Neuseelands Premierminister: „Zu meinen Lebzeiten wird es keine Republik geben”

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Während in Australien verfassungsfeindlich eingestellte Ministerpräsidenten am Nationalfeiertag Australia Day dazu aufriefen, eine Republik zu errichten, hat im vier Flugstunden entfernten Neuseeland der dortige Premierminister John Key versichert: NZ a republic? Not in my lifetime.

Als Reaktion auf die Attacke gegen die australische Krone sagte er gegenüber den Medien: “I don’t think there’s any chance New Zealand is going to become a republic anytime soon. In fact, I would be amazed if New Zealand becomes a republic in my lifetime. And I’m hoping to live a long and happy life.” Und als Kommentar zu den Diskussionen in Australien zitierte ihn der New Zealand Herald noch mit der Einschätzung zur australischen Diskussion, “he said he would also be surprised if Australia moved that way soon.

Prinz Charles und Herzogin Camilla mit Premierminister John Key (re.) während ihres letzten Neuseelandaufenthalts im November 2015.

Prinz Charles und Herzogin Camilla mit Premierminister John Key (re.) während ihres letzten Neuseelandaufenthalts im November 2015.

Jüngste Aufenthalte von Prinz Charles, Herzogin Camilla, Prinz Harry und dem jungen Herzogspaar von Cambridge zeigten die Loyalität der Neuseeländer zu ihrer Königsfamilie, was auch John Key so beurteilte: “The bond with the Royal family has been growing stronger and closer in the last 10 to 20 years, particularly with the young royals. I just think there is no appetite to become a republic.

Noch einen gegensätzlichen Standpunkt vertritt der Premierminister. Während sich in Australien die meisten Monarchisten mit Händen und Füßen gegen eine neue Flagge wehren, hat John Key den Austausch der neuseeländischen Fahne aktiv betrieben. Am 13. Dezember 2015 konnten die Neuseeländer in einer Volksabstimmung zwischen sechs vorgeschlagenen Varianten einer neuen Nationalflagge wählen. Und mit 50,53% wurde dieses Symbol zum Sieger ausgerufen:

John Key mit einer Flagge, die er gerne als neues Nationalsymbol sehen würde.

John Key mit einer Flagge, die er gerne als neues Nationalsymbol sehen würde.

Allerdings ist die Regierung fair und im März wird erneut ein Referendum abgehalten. Die Neuseeländer haben dann die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie die seit 1902 bestehende Nationalflagge beibehalten oder die neue einführen wollen. Und es sieht momentan danach aus, als ob sie die alte mit dem Union Jack in der Ecke beibehalten wollten. In Meinungsumfragen liegt die alte Flagge mit 61% Zustimmung gegen 30% für einen Wechsel weit in Führung.

Meinungsumfragen zeigen, daß ein Wunsch nach Flaggentausch nur in Grenzen vorhanden ist.

Meinungsumfragen zeigen, daß ein Wunsch nach Flaggentausch nur in Grenzen vorhanden ist.

Die Bemühungen, den Australiern eine andere Flagge zu geben, dürfte auf ähnlich viel Ablehnung stoßen wie in Neuseeland.

Bei einem dritten Punkt geht John Key einen anderen Weg: Kurz nach seinem Amtsantritt hat er 2009 ermöglicht, daß die höchste Stufe des neuseeländischen Verdienstordens wieder als “Knighthood” bezeichnet wird. Die Träger dieses Ordens dürfen sich als Sir oder Dame anreden lassen. Keys Vorgängerin Helen Clark von der Labour Party hatte diese Auszeichnung 2000 beseitigt. Seither haben etliche Neuseeländer diese Knighthoods erhalten und sie scheinen allgemein akzeptiert zu sein.

Ganz anders in Australien, wo der monarchistische Premierminister Tony Abbott ebenfalls wenige Monate nach seinem Amtsantritt Knighthoods wieder ermöglichte und 2014 die Königin von Australien die ersten Ehren vergab. Im Januar 2015 gab es eine Medienkampagne dagegen, daß am Australia Day Prinz Philip diese australische Ehrung erhielt. Und kaum hatte Malcolm Turnbull im September 2015 erfolgreich gegen Tony Abbott geputscht, schaffte der Erzrepublikaner die Knighthoods schon wieder ab.

Der australische High Commissioner (Botschafter) in Großbritannien war anwesend, als die Königin von Australien Prinz Philip mit den Insignien eines Knight of the Order of Australia auszeichnete.

Der australische High Commissioner (Botschafter) in Großbritannien Alexander Downer war anwesend, als die Königin von Australien Prinz Philip mit den Insignien eines Knight of the Order of Australia auszeichnete.

Die markanten Unterschiede charakterisieren John Key, der mit einem sympathischen Anspruch seine Amtsgeschäfte aufnahm: “I want to leave New Zealand in better shape than I found it. I know the job of Prime Minister is not forever and I’m going to do the best I can every day to make that difference.” Seine ruhige Hand führte vielleicht dazu, daß er in Europa nahezu unbekannt ist. Dabei hätte der Sohn einer österreichischen Einwanderin verdient, daß man ihn besser kennt. Seine jüdische Mutter Ruth Key, 1922 als Ruth Lazar geboren, kam 1938 gerade rechtzeitig noch aus dem von den Nazis annektierten Österreich heraus und erreichte im Februar 1939 Großbritannien, wo sie ihren Mann kennenlernte. Mit ihm wanderte sie nach Neuseeland aus, wo ihre drei Kinder zur Welt kamen, so auch 1961 der Sohn John.

Griechischer König Konstantin erzählt dem ZDF seine Lebensgeschichte

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Im deutschen Fernsehen kommen die Mitglieder des griechischen Königshauses selten vor. Sowohl in den öffentlich-rechtlichen wie in den kommerziellen Kanälen spielen eher schwedische, dänische, spanische und natürlich britische „Royals“ eine Rolle. Da ist es löblich, wenn das ZDF König Konstantin II., seine Frau, Königin Anne Marie, und Kronprinz Paul zu Wort kommen läßt. Das Lob trifft aber eine Sendung, die an einem Sonntagabend um 23.30 im Sendeschema versteckt und dann auch noch als „ZDF-History“ verkauft wurde. Fast könnte die Idee aufkommen, das ZDF wolle gar nicht, daß die Sendung von allzuvielen Zuschauern verfolgt werde. Wer sie ob der späten Ausstrahlung verpaßte, für den steht sie in der Mediathek zum Ansehen bereit.

Hochzeit von Kronprinz Paul von Griechenland mit Prinzessin Friederike von Hannover 1937

Hochzeit von Kronprinz Paul von Griechenland mit Prinzessin Friederike von Hannover 1937

Der Kurzabriß der griechischen Monarchie – von König Otto I. aus dem Hause Wittelsbach bis zum aktuellen König – ist zeitbedingt nur ein schneller Überflug von 185 Jahren Geschichte. In Details konnte Julia Melchior, die für die Dokumentation verantwortlich ist, dabei nicht gehen. Auch die Eltern König Konstantins werden nur relativ kurz gestreift, aber immerhin sind einige Filmaufnahmen von König Paul I. und Königin Friederike zu sehen, die jeden Royalisten erfreuen.

Proklamation König Konstantins II. 1964

Proklamation König Konstantins II. und Ablegung des Eids auf die griechische Verfassung 1964. Neben ihm steht seine Schwester Irene, die zu dem Zeitpunkt Kronprinzessin war.

Nach dem Tod König Pauls im März 1964 übernahm der erst 24-jährige Konstantin die Amtsgeschäfte. Ursprünglich kam er mit seinem Premierminister Georgios Papandreou gut zurecht, doch erschütterte 1965 der ASPIDA Skandal um den Sohn des Regierungschefs, Andreas Papandreou, die griechische Innenpolitik. Daß er beim ZDF nicht erwähnt wurde, ist bedauerlich, denn er steht zentral für die Auseinandersetzung zwischen König und Premierminister. Stattdessen übergab man das Wort dem hinzugezogenen griechischen Historiker George Mavrogordatos, der den Zwist sehr vereinfachend so darstellte: „Konstantin war gerade 24 und der Premierminister hätte vom Alter sein Großvater sein können. Es machte den Anschein als ob ein unreifer Junge eine angesehene Persönlichkeit schlecht behandelte. Damit wurde eine Krise losgetreten, die die Demokratie zerstörte.“ Und am Ende die Monarchie, möchte man anfügen, aber eine Erklärung der Ursachen war das nicht.

Den Verlauf des Referendums von 1974 mußten König und Königin in London verfolgen, weil ihnen Griechenland die Einreise verweigerte.

Den Verlauf des Referendums von 1974 mußten König und Königin in London verfolgen, weil ihnen Griechenland die Einreise verweigerte.

Der Militärputsch vom 21. April 1967 überraschte dennoch den König und er reagierte in dieser Situation nicht richtig. Abgeschnitten von seinen Beratern und der Außenwelt konnte er nicht vollbringen, was 1981 sein Schwager König Juan Carlos in Spanien tat. Ihm fehlten die Mittel, sich direkt an die Griechen zu wenden und dazu aufzurufen, dem Putsch Widerstand entgegenzusetzen. Auch daß ein royalistischer Putschversuch 1973 die Obristen bewog, die Monarchie abzuschaffen und sie sich diesen Schritt in einer Scheinvolksabstimmung bestätigen zu lassen, kam beim ZDF nicht vor. Das Referendum von 1974 war dem ZDF jedoch eine Erwähnung wert.

Über den gescheiterten Gegenputsch im Dezember 1967 und den Flug ins Exil wurde oft geschrieben und das Magazin stern titelte einst: „Der König putschte wie ein Anfänger.“ Dazu sagte der König im ZDF-Interview: „Ein König und seine altgedienten Generäle haben doch keine Ahnung, wie man einen Putsch macht. Ich jedenfalls wußte nicht, wie ein Putsch funktioniert.

König Konstantin, Königin Anne-Marie mit Prinz Michael von Griechenland und Dänemark bei einer Wohltätigkeitsgala in Athen 2015.

König Konstantin, Königin Anne-Marie mit Prinz Michael von Griechenland und Dänemark bei einer Wohltätigkeitsgala in Athen 2015.

Die ZDF-Dokumentation hat sich zu recht der interessanten Persönlichkeit Konstantins II. zugewandt und Julia Melchior (sie hatte schon im Juli 2012 das Haus Hohenzollern in der SWR/WDR-Dokumentation gekonnt vorgestellt) gebührt Dank für die faire Art, mit der sie ans Werk ging. Sie umging nicht die schwierige Lage für den König und ließ den griechischen Historiker George Mavrogordatos gleich zu Beginn sagen: „Im Griechenland von heute ist das Königtum ein Tabu. Es wird verteufelt.” Sollte es in Deutschland ein Tabu gegeben haben, so durchbrach es Julia Melchior. Dafür gebührt ihr Dank.

Die Kronprinzenfamilie im Bild, das ihre Weihnachtskarte schmückte.

Die Kronprinzenfamilie im Bild, das ihre Weihnachtskarte schmückte.

Australien bleibt der Krone treu

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Happy Australia Day CZlROEzUcAA1uO4Traditionell begeht Australien in jedem Jahr am 26. Januar seinen Nationalfeiertag – Australia Day – und erinnert an die Ankunft der ersten Siedler und die Gründung der Kolonie Neusüdwales am 26. Januar 1788. Es hat sich als neue Tradition etabliert, daß der Tag von Republikanern, Befürwortern einer neuen Flagge und Antirassisten (die drei Kategorien können auch in Personalunion auftreten) genutzt wird, um ihr Anliegen vorzutragen.

In diesem Jahr hatten die Republikbefürworter die Nase vorn und veröffentlichten bereits zwei Tage vor Australia Day ein Schreiben, das von fünf der sechs Ministerpräsidenten der australischen Bundesstaaten sowie von den  Regierungschefs der beiden Bundesterritorien unterzeichnet war, mit dem sie statt einer konstitutionellen Monarchie eine Republik verlangten. Gerichtet war ihr Brief an Premierminister Malcolm Turnbull, der im September 2015 den monarchistischen Parteifreund Tony Abbott in einer Palastrevolte stürzte und der 1999 während des Referendums über die australische Monarchie Führer des Australian Republican Movements war. Ausgerechnet er, von dem sich seine Gesinnungsgenossen viel erhofften, rät zur Vorsicht und will kein neues Referendum – jedenfalls nicht zu Lebzeiten Königin Elizabeths II.

Anders als es deutsche Medien darstellen, ist nämlich die Stimmung keineswegs prorepublikanisch und eine Volksabstimmung würde zu einer noch größeren Niederlage als 1999 führen, als die Australier zu fast 55% Nein zur Republik sagten. Der Vorstoß der Politiker hat sogar den gegenteiligen Effekt (Australian support for monarchy has grown as debate for republic revived) und die Hoffnung der unterlegenen Republikaner, daß die Monarchisten irgendwann von selbst aussterben würden, trog ebenfalls, denn es sind The young Australians who don’t want a republic. In einer Studie des Doktoranden Luke Mansillo von der Sydney University, die im Australian Journal of Political Science veröffentlicht wurde, wird belegt daß es keine Wechselstimmung gibt. Die einzige Alterskohorte, die stets republikanisch eingestellt war, sind die Jahrgänge der 50er und frühen 60er Jahre. Die Jahrgänge davor und besonders seit den 70er Jahren stehen der Monarchie mit viel Sympathie gegenüber.

Die Studie belegt, daß 1999 die Zustimmung zu einer republikanischen Staatsform am größten war, als die genannte Alterskohorte tonangebend und auch numerisch stark war. Seither nahm ihr Gewicht ab und die australische Monarchie besitzt gerade wegen der Politiker einen hohen Stellenwert. Denn anders als es sich die republikanischen Propagandisten wie Ministerpräsidenten, Milliardäre (à la James Packer), Vorstandsvorsitzende von Fluggesellschaften oder Banken vorstellen, hat ihr Eintreten für die Republik die gegenteilige Wirkung. Wenn Big Business und Big Money für die Republik sind, fragen Monarchisten zu recht: “Do we really want a system in Australia where you can, because you are wealthy, run a campaign and become the president of a nation?” Die USA beweisen ja in diesen Tagen erneut, wie sich Milliardäre mit Millionären darum zanken, wer als Präsident ins Weiße Haus einziehen darf, wobei die Milliardäre die besseren Startchancen haben.

Die Australier haben ein Gefühl dafür, wenn die Politiker etwas fordern, was offensichtlich nur ihnen zugute kommt. Eine Republik würde an den Problemen Australiens nichts ändern, aber wieder einen Posten für einen Parteifreund schaffen (“jobs for mates”).

2015 50c gold-plated uncirculated_OBV-smallDie nächsten Vorstöße der australischen Republikaner werden sicher kommen. Anlässe sind neben dem Australia Day jedes Jahr der ANZAC Day (25. April) und Queen’s Birthday (2. Montag im Juni). Die Zeitungen sind an solchen Tagen immer voll mit Lobpreisungen für eine republikanische Staatsform, ohne daß die Republikaner genau ausführen, welches Modell ihnen vorschwebt. Aber sie finden in der Bevölkerung wenig Widerhall, werden jedoch in Deutschland und anderen Ländern gerne nachgedruckt. Ein genauer Blick hinter die Propagandakulissen lohnt sich immer.

Prime Minister Malcolm Turnbull, a staunch republican says Prince Charles will become King of Australia unless the constitution changes, which he conceded could be challenging.

Anläßlich des letzten Besuchs von Prinz Charles in Australien im November 2015 sagte Premierminister Malcolm Turnbull: “If [Prince] Charles becomes the King of the United Kingdom, as I’ve got no doubt he will be, unless our constitution has been changed, he will become the King of Australia”.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 160

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Freiheit, die ich meine

Nach den Silvesterereignissen in Köln und anderen deutschen Städten ist der Schock nicht nur über die Vorfälle an sich, sondern auch über die anschließend versuchte Verdunklung an allen Stellen groß, wobei für weite Teile der Bevölkerung hier nur etwas ans Licht kam, was in der Bundesrepublik schon länger gang und gäbe ist. Tatsächlich ist die Schweigespirale, die sich von einfachen Polizeibeamten über den Polizeipräsidenten und Politiker erstreckt, ebensowenig überraschend wie das anschließende Präsentieren eines Bauernopfers in Gestalt von besagtem Polizeipräsidenten, wobei die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand bei vollen Bezügen von der Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung sicher auch nicht als großes Opfer interpretiert werden dürfte.

Wie konnte es also dazu kommen, leben wir doch im angeblich freiesten und besten Staat, der je auf deutschem Boden existiert hat, was uns von den Eliten immer wieder eingebleut wird? So weit her mit der Freiheit ist es tatsächlich eher nicht, zumindest nicht in unserer Zeit. Im öffentlichen Dienst herrscht in der Republik ein Klima der Angst, was jeder weiß, der Freunde hat, die dort arbeiten, und nur Leute, die die Staatsdoktrin in vorauseilendem Gehorsam befolgen und nie widersprechen, werden in die höchsten Ämter befördert. Wer einen eigenen Standpunkt vertritt, der meist noch nicht einmal politisch sein muß, wird von diesen Karrieristen hingegen meist schnell abgesägt. Den einfachen Polizeibeamten von Köln ist also nicht der geringste Vorwurf zu machen. Auch sie müssen an ihre Familien und ihre Zukunft denken. Eine höhere Schuld hat da schon der Polizeipräsident, der nicht mit der Wahrheit herausrücken wollte. Auch dieser hatte dabei jedoch wahrscheinlich schlichtweg Angst um seinen Job. Hätte er die sogenannten Flüchtlinge ohne Rücksprache mit der Politik beschuldigt, wäre er bei einem weniger schweren Vorfall vermutlich sofort entfernt worden. Deutschlands selbsternannte vierte Gewalt, die Vertreter der Medien, sind wiederum auf das Wohlwollen der Staatsvertreter angewiesen, um an Interviews und andere Informationen zu kommen und diejenigen, die das Glück haben, sich nicht in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis vom Staat zu befinden, haben als Angestellte oder Selbständige eines Unternehmens der freien Wirtschaft schlechte Presse oder den Entzug öffentlicher Aufträge zu fürchten. So wird von der Politik ein Klima der Existenzangst geschaffen, wobei die Chimäre, daß jeder alles sagen dürfe, offiziell weiter vertreten werden kann, da gerichtliche oder geheimpolizeiliche Schritte wie etwa in der DDR ja tatsächlich weitgehend unterbleiben. Daß sich die fehlende Freiheit für viele Deutsche jetzt an der Debatte über die Einwanderungspolitik dennoch zeigt, ist eher zufällig und wahrscheinlich dem Ausmaß des Problems geschuldet, welches eine Vertuschung sehr schwierig macht.

Die Hauptschuldigen aber sind in der Politik zu finden, war es doch eben diese Politik der Republik und ihrer Parteien, die dieses Klima der Angst geschaffen hat und Leute in Ämter hiefte, die dafür außer einer falsch verstandenen Loyalität keine Qualifikationen mitbrachten, während für die Sicherheitskräfte gleichzeitig so etwas wie ein Verbot bestand, sich auf die mehr als erwartbaren Konflikte mit einer Million Zugereisten allein 2015 überhaupt auch nur vorzubereiten oder diese anzusprechen.

Rosa Luxemburgs Forderung wird oft proklamiert, aber selten befolgt: Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenken.

Rosa Luxemburgs Forderung wird oft proklamiert, aber selten befolgt: Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenken.

Hält die heutige Bundesrepublik in puncto Freiheit einem Vergleich mit dem Kaiserreich stand? Die offizielle Geschichtsdoktrin der Bundesrepublik über das Deutsche Kaiserreich ist von Heinrich Mann und seinem Buch „Der Unterthan” geprägt: Der Papierfabrikant Diederich Heßling läßt alle seine Macht spüren, wenn er es kann und die Obrigkeit auf seiner Seite weiß, vor der er wiederum kuscht, wenn er einen anderen Standpunkt als diese vertritt. Im Bündnis mit den Sozialdemokraten und einem jüdischen Staatsanwalt zerstört er die Existenz der letzten Liberalen, die von den Märzereignissen von 1848 übriggeblieben waren, und bereichert sich damit auch persönlich. So die Handlung des Buchs.

Allein der Umstand jedoch, daß dieses Buch auch während des Krieges publiziert werden durfte, spricht nicht für die These einer katzbuckelnden Bevölkerung in einem unfreien Staat. Weitere Beispiele gibt es viele: Der Liberale Friedrich Naumann dürfte ebenso frei über eine Zukunft nach dem Kaiser philosophieren wie die Sozialdemokraten zumindest unter Wilhelm II. auf Kongressen von Revolution und Umsturz sprechen durften. Der später in der Republik ermordete Karl Liebknecht prangerte während des Krieges öffentlich Menschenrechtsverletzungen im Os-manischen Reich an und wurde auch nicht für die Organisation von Streiks während des Krieges in Beugehaft genommen. Was die Freiheit angeht, ist das Kaiserreich und nicht die Bundesrepublik noch heute der Maßstab. L.R.

Gedenken an die Reichsgründung vor 145 Jahren

Das Deutsche Kaiserreich in den Grenzen von 1871 bis 1918. Bismarck erklärte nach der Reichsgründung mehrfach, das Reich sei „saturiert: Von seinen Nachbarn müsste es nicht als potentieller Aggressor gefürchtet werden.

Das Deutsche Kaiserreich in den Grenzen von 1871 bis 1918. Fürst Bismarck erklärte nach der Reichsgründung mehrfach, das Reich sei „saturiert”: Von seinen Nachbarn müßte es nicht als potentieller Aggressor gefürchtet werden.

Am 18. Januar 1871 wurde König Wilhelm I. von Preußen nach eingeholter Zustimmung der anderen deutschen Fürsten zum Kaiser des Deutschen Reichs proklamiert. Damit gab es erstmals nach der langen Agonie des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation seit dem Spätmittelalter bis zu seiner formellen Auflösung 1806 wieder einen ernsthaften gemeinsamen deutschen Staat, wenngleich ohne Österreich. Die Neugründung eines solchen Staats wurde von den europäischen Großmächten ob des eigenen Vorteils lange zu verhindern versucht. Die Angst des Auslandes vor einem einigen Deutschland erklärt auch den Umstand, daß die Einigung nicht friedlich stattfinden konnte, sondern nach drei Kriegen im Spiegelsaal des Versailler Schlosses mitten auf dem Staatsgebiet des damaligen Kriegsgegners Frankreich erfolgte. Der kriegerische Hintergrund der Reichseinigung ist also historisch nachzuvollziehen und sollte nicht den Blick darauf verstellen, daß die Deutschen sich ihr gutes Recht erstritten, wieder in einem Land leben zu dürfen. Dies ist ähnlich wie die Wiedervereinigung 1990 sehr wohl etwas Positives und so wird dieses Ereignisses deutschlandweit in zahlreichen kleinen, aber feinen Zirkeln gedacht.

Einer dieser Kreise ist die Schülerverbindung des Autors, die an jedem 18. Januar einen Reichsgründungscommers schlägt. Um neue Mitglieder zu gewinnen, wurde in den vergangenen Wochen für diese Veranstaltung Werbung an Schulen gemacht, und was die flyerverteilenden Verbindungsschüler dabei erlebten, ist durchaus bezeichnend für die geistige Verfassung der Bundesrepublik. So wurde an einer Schule vom Lehrkörper versucht, das Verteilen der Flyer zu unterbinden, „die an eine angebliche deutsche Staatsgründung 1871 erinnern” und damit politisch seien. Dies sei verboten und man brauche eine Genehmigung vom Ordnungsamt, sagte eine aufgebrachte Rothaarige, die auf die Frage, ob sie denn zum Ordnungsamt gehöre, nur vorbringen konnte, daß sie die stellvertretende Rektorin sei und das Recht habe, Platzverweise zu erteilen. Nein, das hatte sie natürlich nicht und wußte dies auch ganz genau, weswegen unserem Angebot, gerne die Polizei oder das Ordnungsamt hinzuzuziehen auch nicht nachgekommen wurde. Stattdessen stellte sie uns den Sportlehrer der Schule an die Seite, der uns wohl einschüchtern sollte. Da er die Verteilaktion aber ebenfalls nicht unterbinden konnte, forderte er stattdessen die Schüler auf, die Flyer sofort in den Müll zu werfen und warf uns vor, die Schüler zu manipulieren.

Die Behauptung, Deutschland habe die Hauptschuld am 1. Weltkrieg, wie sie bis heute von Alt-68er-Geschichtslehrern in den Klassen unbedarft vorgebracht wird, ist dann wahrscheinlich keine Manipulation, sondern die objective Wahrheit… An dem Abend des 18. Januar selber gab es eine Schülerdemonstration unter dem Motto Party? Burschenschaften? Wir feiern nicht mit Nazis!. Eine Anstiftung von Mitgliedern des Lehrkörpers verschiedener Schulen zu dieser Demonstration gegen unsere Manipulation ist nicht unwahrscheinlich.

Das Bild stammt nicht von der beschriebenen Flyerverteilung im Januar 2016. Aber es zeigt, daß auch ausgesprochene Monarchisten Flyer verteilten und in Berlin auf sich aufmerksam machten.

Das Bild stammt nicht von der beschriebenen Flyerverteilung im Januar 2016. Aber es zeigt, daß auch Monarchisten in Berlin Flyer verteilten und auf sich aufmerksam machten, ohne daß es zu Zwischenfällen kam.

Das Interesse an der Veranstaltung war dann immerhin sehr groß und es gelang, eine zufriedenstellende Zahl an Interessenten auf das Verbindungshaus zu lotsen, die den Weg ohne die Werbeaktion nicht gefunden hätten. Dies zeigt einerseits, daß das Kaiserreich als Thema zieht: Solange eine Idee noch in der Lage ist, Kontroversen auszulösen, ist sie nicht tot. Andererseits bedeutet es auch, daß man sich eben nicht einschüchtern lassen darf. Vielleicht werden die Schulen ja jetzt auch öfter Besuch von Verbindungen bekommen, als es den Lehrkörpern lieb ist. L.R.
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Die vollständige 160. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 160

Inhalt der 160. Ausgabe:

  • Freiheit, die ich meine
  • Herzog Carl von Württemberg zur Flüchtlingskrise
  • Gedenken an die Reichsgründung vor 145 Jahren
  • Ausstellung zu Kaiser Wilhelm II. in den Niederlanden

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Kaiser Wilhelm II. auf deutschen Banknoten

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Wie vor kurzem auf der Internetpräsenz der Tageszeitung Die Welt zu lesen war, existieren vom vorläufig letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. Abbildungen auf einer Banknote, allerdings waren sie nicht im Deutschen Reich im Umlauf. In Deutschland war es nicht wie in anderen Monarchien üblich, Monarchen auf Papiergeld abzudrucken

Die Königin von Australien auf einem aktuellem Geldschein im Wert von $5.

Die Königin von Australien auf einem aktuellem Geldschein im Wert von $5.

Die Banknote mit Kaiser Wilhelms Bildnis war Zahlungsmittel in Deutsch-Ostafrika. Eingeführt wurde sie von der „Deutsch-Ostafrikanischen Bank“, welche fünf Scheine herausgab. Diese Scheine hatten den Wert von 5, 10, 50, 100 und 500 Rupien. Der Fünfer zeigte zwei Löwen, der Zehner präsentierte eine Ansicht von Daressalam, die anderen drei dagegen porträtierten den Herrscher der kolonialen Gesellschaft, Kaiser Wilhelm II. Die Abbildung dieses Scheines ist auf der Internetseite der Welt zu sehen.

Christian Schwochert

Auch auf deutsch-ostafrikanischen Münzen findet sich das Konterfei des Kaisers (hier eine mit Prägdatum 1893, die sich heute im numismatischen Museum in Athen befindet).

Auch auf deutsch-ostafrikanischen Münzen findet sich das Konterfei des Kaisers (hier eine mit Prägedatum 1893, die sich heute im numismatischen Museum in Athen befindet).

Rangeleien zwischen Royalisten und ihren Gegnern

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Zur Kranzniedelregung in Nantes hatten die Royalisten auch in Internet eineladen.

Zur Kranzniederlegung in Nantes hatten die Royalisten auch im Internet eingeladen.

In ganz Frankreich gedachten die Royalisten am 21. Januar des 223. Jahrestags der Ermordung König Ludwigs XVI.

Die Liste der Kirchen, in denen eine Heilige Messe für den toten König und alle Opfer der Französischen Revolution gelesen wurde beziehungsweise am Samstag oder Sonntag noch wird, erreichte in diesem Jahr einen neuen Rekord. Lediglich in Nantes, der traditionellen Hauptstadt der Bretagne, kam es zu einer Rangelei zwischen Royalisten und einer Gruppe, die sich am Gedenken an König Ludwig störte.

Wie die Zeitung Ouest France auf ihrer Internetseite schrieb, mußte die Polizei die beiden Gruppen am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr trennen, «presque un rituel entre vieux ennemis, même si les adversaires sont plutôt jeunes» (beinahe ein Ritual zwischen alten Feinden, obgleich die Gegner eher jung waren). Etwa dreißig Angehörige der antifaschistischen Gruppierung von Nantes störten das Gedenken an einer Ehrensäule für König Ludwig XVI. Die Royalisten – ebenfalls etwa dreißig an der Zahl – hatten schon auf sie gewartet und setzen, wie Ouest France berichtete, ihre Helme auf und ging auf die Gegner los. Die Auseinandersetzung beschränkte sich jedoch, laut Ouest France, auf ein paar Fausthiebe und Steinwürfe. Die Polizei setzte Tränengas ein und der ganze Spuk dauerte lediglich 15 Minuten. Ein weiterer Bericht mit Bild zu den Vorgängen um das Gedenken in der Bretagne findet sich bei Breizh-info.com: Nantes. L’agression des « antifas » contre une cérémonie en hommage à Louis XVI a tourné court

Royalisten und Selbsternannte Antifaschisten störten in Nantes eine Gedenkveranstaltung von Royalisten.

Royalisten und selbsternannte Antifaschisten beim Schlagabtausch in Nantes nach einer Gedenkveranstaltung für König Ludwig XVI.

Marion Maréchal-Le Pen sieht Königtum als wesentlichen Bestandteil französischer Identität

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Sie ist das schöne Gesicht der französischen Rechten: Marion Maréchal-Le Pen, Enkelin des Parteigründers Jean-Marie und Nichte der Parteichefin des Front National, Marine Le Pen. Politisch ist sie radikaler als ihre um Moderation bemühte Tante und schlägt eine Brücke zu den Wurzeln der Partei, die auch im monarchistischen Milieu liegen.

König Karl X - 1825 fand die bislang letzte Krönung in Reims statt.

Für König Karl X fand 1825 die bislang letzte Krönung in Reims statt.

Nach den Attentaten von Paris am 13. November forderte sie die Muslime in ihrem Land nun dazu auf, die Werte ihres Landes anzuerkennen. „Wer keine Emotionen empfindet, wenn er an die Königskrönungen von Reims oder an das Föderationsfest (Feier anläßlich des ersten Jahrestages des Sturms auf die Bastille, bei welcher im Beisein von Ludwig XVI. die konstitutionelle Monarchie gefeiert wurde, Anm. d. Red.) denkt, ist nicht wirklich französisch”.

Während die anderen Politiker wie Corona berichtete in der Vergangenheit die republikanisch-laizistische Legitmität des französischen Staates als Basis des Zusammenlebens bemühten, sieht Marion Maréchal-Le Pen diese Legitimität auch und vor allem in der vorrepublikanischen Zeit begründet. Ob die 26-jährige dies wirklich so meint und auch kontinuierlich vertritt, bleibt abzuwarten.

Der Beitrag über Marion Maréchal-Le Pen soll dabei auch keineswegs als Elogie des Front National verstanden werden. Ein Sieg der Partei bei den Präsidentschaftswahlen würde wohl ähnlich wie ein Ausscheren der Briten be idem von David Cameron angekündigten Referendum das Ende der EU in welcher Form auch immer bedeuten, und aufgrund mangelnder Alternativen wäre dies nicht zu wünschen. Dennoch ist dem Front National bei der Zerstörung des Gedankens der republikanischen Legitimität maximaler Erfolg zu gönnen, denn andere Länder, auch Deutschland, würden diesem Beispiel dann irgendwann folgen und Europa aus der Geschichte und den Traditionen heraus und nicht mehr nur über eine Verfassung definieren, die im Falle Deutschlands noch nicht einmal durch eine verbindliche Voksabstimmung legitimiert wurde.
L.R.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 159

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Weihnachts– und Neujahrsansprachen der Monarchen weltweit

Weihnachts- und Neujahrsansprachen sind eine der wenigen Gelegenheiten, zu denen sich die konstitutionellen Monarchen in der Welt regelmäßig politisch äußern. Sie tun dies nicht mit markigen Worten und Teile ihrer Reden sind auch von den jeweiligen Regierungen vorgegeben. Jedoch ist es ihnen auch möglich, eigene Akzente zu setzen.

Erstmals richtete ein spanischer König sich aus dem königlichen Palast ans spanische Volk und nicht mehr aus der königlichen Residenz La Zarzuela.

Erstmals richtete ein spanischer König sich aus dem königlichen Palast ans spanische Volk und nicht mehr aus der königlichen Residenz La Zarzuela.

Dem spanischen König Felipe VI. ging es angesichts separatistischer Bestrebungen in Katalonien und unklaren Mehrheitsverhältnissen im Parlament um die nationale Einheit, die zwei Drittel seiner Rede ausfüllte. Dabei sprach er davon, daß die Spanier auf das seit Francos Tod und im speziellen in den letzten Jahren zur Überwindung der Wirtschaftskrise Geleistete stolz sein könnten. Dem König der Belgier, Philippe, ging es um die Abwehr der terroristischen Bedrohung nach den Anschlägen von Paris. Er dankte den belgischen Sicherheitskräften, machte die Notwendigkeit von mehr Investitionen in diesem Bereich deutlich und drückte den Wunsch aus, daß die freiheitliche Ordnung des Landes nicht unter der Gefahrenabwehr leiden soll und die Belgier miteinander mehr über die Dinge, die ihnen wichtig sind, diskutieren sollen.

Die britische Königin stellte 2015 den Rekord als längstregierende Monarchin im Vereinigten Königreich ein, sondern sie ist auch bei den Weihnachtsansprache Rekordhalterin: Seit 1957 wendet sich Königin Elisabeth per Fern-sehen an ihre Völker auf den britischen Inseln und im Commonwealth. Auch 2015 war ihre Weihnachtsan-sprache das Programm mit den meisten Zuschauern, gefolgt von der letzten Folge von Downton Abbey.

Die britische Königin löste 2015 ihrer Ururgroßmutter, Königin Victoria,  als längstregierende Monarchin des Vereinigten Königreichs ab. Auch bei den Weihnachtsansprache ist sie Rekordhalterin: Seit 1957 wendet sich Königin Elisabeth per Fernsehen an ihre Völker auf den britischen Inseln und im Commonwealth. 2015 war ihre Weihnachtsansprache das Programm mit den meisten Zuschauern und lag vor der letzten Folge von Downton Abbey.

Ähnlich äußerten sich Elisabeth II. und Wilhelm Alexander I., der König der Niederlande, welcher auch über die Verteidigung der Freiheit sprach. Neben Elisabeth II. schrieb auch König Michael von Rumänien in seinem Weihnachtskommuniqué über die christliche Bedeutung von Weihnachten und den Wert der Familie – in der zunehmend individualistischen Gesellschaft Europas ist diese Erinnerung an das Gemeinsame nicht geringzuschätzen. Carl XVI. Gustav von Schweden schließlich sprach über die Flüchtlingskrise und deren Bewältigung in dem neben Deutschland und Griechenland davon am stärksten betroffenen Land innerhalb Europas. Eine Weihnachtsansprache kennt das japanische Kaiserhaus aufgrund der fehlenden christlichen Tradition zwar nicht, jedoch ist der Geburtstag des Tenno am 23. Dezember eine der wenige Gelegenheiten im Jahr, an denen sich der noch immer von weiten Teilen der Japaner als Gott betrachtete Akihito kurz öffentlich zeigt. Der nunmehr 82-jährige Monarch sprach davon, daß sein Land noch immer mit den Auswirkungen der vergangenen Naturkatastrophen zu kämpfen habe, zeigte sich aber davon überzeugt, daß das neue Jahr ein glückliches werden wird. In einer darauf folgenden, ausführlicheren Pressekonferenz ging Akihito auch auf andere Ereignisse ein. Unter anderem gedachte er des 70. Jahrestags des Kriegsendes und der Opfer beider Seiten und freute sich darüber, daß in diesem Jahr gleich zwei Japaner den Nobelpreis gewonnen haben.

Im Ausland erregte es Irritationen, daß das ZDF die Neujahrsansprache Angela Merkels mit arabischen Untertiteln (im syrischen Dialekt oder in der arabischen Hochsprache?) ausstrahlte.

Im Ausland gab es Irritation darüber, daß das ZDF die Neujahrsansprache Angela Merkels mit arabischen Untertiteln (im syrischen Dialekt oder in der arabischen Hochsprache?) ausstrahlte.

In den Republiken wird das Thema der Ansprachen unterschiedlich gehandhabt: In Frankreich gibt es keine derartige Ansprache, da die streng laizistische Republik Weihnachten nicht ihre Referenz erweisen will. In Deutschland spricht zu Weihnachten der Präsident und zum neuen Jahr die Kanzlerin: Beide legten den Schwerpunkt ihrer Reden auf die Flüchtlinge, schafften es dabei aber, den Staat, den sie vertreten, fast gar nicht zu erwähnen. Das sie theoretisch legitimierende Staatsvolk, die Deutschen, kamen in der Rede des Bundespräsidenten genau einmal vor, bei der Kanzlerin wurde einmal Deutschland erwähnt. Sie sagte, daß sich die Gesellschaft nicht spalten lassen solle, gab aber die Schuld an einer Spaltung nicht sich selbst und der katastrophalen Flüchtlingspolitik ihres Kabinetts, sondern denen, die davor gewarnt haben und warnen – die Republik bleibt ein die Menschen nicht verbindendes Elitenprojekt, welches sich zunehmend von den Menschen, die es vorgibt, zu vertreten, entfernt. L.R.

 

Monarchietheorie bei Max Buchner: Katholischer Monarchismus in der Weimarer Republik

Der Kulturkampf gehört zu den tragischsten Facetten des zweiten deutschen Kaiserreiches, führte er doch zu einer nachhaltigen Entfremdung weiter Teile der katholischen Bevölkerung vom Hohenzollernstaat. Wenn sie auch die Revolution und das Ende der Monarchie nicht gerade bejubelten, fanden sich viele Katholiken doch recht schnell als „Vernunftrepublikaner“ mit den neuen Verhältnissen ab, und trotz eines starken monarchistischen Flügels entwickelte sich die Zentrumspartei zu einer tragenden Stütze der Republik.

gelbe HefteEiner der wenigen entschiedenen katholischen Verteidiger des Kaisertums der Hohenzollern war der bayerische Historiker Max Buchner (1881-1941), seit 1919 Professor für mittelalterliche Geschichte in Würzburg und München. Zwischen 1924 und 1941 gab Buchner gemeinsam mit dem Münchner Historiker und späteren Mitbegründer von Tradition und Leben e.V. (TuL) Anton Ritthaler die rechtskatholisch-monarchistischen Gelben Hefte heraus. Aus katholischer Sicht wurde dort eine große Bandbreite historischer und aktueller Themen behandelt, doch der monarchische Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die Zeitschrift. Nach 1933 war der Kurs der Gelben Hefte wie bei vielen konservativen Veröffentlichungen ambivalent: Einerseits wurde verhaltene Systemkritik im Rahmen des Sagbaren geübt (immerhin war Ritthaler im September 1939 im Zusammenhang mit der Zerschlagung des monarchistischen Widerstandskreises um den Rechtsanwalt Adolf von Harnier kurzzeitig verhaftet worden), andererseits bestand die Bereitschaft, dem neuen Regime einen gewissen Vertrauensvorschuß zu gewähren und sich ihm auch ideologisch anzunähern.

Buchner Kaiser Wilhelm1929 veröffentlichte Buchner sein politisches Hauptwerk Kaiser Wilhelm II., seine Weltanschauung und die Deutschen Katholiken, in dem er über das eigentliche Thema hinaus auch der Frage nach dem Verhältnis von Katholizismus und Monarchismus nachging. Buchner bestritt vehement den Anspruch des Zentrums und der mit ihm verbundenen Presse, den deutschen Katholizismus zu repräsentieren. Geradezu absurd erschien ihm der Schulterschluß des Zentrums mit dezidiert antichristlichen sozialistischen und liberalen Parteien gegen den preußisch-protestantischen Konservatismus. Dabei seien es schon im wilhelminischen Deutschland meist die liberalen und linken Stimmen gewesen, die öffentliche Bekenntnisse zur Religion verurteilten, nicht jedoch die protestantischen Kirchen oder gar der monarchische Staat. Als der nachmalige Ludwig III. von Bayern 1910 in Altötting seine Überzeugung von der alleinigen katholischen Wahrheit kundtat, wurde er von der liberalen Presse heftig angegangen, während ihn die konservativ-protestantische Kreuzzeitung in Schutz nahm, freilich ohne sich seinen konfessionellen Standpunkt zu eigen zu machen.

Max Buchner (1881 - 1941)

Max Buchner (1881 – 1941)

Die lauten Klagen vieler katholischer Politiker und Publizisten über die angebliche Zurücksetzung ihrer Konfession unter Wilhelm II. im Vergleich zur neuen republikanischen Freiheit sollten nach Buchners Auffassung lediglich das bohrende schlechte Gewissen übertönen, das sie aufgrund ihrer Treulosigkeit gegenüber dem Kaiser und König von Gottes Gnaden plagte. Die aufrichtigen Treuebekenntnisse zahlreicher katholischer Würdenträger, ja sogar die Garantien Leos XIII. für die Loyalität der deutschen Katholiken würden vom Zentrum, das lediglich Parteiinteressen verfolge, konsequent ignoriert.

Für Wilhelm II. hätten Preußentum, Hohenzollern und Protestantismus eine unauflösbare Einheit gebildet, scharf kritisiert habe er deswegen die Abkehr einiger seiner Angehöriger vom Protestantismus (wie im Falle der Landgräfin Anna von Hessen oder seiner Schwester Sophie), nicht jedoch die Hinwendung zu einer anderen Konfession – oder gar diese an sich. Buchner zeigt Wilhelm II. als tiefgläubigen protestantischen Christen, der gerade aufgrund der festen Verankerung im eigenen Glauben zu wahrhafter Toleranz befähigt gewesen sei. Der Kaiser sei überzeugt gewesen vom Wirken Gottes in der Geschichte und vom Gottesgnadentum der Könige. Leider habe der Kaiser in den entscheidenden Tagen im November 1918 in dem Irrglauben, durch den Gang ins Exil dem Volk zu dienen, den göttlichen Auftrag zur Herrschaft aus den Augen verloren. Für Buchner waren das protestantische Kaisertum der Hohenzollern und das Gottesgnadentum Wilhelms II. die authentische Manifestation des überzeitlichen deutschen Kaisergedankens im 20. Jahrhundert. Welche Form wird die Kaiseridee wohl in Zukunft annehmen?
T.G.

Volkes Stimme ist wechselnd wie das Lachen und Zürnen eines asiatischen Despoten. Sie wird ja fabriziert oft in weit kürzerer Zeit, als ein gediegener Handwerker zur Herstellung eines kunstvollen Schreines nötig hat – Gottes Stimme aber bleibt durch die Jahrhunderte und Jahrtausende sich selber gleich. Das Königtum von Gottesgnaden soll ihr Lautsprecher sein. – M. Buchner

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Die vollständige 159. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 159

Inhalt der 159. Ausgabe:

  • Weihnachts– und Neujahrsansprachen der Monarchen weltweit
  • Die Monarchie bringt 2015 Stabilität für die Länder, die sie haben
  • Monarchietheorie bei Max Buchner – Katholischer Monarchismus in der Weimarer Republik

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

2015 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2015 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2015 etwa 120.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 5 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Deutsche Weihnachtsansprache des Königs der Belgier

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Wie im Vorjahr wendet sich Seine Majestät König Philippe I. der Belgier auch 2015 an seine deutschsprachigen Untertanen in ihrer Muttersprache:

Meine Damen und Herren,

Weihnachten und Neujahr, das ist die Zeit, unsere Hoffnung in die Zukunft zu bekräftigen. Aber leider ist das Ende dieses Jahres gezeichnet von den schrecklichen Anschlägen in Paris, die uns tief erschüttert haben, und uns ist bewusst, dass die Bedrohung noch nicht gebannt ist. Über den Schrecken hinaus, der sich in Europa und anderswo verbreitet hat, stehen unsere Demokratien vor einer dreifachen Herausforderung : sich wehrhaft zeigen, vorbeugen und weiter aufbauen. Ich habe vollstes Vertrauen, dass wir diese Aufgabe bewältigen werden.

Unsere Behörden haben auf die terroristische Bedrohung mit Besonnenheit, Schnelligkeit und Entschlossenheit reagiert. Mein besonderer Dank gilt all denjenigen, die sich dafür eingesetzt haben und sich weiter dafür einsetzen, unsere Sicherheit zu garantieren, die Schuldigen zu verfolgen und weitere Anschläge zu verhindern. Die Ereignisse haben bewiesen, wie wichtig es ist, in die Justiz, die Polizei, die Armee und die Nachrichtendienste zu investieren. Ich danke auch jedem von Ihnen, insbesondere den Einwohnern von Brüssel, für Ihr würdiges und verantwortungsbewusstes Verhalten in diesen bewegten Tagen.

Meine Damen und Herren,

Um unsere Gesellschaft zu verteidigen, ist es auch ganz entscheidend, dass wir uns nicht einschüchtern und nicht spalten lassen. Das wäre genau das, was unsere Aggressoren wollen. Ich habe festes Vertrauen, dass wir geeint bleiben als Bürger eines offenen Landes. Ein Land, in dem die grosse Mehrheit unserer Mitbürger ausländischer Herkunft die Chancen ergriffen haben, die ihnen angeboten wurden, und die die Werte unseres Landes teilen. Sie sind Söhne und Töchter dieses Landes. Wir dürfen nicht diejenigen, die ihre Religion mit Respekt vor den universellen Werten des Menschen ausüben, mit denjenigen über einen Kamm scheren, die ihre Religion missbrauchen.

Darüber hinaus erscheint es mir wichtig, dass wir uns zurückbesinnen auf das, was den Sockel unserer Gesellschaft ausmacht, zu dem wir absolut stehen : unsere Werte und unsere Regeln des Zusammenlebens. Dazu gehört, dass wir unseren Kindern den tiefen Respekt vor den verschiedenen Glaubensüberzeugungen und Weltanschauungen beibringen. Sie alle haben eines gemein : sie wollen helfen, dem Leben einen Sinn zu geben, die anderen zu achten und ihnen gegenüber offen zu sein. Die Achtung dieser gemeinsamen Regeln beinhaltet auch eine Nulltoleranz gegenüber Hasspredigern. Das heisst auch, dass wir unermüdlich jede Art der Stigmatisierung und Ausgrenzung bekämpfen müssen. Und wer anfällig für fanatische Ideen ist, dem müssen wir helfen, der Indoktrination zu widerstehen.

Schliesslich bin ich voller Vertrauen, dass wir eine harmonischere Gesellschaft aufbauen können. Und hierbei wende ich mich ganz besonders an die jungen Leute. Sie haben den tiefen Wunsch, an das Leben, an sich selbst und an den anderen zu glauben. Pflegen Sie dieses Ideal und investieren Sie Ihre Energie und Ihr Talent in alles, was uns zusammenführt. Harmonie innerhalb der Familie, der Nachbarschaft, einer Gemeinde, einer Region oder eines Landes hängt in erster Linie von der Art und Weise ab, wie wir miteinander umgehen.

Das Leben bekommt Sinn mit Projekten, die dem anderen einen Platz zuerkennen und ihm erlauben, das Beste von sich selbst zu geben. Fanatiker verweigern dem anderen gerade das Recht, anders zu denken und zu leben.

Ein Projekt, das dem Leben Sinn gibt, entwickelt sich über die Zeit. Um Ihre Zukunft aufzubauen, pflegen Sie die Bindungen mit den Generationen, die Ihnen vorausgegangen sind. Denn unsere Werte sind tief in der Geschichte verwurzelt. Die Fanatiker hingegen wollen jede Spur der Geschichte auslöschen.

Zum Schluss möchte ich Sie ermuntern, miteinander zu sprechen und zu diskutieren über das, was wesentlich ist. Denn im Dialog und in der Diskussion lernt man den anderen und sich selbst besser kennen. Entdecken Sie den anderen wie er seine Kultur und seine Religion oder Weltanschauung lebt. Fanatiker tun genau das Gegenteil : sie verweigern jegliche Diskussion.

Meine Damen und Herren,

Ich weiss, dass wir in der Lage sind, die Prüfungen, die sich uns heute stellen, zu überwinden. Die Geschichte hat bewiesen, dass unser Gesellschaftsmodell stärker ist als jeglicher Fanatismus und Totalitarismus. Aber wir müssen gemeinsam weiterbauen an einer menschlicheren und gerechteren Gesellschaft. Die Königin und ich und unsere ganze Familie wünschen Ihnen Frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr voller Lebensfreude.

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