Zusammenhang.“ Das „Verschwinden zahlreicher Kronen Europas in den Jahren 1917 bzw. 1945“ sei „zumeist keine Folge wachsender Funktions-unfähigkeit oder gar Unzeitgemäßheit der monarchischen Staatsform“, sondern „durch ‚äußere‘ Faktoren bedingt (…).“ Gerade in der Rückschau bestehe demnach „keinerlei Veranlassung, die monarchische Vergangenheit Europas im Allgemeinen und das ‚Erbe der Monarchie‘ in Deutschland im Besonderen historiographisch zu marginalisieren oder im Sinne eines ‚republikanischen Triumphalimus‘ pauschal zu denunzieren.“

Auch die Beiträge des 2018 erschienenen Sammelbands Vom Olymp zum Boulevard: Die europäischen Monarchien 1815 bis heute – Verlierer der Geschichte? verstehen sich ausdrücklich als Korrektiv der „neuen Monarchiegeschichte“ gegenüber dem „früher vorherrschenden eindimensionalen Negativurteil“ – freilich ohne dabei in kritiklose Apologie zu verfallen. Zentrales Anliegen des Bandes bleibt es jedoch, einer neuen Sichtweise zum Durchbruch zu verhelfen, nach der man eben nicht davon ausgehen könne, daß „die Monarchie (…) eine von den Zeitläufen überholte Institution ist, sondern daß sie in den vergangenen zweihundert Jahren ihre enorme Anpassungsfähigkeit und Wandelbarkeit unter Beweis gestellt hat“ (aus der Einleitung).

Ganz in diesem Sinne kommt Benjamin Hasselhorn in seinem Aufsatz Das Monarchiesterben 1914-1945: Ein Siegeszug der Demokratie? zu dem Schluß, daß man keinesfalls von einer solchen, häufig postulierten, allgemeinen und unvermeidlichen Tendenz sprechen könne. Der erste Schub des Monarchiesterbens betraf im Zuge des Ersten Weltkrieges nur die Verliererstaaten (mit Ausnahme Bulgariens), nach dem Zweiten Weltkrieg dann diejenigen, welche in den sowjetischen Einflußbereich gerieten. In Italien folgte die Abschaffung 1946 per Volksentscheid. „Die noch bestehenden Monarchien in den Siegerstaaten und bei den Neutralen wurden nicht angetastet – bis heute. (…). Man sollte daher mit behaupteten Zwangsläufigkeiten sehr vorsichtig sein:

Geschichte ist ein offener Prozeß (…). Daß die Zeiten der Monarchie seit 1945 vorbei wären, ist nicht nur nicht gesagt. Es ist empirisch widerlegbar.

Marc von Knorring (Nur Moderatoren und Medienstars? Europäische Herrscherfamilien seit dem Zweiten Weltkrieg) befaßt sich mit der interessanten Frage, wie viel konkrete politische Macht bzw. Einflußmöglichkeiten den nach 1945 verbliebenen gekrönten Häuptern heute noch zukommt, wobei er diese in drei machtmäßig abgestufte Gruppen unterteilt. Auch wenn die Beurteilung so manchen Herrscherhauses wegen ungenügender Informationen vage bleiben muß, kommt von Knorring dennoch zu dem Ergebnis, daß diese bei aller notwendigen Differenzie-rung auch als politische Größen gesehen werden müßten, um zu einem ausgewogenen Gesamtbild zu gelangen. Es sei neben den bekannten Rollen als überparteiliche Moderatoren und Medienstars „immer wieder auch die politische Funktion“ gewesen, welche zu den „unverändert hohen Beliebtheits- bzw. Akzeptanzwerte[n] unter der Bevölkerung“ beigetragen habe. Sein Resümee: „Die europäischen Herrscherdynastien haben damit zweifellos ihre Rolle in einer infolge des Zweiten Weltkrieges noch einmal drastisch gewandelten Welt gefunden, und es wäre sicherlich alles andere als angemessen, sie vor diesem Hintergrund als ‚Verlierer‘ der Geschichte zu bezeichnen.“ M.S.

Zahlungen an ex-Präsidenten begrenzt

Der Bundestag, der jüngst beschloß, die Diäten seiner Angehörigen automatisch an die Inflation anzupassen, damit die jährlichen Negativschlagzeilen zur Diätenerhöhung vermieden werden, hat dem sogenannten „Ehrensold” der Altbundespräsidenten und Altkanzler nach Kritik des Bundesrechnungshofes Grenzen gesetzt.

Künftig werden andere Einkünfte der Altpräsidenten auf den Sold von etwas über 200.000 Euro im Jahr angerechnet. Dies betrifft vor allem Christian Wulff, der als Rechtsanwalt tätig ist. Horst Köhler hatte auf den Sold verzichtet.

Der Bundesrechnungshof kritisierte weiterhin die Bürokosten von zwischen 0,9 und 2,3 Mio. Euro pro Altpräsident, obwohl dieser im Büro nur durchschnittlich 2,6 Tage im Monat anwesend sei. Für künftige Altpräsidenten soll auch die Personalausstattung beschränkt werden. Künftig sind nur ein Büroleiter, zwei Referenten, eine Bürokraft und ein Fahrer möglich. Nach fünf Jahren entfällt die zweite Referentenstelle.

Gegenwärtig gibt es mit Horst Köhler, Christian Wulff und Hans-Joachim Gauck drei Altbundespräsidenten, die Kosten generieren. Es entstehen also mindestens 3,6 Mio. Euro an zusätzlichen Kosten, die sich aus Sold und Bürohaltung zusammensetzen. Bislang waren die Kosten allerdings noch höher. Nicht enthalten sind in diesen Summen schließlich noch die Reisekosten, die zukünftig auch geprüft werden sollen.

Von spanischen Monarchisten stammt dieser Vergleich der Kosten für monarchische und republikanische Staatsoberhäupter.

Wenn die laufenden Kosten des Bundespräsidialamtes dazugenommen werden, die sich momentan auf 34,3 Mio. Euro im Jahr belaufen, entstehen für das höchste Staatsamt in Deutschland also rund 40 Mio. Euro Kosten und man kann sich daher über die These vieler Republikaner, die Monarchie sei teuer, nur köstlich amüsieren. Zwar belaufen sich die Kosten für Monarchien nicht nur auf Apanagen für Familienmitglieder. Auch die Personalkosten für Mitarbeiter, Bewirtschaftungskosten für Dienstsitze, usw. müssen für einen realistischen Vergleich berechnet werden. Trotzdem dürften die meisten Monarchien weniger Geld kosten, als gegenwärtige und vergangene Bundespräsidenten. Hinzu kommt, daß die Monarchie im Gegensatz zur Republik auch Einnahmen generiert, besonders im Tourismus: Niemand fährt nach Deutschland, um den Bundespräsidenten in Bellevue zu sehen, aber dasselbe gilt nicht für die Windsors oder andere Königshäuser.

L.R.

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Die vollständige 219. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 219

Inhalt der 219. Ausgabe:

  • Kein „Modernisierungsverlierer“ – Die Monarchie in der gegenwärtigen Forschung, Teil 2
  • Gott – König – Burundi
  • Australien: Die Republik bringt keine Wählerstimmen
  • Zahlungen an ex-Bundespräsidenten begrenzt

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 218

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Eine Alternative: Make America Great Britain again.

Warum wird nicht die Monarchie als Lösung in Betracht gezogen?

Als Historiker freue ich mich, daß es ein Angebot wie Welt Geschichte gibt. Leider sind die Artikel oft tendenziös (z. B. klar antiroyalistisch) und mehr Polemik als Wissenschaft oder behandeln populäre (im Sinne von Clickbait) Themen. Exemplarisch zu sehen ist es an diesem Artikel, der im Mantel historischer Abhandlung über den US-Präsidenten Andrew Johnson als klare Trump-Kritik aufgebaut wird. Doch der US-Präsident Trump ist nur ein Symptom einer Präsidialrepublik, die nicht einigend, sondern zutiefst spalterisch wirkt. Das Problem wird nicht gelöst, wenn auf einen Rechten ein Linker folgt, der seinerseits nur von einem Teil der Bevölkerung akzeptiert wird. Es braucht eine integrative Kraft, wie in den politisch stabilsten Ländern der Welt (siehe hohe Anzahl an Monarchien an der Spitze des Demokratieindex).

Vier von fünf Staaten in der Spitzengruppe des Demokratieindexes sind Monarchie. Am Ende stehen Republiken.

Wieso zieht der Autor des Artikels nicht die Monarchie als Lösung in Betracht?

Es liegt an antiquierten Vorstellungen über diese Staatsform, wie die Erklärung nach dem Unterschied zwischen Monarchie und Republik zeigt, das im Impeachment gesehen wird. Nun dürfte klar sein, daß es genügend Republiken ohne ein vergleichbares Absetzungsverfahren gibt, während Monarchien sehr wohl ähnliche Praktiken kennen, man denke an die zeitweise Regierungsunfähigkeitserklärung in Belgien, wie zuletzt 1990 geschehen. Zu viele Menschen hörten nur von Aristoteles‘ Definition, die nicht mehr zeitgemäß ist. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Staatsformen besteht darin, daß das Staatsoberhaupt der Monarchie ein Monarch ist, in einer Republik dagegen nicht. Über das Regierungssystem ist damit nichts gesagt.

Lukasz Stec

Die Alliance Royale will ins EU-Parlament

Mit dem Slogan „Für ein königliches Frankreich im Herzen Europas“ geht die Alliance Royale heute in die Wahl zum EU-Parlament. Die Kandidatenliste umfaβt 79 Namen und ist – wie in Frankreich gesetzlich bestimmt – paritätisch besetzt: Auf einen Royalisten folgt eine Royalistin.

In Österreich gibt es in diesem Jahr leider keine monarchistischen Kandidaten, obwohl sie gerade dort dringend gebraucht würden. Soweit bekannt, sind in Tschechien Royalisten auf Stimmensuche, um ihr Anliegen ins EU-Parlament zu tragen. Allen Royalisten (m/w) in Europa wünscht die Corona-Redaktion viel Erfolg.

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Die vollständige 218. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 218

Inhalt der 218. Ausgabe:

  • Kein „Modernisierungsverlierer“ – Die Monarchie in der gegenwärtigen Forschung
  • Warum wird nicht die Monarchie als Lösung in Betracht gezogen?
  • Erich von Falkenhayn: Der Unterschätzte
  • Die Alliance Royale will ins EU-Parlament

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

König Willem-Alexander und Prinz Georg Friedrich trafen sich in Schloβ Sanssouci

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Wie schon beispielsweise beim Besuch von Königin Elizabeth II. oder Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein waren Prinz Georg Friedrich und Prinzessin Sophie von Preuβen auch zur Begegnung mit dem zu einem Arbeitsbesuch in Brandenburg weilenden niederländischen Königspaar eingeladen.

Tischrede Seiner Majestät des Königs beim Besuch am 22. Mai 2019 in Brandenburg, Schloss Sanssouci/Neue Kammern, Potsdam

Herr Ministerpräsident, Frau Woidke,

vielen Dank für Ihre herzlichen Worte. Dass wir uns hier wie zu Hause fühlen, hat vielleicht ein bisschen mit dem Holländischen Viertel zu tun, nur einen Steinwurf von hier entfernt. Vor allem aber liegt es an Ihrer Gastfreundschaft – und damit meine ich Sie persönlich und alle Menschen, denen wir hier in Brandenburg begegnet sind.

Meine Frau und ich sind dankbar, dass wir die Gelegenheit hatten, dieses schöne Bundesland noch besser kennenzulernen! Die Zeit war zu kurz, um alle Städte und Landkreise zu besuchen. Wir haben aber einen guten Eindruck vom Reichtum an Aktivitäten und von der Kraft der Menschen hier bekommen. Eine Kraft, die sie gemeinsam entwickeln.

Ich musste dabei an einen Satz von Theodor Fontane denken, der vor 200 Jahren in Neuruppin geboren wurde.
Er schrieb – und ich zitiere:

»Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an.«

Diesen Gemeinschaftssinn kann man hier an vielen Orten erleben.

Wer durch Brandenburg reist, spürt überall den Atem der Geschichte. Hell brannte hier die Flamme der Aufklärung. Aber es gab auch dunkle Perioden und lange Jahre der Unfreiheit. Es ist imponierend, was die Einwohner Brandenburgs nach der Wende auf die Beine gestellt haben. Ich denke dabei nicht nur an Potsdam mit seinem beeindruckenden MediaTech Hub. Sondern auch an die ländlichen Gebiete, wo die Menschen gemeinsam daran arbeiten, ihren Ort lebenswert und lebendig zu erhalten. Erst gestern haben wir in Nauen dafür ein schönes Beispiel gesehen.

Vertrauen in die eigene Kraft ist gut, reicht aber nicht aus für bleibenden Erfolg. Herr Ministerpräsident, zu Recht betonen Sie immer wieder die Bedeutung europäischer Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Die Zusammenarbeit mit dem polnischen Nachbarn wird sogar ausdrücklich in Ihrer Landesverfassung erwähnt. Nicht von ungefähr sind heute hier auch polnische Gäste zugegen.

Das Königreich der Niederlande wird nicht besonders in der Verfassung erwähnt … Aber keine Sorge, wir nehmen Ihnen das bestimmt nicht übel! Wir fühlen uns trotzdem angesprochen.

Ebenso wie Brandenburg bemühen sich auch die Niederlande um grenzüberschreitender Zusammenarbeit, die das Leben der Menschen verbessern kann. Dieses Streben ist auch das Motiv für unseren Besuch.

Ein wichtiges Thema, das unsere beiden Länder beschäftigt, sind der Übergang zu einer saubereren Energiewirtschaft und die Anpassung an den Klimawandel. Heute Vormittag haben wir uns im Wissenschaftspark Albert Einstein ein Bild davon machen können, wie deutsche und niederländische Experten gemeinsam hieran arbeiten. Phantastisch.

Beeindruckend war auch unser Besuch in der Henning-von-Tresckow-Kaserne gestern Nachmittag. Die Sorge für unsere Sicherheit ist in besonderem Maße zu einer gemeinsamen Verantwortung geworden. Deutschland und die Niederlande haben sich in vielen Regionen gemeinsam engagiert oder tun dies noch immer: in Afghanistan, im Irak, in Mali, am Horn von Afrika, in der Türkei, in Litauen. Unsere Streitkräfte operieren immer mehr als ein Team und ergänzen sich gegenseitig vortrefflich. Ein anschauliches Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, wie sie in Ihnen, Herr Ministerpräsident, einen so glühenden Verfechter hat.

»Es ist und bleibt ein Glück, vielleicht das höchste, frei atmen zu können.«
Auch das ist ein Fontane-Zitat, und wie recht hat er damit!

Die Freiheit, die uns so sehr am Herzen liegt, ist keine Selbstverständlichkeit. Das wissen die älteren Generationen in diesem Bundesland aus eigener Erfahrung.

Frei zu sein ist mehr als das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen. Es bedeutet auch: sich sicher zu fühlen. Eine Perspektive für eine gute Zukunft zu haben. Die Chance zu bekommen, sich zu entwickeln und neue Dinge zu lernen.

Für all diese Facetten der Freiheit sind wir aufeinander angewiesen.

Wir sind dankbar, dass wir hier in Brandenburg so viele Beispiele für dieses fruchtbare Miteinander angetroffen haben. Und wir hoffen, dass wir mit unserem Besuch den Anstoß zu noch viel mehr solcher Kontakte geben konnten.