Kaiserproklamation weiter thematisiert Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 247

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Will Facebook nicht, daß der Reichsgründung gedacht wird?

Um nicht ins Verschwörungstheoretische abzugleiten, muß mit Theorien, die man nicht belegen kann, immer vorsichtig umgegangen werden, und daher sei dem folgenden Artikel vorangestellt, daß es sich um eine Vermutung handelt. Wer die Funktionsweise von Facebook besser kennt, kann gerne korrigieren.

Worum geht es? Am 18. Januar jährte sich bekanntlich die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles zum 150. Mal. Zu diesem Anlaß wurde auf dem Corona-Blog ein Artikel veröffentlicht und auf Facebook geteilt. Dem Betreiber der Seite wird in diesem Zusammenhang angezeigt, wie viele Menschen einen Beitrag gesehen haben, und am ersten Tag handelte es sich um ganze 13.

Obwohl die Zahl der Abonnenten der Corona-Seite auf Facebook kontinuierlich steigt und bei etwa 1350 liegt, sind die Zahlen derer, die die Beiträge sehen, in den letzten Jahren von im Durchschnitt über 300 auf durchschnittlich unter 200 gesunken. Dies erscheint schon etwas merkwürdig, kann aber noch daran liegen, daß Corona im Jahr 2018 eine tägliche Rückblende auf die Ereignisse des Jahres 1918 veröffentlichte, von der Kapitulation Rußlands über die Frühjahrsoffensiven bis hin zum schwarzen Tag des deutschen Heeres und der Novemberrevolution. Dies hat zahlreiche Abonnenten und Follower gebracht und das Ende dieser Serie mag dazu geführt haben, daß die Seite von weniger Menschen verfolgt wird.



So zeigte sich die Corona-Facebookseite am 18. Januar 2021

Die Reichsgründung ist nun für unsere Zielgruppe ein sehr wichtiges Datum und selbst an einem Montag sollte man daher mit sehr guten Reichweiten rechnen können, in jedem Fall sollten aber mehr als 13 Menschen mit dem Beitrag erreicht werden. Es ist also durchaus davon auszugehen, daß sich Facebook über verschiedene Algorithmen am Wort „Reichsgründung“ stört und die Verbreitung des Artikels weitgehend unterbindet. Wenn man „Reichsgründung“ hingegen etwa durch das Wort „Katzenbabies“ ersetzen würde, hätte man wohl eine weit größere Reichweite. Auf einer viel größeren Seite als derjenigen von Corona, nämlich auf der der konservativen Wochzeitung Junge Freiheit, hieß es im übrigen über einen Beitrag zur Reichsgründung „Der Inhalt ist derzeit nicht verfügbar“. Der Inhalt wurde erst am nächsten Tag freigeschaltet.



Facebookseite der Jungen Freiheit

Die Internetgiganten standen jedenfalls zu Beginn des Jahrtausends und noch bis vor recht kurzer Zeit für Meinungsfreiheit und füllten damit eine Lücke, die die Printmedien hinterlassen hatten, als sie sich zu Gunsten von versteckten oder mittlerweile recht offiziellen staatlichen Subventionen weitgehend von Regierungskritik verabschiedeten. Das war aber Politikern schon immer ein Dorn im Auge und nachdem man sich lange schwertat, geeignete Mittel zu finden, erfand man „Haßreden“ und ähnliches, um einen Hebel gegen die Netzwerke der sozialen Medien zu haben, obwohl der Tatbestand der Beleidigung u. ä. im Strafrecht vorher schon existierten. Facebook & Co. haben sich mittlerweile mit der Situation arrangiert, und solange wie die Politik Facebook erlaubt, in Irland ansässig zu sein und dort so gut wie keine Steuern zu zahlen, behindert man eben lieber ein paar Inhalte. Am Ende ist Facebook ein Unternehmen, welches Gewinn machen will und das Handeln ist daher rational und nachvollziehbar.

Wenn es aber tatsächlich so wäre, daß Facebook sozusagen die deutsche Geschichte verbietet, wäre dies schon gruselig und hätte etwas von George Orwells „1984“. Gleichzeitig würde es bedeuten, daß man Alternativen zu diesem sozialen Netzwerk suchen müßte. Wie gesagt: wir wissen es nicht mit Sicherheit. L.R.

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Die vollständige 247. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 247. Ausgabe:

  • Will Facebook nicht, daß der Reichsgründung gedacht wird?
  • Königshäuser gehen beim Impfen mit gutem Beispiel voran
  • Das Kaiserreich – Was bleibt
  • 45. Oberhaupt des Hauses Osman in Damaskus verstorben

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Der 18. Januar 1871 – das ungeliebte Datum

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2021 jährt sich die Reichsgründung zum 150. Mal, jedoch möchte sich kaum jemand daran erinnern. Dies ist das Resultat einer längeren Entwicklung: Das vielleicht bedeutendste Zeichen nach 1990, mit dem man sich zu der Gründung von 1871 bekannte, war der Umzug der Regierung nach Berlin, denn dieser symbolisierte die Kontinuität der preußisch-deutschen Hauptstadt, obwohl es in der Historie davor durchaus andere deutsche Hauptstädte gegeben hat. Es ist bezeichnend, daß dieser nur mit einer sehr knappen Mehrheit zustande kam, bei dem die Stimmen der PDS den Ausschlag gaben. Die heutige Weigerung des offiziellen Berlins, des Ereignisses zu gedenken, stellt jedoch einen vorläufigen Höhepunkt dar.


Wie sehr das Kaiserreich in Berlin noch präsent ist, zeigt dieser wunderbare Bildband: Von offiziellen Regierungsgebäuden, Bildungsanstalten, Krankenhäusern, Industriearchitektur, Wohngebäude, Sakralbauten oder Freizeitstätten u.a.m. hat er die faszinierende Vielfalt der Kaiserzeitepoche eingefangen. Die farbigen Abbildungen ergänzt ein sehr gut recherchierter und leicht lesbarer Begleittext, der eine Fülle an Hintergrundinformationen bietet. Autor: Matthias Barth, Berlin der Kaiserzeit  Architektur 1871 bis 1918, Gebund. Ausgabe, 336 Seiten; Michael Imhof Verlag,ISBN-10: 3731907194

Die Entfremdung besteht in der Tat schon länger, nicht nur in der Politik: Die heute älteren Menschen im Westteil Deutschlands haben die deutsch-französische Aussöhnung erlebt. Sie waren meist eher in Paris, in der Normandie oder der Provence als in Potsdam, Dresden oder Schwerin. Wenn man sie fragt, bekommt man zu hören, daß Deutschland den Franzosen 1871 das Elsaß weggeschnappt hat und damit die deutsch-französische Erbfeindschaft begründete. Einige wenige können vielleicht noch Napoleon nennen, jedoch beendete die Reichsgründung in Wirklichkeit die ständigen Einfälle Frankreichs in deutschen Ländern seit dem Mittelalter und auch der Umstand, daß 1870 80 % der Elsässer Deutsch sprachen, ist nicht der Tatsache geschuldet, daß Deutsch die leichtere oder schönere Sprache ist, sondern weil das Land vorher von Frankreich annektiert wurde. Wir sollen uns hier nicht falsch verstehen: Auch Frankreich hat vor allem im 20. Jahrhundert viel unter den Deutschen gelitten und die deutsch-französische Verständigung ist sicher einer der größten Erfolge der Bundesrepublik. Trotzdem sollte man aber an Stelle eines Narrativs bei den historischen Fakten bleiben und da ist es nun einmal so, daß die Reichseinigung Deutschland endlich wieder ermöglichte, sich ernsthaft gegen äußere Feinde zur Wehr zu setzen, was unseren Vorfahren sehr viel bedeutete.

Im Osten Deutschlands wiederum würde man sich zwar in einem Hohenzollernreich wahrscheinlich nicht unwohl fühlen. Bei einem Anteil von 20 % an der Gesamtbevölkerung, dem ein Anteil von nur 1,5 % Ostdeutscher in Führungspositionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gegenübersteht, herrscht jedoch auch dort zunehmend weniger Feierlaune beim Gedanken an Gesamtdeutschland, welches dem alten Preußenkönig Wilhelm schon bei seiner Gründung wenig Freude bereitete. Das Gefühl westdeutscher Fremdherrschaft ist heute eher stärker als vor 30 Jahren und man fragt sich, ob mit Preußen, Sachsen, Anhalt, Mecklenburg und den thüringischen Provinzen allein nicht auch Staat zu machen gewesen wäre, nach dem man den Sozialismus zum Teufel gejagt hat, läßt dabei aber die massiven wirtschaftlichen Verwerfungen aus den Augen, die dies mit sich gebracht hätte.

Zurück zur Politik: Von den fünf in Artikel 20 der gegenwärtigen Verfassung genannten Prinzipien des deutschen Staates – Föderalismus, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Republik und Sozialstaatlichkeit – kommen mindestens drei aus dem Kaiserreich, und auch das Demokratieprinzip war damals im Vergleich zu den meisten Nachbarn mit den freien, geheimen und gleichen Wahlen zum Reichstag durchaus nicht schlecht umgesetzt, während das Republikprinzip ohnehin unnatürlich ist und weg sollte. Auch die Rechtschreibung, die Grundlage der Pharma- und Autoindustrie, die verfaßte Wirtschaft, die Grundlagen für den Wissenschaftsstandort Deutschland und sogar die Gewerkschaften kommen aus dem Kaiserreich. Der Politik ist dies eher peinlich, da die Staatslenker der beiden ehemaligen Volksparteien CDU und SPD lieber hätten, daß die Bewohner des besten jemals existiert habenden Deutschlands denken, selbige Parteien wären es gewesen, die diese Errungenschaften herbeigeführt haben. Für den, der sich auskennt, hat dies jedoch keinen Bestand. So ist zwar zum Beispiel die ausformulierte Definition der „sozialen Marktwirtschaft“ eine Erfindung der Bundesrepublik, jedoch wird hier nur ein Begriff nachträglich konzeptualisiert, der im Kaiserreich schon gelebt wurde. Auch der Nationalstaat ist Politikern eher suspekt. Viele Eliten wollen auch aus wirklicher Überzeugung, daß Deutschland in der EU aufgeht (eine Idee, die allerdings von den Nachbarn nicht geteilt wird). Deutschland ist für diese Parteieliten nur eine Verwaltungseinheit, welche nur insoweit Sinn macht, als deren Führungspositionen nach Parteibuch vergeben werden können.

Es finden sich also weder im Volk noch in der Politik wirklich viele, die der Reichseinigung von 1871 unter Wilhelm I. noch etwas Positives abgewinnen können. Vielleicht würde es helfen, sich einmal vorzustellen, wie es ohne die Proklamation Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser ausgesehen hätte. Die Phantasten von 1848 hätten vielleicht einen noch freiheitlicheren, aber weit schwächeren Staat geschaffen, der zur Beute seiner Nachbarn geworden wäre, ganz ohne Einheit und bei Beibehalt der Kleinstaaterei wäre dagegen nie das Niveau an Wohlstand und Entwicklung erreicht worden, welches erreicht worden ist. Es wäre die großdeutsche Lösung geblieben, jedoch hätten die Nachbarn dieses Gebildes wohl auch um die Kräftebalance gefürchtet und dieses nicht zugelassen, außerdem hätte Deutschland unter Führung der Habsburger auch die Probleme geerbt, die historisch zur Implosion von deren Reich geführt haben. Wilhelm I., Bismarck, Moltke und die Deutschen schufen also ein Reich, welches nicht von Anfang an eine Totgeburt war, und dies ist schon viel.

Für die Generation, die im Kaiserreich aufwuchs, jedoch die Folgezeit auch erlebte, war es die gute alte Zeit. Für uns ist es immer noch die Zeit, in der die meisten funktionierenden Grundlagen des deutschen Gemeinwesens gesetzt wurden, und das ist doch schon etwas, was man feiern kann.

L. R.

Französische Royalisten gedenken auch in Pandemiezeiten König Ludwigs XVI.

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Die Bewegungsfreiheit mag in Frankreich coronabedingt eingeschränkt sein, doch hindert dies Royalisten nicht, des am 21. Januar 1793 ermordeten Königs Ludwig XVI. zu gedenken.

Am Samstagnachmittag zog ein erster Zug royalistischer Sympathisanten durch Paris.

Am eigentlichen Hinrichtungstag – am nächsten Donnerstag – werden trotz limitierter Gottesdienstbesuchzahlen in verschiedenen Städten Frankreichs Heilige Messen für das prominenteste Opfer der Französischen Revolution gefeiert:

Paris : Messe am 21. Januar um 12h15 in der Kirche Saint-Roch  

Die Requiemmesse für König Ludwig XVI. und alle Opfer der Französischen Revolution wird traditionsgemäß auf Anforderung des Cercle de l’Œillet Blanc, in der Kirche Saint-Roch, 296 rue Saint-Honoré, Paris Ier (Métrostation Tuileries oder Palais Royal) gefeiert.  

Fontainebleau, 21. Januar um 19 Uhr

Heilige Messe für Ludwig XVI. und alle Märtyrer der Revolution
Église du Carmel 6-8 Boulevard du Maréchal Leclerc 77300 

Marseille : Messe am 21. Januar

11h, Basilique du Sacré-Cœur, 81 avenue du Prado. Die Messe wird gelesen auf Wunsch der Union Royaliste Provençale (Action Française) und des Souvenir Bourbonien.

Messe in Béziers am 21. Januar

… für König Ludwig XVI. und alle Opfer der Verbrechen der Revolution
Kirche Saint-Jacques, plan Saint-Jacques. Aufgrund der Coronamaßnahmen wird der Gottesdienst auf 16 h 30 vorgezogen.

Messe in Nancy, am 24. Januar

10 Uhr 30, Église Marie-Immaculée, 33 Avenue du Général Leclerc.

In Mirepoix wird der Graf von Paris König Ludwigs XVI. gedenken

Das Oberhaupt der französischen Königsfamilie, Prinz Jean, Graf von Paris, wird dem Requiem für König Ludwig XVI., die königliche Familie und die Opfer der Revolution am 21. Januar, um 11 Uhr in der Kathedrale von Mirepoix beiwohnen.

Demonstration für König Ludwig XVI. in Compiègne am Sonntag, 24. Januar um 15 Uhr 30.

Deutschland feiert seinen 150. Geburtstag Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 246

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Am 150. Jahrestag der Kaiserproklamation

In der Amtszeit von Bundespostminister Georg Leber (SPD) wurde 1971 diese Sondermarke mit eindrucksvollem Ersttagsbrief zum 100. Jahrestag der Reichsgründung herausgegeben. Der heute für Briefmarken zuständige Bundesfinanzminister Olaf Scholz (ebenfalls SPD) folgt nicht dem Vorbild seines Genossen und veröffentlicht zum 150. Jahrestag – nichts.

Die Proklamation des Deutschen Reichs jährt sich am 18. Januar zum 150. Mal. Alle, die quasi von Amts wegen der Reichseinigung gedenken müßten, haben 2021 eine nicht zu widerlegende Entschuldigung: Die Corona-Pandemie läßt größere Menschenansammlungen nicht zu. Weder im Bundestag noch vor dem Reichstag können Reminiszenzen auf die Geschichte gezogen werden. Gut für die Politiker, die dieser Pflicht enthoben sind, gut für die Zuhörer, denen so manche Peinlichkeit deshalb erspart bleibt. Die Leistungen der Beteiligten von 1870/71, die deutschen Staaten zu einem Bundesstaat zu vereinigen, sind im historischen Gedächtnis kaum mehr vorhanden. Anders ist es nicht zu erklären, daß die außerordentlichen Verdienste, die sich der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck dabei erwarb, zwar den Zeitgenossen deutlich vor Augen standen, was sich in zahlreichen Denkmälern niederschlug, aber im 150. Jahr der Reichseinigung wird vielerorts nur an den Sturz der Wahrzeichen dieser komplexen Persönlichkeit gedacht, nicht mehr an ihr Schaffen.


Anton von Werner hielt die Kaiserproklamation in drei Gemälden fest. Nur das jüngste blieb erhalten und setzte sich im Gedächtnis fest, obgleich es das Geschehen historisch am unkorrektesten darstellt.
 

Daß der eigentliche Akt der Kaiserproklamation einer langwierigen Vorarbeit bedurfte, versteht sich von selbst. Mit dem Sieg bei Sedan am 2. September 1870 stand den deutschen Truppen der Weg nach Paris offen und Bismarck verhandelte ab September 1870 mit den süddeutschen Staaten, um noch vor Kriegsende die Reichseinigung zu vollenden. Baden, Hessen-Darmstadt, Württemberg und Bayern traten dem Norddeutschen Bund bei und ebneten den Weg zur Reichseinigung. Am Ende komplizierter Verhandlungen standen die „Novemberverträge“: Sie umfaßten den Vertrag mit Baden und Hessen über die Gründung des Deutschen Bunds – so die ursprünglich vorgesehene Bezeichnung des Deutschen Reichs – vom 15. November, die norddeutsche Militärkonvention vom 25. November sowie die Verträge mit den Königreichen Bayern und Württemberg über den Beitritt zur Deutschen Bundesverfassung vom 23. und 25. November 1870.

Die Verfassung des Deutschen Reichs, die zum 1. Januar 1871 in Kraft treten sollte, mußte zunächst durch den Bundesrat, den Reichstag des Norddeutschen Bunds und die süddeutschen Parlamentskammern genehmigt werden, womit die These widerlegt ist, daß die Reichseinigung nur von den Fürsten ausgehandelt wurde. Die Gründung des Deutschen Reichs war demokratisch durch die gewählten Parlamente legitimiert. Eine Deputation des Reichstags reiste anschließend ins militärische Hauptquartier nach Versailles, um König Wilhelm I. um die Annahme der Kaiserwürde zu bitten und so das Werk der Einigung zu vollenden. Der preußische König kam diesem Antrag am 18. Dezember 1870 nach, genau einen Monat später – auf seinen Wunsch am 170. Jahrestag der Erhebung des Kurfürsten von Brandenburg zum König in Preußen vom 18. Januar 1701 – rief der Großherzog von Baden, Friedrich I., im Spiegelsaal von Versailles aus: „Seine Kaiserliche und Königliche Majestät, Kaiser Wilhelm, lebe hoch, hoch, hoch!“ Diese Proklamation blieb, nicht zuletzt wegen der eindrucksvollen Gemälde Anton von Werners,  im deutschen Bewußtsein als der eigentliche Reichgründungsakt haften.

Der am 18. Januar 1871 sichtbar gewordene Staat der Deutschen hat zwei Weltkriege, zwei Diktaturen und unzählige Abspaltungen und Krisen überstanden. Nach der Überzeugung von uns Monarchisten hat der Gründungsakt mit einem Monarchen an der Spitze dem Land einen erfolgreichen Weg in Wohlstand und kulturelle Vielfalt beschert, was bis zum Verlust dieser Staatsform 1918 anhielt. Es würde dem inzwischen im Vergleich zur Reichsgründung 1871 geschrumpften Deutschland wohlanstehen, wenn ein gekröntes Staatsoberhaupt über den Parteien stehend als Brückenbauer handeln könnte. Am 150. Jahrestag der Proklamation eines Deutschen Kaisers soll diese Utopie gestattet sein. Utopien werden ja oft wahr. H.S.

Krise in Nepal setzt sich fort

In der nepalesischen Stadt Jhapa wurde König Gyanendra kurz vor Jahresende begeistert von seinen Anhängern gefeiert.
 

Wie Corona in seiner 245. Ausgabe berichtete, kommt es in Nepal seit November zu monarchistischen Demonstrationen. Nun wurde von Nepals Präsidentin auf Wunsch des Premierministers das Parlament aufgelöst. Regierungskrisen hat es seit dem Sturz der Monarchie 2008 immer wieder gegeben, vor ihrem endgültigen Machtverlust konnten sich die Oligarchen in Nepals politischen Parteien jedoch immer wieder zusammenraufen. Auch dieses Mal berichtet die Presse zwar über monarchistische Demonstrationen, jedoch wird die Auflösung des Parlaments auf einen Schachzug des Premierministers zurückgeführt, der sich so gegen innerparteiliche Widersacher durchsetzen und sich eine breitere Mehrheit sichern will. Ein Zeichen, daß es dieses Mal doch ernster sein könnte, ist, daß König Gyanendra sich offen mit den Führern der monarchistischen Parteien zeigt und sich sowohl er als auch Kronprinz Hridayendra vor Anhängern öffentlich gegen die Republik aussprechen, während der Monarch vorher in der Regel nur bei der Wahrnehmung religiöser Zeremonien auftrat. Auch haben die royalistischen Parteien den Protest gegen die Regierung für sich vereinnahmt, und die bislang größte Oppositionspartei, der Nepali Congress (NC), spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Unzufriedenheit wird verstärkt, daß Nepal schon ohne Covid in einer schweren Wirtschaftskrise war und diese jetzt durch die Pandemie noch viel schlimmer geworden ist. Außenpolitisch beklagen die Gegner der Republik, daß das Land in eine verstärkte Abhängigkeit von China geraten ist, wohingegen sich die Monarchie immer gegen äußere Einflußnahme zur Wehr gesetzt hat. L.R.

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Die vollständige 246. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 246. Ausgabe:

  • 18. Januar 1871: Am 150. Jahrestag der Kaiserproklamation
  • Krise in Nepal setzt sich fort
  • Elisabeth II. zeigt, daß das Leben weitergeht————————————————————————————————–

Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Neuinterpretation des Bismarck-Denkmals Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 245

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Nein, Bismarck ist nicht umstritten

Wer die Debatte um das Bismarck-Denkmal in Hamburg verfolgt, kann nur den Kopf schütteln, beziehungsweise fragen, wann und an welcher Stelle er aus Versehen in ein dadaistisches Paralleluniver-sum eingetreten ist. Das Wort „Debatte“ ist dabei irreführend, weil dieses Wort per Definition ein Streitgespräch bezeichnet und nicht, daß mehrere Kleinstgrüppchen sich gegenseitig selbst bestätigen. Worum es geht: Das Denkmal des Kanzlers im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli, welches eigentlich renoviert werden soll, sei „umstritten“, weil Bismarck eine koloniale Vergangenheit repräsentiere. Das Wort „umstritten“ benutzen Journalisten dabei meistens, wenn sie absolut nicht umstrittene Dinge in Verruf bringen wollen. Im Anschluß daran werden meistens „unparteiische“ Kommissionen eingerichtet, die mit einer Mehrheit an affinen Leuten und einigen Alibiwissenschaftlern besetzt werden und die Journalisten bestätigen. Im Ergebnis werden Straßen umbenannt oder eben Denkmäler abgeräumt, obwohl die überwältigende Mehrheit der Anwohner und der Gesamtbevölkerung dagegen ist. Die schweigende Mehrheit schaut aber eben nur ohnmächtig beziehungsweise ungläubig zu.

Auf 34,3 Meter bringt es das Bismarck-Denkmal in Hamburg – St. Pauli, das nicht staatlich verordnet errichtet, sondern auf Initiative Hamburger Bürger gebaut wurde.

In einer ganz ähnlichen Konstellation wurde jetzt also auf Einladung von Hamburgs Kultursenator Brosda eine Mehrheit an Vereinigungen, die der Black Lives Matter – Bewegung nahestehen, ein paar Wissenschaftlern gegenübergestellt. Das Ergebnis des Gesprächs: Das Denkmal könne nicht unkommentiert dort stehenbleiben. Wie das Endergebnis aussehen wird, wird dann wahrscheinlich eine solche „unparteiische“ Expertenkommission vorschlagen.

Wer sich zumindest ein wenig mit der Geschichte des Kaiserreichs auskennt, weiß, daß der Eiserne Kanzler keine Kolonien wollte, weil er glaubte, daß dies neue Konfliktlinien mit anderen Großmächten mit sich bringen würde. In der Stimmung der Zeit konnte er sich aber mit seiner Auffassung nicht durchsetzen. Als er dies erkannte, berief er 1884 eine Konferenz mit dem Ziel ein, unter Wahrung des Friedens die Interessen der europäischen Mächte in West- und Zentralafrika zu regeln. Die daraus resultierende Kongoakte garantierte den Kolonialmächten Handelsfreiheit untereinander, sah jedoch auch ein Verbot des Sklavenhandels vor und beschied, daß militärische Konflikte zwischen den Unterzeichnern nicht auf Afrika ausgeweitet werden sollen. Persönlich betrachtete Bismarck die Kolonien, die Deutschland ab 1884 erwarb, allenfalls als erweiterte Verhandlungsmasse, im Hinblick auf den Staatshaushalt waren sie für ihn ein Ärgernis. 1890 gelang es ihm, mit dem Helgoland-Sansibar-Vertrag ein koloniales Abenteuer zu beenden. Helgoland ist heute bekanntlich der letzte deutsche Gebietszuwachs.

„So lange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik. Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann, und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen haben, die den Franzosen als Beute zufallen, sobald es losgeht.“ – Otto von Bismarck 1881

Jetzt ausgerechnet Bismarck als Symbol für Kolonialismus hinzustellen, hat mit Fakten also nichts zu tun, und diejenigen, die dies behaupten, reihen sich mit anderen Leuten ein, die daran glauben, die Erde sei eine Scheibe, oder das Coronavirus eine Bilderberg-Verschwörung. Es kann natürlich auch sein, daß es um eine politische Nachricht geht: Das linksradikale Spektrum duldet keine deutschen Nationalhelden und da Wilhelm II., der eigentliche Befürworter deutscher Kolonialpolitik, ohnehin nicht als solcher gilt, versucht man, auf Biegen und Brechen eine Verbindung zwischen dem Kolonialismus und Bismarck herzustellen und ihn so zu diskreditieren.

Nun gibt es in Deutschland Meinungsfreiheit und man kann mehr oder weniger denken und sagen, was man möchte, wie albern es auch immer sei. Problematisch wird es jedoch, wenn sich Politiker, Medien oder Wissenschaftler dazu hergeben, über solchen Unsinn ernsthaft zu diskutieren, als sei er seriös. Das tut man ja auch nicht über Chemtrails oder ähnliches.

Man kann Bismarck wegen seiner Innenpolitik, dem Kulturkampf und dem Verbot der Sozialdemokratie kritisieren. Aber nein, wegen seiner Kolonialpolitik ist er nicht umstritten. Und nein, man muß nicht jeden Unsinn ertragen. L.R.

Staatliche Finanzierung für Denkmalstürzer

„Antikolonialistische“ Aktivitäten sind zu einem Geschäftsmodell geworden, das sich rentiert. Zur finanziellen Alimentierung des Berliner Pendants der Hamburger „Initiativen“ schrieb Götz Aly am 30. September in der Berliner Zeitung:
„Seit einigen Monaten beglücken der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und die Bundeskulturstiftung das Grüppchen „Postkolonial e.V.“ und assoziierte Vereinigungen mit 3,5 Millionen Euro. Damit wird ein „erinnerungskulturelles Projekt“ (Lederer) gefördert. Die mit Steuermitteln gepäppelten Aktivisten bezeichnen sich als „zivilgesellschaftliches Bündnis Decolonize Berlin“. Öffentlich wirksam betreiben sie zum Beispiel die Ausmerze des 300 Jahre alten Namens der Mohrenstraße in Berlin-Mitte.”
 

Massendemonstrationen in Nepal verlangen nach der Monarchie

In den Straßen Nepals wird der Ruf nach der Wiedereinführung der Monarchie immer lauter. Nachdem sich die maoistischen Guerillatruppen mit den bürgerlichen Politikern der Hauptstadt einigten, erklärten sie 2008 die Monarchie der seit 1768 herrschenden Schah-Dynastie für abgesetzt. Danach war es mit der Einigkeit der Parteien nicht mehr weit her und es dauerte fast zehn Jahre bis eine Verfassung ausgearbeitet war. Mit ihr herrschen seit 2017 zwei kommunistische Parteien: Die Communist Party of Nepal (United Marxist Leninist) und die Communist Party of Nepal (Maoist Center)


Die Demonstrationen in Nepal zugunsten der Rückkehr der konstitutionellen Monarchie haben in den letzten Wochen an Stärke zugenommen. 

Die wachsende Unzufriedenheit mit dieser Regierung nahm stark zu, als die Covid-19-Pandemie Nepal besonders hart traf. Die erste Pro-Monarchie-Demonstration wurde trotz Corona-Beschränkungen am 10. November von der „Nationalist Civic Society“ organisiert, bereits zwei Tage später verlangte ein Demonstrationszug des „Nepal Scholars Council“ ebenfalls die Rückkehr des Königs. Nun folgten in immer kürzeren Zeitabständen in allen großen Städten Nepals Protestmärsche, die die Wiedereinsetzung der monarchistischen Verfassung verlangten. Das in Kathmandu ansässige Internetportal My Republica schrieb nach den Unruhen vom 5. Dezember von „Massenprotest in Kathmandu verlangt die Wiederherstellung der Monarchie“: „Dies ist wahrscheinlich die größte Demonstration für die Monarchie im Land nach der ersten Nachkriegsverfassung von 2015.“ Das gleiche Portal berichtete, es seien überwiegend junge Leute, die Slogans skandierten, die König Gyanendra und die Hindu-Monarchie hochleben ließen. Mit dessen 18-jährigem Enkel, Prinz Hridayendra, steht ein unumstrittener Thronfolger bereit, der unbelastet von vergangenen Auseinandersetzungen die Monarchie fortführen könnte.

Inzwischen nahm sogar die Weltpresse von den monarchistischen Demonstrationen Notiz. In Indien und China, Nepals einzigen Nachbarn, werden die Pro-Monarchie-Märsche aufmerksam registriert, denn beide haben in Nepal ihre Interessen und annektierten in den vergangenen Monaten nepalesisches Territorium, was bei den Nepalesen nicht gut ankam. Teilweise sind die pro-monarchistischen Demonstrationen eine Reaktion, denn es war die Schah-Dynastie, die Nepals Unabhängigkeit gegen alle Begehrlichkeiten verteidigte.   H.S.

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Die vollständige 245. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 245. Ausgabe:

  • Nein, Bismarck ist nicht umstritten
  • Verschiedene Prätendenten stehen bereit
  • Massendemonstrationen in Nepal verlangen nach der Monarchie

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Portugals Monarchisten verlieren Gründer Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 244

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Vater der portugiesischen Monarchisten verstorben

Der wichtigste Gründer der Monarchistischen Volkspartei Portugals (Partido Popular Monarquico – PPM), Gonçalo Pereira Ribeiro Telles, ist im hohen Alter von 98 Jahren verstorben. Thronprätendent Dom Duarte Pio von Bragança würdigte den Verstorbenen als Idealisten und wahren Patrioten.

Gonçalo Pereira Ribeiro Telles
* Lissabon, 25. Mai 1922 –
† Lissabon, 11. November 2020
 

Wie so vielen, erging es auch den Portugiesen nach dem Sturz ihrer Monarchie im Jahr 1910 durch das Militär nicht gut. Es folgte Staatsstreich auf Staatsstreich und die Diktatoren und Präsidenten gaben sich die Klinke in die Hand. In dieses Umfeld wird auch Ribeiro Telles 1922 hineingeboren. 1926 folgte in Portugal dann die Errichtung eines neuen, dann allerdings sehr langwierigen autoritären Regimes: Der Estado Novo oder Corporativo, der Ständestaat unter Antonio de Oliveira Salazar. Anders als in Spanien, wo bei den Eliten der Gedanke der Restauration der Monarchie immer vorhanden und so stark war, daß Franco ihn nicht ignorieren konnte, wählten die portugiesischen Monarchisten den Weg der Opposition und die Regierung setzte sich aus meist republikanisch denkenden Generälen zusammen. Salazar mußte sich daher nicht mit solchen Anliegen auseinandersetzen und bei seiner krankheitsbedingten Absetzung 1968 (er starb 1970) trat mit Marcelo Caetano ein weiterer bürgerlicher Diktator seine Nachfolge an. Auch Ribeiro Telles, der studierte Landschaftsarchitekt, stand in Opposition zum Regime, wirkte an der Gründung verschiedener monarchistischer Kreise mit und unterstützte Militärs in Opposition zum Salazarregime. Ebenfalls anders als Spanien, welches geschickt verhandelte und sich einige Vorteile wie etwa den Verbleib der Exklaven Ceuta und Melilla auf dem afrikanischen Kontinent bei Spanien sichern konnte, gab Portugal seine Kolonien nicht freiwillig auf, und portugiesische Wehrpflichtige kämpften und starben in Angola und anderswo auf der Welt, was die Bevölkerung gegen die Regierung aufbrachte. 1974 kam es daher zu einem weiteren Militärputsch, in dessen Verlauf sich die Nelkenrevolution entwickelte und Portugal Demokratie wurde, jedoch die republikanische Staatsform beibehielt.

Das erste Grundsatzprogramm des PPM beschrieb 1974 auf 62 Seiten die Vorstellungen der Monarchisten zur zukünftigen Gestaltung Portugals.
 

In der Folge durften verschiedene politische Strömungen wieder in einen politischen Wettstreit treten und eine Partei, die sogleich gegründet wurde und verschiedene monarchistische Strömungen gruppierte, war der PPM. Bei Wahlen trat er in der Aliança Democrática mit Sozialdemokraten (PPD/PSD) und Christdemokraten (CDS) an, gewann 1979 in einem solchen Bündnis die Wahlen und von 1981 bis 1983 war Ribeiro Telles Minister für Lebensqualität. Im Anschluß daran verlor die Partei jedoch an Bedeutung, auch wenn sie hin und wieder an Wahlbündnissen beteiligt wurde und mitunter Sitze auf nationaler Ebene errang. Heute stellt sie nur noch Regionalabgeordnete auf den Azoren. Der mangelnde Erfolg ist vor allem dynastischen Fragen zwischen den Monarchisten geschuldet, denn neben dem Haus Bragança herrschten in Portugal in jüngeren Zeiten auch Vertreter des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha. Obwohl die portugiesischen Monarchisten unter Ribeiro Telles sich keinen ultrakonservativen Anstrich gaben, sondern auch moderne Themen wie die Ökologie aufgriffen und betonten, daß die Monarchie für alle da sei, konnten sie auch jüngere Wähler nicht überzeugen. Nicht überzeugen konnte auch die Republik Portugal, denn sie ist heute bei den meisten Indikatoren Schlußlicht in Westeuropa. So gilt das Bildungssystem als das schlechteste, es gibt kaum größere portugiesische Unternehmen und ein nicht unbedeutender Teil der Jugend emigriert aufgrund der Perspektivlosigkeit im eigenen Land. Unter Salazar und Franco waren Portugal und Spanien sich nicht unähnlich, aber im Rahmen des Übergangs sind die Spanier mit der Monarchie eindeutig besser gefahren. L.R.

Demonstration für die Monarchie?

In Corona-Zeiten sind Demonstrationen auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Gab es einst klar abgesteckte Fronten, hinter denen sich Gleichgesinnte scharten, um für oder gegen etwas zu demonstrieren, charakterisiert das heutige Demowesen bloß noch heterogene Anliegen. Die jüngste Demonstration am 14. November in Potsdam brachte das erneut zum Ausdruck. Angemeldet wurde sie laut PNN von „Reichsbürgern“, die des „Jahrestags der sogenannten Abdankung des [vorläufig] letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.“ gedenken wollten. Seinem Ururenkel, Prinz Georg Friedrich von Preußen, wolle man zeigen, „daß wir da sind und ihn zurück wollen“. Dieser solle der nächste „Friedenskaiser“ werden. Ebenfalls laut PNN hat sich Seine Kaiserliche Hoheit in einem Telephonat mit Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) von der Demonstration distanziert, doch was die Zeitung zitiert, klingt eher wie vages Befürworten des status quo denn ein schroffes Ich-will-das-nicht. Warum hatte OB Schubert überhaupt den Hohenzollernchef angerufen? Und warum plaudert er das Gespräch aus?Trieb ihn die Angst, es könnte mehr dahinterstecken?

Wenn alle demonstrieren, warum sollten Monarchisten es nicht tun? Aber waren die Potsdamer Organisatoren wirklich Monarchisten oder ging es ihnen bloß um Provokation? Das scheint in diesem Krisenjahr 2020 eher an der Tagesordnung zu sein als wohldurchdachte Alternativen zum Politikbetrieb. Die Zeit ist nicht günstig, um für die monarchische Staatsform durch die Straßen zu ziehen. Das muß aber nicht so bleiben. H.S.

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Die vollständige 244. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 244. Ausgabe:

  • Vater der portugiesischen Monarchisten verstorben
  • Trianon-Tag in Rumänien
  • Fumihito offiziell japanischer Kronprinz
  • Volkstrauertag mit Prinz Charles
  • Potsdam: Eine Demonstration für die Monarchie?

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Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 243

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Die Krone als einendes Element

Die Befürworter einer Republik argumentieren gerne damit, daß die Krone auch deshalb abzulehnen sei, da sie weit entfernt von den Menschen sei, geradezu in einem anderen Kosmos lebe, während ein gewähltes Staatsoberhaupt ja Teil des Volkes sei.

Betrachtet man aber die Realität, sieht es doch ganz anders aus. Nicht nur, daß die Zeiten von sich in prunkvollen Palästen abschottenden Monarchen schon lange vorbei sind und immer mehr Angehörige von Königshäusern ein bürgernahes Leben führen, auch in einer anderen Richtung zeigen sich die Vorteile der parlamentarischen Monarchie gegenüber der parlamentarischen oder gar präsidialen Republik.

Gerade in Krisenzeiten, Zeiten, wo die Bevölkerung verunsichert ist, nach Orientierung und Halt sucht, eine Stimme braucht, die zur Einheit und zum gemeinsamen Miteinander in Zeiten der Unsicherheit und Not aufruft, zeigt sich die Stärke eines überparteilichen Staatsoberhauptes. Das parlamentarische Regierungssystem hat bewußt die Rolle des Staatsoberhauptes und die des Regierungschefs getrennt. Letzterer ist für die aktive Gestaltung der täglichen Politik verantwortlich und kann dabei nicht als der Eintracht stiftende Landesvater fungieren. Die Regierung und das sie kontrollierende Parlament müssen Entscheidungen treffen zum Wohle des Staates und seiner Bürger und manchmal geht es nicht anders, daß diese einer Gruppe an Menschen nicht gefallen, doch dies ist notwendig. Dem Staatsoberhaupt fällt, der Idee und Theorie nach, die Aufgabe zu, die Nation nach außen zu repräsentieren, gleichzeitig aber auch im Inneren die Rolle des einenden Landesvaters wahrzunehmen. Um dies erfüllen zu können, muß das Staatsoberhaupt wahrhaft überparteilich sein und keine Nähe zu einem bestimmten Lager zeigen. Denn nur so wird es zum einen von der breiten Mehrheit anerkannt und zum anderen ist es auch selber nur so in der Lage, als überparteiliches, einendes Element zu fungieren.

Auch während der coronabedingten Ausgangssperre nahm Königin Elizabeth Ehrungen vor – hier schlägt sie Captain Sir Tom Moore zum Ritter. Sir Tom ist einer der wenigen im Land, der älter ist als die Königin. Er wurde in diesem Jahr 100.

Daß dies ein Monarch besser ausfüllen kann, zeigt sich auch an zwei konkreten Beispielen. Rund um den Brexit gab es immer wieder Diskussionen, wie die Queen denn nun zum Brexit stehen würde und manche ärgerten sich darüber, daß sie da nicht Farbe bekannt hat. Aber dies ist auch nicht ihre Aufgabe als überparteiliches, das gesamte Land repräsentierendes, Eintracht stiftendes Staatsoberhaupt. Sie ist die Königin aller Menschen im Vereinigten Königreich, nicht nur einer bestimmten Gruppe und während das Land inzwischen politisch und sozial tief gespalten ist, ist die Krone das quasi einzige Element, welches das Land zusammenhält und dem die Menschen Vertrauen und Anerkennung bezeugen. Auf der anderen Seite zeigt sich der deutsche Bundespräsident, welcher in Zeiten der Corona-Pandemie, wo sich viele auch um ihre berufliche Zukunft sorgen, all jene, die ihr demokratisches Recht wahrnehmen wollen, gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren, als Verschwörungstheoretiker und Verfassungsfeinde tituliert und damit zur Spaltung des Landes beiträgt. Verständlicherweise wird er auch als Parteipolitiker angesehen, der nicht für alle Menschen spricht. Genau das ist ein republikanisches Staatsoberhaupt meistens: Ein ideologisch klar eingeordneter, einer bestimmten Partei oder Denkschule nahestehender Mensch, der seine Vorstellungen auf das Amt überträgt. Ein Monarch dagegen ist wahrhaft überparteilich und versteht sich nicht als Diener einer bestimmten politischen Ideologie, sondern als Erster Diener des Staates, sprich der Menschen, die er alle vertritt und so handelt er auch. C.C.

Den ersten Teil dieser Betrachtungen finden Sie in der zuletzt erschienenen Corona-Ausgabe Nr. 242.

Spanien: Nadelstiche gegen die Monarchie

Die Politik der  Nadelstiche gegen die spanische Monarchie wird von der sozialistisch-kommunistischen Regierung weitergeführt, immer das große Ziel vor Augen: Die Ausrufung der 3. Republik. Jüngstes Zeichen gab ausgerechnet am Nationalfeiertag, am 12. Oktober, der 2. stellvertretende Ministerpräsident, Pablo Iglesias, als er einen Gruß König Felipes nicht erwiderte. Schlimmer noch als diese Flegelhaftigkeit ist  das neue Budget, das die Minderheitsregierung dem Parlament zur Beratung und Annahme vorgelegt hat.

Auf der Webseite des Königshauses heißt es als Bildunterschrift, die Mitglieder der königlichen Familie nahmen die Begrüßung der Vertreter der staatlichen Institutionen entgegen. Jedoch nicht aller, denn Mitglieder der Regierung zogen es vor, die Ideologie vor die Höflichkeit zu stellen.

Danach bleibt die Finanzierung des Königshauses beim Betrag von 2018 eingefroren: 7,88 Mio. € (zum Vergleich: Bundespräsidialamt laut Bundeshaushalt 2021: 44,7 Mio. €). 2009 waren es in Spanien schon einmal 8,89 Mio. €.

Im Gegensatz dazu soll der Etat des Ministerpräsidenten Pedro Sánchez um 11,3% steigen, Pablo Iglesias‘ Ministerium für soziale Rechte kann mit 70% mehr Geld rechnen.

Seine Lebenspartnerin Irene Montero leitet das Gleichstellungsministerium, das mit 157% eine außerordentliche Steigerungsrate aufweist.

Dagegen haben andere Verfassungsorgane geringeren Grund zur Freude:

Rechnungshof + 6,2%,

Verfassungsgericht + 3,2%,

Justiz + 12,2 %.

Das Ministerium für Arbeit und Soziales explodiert förmlich mit einem Plus von 1168 %, doch kommt dieser Geldregen aus Brüssel und ist coronabedingt. (Daten aus der Tageszeitung ABC).

Die Zuweisungen an das Königshaus sollen sicherstellen, daß der König seine verfassungsgemäßen Aufgaben erfüllen kann. Ohne ausreichende Finanzmittel landet die Monarchie schnell auf dem Trockenen. H.S.

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Die vollständige 243. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 243. Ausgabe:

  • Die Krone als einendes Element
  • Weiter Proteste in Thailand
  • Verbot von Schwarz-Weiß-Rot durch Gerichtsurteil gekippt
  • Spanien: Nadelstiche gegen die Monarchie
  • Stuttgart: Wir wollen unsern König Wilhelm wiederham

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 242

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Die Angst der Demokraten vor der Demokratie

In Folge der kürzlichen Großdemonstrationen in Berlin, bei denen eine vergleichsweise kleine Gruppe an Nazis, Reichsbürger, sonstigen Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern, die Stufen zum Reichstagsgebäudes erklommen hatte, war der mediale Aufschrei  groß gewesen und schnell kam die Frage hoch, was müssen wir tun um die Demokratie zu schützen?

Doch kann man die Demokratie überhaupt schützen? Nein, zumindest nicht durch Verbote und Verordnungen. Dies lehrt uns die Geschichte. Und überhaupt zeigt sich in solchen Maßnahmen oftmals eine krude Sicht der selbsternannten Verteidiger der Demokratie auf die Demokratie selber. Ein zentraler Grundgedanke der Demokratie und einer freien, demokratischen Gesellschaft ist, daß die Bürger frei sind, ihre Meinung zu äußern, egal ob es nun der Obrigkeit paßt oder nicht, und dazu gehört auch, daß sie das Recht haben, die Demokratie abzulehnen. Jede Form der Einschränkung der Demokratie stellt sich gegen einen zentralen demokratischen Grundgedanken und drückt die Angst vor der Demokratie selber aus. Im Grunde klingt es geradezu widersprüchlich, wenn man zum Schutz der Demokratie, demokratische Rechte einschränkt. Man kann dabei auch gut von der Angst der Demokraten vor der Demokratie sprechen.

Interessanterweise sind gerade Republikaner Vorreiter solcher Verordnungen zum Schutz der Demokratie oder besser gesagt der Republik – was für diese Leute damit gleichzusetzen ist und für sie ist nur die Republik eine Demokratie… –  obwohl sie doch gerne betonen wie viel liberaler eine Republik gegenüber einer Monarchie sei. Und um diesem Ausdruck zu verleihen, will man möglichst verhindern, daß sich die Gegner der Republik zu Wort melden, alles zum Schutze der Demokratie wie es dann so schön heißt. Im Gegensatz dazu sucht man in den liberalen Monarchien der Gegenwart Verordnungen zum Schutz der Monarchie meist vergeblich und auch wird dort nicht versucht, republikanische Meinungsäußerung zu unterdrücken. Ein gutes Beispiel dafür ist sicherlich Australien wo es eine lange und lebhafte Diskussion gibt, ob das Land eine Monarchie bleiben soll oder nicht, wobei die Diskussionslinie quer durch die Gesellschaft und die politischen Parteien verläuft. Beide Seiten können sich frei äußern und es gibt keine Versuche der staatlichen Bevormundung. Australien ist eine Demokratie und man überläßt es den Bürgern, frei und demokratisch zu entscheiden.

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Doch ist eine Sorge vor einem Ende der Demokratie in Deutschland überhaupt begründet? Ich sage nein, die Mehrheit der Bürger steht hinter der Demokratie. Und sollte sich dies irgendwann einmal ändern, dann liegt es nicht an fehlenden Gesetzen zum Schutz der Demokratie, sondern daran, daß die Menschen das Vertrauen in die Demokratie verloren haben und für eine Veränderung sind. Was dann übrigens auch eine demokratische Entscheidung wäre, die es als überzeugter Demokrat doch eigentlich zu herzigen gelte. Die Aufgabe von Demokraten muß es sein, das Vertrauen in die Demokratie, durch gute Politik und den gleichzeitigen Erhalt freiheitlich-demokratischer Rechte zu stärken. Nur dadurch sichert er ihr Überleben, mit allem anderen geht sie langfristig unter. Eine Tatsache, die bis heute insbesondere die Vertreter der Republik scheinbar nicht verstanden haben.        C.C.

Den zweiten und letzten Teil finden Sie in der nächsten Corona-Ausgabe.


Premierministerin von Barbados möchte Republik

Die Premierministerin des Commonwealth-Mitglieds Barbados, Mia Mottley, möchte, daß Barbados im nächsten Jahr zum 55. Jahrestag der Unabhängigkeit eine Republik wird. Um die Verfassung zu ändern, ist eine 2/3-Mehrheit in Parlament und Senat notwendig, jedoch verfügt ihre Partei aufgrund des First-Past-the-Post über diese. Die Regierungspartei siegte 2018 bei den Wahlen in den 16 Wahlkreisen des kleinen Landes, was die Opposition ohne jeglichen Sitz im Parlament beließ. Jedoch sprach sich vor den Wahlen auch die damalige Regierung und jetzige Opposition für die Republik aus. Begründet wird dies mit dem Wunsch nach einer Abkehr von der kolonialen Vergangenheit des Landes. So soll künftig ein Bewohner der Insel und nicht Elisabeth II. oder ein anderer englischer König Staatschef sein. Militanter Antikolonialismus mag gerade en vogue sein, jedoch zeigt die Geschichte eher, daß diejenigen Länder, die zu ihrer kolonialen Vergan-genheit ein entspannteres Verhältnis haben, besser fahren, da es in diesen Ländern nicht so problematisch ist, positive Dinge der Kolonialzeit in Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft beizubehalten, beziehungsweise nicht einfach nur etwas nicht zu tun, weil es die Kolonialherren getan haben. Ursprünglich war von den Republikanern ein Referendum geplant gewesen, jedoch gab es Bedenken ob der Verfassungskonformität eines solchen. In denjenigen Commonwealth-Inselkönigreichen, wo ein Referendum durchgeführt wurde – Tuvalu und St Vincent und die Grenadinen –  sprach sich das Volk im übrigen auch für den Beibehalt der Monarchie aus. Da wollte man vielleicht auch einfach auf Nummer sicher gehen.

Barbados machte ansonsten von sich reden, weil die Staatsverschuldung bei 175 % des Bruttoinlandsproduktes liegt, das Land damit weltweit der am vierthöchsten verschuldete Staat ist und der Internationale Währungsfonds eingeschaltet werden mußte. Obwohl Premierministerin Mottley gegen die Monarchie ist, wurde ihr Vater Elliott auf Vorschlag ihrer Regierung zum Ritter geschlagen – das wollte man dann wohl noch einmal schnell mitnehmen. Sollte nicht noch etwas total Unvorhergesehenes passieren, ist die Monarchie in Barbados damit im nächsten Jahr passé.

Wie Anatole France sagte: „Für jede gestürzte Monarchie wird der Himmel weniger strahlend, weil er einen Stern verliert. Eine Republik ist freigesetzte Häßlichkeit.“ L.R.

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Die vollständige 242. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 242

Inhalt der 242. Ausgabe:

· Die Angst der Demokraten vor der Demokratie

· Fidel Castro empfahl die Beibehaltung der Monarchie

· Premierministerin von Barbados möchte Republik

· Emir von Kuwait gestorben

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Coronademonstrationen unter vielen Fahnen Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 241

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Zum bundesrepublikanischen Fahnenstreit

Die Farben des Kaiserreichs gehen zurück auf die Zeit um 1866, als der Deutsche Bund noch überwiegend aus Kleinstaaten bestand: Die preußische Marine, auch Hamburger, Bremer und Oldenburger Kaufleute fuhren unter verschiedenen Flaggen. Um den Handel und die Akzeptanz der Flotte nach außen zu erhöhen, brauchten die Kaufleute eine einheitliche Symbolik. Aus den preußischen Farben schwarz und weiß und dem rot-weiß der Hanse ging schließlich schwarz-weiß-rot hervor.

Was war im in den letzten 15 Jahren unter der gegenwärtigen Kanzlerin immer uniformer werdenden Blätterwald zu den Coronademonstrationen nicht alles zu lesen: Der Reichstag sollte gestürmt werden. Reichsbürger probten den Umsturz. Die Demokratie war in Gefahr. Einige rechtsextreme Youtuber filmten vor Ort und feierten sich selbst für ihr heroisches Erklimmen einer nicht allzu steilen und nicht allzu hohen Treppe. Am Ende wurden die drei Polizisten, die gerade zufällig vorm Reichstag Dienst taten, dann mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, wurden vom Bundespräsidenten und vom Bundestag empfangen, weil sie das Gebäude bewacht hatten. Der Reichstag war zu diesem Zeitpunkt allerdings leer, denn es war Samstag und da gibt es keine Sitzungen des Parlaments.

Dem Autor fiel dabei ein Satz eines spanischen Sozialisten ein, der den ersten, melodramatischen und gescheiterten Staatsstreich in der 2. Spanischen Republik 1932 dahingehend kommentierte, daß er es verdienen würde, demnächst im Theater aufgeführt zu werden. Der Vorwurf lächerlicher Theatralik gilt dabei für beide Seiten, also Demonstranten und Politik.

Der Teil der Coronademonstrationen, welcher vor dem Reichstag stattfand, passierte nun allerdings unter einer Vielzahl von Fahnen, unter anderem der schwarz-weißen preußischen und der schwarz-weiß-roten des Kaiserreichs, welche die Medien als eischreiben soll, als „Fahne“. Der Bundespräsident und einige Parlamentarier gaben dann zum Besten, daß es unerträglich sei, daß diese Fahnen heute wieder vor dem Reichstag gezeigt würden. Ob die Journalisten und Politiker, die Entsprechendes äußerten, wohl wissen, wer das Gebäude gebaut hat und welche Fahne der deutsche Staat damals verwendete, darf in einigen Fällen durchaus bezweifelt werden. Einige von ihnen werden auch nicht wissen, daß die Wahlen zum Deutschen Reichstag im Kaiserreich unter dem fortschrittlichsten Wahlrecht stattfanden, welches es damals in Europa gab, und daß fast alle Dinge, auf die die Bundesrepublik später in Politik, Verwaltung und Recht aufgebaut hat, aus dem Kaiserreich kommen. Es geht aber eben nicht darum, sondern eben um ein „Narrativ“, also darum, eine Geschichte zu erzielen, statt die (deutsche) Geschichte objektiv wiederzugeben.

Kronprinz Georg Friedrich distanzierte sich derweil auf Nachfrage in der Neuen Osnabrücker Zeitung von der Aktion am Reichstag. So sagte er, daß er sich „seit vielen Jahren dafür ein(setzt), dass wir uns mit unserer Geschichte einschließlich all ihrer Licht- und Schattenseiten bewusst auseinandersetzen, um deren Interpretation nicht eines Tages denen zu überlassen, die versuchen werden, sie für eigene ideologische Zwecke zu instrumentalisieren.“  Es ist zu begrüßen, daß sich Seine Königliche Hoheit hier von Rechtsextremen und auch von Leuten abgrenzt, die für sich selbst beschlossen haben, daß die Pandemie jetzt zu Ende zu sein hat. Gerade letzteren sei gesagt, daß die Generation unserer Großeltern ein bis zwei Kriege mitsamt Nachkriegszeit sowie je nach Heimatort Flucht und Vertreibung beziehungsweise eine kommunistische Diktatur durchgemacht hat, was die Beschränkungen, die wir momentan erleben, doch etwas relativiert.

Die kaiserliche Reichskriegsflagge kann von der Polizei entfernt werden, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch sie gefährdet scheint (!). Im Bundesland mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung, Bremen, wird ab 21. September das öffentliche Zeigen der Reichs- und der Reichskriegsflagge verboten. Zuwiderhandelnde werden mit einer Geldstrafe von bis zu 1000 € belegt.

Es mag dabei auf der Demonstration einen gewissen Anteil Rechtsextremer, Esoteriker und Verschwörungstheoretiker und einen noch einmal so hohen Anteil von Leuten auf jener Demonstration gegeben haben, die zu wenig belastbar für das Leben unter Pandemiebedingungen sind. Was werden sich aber wohl die wegen Corona vom Konkurs bedrohten Kleinunternehmer denken, oder die Kinder, die während des Lockdowns ihre Eltern in Krankenhäusern oder Altersheimen kaum sehen durften, und deswegen nach Berlin gefahren sind? Es mögen auch viele Leute dabei gewesen sein, die sich Sorgen um ihre Ersparnisse machen, weil die EU die Folgen der Pandemie mit dem Drucken von Phantasiegeld lindern möchte. Wenn diese Leute, deren Motive, sich an der Demonstration zu beteiligen, also durchaus Empathie und Sympathie hervorrufen können, durch sehr kreativ zusammengeschnittene Reportagen massiv in die Nähe von Irren, Weicheiern und Extremisten gerückt werden, werden sie wohl eher keinen reumütigen Kotau vor der Regierung machen, so wie diese sich das vorgestellt haben mag, weil dort auch Menschen demonstriert haben, die man sonst eher nicht zum Nachbarn haben möchte. Sie werden sich eher mit ihren Sorgen nicht ernstgenommen fühlen und sich ebenso geistig von dem Staat mit der schwarz-rot-goldenen Fahne entfernen, wie es schon sehr viele Deutsche wie zum Beispiel Euroskeptiker oder Migrationskritiker in den späten Merkeljahren getan haben. Wenn diese seriösen Kritiker dann schwarz-weiß-rot für sich entdecken, warum nicht? L.R.

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Die vollständige 241. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 241

Inhalt der 241. Ausgabe:

  • Zum bundesrepublikanischen Fahnenstreit
  • Reza Pahlavi verurteilt Hinrichtung eines Ringers
  • Fakten über das Kaiserreich

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an die corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche feiert 125. Einweihejubiläum

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In dieser Woche begann die Jubiläumswoche der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Mit einer ganzen Festwoche und einem Festgottesdienst wird das 125. Kirchweih-Jubiläum des Gotteshauses gefeiert.

Der im neoromanischen Stil errichtete Sakralbau war am 1. September 1895 eingeweiht worden. Zum Auftakt der Festwoche lud die Kirchengemeinde am Dienstag, 1. September, zu Andachten, Orgelmusik und einem Dialog-Festvortrag mit dem Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, und Gedächtniskirchenpfarrer Martin Germer ein, wie die Gemeinde auf ihrer Homepage mitteilte. Für die folgenden Tagen standen täglich Andachten, Orgelmusiken und Führungen auf dem Programm. Höhepunkt wird am 6. September ein Festgottesdienst mit der Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein und den Gemeindepfarrern Kathrin Oxen und Martin Germer.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in ihrer unzerstörten Schönheit.

Die Kirche ist jedoch nicht nur eine Kirche, sondern nach dem Willen von Kaiser Wilhelm II. und Gattin Auguste Viktoria auch eine Gedenkstätte für den Großvater des Regenten, Kaiser Wilhelm I. Dieser galt aufgrund des unter preußischer Führung 25 Jahre zuvor errungenen Sieges über Frankreich im deutsch-französischen Krieg als Friedenskaiser. Die Einweihung der Kirche nach nur vierjähriger Bauzeit fand deshalb am 25. Jahrestag der Entscheidungsschlacht von Sedan statt. Wie das neue Bauwerk am Berliner Tauentzien war auch die Einweihung am 1. September 1895 monumental: Beteiligt waren 5.000 Kriegsveteranen, 4.000 Schulkinder, 2.300 Ehrengäste, 1.000 Soldaten und 200 Musikanten. In Berlin und Umgebung läuteten alle Glocken. Die Kirche galt als neues Nationaldenkmal. Obwohl im zweiten Weltkrieg stark beschädigt, sieht sie noch immer schöner aus als die vielen modernen Bauten in der Umgebung. Betritt man sie, kann man einen Blick in die gute alte Zeit, in die Kaiserzeit werfen. Der Kirchenarchitekt war Franz Schwechten (1841-1924), der u.a. auch den Anhalter Bahnhof entwarf. Er war Kölner und ließ sich beim Bau von Kirchen des Rheinlands inspirieren. Der Monumentalbau erinnerte Zeitgenossen an eine mittelalterliche Kaiserpfalz.

Christian Schwochert