Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 5

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Friedrich August von Oldenburg – Letzter regierender Grossherzog des Hauses Holstein-Gottorp

Friedrich August von Oldenburg, geboren am 16. November 1852 in Oldenburg und gestorben am 24. Februar 1931 in Rastede, war der älteste Sohn des Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg und somit der vorläufig letzte regierende Großherzog des Landes Oldenburg. Prinz Friedrich August studierte an den Universitäten Bonn, Straßburg und Leipzig, sein Erzieher war der bayerische General Otto von Parseval. 1878 heiratete er die preußische Prinzessin Elisabeth Anna.

Großherzog Friedrich August von Oldenburg

Seine Regentschaft begann am 13. Juni 1900. Großherzog Friedrich August war ein konservativ geprägter Mensch, ein Spiegelbild des Wilhelminismus. Seine Interessen lagen im nautischen und im technischen Bereich. Ähnlich wie der regierende Kaiser hegte er eine Liebe für die Marine und die See und bemühte sich um den Ausbau von Wasserwegen, die Ansiedlung von Industrieunternehmen zur Wirtschaftsförderung des Landes und den Bau von oldenburgischen Häfen an der Weser. Der Großherzog war ein beliebter Monarch, jedoch galt er auch als eigenwillig. Während seiner Amtszeit wurde ein Palais zu Ehren seiner Frau errichtet (Elisabeth-Anna-Palais), jedoch verstarb die Genannte während der Zeit der Bauarbeiten. Auch die Gerichtsbarkeit erhielt neue Anstöße durch den Monarchen, als er beispielsweise das Gesetz zur Einführung der Verwaltungsgerichtbarkeit durch eine Verordnung in Kraft setzte.

Im Ersten Weltkrieg gehörte Friedrich August zum Kreise der Annexionisten, welche eine radikale Umstülpung der europäischen Landkarte zugunsten Deutschlands favorisierten. Am 11. November trat Friedrich August zurück und zog auf das SchloΒ Rastede. In der Nachkriegszeit verkaufte Friedrich August viele Teile seines privaten Kunstbesitzes, um sich weiterfinanzieren zu können. Er starb 1931. Im Nachleben ist Friedrich August vor allem durch seine übermäßig ausgeprägte Begabung im Bereich des Nautisch-Technischen bekannt geworden: Er rettete Schiffbrüchige, er wurde mit hohen Marinetiteln geehrt, er steuerte selber gerne Schiffe, er führte Vorsitz bei der Schiffbautechnischen Gesellschaft, er erfand einen neuen Schiffspropeller etc.. Der Großherzog trat sogar in einem deutschen Spielfilm („Zwei blaue Jungen“) aus dem Jahre 1917 auf.

Ben Gibson

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Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 4

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Friedrich II. von Baden – Letzter regierender Grossherzog des Hauses Zähringen

Großherzog Friedrich II. machte formal den Weg frei für die badische Republik mit der Unterzeichnung der Abdankungsurkunde vom 22. November 1918.

Friedrich II. (geboren 9. Juli 1857 in Karlsruhe, gestorben 9. August 1928 in Badenweiler), war der vorläufig letzte Großherzog des Landes Baden und regierte von 1907 bis 1918. Als Sohn des Großherzogs Friedrich I. und seiner Frau Luise, geborene Prinzessin von Preußen, erhielt Friedrich II. zunächst Privatunterricht, bevor er auf das Großherzogliche Friedrich-Gymnasium Karlsruhe wechselte. Friedrich legte die Abiturprüfung 1875 ab und er trat anschließend in den Militärdienst ein. Wie viele andere Monarchen in seiner Zeit studierte auch er Staats- und Rechtswissenschaften sowie Geschichte an der Universität Heidelberg. Am 20. September 1885 heiratete er die Prinzessin Hilda von Nassau. Die Ehe blieb kinderlos, jedoch adoptierten die beiden den Sohn des letzten kaiserlichen Reichskanzlers Prinz Max von Baden, Berthold.

Nach dem Tod Groβherzog Friedrichs I. übernahm Friedrich II. 1907 die Regierungsgeschäfte. Er führte die liberale Politik seines Vaters fort. Während seiner Amtszeit kam es zu Gründungen von neuen Schulen und der Förderung der Kunst. Während der Novemberrevolution kam es in Karlsruhe vor dem Schloβ zu Schießereien und Raufereien. Großherzog Friedrich zog sich daraufhin auf Schloβ Zwingenberg zurück. Am 22. November 1918 unterzeichnete er auf Schloβ Langenstein seine Thronverzichtserklärung. Friedrich II. lebte darauf ein ruhigeres Leben, erblindete im Laufe seiner letzten Jahre jedoch mehr und mehr und reiste kaum noch.

Schließlich starb er im Jahre 1928 und wurde in der großherzoglichen Grabkapelle im Fasanengarten Karlsruhe beigesetzt.

Ben Gibson

Prinz geht juristisch gegen „Die Linke“ vor Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 223

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Georg Friedrich geht juristisch gegen „Die Linke“ vor

Wahlkampf in bester Populistenmanier: Potsdam am 7. August 2019

Der populistische Anti-Hohenzollern-Wahlkampf der Partei „Die Linke” hat bei den Landtagswahlen in Brandenburg nicht verfangen. In Brandenburg (und Sachsen) verzeichnete sie die größten prozentualen Verluste aller Parteien. Trotzdem ist es möglich, daβ sie auch an einer neuen Regierung beteiligt wird. Eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen hätte in Brandenburg allerdings nur eine Stimme Mehrheit, während eine Koalition aus SPD, CDU und Grünen über fünf Stimmen Mehrheit verfügt, weswegen vermutet wird, daß Ministerpräsident Dietmar Woidke aufgrund der höheren Stabilität zu letztgenannter Koalition tendiert. Eine abschließende Aussage zu dieser Thematik oder darüber, ob „Die Linke“, wenn sie doch an der Regierung beteiligt wird, weiterhin den Finanzminister stellen wird, welcher den Feldzug gegen die Hohenzollern besonders vorangetrieben hatte, ist aber noch nicht möglich.

Noch kurz vor den Wahlen hatte Noch-Finanzminister Christian Görke eine Entschädigung jedweder Art erneut abgelehnt und wollte den Rechtsstreit zwischen dem Haus Hohenzollern und dem Land Brandenburg wieder aufnehmen. Sollte die Partei aus der Regierungsverantwortung abgelöst werden, kann sie zwar mehr oder weniger laut lärmend gegen die Hohenzollern schießen, während es nicht zu erwarten ist, daß die andere Oppositionspartei, die AfD, sich gegen das alte Königshaus stellt. Jedoch dürfte der Konflikt dann wieder in ruhigere Gewässer kommen und eine Verhandlungslösung scheint realistisch. Andernfalls droht beioiden Parteien ein langjähriger Rechtsstreit.

Klar ist, daß die Linkspartei Post des Anwalts von Prinz Georg Friedrich bekommen hat. Rechtsanwalt Martin Henning geht im Namen des Prinzen juristisch gegen Falschbehauptungen der Partei vor, die jedoch in der freizugänglichen Presse nicht weiter detailliert wurden. Auch verschiedene Zeitungen wie die einst liberalkonservative Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sahen sich zu Richtigstellungen genötigt, da sie fälschlicherweise ein Ende der Verhandlungen verkündet hatten und selbst die World Socialist Web Site, die wir hier nicht verlinken wollen, um ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit zu gewähren, muβte einen Beitrag revidieren.

Bleibt zu hoffen, daß der Prinz den schon jetzt entstandenen Imageschaden wettmachen kann, vielleicht ja, indem er möglichst viel öffentlich in Brandenburg auftritt. L.R.

Königinmutter Elena wird nach Rumänien überführt

Königinmutter Elena mit ihrem Sohn, König Michael I. von Rumänien

Rumänien bereitet sich wieder auf einen königlichen Begräbnisakt vor: Die sterblichen Überreste der Königinmutter Elena werden laut Mitteilung des königlichen Pressebüros repatriiert und am 19. Oktober 2019 in der Neuen Erzbischöflichen und Königlichen Kathedrale in Curtea de Argeș neben dem Grab ihres Sohnes, König Mihai I., beigesetzt. Dem Beschluβ der Hüterin der Krone, Kronprinzessin Margareta, zufolge werde der Sarg der Königinmutter am Freitag, dem 18. Oktober, auf dem Bukarester Flughafen Otopeni eingeflogen.

Die Königinmutter wurde 1896 als Tochter König Konstantins I. und Königin Sophies der Hellenen, einer Schwester Kaiser Wilhelms II., geboren. 1921 heiratete Prinzessin Elena den rumänischen Kronprinzen Carol, von dem sie sich sieben Jahre später scheiden ließ. 1940 erhielt sie den Titel Königinmutter Rumäniens, wurde 1947 vom kommunistischen Regime gezwungen, mit König Mihai I. ins Exil zu gehen und verstarb 1982 in Lausanne.Während des Zweiten Weltkrieges unternahm Königinmutter Elena Bemühungen, um die rumänischen Juden vor der Massenermordung zu retten, wofür sie später mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet wurde. Besonderheit ihres Lebens: Sie war nicht nur die Tochter eines Königs, sondern auch die Schwester von drei griechischen Königen (Alexander I., Georg II. und Paul I.) und auβerdem die Tante einer Königin (Sofía von Spanien).

Ihr geschiedener Mann starb 1953 in Portugal und wurde schon 2003 nach Rumänien überführt. Allerdings war die Grabkapelle nur eine zeitweise Ruhestätte. Am 8. März 2019 wurden die sterblichen Überreste König Carols II. in die Neue Erzbischöfliche und Königliche Kathedrale in Curtea de Argeș überführt. H.S.

König Carol II. wurde im März 2019 in die Neue Erzbischöfliche und Königliche Kathedrale in Curtea de Argeș überführt, wo schon sein Sohn König Michael I. seit 2017 und seine Schwiegertochter Königin Ana seit 2016 liegen.

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Die vollständige 223. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 223

Inhalt der 223. Ausgabe:

  • Georg Friedrich geht juristisch gegen „Die Linke“ vor
  • Ausstellung über König Peter II. von Jugoslawien
  • Königin Margrethe II. zu Besuch in Schleswig
  • Königin Elizabeth II. und der Brexit
  • Königinmutter Elena wird nach Rumänien überführt

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

 

Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 3

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Die königliche Familie von Sachsen sowie Mitglieder der Königsfamilie Beider Sizilien, deren Anwesenheit durch die verwandtschaftlichen Verbindungen deutlich wird. Der Bruder König Friedrich Augusts III. (M.), Prinz Johann Georg (r.) war mit Prinzessin Maria Immacolata Beider Sizilien (2.v.l.) verheiratet.

Friedrich August III. von Sachsen – Letzter regierender König des Hauses Wettin

Friedrich August III., letzter regierender König von Sachsen, wurde geboren am 25. Mai 1865 in Dresden und starb am 18. Februar 1932 auf Schloß Sibyllenort in Schlesien. Er stammte aus der Linie der albertinischen Wettiner und war von 1904 bis 13. November 1918 König. Ab 1874 besuchte Friedrich August das Königliche Gymnasium in Dresden, ab 1884 nahm er an der Straßburger Kaiser-Wilhelm-Universität ein Studium auf und besuchte dort Vorlesungen zu Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte.

Am 15. Oktober 1904 bestieg Friedrich August den Thron. Er folgte seinem Vater, König Georg von Sachsen, auf dem Thron, welcher im Voke äußerst unbeliebt gewesen war. Dennoch bedeutete der Thron für ihn keine absolutistische Herrschaft. Wie in den anderen deutschen Staaten war auch dieser König an eine Verfassung gebunden und Friedrich August mischte sich während seiner ganzen Herrschaft nicht einmal widerrechtlich in die politischen Geschäfte ein. Vielmehr reiste er durch die Provinzen Sachsens und versuchte sich an verschiedensten Reformen. So bemühte er sich um eine Haushaltsreform (erfolgreich), eine Wahlrechtsreform (erfolgreich) und eine umfassende Volksschulreform (gescheitert).

Während des Weltkriegs hegte das Land weitgehende Annexionspläne, welche jedoch allesamt im Sande verliefen. Zudem kam es zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen im Königreich Sachsen. Im letzten Jahr des Krieges kam es zu kleineren Friedensbestrebungen Friedrich Augusts und einer Kabinettsreform, als sich Unruhe aufgrund des Krieges im Volk ausbreitete. Als sich die Novemberrevolution in Sachsen ausbreitete, weigerte sich der König den gerade zu Ende gehenden Krieg auf den Straßen Sachsens fortzuführen. Der König nahm schließlich Quartier auf Schloß Guteborn und unterzeichnete außerhalb der Landesgrenzen seine Thronverzichtserklärung am 13. November. Tags darauf reiste er ins nahe Breslau und begab sich auf das Schloß Sibyllenort, wo er viele Jahre sein Leben verbringen würde.

Am 17. Februar 1932 unternahm Friedrich August einen morgendlichen Ausritt, besuchte die Heilige Messe und besichtigte anschließend die Hofgüter. Abends hatte er zur Skatrunde geladen. Als er gegen 22 Uhr zu Bett ging, deutete nichts auf Beschwerden hin. Am nächsten Morgen fand die Dienerschaft den als körperlich rüstig und geistig gesund geltenden Friedrich August bewußtlos in seinem Bett liegend. Er starb am Abend des 18. Februar um 22:03 Uhr im Alter von 67 Jahren an Lungenlähmung. Um 10 Uhr morgens den 22. Februar, als der Leichnam des Königs am Dresdner Bahnhof eintraf, säumten Hundertausende die Straßen (etwa 500.000). Am folgenden Tag nach der Totenmesse wurde der Sarg in die Neue Gruft der Hofkirche verbracht.

Friedrich August III. war ein überaus bescheidener Monarch. Auf erhöhte Stellung, Privilegien oder Reichtum legte er keinen Wert und er war ein warmherziger, kontaktfreudiger, liebenswürdiger Mensch äußerst populär im Volk. Zwar war er kein großer Kunstliebhaber, doch hinderte ihn dies nicht, Opern, Theater, Kultur- und Bildungseinrichtungen privat zu fördern. Über den letzten König Sachsens sind unzählige (und überaus witzige) Anekdoten erhalten. Noch heute sind viele Denkmäler zu Ehren Friedrich August III. erhalten.

Ben Gibson

Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 2

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Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein – Jüngste Linie des Hauses Hessen

Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein wurde am 25. November 1868 in Darmstadt geboren und war von 1892 bis 1918 der letzte Großherzog des Bundesstaats Hessen-Darmstadt im Deutschen Kaiserreich. Geboren wurde er als Sohn des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein und seiner Frau Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, Tochter der weltbekannten Queen Victoria.

Im Jahre 1894 heiratete Ernst Ludwig seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh, mit welcher er eine Tochter hatte. Er trennte sich jedoch von ihr und heiratete 1905 stattdessen Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich. Der Großherzog studierte von 1889 bis 1890 an der Universität zu Leipzig Rechtswissenschaften und wechselte 1890 dann auf die hessische Universität zu Gießen, wo er 1891 sein Studium beendete.

In der Politik seines Landes galt für Ernst Ludwig: „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“. So gründete er 1899 die Darmstädter Künstlerkolonie und förderte namhafte Künstler, darunter Hans Christiansen, Peter Behrens und mehr. Zudem schloß er Verträge für eine mit Preußen verhandelte Eisenbahngemeinschaft. Auch als Autor und Komponist war der Großherzog tätig und schuf Theaterstücke sowie kleinere musikalische Werke und einen Gedichtband. Nach dem Beginn der Novemberrevolution 1918 weigerte sich der Großherzog abzudanken und wurde schließlich vom Darmstädter Arbeiter- und Soldatenrat für abgesetzt erklärt. Ernst Ludwig starb am 9. Oktober 1937 in Schloß Wolfsgarten bei Langen und wurde im Park Rosenhöhe in Darmstadt beigesetzt, seinem Wunsch entsprechend neben seiner Tochter Elisabeth.

Monarch aus der Linie HessenKasselRumpenheim

Landgraf Friedrich Karl Ludwig Konstantin  von Hessen (geboren 1. Mai 1868 in Holstein, gestorben 1940 in Kassel) war Ende des Jahres 1918 zwei Monate Land König von Finnland, sein Regentenname lautete Fredrik Kaarle (auf schwedisch Fredrik Karl). Er ist bislang der einzige, welcher je diesen Titel trug. Jedoch mußte er aufgrund äußerer Zeitgeschehnisse am 14. Dezember 1918 auf den Thron verzichten. Somit endete in relativ kurzer Zeitspanne die Geschichte des Königreichs Finnland. Beigesetzt ist Friedrich Karl in der Kapelle der Burg Kronberg im Taunus.

Ben Gibson

Prinz Philipp von Hessen mit einem Portraitphoto seines Urgroβvaters, der zum König von Finnland gewählt wurde. Rechts seine Urgroβmutter, Königin Margrethe und die Krone Finnlands im Rücken.

Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 1

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König Ludwig III. von Bayern – Haus Wittelsbach

König Ludwig III. und Kronprinz Rupprecht von Bayern.

König Ludwig III. war ab 1913 bis ins Jahre 1918 der letzte regierende König Bayerns. Geboren 1845 als Sohn des Prinzregenten Luitpold und der Auguste Ferdinande, Erzherzogin von Österreich und Prinzessin der Toskana, war seine kurze Amtszeit geprägt vom Konservativ-Katholischen. Ludwig traf sich oftmals mit Bürgern in einem Lokal in der Türkenstraße und seiner Leidenschaft galt der Landwirtschaft. Karikaturen in Zusammenhang mit seiner Herrschaft nahm er stets mit Humor. Politisch stand er dem Zentrum nahe und in seiner Sozialpolitik lehnte er sich an den „Arbeiterpapst“ Leo XIII. an.

Als der Erste Weltkrieg begann, hegte Ludwig III., wie viele andere deutsche Monarchen auch, verschiedene Kriegsziele, beispielsweise die Angliederung des Elsaβ an Bayern. Viele der anfänglichen Kriegsziele wurden jedoch im Laufe der Kämpfe fallengelassen. Im Februar 1918, anläβlich seiner Goldenen Hochzeit, spendete das Königspaar noch 10 Millionen Mark für wohltätige Zwecke. Trotz der seit längerem gärenden Unzufriedenheit unter der in weiten Teilen notleidenden Bevölkerung traf der Aufruhr den König völlig unvorbereitet. Vom Ausbruch der Revolution soll er am 7. November bei seinem täglichen Nachmittagsspaziergang im Englischen Garten von einem Passanten erfahren haben. Nach seiner Rückkehr in die Residenz fand er diese vom Personal und den Wachen weitgehend verlassen vor. Gegen 19 Uhr erschienen die ersten Demonstranten vor der königlichen Residenz. Philipp von Hellingrath, der bayerische Kriegsminister, muβte eingestehen, daβ in München keine Truppen mehr zur Verfügung standen, um die Monarchie zu verteidigen.  Angesichts der für den König prekären Situation wurde Ludwig III. von Otto von Dandl und Innenminister Friedrich von Brettreich die vorübergehende Flucht empfohlen. Da die Sicherheit des Königs nicht mehr zu gewährleisten war, veranlaβten ihn seine Minister, mit dem restlichen Hofstaat mit Automobilen nach Schloβ Wildenwart im Chiemgau abzureisen. Zusammen mit seiner schwerkranken Frau, drei Töchtern, dem Erbprinzen Albrecht und einem kleinen Hofstaat verließ der König gegen 23 Uhr München in Zivilkleidung. Die drei Mietautos mit den Flüchtenden hatten zwar Schloβ Wildenwart am Chiemsee zum Ziel, später muβte der Troβ aber weiter an den Hintersee in Ramsau bei Berchtesgaden fliehen. Als auch hier die Sicherheit des Königs bedroht schien, entschied man sich schließlich Bayern zu verlassen und im Schloβ Anif nahe Salzburg in Österreich Zuflucht suchen.

Ben Gibson

Keine Ruhe für Prinz Georg Friedrich Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 222

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Keine Ruhe für Georg Friedrich

Die Hohenzollern sind keine Museumsplünderer, sondern Wahrer deutscher Geschichte und Kulturgüter

Es ist Wahlkampf in Brandenburg und alle Umfragen sehen vorher, daß die gegenwärtige rot-rote Regierung unter Dietmar Woidke (SPD) nicht fortgesetzt werden kann. Die SPD und die Partei „Die Linke” haben zwar Chancen, in einer Dreierkoalition weiterzuregieren, können sich am Ende aber auch in der Opposition wiederfinden. Da kann man schon nervös werden. Die Linke nutzt die Zeit daher für populistische Stimmungsmache, um den Rest ihrer Stammwählerschaft zu mobilisieren, die in Ostdeutschland noch nicht zur AfD übergelaufen ist, sondern sich noch von den alten „Junkerland in Bauernhand”-Parolen beeindrucken läßt. Daher soll jetzt eine Volksinitiative gegen die Hohenzollern gestartet werden, nach der die Landesregierung aufgefordert werden soll, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um Entschädigungen für Enteignungen nach dem 2. Weltkrieg zu verhindern. Statt einem außergerichtlichen Vergleich soll der Rechtsstreit also nach dem Willen der Partei durch alle Instanzen gehen. Der brandenburgische CDU-Spitzenkandidat Senftleben sprach in diesem Zusammenhang von einer „Volksinitiative für Wahlkampfzwecke”, die mit dem preußischen Erbe Brandenburgs spiele und sprach sich für eine Verhandlungslösung aus.

Unfreiwillige Situationskomik entfaltete dabei die Presseerklärung der Linken vor Schloß Cecilienhof in Potsdam. Man schickte sich gerade an, gegen die Hohenzollern zu polemisieren, plötzlich marschierten aber Teilnehmer des sogenannten Gedenkmarsches der Bundeswehr auf, welcher an die 110 in Auslandseinsätzen des deutschen Militärs gefallenen Soldaten erinnern soll.  Es sah ein wenig so aus, als ob der Kaiser sein Militär entsandt hätte, damit vor seinem Schloß wieder Ruhe herrschen möge.

Im September sind die Landtagswahlen und danach ist der Spuk dann wohl erst einmal vorbei und es kann wieder die Sachfrage in den Vordergrund gestellt werden. Das Bundeskanzleramt bemüht sich in diesen Tagen bereits um Vermittlung. Zwar wird Die Linke weiter gegen einen Ausgleich polemisieren, aber sie wird dies zum einen nach dem Ende des Wahlkampfes mit weniger Elan und zum anderen auch mit weniger Einfluß in der Regierung oder aus der Opposition heraus tun.

Vielleicht ist die momentane mediale Aufmerksamkeit aber auch ganz gut: Auch wenn die Argumentation der Linken, deren Vorgängerorganisation für die  Enteignungen zwischen 1945 und 1989 im wesentlichen mitschuldig ist, auf den Wahlkampf und das nachträgliche Reinwaschen des Handelns der SED abzielt: Es wäre sicher positiv, wenn ein für alle Mal geklärt werden würde, daß der Kronprinz Wilhelm dem Nationalsozialismus nicht wesentlich Vorschub geleistet hat. Dieser Vorschub wäre ja eine der Hauptvoraussetzungen, um den Hohenzollern eine Entschädigung zu verweigern. Das ist zwar absolut ahistorisch: Die Hohenzollern hatten ein allenfalls widersprüchliches, aber nie ein wohlwollendes Verhalten zum Nationalsozialismus und eine Argumentation, nach der sie dem Nationalsozialismus darüber hinaus auch noch befördert haben sollen, hätte vor einem Gericht keinen Bestand. Bislang ist es aber billig und wohlfeil, solche Behauptungen in der Welt zu verbreiten. Wenn dies allerdings durch ein Gerichtsurteil höchster Instanz verworfen wird, wäre es damit vorbei, was den Hohenzollern und auch dem Kronprinzen Wilhelm zu wünschen wäre.

Gleichzeitig hat im übrigen Die Linke in Hamburg beantragt, den Kaisersaal im Parlament in „Republikanischen Saal” umzubenennen, worüber am 14. August abgestimmt werden sollte. Eine Zustimmung zu diesem Antrag galt als unrealistisch. Die Linke begründete diesen Antrag damit, sie wolle „alte Bärte abschneiden”, wobei dem objektiven Betrachter der Porträts bei diesem Anliegen allerdings eher Marx und Engels als Wilhelm II. in den Sinn kommen dürften. L.R.

Belgiens Königswappen zeigt wieder deutsche Wurzeln

Das neue Wappen des belgischen Königs und der Königin.

Das Wappen des belgischen Königshaus, wie es seit dem Ende des 1. Weltkriegs galt und auf Wunsch von König Albert I. erstellt wurde.

Der belgische König Philippe hat die Wappen der königlichen Familie überarbeiten lassen. Sie sind nun einfacher in der Gestaltung, und  historisch korrekter. Erstmals ist das Staatsmotto nicht nur auf französisch, sondern auch auf niederländisch und deutsch eingefügt: Einigkeit macht stark. Vor 100 Jahre lieβ König Albert I. nach dem Ersten Weltkrieg die deutschen Wurzeln des Königshauses entfernen, nun sind sie wieder sichtbar. König Philippe hat das Wettiner Wappen des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha ins Zentrum gerückt. Ein Coburg-Gothaer war der erste König der Belgier, aber ähnlich wie der britische Familienzweig wollte man in Belgien den deutschen Ursprung tilgen. König Philippe ist komplexfrei und hat nicht nur hier Deutsches sichtbar gemacht. Er hält inzwischen seine Ansprachen auch auf deutsch und nimmt als erster belgischer Monarch an den informellen Treffen der Staatsoberhäupter deutschsprachiger Länder teil. Seine ausgleichende Art zu regieren, war sogar dem Deutschlandfunk Kultur einen positiven Kommentar wert. Lob für einen Monarchen! Welch seltenes Ereignis im deutschen Rundfunk.   H.S.

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Die vollständige 222. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 222

Inhalt der 222. Ausgabe:

  • Keine Ruhe für Georg Friedrich
  • Prinzessin Christina der Niederlande verstorben
  • Sánchez möchte Adelstitel der Francozeit abschaffen
  • Belgiens Königswappen mit deutschen Elementen

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

 

Das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach

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Das Herzogtum Sachsen Weimar-Eisenach entstand im Jahr 1741 aus dem Zusammenschluß der Herzogtümer Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach und wurde von diesem ernestinischen Zweig der Wettiner regiert. Im Jahr 1804 heiratete Erbprinz Karl Friedrich die russische Großfürstin Maria Pawlowa und in den Napoleonischen Kriegen wachte Rußland darüber, daß das Land seine Unabhängigkeit nicht verlor. 1815 wurde das Land auf dem Wiener Kongreß zum Großherzogtum erhoben. In Sachsen-Weimar-Eisenach war man im Deutschen Bund immer freiheitlich gesinnt, so fand das Wartburgfest hier statt und auch die Urburschenschaft wurde im Großherzogtum (in Jena) gegründet.

Am 11. Juni 1829 heirateten Prinz Wilhelm von Preuβen, der spätere Kaiser Wilhelm I., und Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, zweite Tochter des Großherzogs Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach und der  Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa

Dem Krieg gegen Österreich 1866 schloß sich der liberale Großherzog Carl Alexander widerwillig und ob der reellen Machtverhältnisse in Thüringen an, später sah er auch den Kulturkampf Bismarcks und die Sozialistengesetzgebung eher kritisch. Carl Alexander galt als großer Förderer von Kunst und Kultur. Die Großherzogliche Kunstschule in Weimar wurde von ihm gestiftet und auch die Musikschule Weimar, das Goethe-Schiller-Archiv sowie das Goethe-Nationalmuseum in Eisenach wurden von ihm erbaut. Schließlich hat auch der Bauhausstil seine Vorgeschichte in Weimar.

Der letzte Fürst war Wilhelm Ernst, ein Enkel Carl Alexanders, welcher durch Verwandtschaftsbeziehungen auch Ansprüche auf die Erbfolge der Monarchie in den Niederlanden hatte.*) Er bestieg nach dem Tod seines Großvaters 1901 den Thron und setzte die Förderung von Kunst und Kultur fort, war jedoch wie Kaiser Wilhelm II. eher dem Klassischen zugetan und mochte allzu neue Strömungen in Malerei , Musik und Theater nicht. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, auch Künstlern in Weimar eine Wirkungsstätte zu geben, die im künstlerisch konservativen Berlin in Ungnade gefallen waren. So entstand die Strömung des Neuen Weimar. Gleichzeitig war Wilhelm Ernst am Militärischen interessiert: So war er General der Infanterie in der preußischen und General der Kavallerie in der sächsischen Armee. Er wurde am 9. November 1918 zur Abdankung gezwungen. Sein Engagement für die kulturelle Entwicklung Weimars wurde ihm von den Künstlern, die davon profitierten, nicht gedankt, da man ihm seine eher konservativen Vorstellungen übelnahm. Wilhelm Ernst starb 1923 auf Schloß Heinrichau in Schlesien, wohin er sich nach der Abdankung zurückgezogen hatte.

Im Deutschen Reich hatte das Großherzogtum etwa 300.000 Einwohner. Größere Städte waren Weimar, Eisenach, Neustadt, Jena, Apolda und Ilmenau. Es war mit drei Abgeordneten im Reichstag und mit einem Abgeordneten im Bundesrat vertreten.

S.K.H. Prinz Michael Benedikt von Sachsen-Weimar-Eisenach

Heutiges Familienoberhaupt ist Prinz Michael Benedikt von Sachsen-Weimar-Eisenach, ein Enkel von Wilhelm Ernst. Er wuchs in Süddeutschland auf, engagierte sich aber sofort nach der Wiedervereinigung in den Stammlanden seines Hauses. So ist er Mitglied der Wartburgstiftung und Stiftungsrat der Klassik Stiftung Weimar. Er kaufte auch 2500 Hektar Wald für den Familienbesitz zurück. Da er keine Söhne hat, würde die Erbfolge gemäß des Hausgesetzes an seinen Cousin Wilhelm Ernst übergehen, dessen einziger Sohn, Prinz Georg-Constantin, 2018 bei einem schweren Reitunfall in England verstarb, weswegen das Haus Sachsen-Weimar-Eisenach ohne eine Änderung der Thronfolgeregelungen erlöschen würde.

L.R.

Seit 2015 war Prinz Georg-Constantin mit der Britin Olivia Rachelle Page verheiratet. Das Paar hatte keine Kinder.

*) Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach war Tochter von König Wilhelm II. der Niederlande und seiner Ehefrau Groβfürstin Anna Pawlowna. Sie gründete 1889 das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, nachdem der letzte Enkel Johann Wolfgang von Goethes ihr dessen literarischen Nachlaβ vererbt hatte und ihr auch die schriftlichen Hinterlassenschaften Friedrich von Schillers anvertraut worden waren. Hätte ihr Bruder, König Wilhelm III. der Niederlande, nicht noch im Alter von 63 Jahren eine Tochter gezeugt, hätten die Erbfolgeregeln gegriffen und das Oberhaupt des Hauses Sachsen-Weimar-Eisenach wäre auf den niederländischen Thron gelangt.

Die Herzöge von Sachsen-Meiningen

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Das Herzogtum Sachsen-Meiningen mit zahlreichen Ex- und Enklaven, heute im südlichen Teil des Bundeslands Thüringen gelegen.

Das ernestinische Herzogtum Sachsen-Meiningen entstand 1680 im Rahmen einer Erbteilung aus dem Herzogtum Sachsen-Gotha. 1815 trat Sachsen-Meiningen dem Deutschen Bund bei. Seinen vollen Gebietsumfang erhielt das Herzogtum nach einer weiteren Teilung im Jahr 1826. 1834 trat es dem Deutschen Zollverein bei. Im deutsch-deutschen Krieg 1866 war das Land an der Seite Österreichs und sollte deswegen aufgelöst werden, blieb aber aufgrund der Fürsprache des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach erhalten. Herzog Bernhard II. mußte zu Gunsten seines preußenfreundlichen Sohnes Georg II. abdanken und das Land trat dem Norddeutschen Bund bei und wurde 1871 Bestandteil des Kaiserreichs. Georg II. regierte sein Land dann 48 Jahre lang. Er war ein großer Förderer des Theaters und von Kunst und Kultur. Beispielsweise war er in diesem Zusammenhang auch eng mit Johannes Brahms befreundet. Mit den Kaisern Wilhelm I. und Friedrich III. pflegte der Herzog ein gutes Verhältnis. Das Verhältnis des liberalen Herzogs zu Kaiser Wilhelm II. war dagegen aufgrund politischer und menschlicher Unterschiede eher kühl. Das Verhältnis wurde erst mit dem Amtsantritt von Bernhard III. wieder besser.

Herzog Georg III von Sachsen-Meiningen 1892-1946 war nach dem Tod seines Vaters seit 1914 Kronprinz und übernahm den Herzogstitel nach dem Tod seines Onkels Herzog Bernhard III. 1928. Er starb am 6. Januar 1946 in TscherepowezUdSSR.

Bernhard III. übernahm nach dem Tod seines Vaters im Juni 1914 nur wenige Tage vor dem Attentat von Sarajevo die Regierung. Die gesamte Familie scheint nicht nach dem schöngeistigen Herzog Georg II. gekommen zu sein, denn die Prinzen von Sachsen-Meiningen entschieden sich fast alle für eine Karriere im preußischen Militär. Daher hatten sie im 1. Weltkrieg einen hohen Blutzoll zu entrichten: Friedrich, ein General in preußischen Diensten und Bruder des Herzogs, fiel bei der Schlacht von Namur, sein Sohn Ernst drei Tage später in der Schlacht von Maubeuge. Auch zwei Söhne des Kronprinzen Ernst fielen im weiteren Verlauf des Krieges, so daß niemand sagen kann, die Familie des Herzogs hätte das Leid der Bevölkerung nicht bis hin zur letzten Konsequenz geteilt. Herzog Bernhard III. begleitete die sachsen-meiningischen Truppen außerdem auch ins Feld und übergab die Regierungsgeschäfte Herzogin Charlotte. Am 10. November 1918 übertrug er die Herrschaft seinem Bruder Ernst, dieser mußte jedoch nach zwei Tagen ebenfalls seine Abdankung erklären. Bernhard III., der zu Lebzeiten nicht die Beliebtheit seines Vaters erreichte, verstarb 1928 in Meiningen und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt – offenbar hatte man die Ausrufung der Republik in dem Herzogtum am Ende doch bereut. Heutiger Prätendent und Chef des Hauses ist der 1952 geborene Prinz Konrad, welcher als Bänker und Consultant tätig ist. Konrad hat keine Kinder und seine Brüder haben morganatische Ehen geschlossen, weswegen, sollte das Hausgesetz nicht geändert werden, das Haus mit ihm aussterben würde.

Herzog Konrad von Sachsen-Meiningen könnte der letzte männliche Namensträger sein, der den Familiennamen legitimerweise trägt.

Im Bundesrat hatte das Herzogtum einen, im Reichstag zwei Abgeordnete. Die Hauptstadt des Herzogtums war Meiningen mit etwa 17.000 Einwohnern, insgesamt kam Sachsen-Meiningen gegen 1910 immerhin auf rund 165000 Einwohner. Hauptwirtschaftszweige waren der Bergbau und die Landwirtschaft.

L.R.

Eine Tochter von Herzog Georg III., Prinzessin Regina (1925 – 2010), heiratete am 10. Mai 1951 in der alten lothringischen Hauptstadt Nancy den österreichischen Kronprinzen Otto (1912 – 2011).

Politiker versus Haus Hohenzollern – Corona-Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 221

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Shitstorm für Georg Friedrich

Prinz Georg Friedrich im Hof von Schloβ Cecilienhof, das für seine Urgroβmutter gebaut wurde.

Mitte Juli wurden im tiefsten Sommerloch seit 2014 laufende Geheimverhand-lungen zwischen den Hohenzollern auf der einen und dem Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg und zugehörigen Kultureinrichtun-gen auf der anderen Seite bekannt. Es geht um einen außergerichtlichen Vergleich zur Restituierung von Kulturgütern und Wohnrecht für die Familie in brandenburgischen Schlössern, vor allem im Potsdamer Cecilienhof. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), ließ in einem öffentlich gewordenen Brief nun wissen, sie müsse die Forderungen der Hohenzollern leider ablehnen. Zuletzt stellte auch Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Die Linke) dem Prinzen ein „Ultimatum“ bis zum 24. Juli, er möge auf seine Forderungen gegen das Bundesland Brandenburg verzichten. Andernfalls, so die Drohung des Politikers, werde man den Kronprinzen Wilhelm als jemand einstufen, der dem Nationalsozialismus wesentlich Vorschub geleistet habe, was bewirken würde, daß die Hohenzollern alle ihre Ansprüche verlieren würden. Es folgte auf die Bekanntgabe dieser Nachrichten massive Kritik am Prinzen in den Medien, die in den Kommentarbereichen von oft aggressiven und beleidigenden Äußerungen – auf neudeutsch „Shitstorm“ – begleitet wurden. Von der Verrechnung der Toten des 1. Weltkrieges mit den Ansprüchen der Hohenzollern bis hin zu dem Wunsch, die Guillotine möge zum Einsatz kommen, war so ziemlich alles dabei. Gemäßigte oder ausgeglichene Kommentare gab es dagegen kaum.

Nüchtern betrachtet haben die Hohenzollern und andere Fürstenhäuser in den 20er Jahren in der Tat Ausgleichszahlungen vom deutschen Staat bekommen und in den 90er Jahren vor Gericht verloren, als es um die Restitution von Land und Immobilien ging, welche während des Sozialismus‘ enteignetet wurden. Dies betrifft jedoch zum einen keineswegs Ausstattungsstücke und persönliche Gegenstände, die in diesen Immobilien enthalten waren. Hier könnte die Rechtslage ganz anders aussehen. Zum anderen bestehen auch unterschiedliche Rechtsauffassungen über die Tragweite der Fürstenentschädigung aus dem Jahr 1926. Letztlich hat die Drohung von Brandenburgs Finanzminister auch kaum Gehalt, da die Einstufung von Kronprinz Wilhelm als Nazibefürworter vor einem Gericht wohl keinen Bestand haben würde – vielleicht wäre es im Sinne der Hohenzollern sogar gut, man würde diese Frage einmal gerichtlich klären lassen.

Warum die Nachricht von den langjährigen Verhandlungen aber gerade jetzt an die Presse durchgestochen wurde, ist nicht bekannt. Eine mögliche Erklärung ist, daß das Haus Hohenzollern anders als beim Streit um Burg Rheinfels, den Prinz Georg Friedrich jüngst in erster Instanz verloren hatte, gute Argumente hat und einen Rechtsstreit gewinnen würde. Wenn staatliche Stellen sich jetzt an die Presse richten, wäre das also der Versuch, die öffentliche Meinung gegen Georg Friedrich zu wenden. Er soll so wohl dazu gebracht werden, seine Forderungen niedriger anzusetzen. L.R.

PS.
Ein völlig unaufgeregtes und sehr informatives Interview zu diesem Komplex veröffentlichten am 26. Juli die Potsdamer Neuesten Nachrichten mit André Schmitz. Der SPD-Politiker war unter Klaus Wowereit Chef der Senatskanzlei und Staatssekretär für Kultur: „In meiner Amtszeit habe ich Georg Friedrich Prinz von Preußen immer als fairen Vertragspartner erlebt.“

Hintergrund: Treuhand und Adel

„Volkseigentum“ war in der DDR das Eigentum von jedermann und damit eigentlich von niemandem, wobei der gröβte Teil dieses Vermögens in der Nachkriegszeit durch massive Enteignungen geschaffen wurde. Am 1. März 1990 beschloß der Ministerrat der ersten demokratisch gewählten Regierung der DDR die Bildung einer „Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums“. Der Zweck des heute in Ostdeutschland verhaßten Treuhandkomplexes war also eigentlich positiv: Durch die Entflechtung von Kombinaten sollten überlebensfähige Unternehmen gebildet werden, die in der Marktwirtschaft eines vereinigten Deutschlands würden bestehen können. Schon bald nach ihrer Gründung wurde der eigentlich positive Zweck der Anstalt jedoch abgewandelt. Im Rahmen der Verhandlungen zum Einigungsvertrag war der Zweck bald nur die Privatisierung des Volksvermögens. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde die Treuhand, die zu diesem Zeitpunkt DDR-Kombinate verwaltete, in denen rund vier Millionen Menschen beschäftigt waren, wie so vieles andere auch, dann sofort mit einer Führungsriege aus dem Westen belegt. Die Privatisierung ostdeutscher Betriebe durch Westdeutsche war aber bei weitem nicht das einzig Fragwürdige: Ostdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung kein Geld, einen volkseigenen Betrieb (VEB) zu kaufen, westdeutsche Unternehmen wollten oft unliebsame potentielle Konkurrenten ausgeschaltet sehen und oft ging es Unternehmen nur um das Einstreichen von Fördermitteln oder auch um den Maschinenpark. Dies soll keineswegs heißen, daß die Wirtschaft auf dem Gebiet der ehemaligen DDR floriert hätte, wenn man sie nur gelassen hätte. Die Entwicklung des BIP der anderen ehemals sozialistischen Staaten spricht dagegen, und natürlich war die Mehrheit der Unternehmer, die über die Treuhand Volksvermögen erworben haben, auch ehrlich an einem marktwirtschaftlichen Fortkommen der Betriebe interessiert. Daß die Treuhand jedoch kein Erfolg war und darüber hinaus Narben im Selbstwertgefühl der Ostdeutschen hinterlassen hat, ist nicht zuviel gesagt.

Bereits 2013 besuchte Jörg Thadeusz die Familie zu Lynar im Spreewald für die RBB-Serie „Preuβisch Blau“ und beschrieb Schwierigkeiten und Erfolge der Familie beim wirtschaftlichen Wiederaufbau ihres einstigen Besitzes. Die Serie war leider in der ARD-Mediathek nicht zu finden. Falls jemand weiβ, wo die Serie zu sehen ist, kann sich vertrauensvoll an die Corona-Redaktion wenden.

Mit der Wiedervereinigung interessierte sich auch eine ganz bestimmte Gruppe für ostdeutsches Volksvermögen: von den Sowjets und dem DDR-Regime 1945 und danach enteignete Menschen, darunter viele Adlige. Für die Ostdeutschen mag es in den Tagen um 1990 so ausgesehen haben, als ob diese Personen ihr Land stehlen und dafür noch nicht einmal bezahlen wollten, da sie auf die Rückgabe ihrer Besitzungen ohne irgendeine finanzielle Gegenleistung klagten. Ein entsprechend kühler Empfang wurde ihnen bereitet. Unterstützt wurde diese Sichtweise von Medien und Politik, konnte man doch von den Fehlern der Treuhand ablenken, wenn man die Aufmerksamkeit auf andere lenkte, die zudem einem alten Feindbild der DDR-Propaganda entsprachen. In Wirklichkeit brachten diese Menschen jedoch einen Vorzug mit, welchen diejenigen, die über die Treuhand Volksvermögen beziehen wollten, nie haben konnten: einen jahrhundertealten Bezug zur Region. Auch war vielen nicht klar, daß es bei den Rückforderungen nicht um Vermögen ging, welches Kleinbauern oder Privatpersonen überhaupt gehörte, was jedoch immer wieder suggeriert wurde. Ein Engagement von Adligen nach der Wiedervereinigung hätte vielmehr die Schaffung von Arbeitsplätzen bedeutet, und dazu geführt, daß viele ostdeutsche Dörfer heute weniger trist wären. Positive Beispiele für wirtschaftliches Engagement von Adligen in den neuen Ländern ist etwa jenes der Lynars in Lübbenau, wo die Familie das Schloß für 10 Mio. DM sanierte und heute darin ein 4-Sterne-Hotel betreibt, oder die Wilthener Brennerei, die heute den Hardenbergs gehört und viele Arbeitsplätze bewahren konnte. Am Ende wurden die juristischen Verfahren zur Rückgabe des enteigneten Eigentums der 1990er Jahre jedoch fast durchweg abschlägig beschieden und eine historische Chance wurde vertan.

Wenn heute ein Finanzminister, der einer Partei angehört, die in der Nachfolge derer steht, die die Ostdeutschen 1945 und danach enteignet hat, und eine Kulturbeauftragte, die einer Partei angehört, die die Treuhand heute noch immer nicht als Fehler benennen möchte, über den Chef des Hauses Hohenzollern in der Öffentlichkeit insinuieren, er würde sich geradezu unrechtmäßig Vermögen aneignen wollen, bekommt dies Züge einer Groteske. Man sollte ihnen nicht auf den Leim gehen. L.R.

Herzog Carl regelt die Nachfolge im Hause Württemberg

Herzog Wilhelm mit seiner Mutter, Herzogin Marie, geborene Prinzessin zu Wied, am Tag der Beisetzung von Herzog Friedrich von Württemberg.

Die Nachfolge für den am 9. Mai 2018 tödlich verunglückten Herzog Friedrich von Württemberg ist geregelt. Der Chef des königlichen Hauses, Herzog Carl von Württemberg, hat am Donnerstag über die Hofkammer in Friedrichshafen bekanntgeben lassen, daβ sein Enkel, Herzog Wilhelm von Württemberg künftiger Chef des Hauses und der Geschäfte“ werde. Der Nachfolger studiere bis nächstes Jahr in Großbritannien, dann werde er außerhalb der Familie Berufserfahrung sammeln. Wann er als Chef des Hauses antrete, stehe noch nicht fest. Am 13. August wird Herzog Wilhelm seinen 25. Geburtstag feiern. Herzog Carl seinerseits, begeht am 1. August seinen 83. Geburtstag.

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Die vollständige 221. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 221

Inhalt der 221. Ausgabe:

  • Shitstorm für Georg Friedrich
  • Hintergrund: Treuhand und Adel
  • Königliche Moderatoren im Politikbetrieb
  • Raddampfer Kaiser Wilhelm I.

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