König Philippe am belgischen Nationalfeiertag: „Eine noch nie dagewesene Naturkatastrophe traf einen großen Teil unseres Landes“

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Meine Damen und Herren,

eine noch nie dagewesene Naturkatastrophe traf einen großen Teil unseres Landes. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Angehörigen der Opfer. Und bei allen, die in Not sind. Der menschliche Tribut wiegt schwer.

Die Überschwemmungen verursachten immense Schäden in unseren Städten und Dörfern. Viele verloren alles. Die Arbeit eines ganzen Lebens, in wenigen Stunden dahin. Die Königin und ich werden nie unsere Gespräche vergessen mit den Einwohnern von Pepinster, Chaudfontaine, Rochefort und anderen stark betroffenen Gemeinden.

Aber im Angesicht der Not zeigt unsere Bevölkerung immense Solidarität. Aus dem ganzen Land kommt spontan Hilfe für die Opfer. Unzählige Freiwillige bringen sich ein, voller Engagement. Wir sind ihnen sowie unseren europäischen Partnern sehr dankbar.

Dank auch an die Behörden vor Ort, die mit Hilfe der Rettungsdienste, der Feuerwehr und der Armee unermüdlich gearbeitet haben. Für den Wiederaufbau werden alle Mittel eingesetzt werden.

Diese Tragödie kommt zusätzlich zu der langen Zeit der Pandemie.

Die letzten achtzehn Monate waren eine schwere Prüfung für unser Land. Wir haben einen hohen Preis gezahlt. Viele von uns erlebten eine persönliche oder berufliche Tragödie. Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt – mit Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere der Jugend. Viele litten unter Einsamkeit und Isolation.

Wir haben viele Gewissheiten aufgeben müssen, und manchmal mussten wir uns mit unvollkommenen Lösungen zufriedengeben. Aber wir zeigten eine ungeahnte Anpassungsfähigkeit.

Die Königin und ich erlebten wunderbare Beispiele für Widerstandsfähigkeit. Sie verdienen unser aller Dank.

Unser besonderer Dank gilt auch dem Pflegepersonal. Während der drei Wellen der Pandemie haben sie sich selbst übertroffen. Jetzt stehen sie vor Aufgaben, die aufgeschoben werden mussten.

Meine Damen und Herren,

unser Gesellschaftsmodell – mit der Demokratie als Fundament – hat seine Stärken bewiesen. Und sich als ein fruchtbarer Boden für kreative Projekte erwiesen.

Aber wir wurden uns auch der Notwendigkeit bewusst, mehr miteinander zu kooperieren. Und zwar auf allen Ebenen. Denn alleine kann kein Einzelner, keine politische Ebene und keine Institution die großen Veränderungen bewältigen, die auf uns zukommen.

Wir haben auch die unverzichtbare Rolle des Staates und der öffentlichen Dienste wiederentdeckt. Ihre sehr enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft ist ein Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung der Gesundheitskrise.

Ich denke da besonders an die Herstellung und Verteilung des Corona-Impfstoffs.

Und unser Immunisierungsprogramm ist ein echter Erfolg – dank der guten Koordination mit dem Einsatz aller wunderbaren Freiwilligen.

Meine Damen und Herren,

Um unsere Zukunft zu gestalten, können wir auf unser Wissen und unsere Kreativität zurückgreifen. Und auf unsere menschlichen Qualitäten wie Solidarität, Großzügigkeit, Empathie und Mut. All diese wunderbaren Eigenschaften zeigten wir in den letzten Monaten, Tagen und Stunden.

Ich habe Vertrauen in unsere Fähigkeit, uns wieder aufzurichten. In diesen schwierigen Zeiten haben wir durchgehalten dank der Rückbesinnung auf das Wesentliche: unsere Menschlichkeit. Sie ist von unschätzbarem Wert, und darf niemals verloren gehen. Sie wird es uns ermöglichen, die Herausforderungen für die Gesellschaft und den Planeten zu meistern. Es ist diese Überzeugung, die ich zum Nationalfeiertag gerne mit Ihnen teile.

Historiker richten Hohenzollern-Webseite ein Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 255

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Und da gibt es manche, die behaupten, einen Hauschef der Hohenzollern gebe es gar nicht …

Historikerverein mit Webseite gegen Hohenzollern

Im Rahmen des in Corona schon mehrfach beschriebenen Kampfes von David gegen Goliath hat Goliath jetzt eine weitere Webseite eingerichtet. Nach dem abgabenfinanzierten Jan Böhmermann, der zur besten Sendezeit im sogenannten öffentlich-rechtlichen Rundfunk einmal mehr das Vorurteil zu bestätigen scheint, daß Deutsche keinen Humor haben, und, sollte er im Zuge seiner Tiraden doch einmal wegen Beleidigung verklagt werden, mit der großzügigen Hilfe von öffentlich-rechtlichen Anwälten und damit vom Abgabenzahler rechnen kann, hat jetzt auch der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. eine Webseite eingerichtet, die sich mit den Hohenzollern beschäftigt. Auf einer Seite der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf publiziert der Verein als inhaltlich Verantwortlicher dort die sogenannte „Hohenzollern-Klage-Wiki“. Los geht es mit einem sogenannten „Überblick der Ereignisse“, im Zuge derer Dinge herausgegriffen werden, die die Sicht des Vereins bestätigen sollen. So finden sich Hinweise zur SA-Mitgliedschaft von Prinz August Wilhelm oder zeigt Photos von Kronprinz Wilhelm, welcher systematisch „ehemaliger Kronprinz“ genannt wird, mit Hitler, läßt aber die Aussagen Kaiser Wilhelms II. zum Nationalsozialismus oder die Kontakte von Prinz Louis Ferdinand zum Widerstand unerwähnt. Unter der Rubrik „Historischer Hintergrund“ ergreift der Verein offen Partei für diejenigen, die der Meinung sind, daß Kronprinz Wilhelm dem Nationalsozialismus Vorschub geleistet habe. „An der dargestellten Faktenlage einer – bei allen Bewertungsunterschieden – Mitwirkung des preußischen und deutschen Kronprinzen Wilhelm an der Zerstörung der Weimarer Republik und seiner – in der Gesetzessprache – Vorschubleistung für die nationalsozialistische Machtübernahme ändert dies nichts“, heißt es dort. Schließlich wird in der Kategorie „Rechtlicher Hintergrund II“ bestritten, daß es so etwas wie einen Chef des Hauses Hohenzollern überhaupt gebe. In den weiteren Kategorien beschäftigt sich die Seite dann mit dem Hauptthema, den von den Hohenzollern angestrengten Verfahren.

Kurios ist, daß jene Historiker sich offenbar tatsächlich als Opfer der Hohenzollern betrachten. Wer an so etwas wie die Unabhängigkeit von Wissenschaft und Forschung glaubt, sollte sich einmal fragen, von wem diese finanziert werden. Es wäre natürlich viel angenehmer, wenn Historiker, die selten einen Job haben, der nicht von staatlichen Mitteln zumindest zum Teil abhängt, mit anderen Historikern, die ebenfalls staatsfinanziert sind, in einem sogenannten wissenschaftlichen Diskurs im Rechtsstreit mit den Hohenzollern den Staat unterstützen, der sie zum großen Teil finanziert, ohne daß die eigentlichen Opfer sich dagegen wehren können. Ganz so einfach ist es aber Gott sei Dank doch nicht: Wie man auf der Seite durchaus auch sehen kann, verlieren die Hohenzollern ihre Prozesse nur in den seltensten Fällen und dann mag es tatsächlich so sein, daß sich der eine oder andere Historiker oder Journalist beim Gedanken an zu erwartende Bußgelder lieber mit einem anderen Thema beschäftigt. Ist das schlimm für den wissenschaftlichen Diskurs? Wenn der Verband tatsächlich für den freien wissenschaftlichen Diskurs eintreten würde, würde er sich auch gegen eine Definition der historischen Wahrheit vor einem Gericht aussprechen, welche dann Anrecht auf Entschädigungsleistungen gibt, oder eben nicht. Da er das nicht tut, bleibt eben das G‘schmäckle der Parteilichkeitsvermutung. L.R.

Zu der eingerichteten Seite des Historikerverbands hat S.K.H. Prinz Georg Friedrich von Preußen auf der Internetseite des Hauses Hohenzollern Stellung genommen.
 

Afghanistan und Libyen

Nun ist es soweit, die letzten deutschen Soldaten haben nach fast 20 Jahren Afghanistan verlassen. Die letzten Amerikaner werden sehr schnell folgen. Am Ende steht für sie wie schon nach Vietnam eine militärische Niederlage. Der jetzigen afghanischen Regierung werden nach amerikanischer Einschätzung noch zwischen sechs und zwölf Monaten gegeben, bevor sie gewaltsam von den Taliban verdrängt werden wird, gegen die die westliche militärische Koalition einst ins Feld gezogen war. Damit einher wird gehen, daß ein wesentlicher Teil der von der Koalition geleisteten wirtschaftlichen Aufbauarbeit, aber auch Reformen im Hinblick auf die bürgerlichen Freiheiten, vor allem jene der Frauen, wieder eingerissen werden. Das Scheitern des Militäreinsatzes ist olympisch und in Deutschland fand sich niemand von Rang, um die Soldaten in der Heimat willkommen zu heißen. Wie konnte es dazu kommen? Zwischen 2002 und heute hat es in Afghanistan immer einmal wieder Wahlen gegeben. Am Anfang wurde das Land von Hamid Karzai regiert, dann von seinen Nachfolgern. Niemand von diesen Figuren war so etwas wie vertrauenswürdig, ehrlich oder nicht korrupt, aber leider bestand die Koalition, allen voran die Amerikaner, auf einer Republik mit einem gewählten Staatsoberhaupt, obwohl der mittlerweile verstorbene König Zahir Shah auch zur Verfügung gestanden hätte und die anfangs einberufene verfassungsgebende Versammlung Loja Djirga sich auch die Rückkehr zur Monarchie gewünscht hatte, was dann von den Amerikanern und Karzai verhindert wurde.

Die Rückkehr des Königtums in und für Afghanistan wurde von vielen propagiert, doch die politischen Herren (und auch die eine oder andere Dame) des Westens ignorierten alle Vorschläge.

Macht alles nichts, Afghanistan ist weit weg und aus Fehlern wird man klug, oder? Nun, in Libyen wiederholt sich fast 1:1 das, was sich bereits in Afghanistan abgespielt hat. Nach einer Militärintervention gegen einen brutalen Machthaber haben sich jetzt andere, nicht weniger zweifelhafte Machthaber hervorgetan. Die internationale Gemeinschaft, darunter Deutschland, sieht aber wieder in Wahlen den Ausweg – als ob der Verlierer seine Niederlage akzeptieren, seine Milizen abrüsten und sich ins Privatleben zurückziehen würde. In einer Konferenz zum Thema Libyen, die in Berlin stattfand, war das vorrangige Thema, eben diese Wahlen zu organisieren, die Ende des Jahres stattfinden sollen. Die Monarchie, unter deren Fahne der Aufstand gegen den alten Machthaber Gaddafi stattfand, ist wie Afghanistan oder auch im Irak keine Option für die kurzsichtigen deutschen und internationalen Politiker. Wie in Afghanistan und dem Irak droht Libyen daher das Schicksal, dauerhaft unregierbar zu sein. Hoffnung macht nur, daß Libyen direkt vor der Haustür der Europäer liegt und der Migrationsdruck, der in Europa dazu geeignet ist, heimische Wahlen zu entscheiden, kann vielleicht irgendwann unkonventionelle Lösungen ins Spiel bringen. Ob die Monarchie Libyen retten kann oder Afghanistan gerettet hätte? Das wäre Spekulation, denn auch für einen König, der von einem größeren Teil der Bevölkerung akzeptiert wäre, sind die Herausforderungen in diesen Ländern gigantisch. Da alles andere aber nicht funktioniert hat, wäre es sicher einen Versuch wert.   L.R.

Thronprätendent Prinz Mohamed Al-Rida Al-Senussi mit einem Exemplar der Verfassung des Königreichs Libyen, die bis 1969 galt und die als Vorbild für eine Neufassung dienen sollte.

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Die vollständige 255. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 255. Ausgabe:

  • Historikerverein mit Webseite gegen Hohenzollern
  • Niederländisches Königspaar bezaubert Berlin
  • Afghanistan und Libyen
  • In Pöcking wurde des zehnten Todestags von Erzherzog Otto von Österreich gedacht

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Steinmeier möchte im Schloß Bellevue bleiben Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 254

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Steinmeier möchte bleiben

Königin Elizabeth II. hat alle deutschen Bundespräsidenten, 14 US-Präsidenten und sieben Päpste erlebt. Frank-Walter Steinmeier ist beim 2. US-Präsidenten angelangt und hat noch immer mit dem ersten Papst zu tun. Gemeinsam gedachten die beiden Staatsoberhäupter hier des 100. Jahrestags des Waffenstillstands von 1918. Die Mohnblume, die sich auch F-W Steinmeier angesteckt hat, symbolisiert den Remembrance Sunday, der alljährlich um den 11. November herum im Commonwealth begangen wird.

Der Bundespräsident hat bekundet, für eine zweite Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Das Echo darauf fiel ungefähr so enthusiastisch aus, als ob Joachim Löw angekündigt hätte, jetzt doch für die Zeit nach der EM als Bundestrainer weiter-machen zu wollen. Tatsächlich äußerte sich niemand Namhaftes positiv dazu.

Nach den zurückgetretenen Präsidenten Horst Köhler und Christian Wulff, die nach gewohnter Art im Hinterzimmer nominiert wurden, war die Not bei den Parteien so groß, daß man nicht so ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen konnte. Tatsächlich mußten Parteiinteressen eine Weile zurückstehen, und so wurde Joachim Gauck gewählt, und zwar tatsächlich nach dem Kriterium, daß sich viele Deutschen ihn als Bundespräsidenten vorstellen konnten. Nach Gauck, der seine einzige Amtszeit zwar nicht sinnvoll und nutzbringend, aber zumindest weitgehend skandalfrei zu Ende brachte, konnte endlich wieder gemauschelt werden. An Wulff und Köhler erinnerten sich schließlich nur noch wenige. So wurde Steinmeier nominiert. Das hatte er sich auch verdient, schließlich war er brav als Kandidat der ehemaligen Volkspartei SPD gegen Mutti angetreten und gab dem Bürger somit die Illusion, eine Wahl zu haben. Jetzt hat er angekündigt, nach seiner ersten Amtszeit gerne weitermachen zu wollen, denn nach dem Bundespräsidentenamt kommt für verdiente Parteisoldaten schließlich nur noch die wenig glamouröse Rente, wenngleich diese den Steuerzahler pro Ex-Präsidenten auch noch einmal mehrere hunderttausend Euro im Jahr kostet. Allerdings hat Steinmeier bei der Wiederwahl ein Problem: Die SPD spielt keine Rolle mehr. CDU und Grüne denken an eine künftige Koalition und da würde jemand von der SPD nur stören. Man braucht den Posten vielmehr als Verhandlungsmasse und dafür, um jemand Ungeliebtes aus den eigenen Reihen loszuwerden. Vielleicht bietet sich da ja zum Beispiel eher Robert Habeck an. Mit jemandem, der sich laut seiner Parteikollegin, der Völkerrechtlerin Annalena Charlotte Alma Baerbock, gut mit Schweinen und Kühen auskennt, hätten zumindest die Landwirte einmal wieder eine ordentliche Vertretung. Allerdings ist Robert Habeck keine Frau, ein Kriterium, welches Annalena wiederum erfüllt, die dann auch endlich einmal etwas Nettes in ihren Lebenslauf eintragen könnte. Wahrscheinlich ist sie aber noch zu jung, um danach in Rente zu gehen und daher würde sich vielleicht auch Claudia Roth anbieten, die noch viel wirksamere Zeichen für Frauenrechte und gegen Antisemitismus setzen kann, wenn sie sich als Bundespräsidentin und nicht nur wie 2015 als Abgeordnete verschleiert mit iranischen Würdenträgern trifft. Steinmeier hatte den Atommullahs immerhin nur (aus Versehen) zum Dienstjubiläum gratuliert. Jenseits zynischer Kommentare: Die Bundespolitik bietet ein trauriges Schauspiel, welches auch auf die Wahl des Bundespräsidenten übertragen wird. Andere Länder lösen dieses Problem, in dem sie das höchste Amt im Staat dem Parteienstreit entziehen. Sollte dies in Deutschland nicht möglich sein, sollte man zumindest über seine Abschaffung nachdenken. L.R.

Bismarck soll kontextualisiert werden

Wir beanspruchen die uns entrissenen Gebiete und Kolonien genauso zurück, wie wir die unsererseits be-setzten Gebiete geräumt haben.“ Wer hat das wohl gesagt? Ein Tip, bevor es unten im Artikel aufgelöst wird: Es war ein Politiker, nach welchem heute eine Parteistiftung benannt ist, der aber normalerweise eher nicht mit Kolonialismus in Verbindung gebracht wird.

Bismarck hat leider nicht dieses Glück, wie Corona bereits berichtet hatte. Im Zuge der sogenannten Black Lives Matter – Bewegung soll Bismarck zu einem bösen Kolonialisten stigmatisiert werden. Dies geschieht nicht zuletzt mit dankbarer Schützenhilfe derer, die der Meinung sind, die Deutschen dürfen keine vorrepublikanischen positiven Bezugspersonen haben – eine Meinung, die vor allem im linksextremen und linken Spektrum zu finden ist. Da der Zweck die Mittel heiligt, muß man es mit den Fakten auch nicht so genau nehmen und kann sie im Falle Bismarcks, welcher bekanntlich gegen Kolonien war, auch schon einmal in ihr komplettes Gegenteil verkehren. In diesem Sinne sollte die Sanierung des Hamburger Bismarckdenkmals nicht einfach so über die Bühne gehen, wie geplant. Bismarck sollte vielmehr „kontextualisiert“ und das Denkmal künstlerisch umgestaltet werden. War bislang noch zu hoffen, daß dieser Blödsinn wieder in Vergessenheit gerät, scheint dies leider nicht der Fall. Jetzt gibt es dazu Konkreteres. Afrikaner sollen mitwirken, Bismarck einzuordnen, was offenbar im Rahmen eines Workshops stattfindet, zu dem man dann, warum auch immer, Wissenschaftler aus den beiden ehemaligen deutschen Kolonien Namibia (Deutsch-Südwest) und Kamerun eingeladen hatte. Noch einmal: Bismarck war gegen Kolonien, auch wenn er sie nicht verhindern konnte. Man kann ihn für den Kulturkampf und die Sozialistengesetze angreifen, aber nicht dafür.

Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob das Bismarckdenkmal in seiner jetzigen Form erhalten werden sollte, sondern ob man es dem Andenken Bismarcks zumuten kann, wenn Denkmäler für ihn an einem Ort stehen, der ganz offensichtlich von einer Horde Schwachsinniger und Demagogen angeleitet wird. An anderen Orten der Welt wird des ersten Kanzlers des Kaiserreichs durchaus ehrend gedacht. Städte und geographische Punkte, die im Ausland nach Bismarck heißen, stehen unter anderem in den USA, Simbabwe, Papua-Neuginea und der Antarktis. Außerdem sind eine Wasserstraße im Pazifik, eine in Madagaskar vorkommende Palme sowie der berühmte Hering nach ihm benannt.

Die Hauptstadt des US-Bundesstaats Norddakota wurde 1873 nach dem deutschen Reichskanzler Bismarck benannt.

Vielleicht würde man sich ja in Bismarck, North Dakota, der einzigen US-Bundeshauptstadt, die nach einem ausländischen Staatsmann benannt wurde, über ein Bismarckdenkmal freuen und das Andenken dieses Kanzlers ehren, wie es ihm auch gebührt. Alternativ wäre zu wünschen, daß der Hamburger Senat sein Engagement gegen Bismarck in der Antarktis fortsetzt. Das einleitende Zitat ist übrigens von Friedrich Ebert vor den Verhandlungen in Versailles 1919. Wer weiß, ob nicht auch Ebert schon bald kontextualisiert werden muß. L.R.

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Die vollständige 254. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 254. Ausgabe:

  • Steinmeier möchte bleiben
  • Schwarz-weiß-rot wird nun doch verboten
  • Bismarck soll kontextualisiert werden
  • Weniger als die Hälfte der Deutschen traut sich, die Meinung frei zu äußern

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Marokkanisch-deutsches Verhältnis gestört Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 253

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Marokkanischer Thronfolger feiert 18. Geburtstag

Am 8. Mai erlangte der marokkanische Thronfolger Moulay Hassan die Volljährigkeit. Während zur Feier seiner Geburt im Jahr 2003 noch 101 Kanonenschüsse abgegeben wurden, gab es in Coronazeiten nur eine kleine Feier im Familienkreis. Nach Ablegen seines Abiturs im vergangenen Sommer studiert er mittlerweile an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Universität Mohammed VI. in Benguerir nahe Marrakech. Ein Studienaufenthalt im Ausland ist vermutlich auch geplant.

Moulay Hassan hatte seinen ersten offiziellen Auftritt mit acht Jahren, als er eine Rede an der Militärakademie in Kénitra hielt. Das erste Mal vertrat er Marokko im Ausland mit zehn Jahren in Frankreich. Seitdem mehren sich die öffentlichen Termine kontinuierlich, auch wegen der Gesundheit seines Vaters. Über den Gesundheitszustand von König Mohammed VI. wird immer wieder hinter vorgehaltener Hand spekuliert. Richtig ist, daß er sich in den vergangenen Jahren immer wieder Operationen in Frankreich unterzogen hat. Auch sein Aussehen hat sich verändert, was eventuell auf den Einsatz von Cortison zurückgeführt werden kann. Sollte der König versterben, wenn der Thronfolger seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat, gilt eine Regentschaft von Moulay Rachid, dem Bruder des jetzigen Königs, als wahrscheinlich. Außerdem kann sich auch ein neuer Monarch auf ein Beraterkabinett stützen, welches nicht den politischen Parteien oder der Regierung verantwortlich ist, den Makhzen.

Marokko war jüngst in die Schlagzeilen geraten, weil Mohammed VI. das Westsahara-Thema, welches er von seinem Vater Hassan II. (1929 – 1999) geerbt hat, offenbar noch unter seiner Herrschaft verbindlich regeln möchte, damit sich Kronprinz Hassan auf andere Themen konzentrieren kann. Im vergangenen November erkannte Donald Trump die Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko an – der Konflikt um die Region zwischen Marokko, Algerien und den von Algerien unterstützten Separatisten besteht seit 1975. Seitdem übt Marokko mit der Migrations- und Sicherheitszusammenarbeit Druck auf die europäischen Länder aus, es ihm gleichzutun, unter anderem auf Spanien und Deutschland, welches nach der Entscheidung Trumps ungeschickt eine Sitzung im UN-Sicherheitsrat zu dem Thema beantragte. Der Zorn auf Deutschland und andere europäische Staaten geht dabei offenbar tatsächlich vom Palast aus, was bedeutet, daß keine einfache Lösung zu erwarten ist. Ob Mohammed VI. damit am Ende allerdings Erfolg haben wird, ist fraglich, da die wirtschaftlichen Risiken dieses Vorgehens doch recht hoch sind und das Land, welches durch Corona einen hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen hatte, einen aggressiven Kurs gegen Europa nicht lange durchhalten kann. L.R.

Zum Gedenken an Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg

Im gesegneten Alter von 95 Jahren ist in seinem schwäbischen Wohnort Friedrichshafen am 2. November 2020 SKH Ferdinand Eugen Herzog von Württemberg gestorben. Der Herzog war das älteste von fünf Kindern aus der Ehe SKH Herzog Albrecht Eugen von Württemberg und IKH Nadejda geb. Prinzessin von Bulgarien aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha-(Kohary). Er wurde am 3. April 1925 in Carlsruhe/Schlesien geboren und in Breslau von Kardinal Adolf Bertram, dem letzten Fürstbischof von Breslau, auf die Namen Ferdinand Eugen (und, wie beim Hochadel üblich, auf weitere 13 Vornamen) katholisch getauft. Sein Vater aus der katholischen Linie des Hauses Württemberg erbte nach dem Tod von König Wilhelm II. von Württemberg 1921 die große Herrschaft Carlsruhe (auch Bad Carlsruhe) in Oberschlesien, wo Ferdinand Eugen die ersten Kinderjahre verbrachte, Sein Großvater väterlicherseits war der im I. Weltkrieg bekannte Heerführer, württembergischer und preußischer Generalfeldmarschall Herzog Albrecht und der Großvater mütterlicherseits Zar (König) Ferdinand I., der Schöpfer des modernen Bulgariens. Einmal auf die verblüffende Ähnlichkeit mit SKH Otto von Habsburg-Lothringen angesprochen sagte er, daß ja seine Großmütter Prinzessin Marie Louise von Bourbon-Parma, eine Halbschwester der Kaiserin Zita, und Margarethe Sophie Erzherzogin von Österreich waren. Seine Onkel waren Zar Boris III. von Bulgarien, verheiratet mit Prinzessin (Zariza) Joanna (Giovanna), einer Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., und der 1945 von den Kommunisten erschossene Prinzregent Kyrill von Bulgarien. Der seit 1943 „herrschende“ bulgarische „Kindkönig“ Simeon II. (bis 1946), auch bekannt als bulgarischer  Ministerpräsident (2001-2005) Sakskoburgotski ist Cousin von Ferdinand Eugen. Dieser besuchte, nachdem seine Eltern das Schloß Lindach in Württemberg erworben hatten, Schulen in St. Gallen, München und im Kloster Ettal. Der Dienst in der Wehrmacht blieb ihm auf Grund von Hitlers „Prinzenerlaß“ erspart. Für ihn, den Enkelsohn eines Generalfeldmarschalls, damals doch etwas zwiespältig. 1944 zu einem Arbeitseinsatz im Forstbereich zwangsverpflichtet, konnte er erst nach dem Krieg seine Schulausbildung fortsetzen und ein Studium (Forstwirtschaft) abschließen, um dann als Forstmeister  und Forstdirektor beruflich tätig zu sein.

Nach dem Tod seines Vaters 1954 erbte Ferdinand Eugen als ältester Sohn die Herrschaft Carlsruhe, die jedoch seit 1945 zu Polen gehörte und wie aller Besitz von Deutschen entschädigungslos polnisches Staatseigentum wurde. Trotz dieses materiellen Verlustes und obwohl er nur die ersten sechs Kinderjahre in Carlsruhe verbrachte hatte, zog es ihn bereits 1984 zu einem ersten Besuch in seinen Geburtsort.  Diesem ersten Besuch folgten viele weitere bis die immer mehr auftretende Krankheit, auf Grund der bei der Zwangsarbeit erlittenen körperlichen Schäden, nach seinem 90. Geburtstag Reisen in das heutige Carlsruhe (polnisch: Pokoj) nicht mehr möglich machten. Vor allem war er ein gerngesehener Gast des seit 2004 jährlich stattfindenden Carl-Maria-von-Weber-Musikfestivals. 1990 wurde er Vorsitzender des Heimatkreises der vertriebenen Carlsruher und 1995 dessen Ehrenvorsitzender. 1998 war er Ehrengast bei der 250-Jahrfeier von Carlsruhe. Und am 18. November 2016 verlieh ihm der polnische Staatspräsident für seine Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen. Mit seiner offenen liebenswürdigen Art und seinem schwäbisch-österreichischen Dialekt gewann er schnell die Zuneigung der Heimatvertrieben, der in der Heimat Gebliebenen (Carlsruhe hat eine starke deutsche Minderheitengruppe) und auch der heutigen polnischen Mehrheitsbevölkerung seines Geburtsorts. Sein Christentum veranlaßte ihn, in der Sophienkirche in der Herzogsloge dem evangelischen Gottesdienst  und in der katholischen Pfarrkirche von der Königsloge (König Wilhelm II. von Württemberg war Patronatsherr der Kirche) aus der Heiligen Messe beizuwohnen – sichtbares Zeichen gelebter schlesischer Toleranz.  Mit seinem Tod ging die seit 1945 nur noch symbolische Herrschaft des Hauses Württemberg im schlesischen Carlsruhe zu Ende, die es 1745 auf dem Erbweg übernommen hatte.

Manfred Prediger


Der polnische Generalkonsul Marcin Król (li.) überreichte Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg am 18. November 2016 in München das „Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen“ für seine Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung .
 

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Die vollständige 253. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 253. Ausgabe:

  • Zum Gedenken an Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg
  • Kaiser Wilhelm II. seit 80 Jahren im Exil beerdigt
  • Youtube-Video mit Prinz Louis Ferdinand
  • Marokkanischer Thronfolger feiert 18. Geburtstag

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Das Herzogtum Braunschweig

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Das Herrscherhaus Braunschweigs ist den Welfen zuzurechnen, deren Linie sich bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Als der berühmte Welfe Heinrich der Löwe im 12. Jahrhundert beim Kaiser in Ungnade gefallen war, verlor er die bis dahin welfischen Provinzen Bayern und Sachsen. Braunschweig durfte er behalten und verstarb dort auch. Im Mittelalter kam es zu verschiedenen Gebietsteilungen und Wiedervereinigungen, die mit dem Entstehen und Erlischen von Nebenlinien des Hauses zu tun hatten. Von 1692 bis 1807 gab es ein Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, welches jedoch Braunschweig nicht umfasste. Umgangssprachlich wurde es Kurhannover genannt und befand sich im wesentlichen auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen. Die einzigen Welfen, die nicht zu diesem neuen Kurfürstentum gehörten, waren die von Braunschweig-Wolfenbüttel, die auf dem Gebiet des späteren Herzogtums Braunschweig herrschten. Jedoch starb diese Linie im späten Mittelalter aus und ab 1735 herrschten hier die Herzöge von Brauschweig-Bevern. Zu Zeiten des Aufstiegs Preußens war das Herzogtum eng mit Preußen verbündet. Elisabeth Christine, die Gemahlin Friedrichs des Großen, kam aus dem Hause Braunschweig-Bevern. Der braunschweigische Erbprinz Ferdinand kämpfte an seiner Seite im Siebenjährigen Krieg und es war der unglückliche Herzog Karl Wilhelm Ferdinand, welcher die preußische Armee bei Auerstedt befehligte. Da Napoleon ihm seinen Wunsch verweigerte, in Braunschweig in Frieden sterben zu dürfen, mußte der in der Schlacht tödlich verwundete Herzog von Getreuen bis ins neutrale Dänemark gebracht werden, wo er seinen Verwundungen erlag.

Nach der preußischen Niederlage 1806/07 wurde das Land dem Königreich Westfalen zugeschlagen, welches durch einen Bruder Napoleons begründet wurde. Bereits 1813 wurde es jedoch vollständig restituiert, 1815 fiel auch Herzog Friedrich Wilhelm im Kampf gegen Napoleon. 1834 ging das Herzogtum eine Zollunion mit Hannover ein, 1841 wurde das Land Mitglied im Deutschen Zollverein. 1866 versucht Braunschweig aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen zu Hannover und den traditionellen Beziehungen zu Preußen neutral zu bleiben, muß aber aufgrund des politischen Drucks doch ein Bündnis mit Preußen abschließen. Die braunschweigischen Truppen kommen aber so spät, daß sie an keinen Kampfhandlungen mehr beteiligt waren. 1871 wird Braunschweig Bundesstaat im Deutschen Reich. Geographisch betrachtet war das damalige Herzogtum Braunschweig ein Flickenteppich. Die drei größeren Gebiete waren Braunschweig, Wolfenbüttel und Helmstedt. Sechs Exklaven bestanden in Hannover und der preußischen Provinz Sachsen. Im Reichstag hatte das Land drei, im Bundesrat zwei Abgeordnete. Die Landesfarben waren blau und gelb. 1910 hatte das Land etwa 500.000 Einwohner. Bekannt war das Land für seine relativ bedeutenden Universitäten Wolfenbüttel und Braunschweig. Wichtigste Wirtschaftszweige waren die Landwirtschaft und der Bergbau. Das braunschweigische Militär stand ab 1886 nach dem Abschluß einer Militärkonvention unter preußischem Oberbefehl. Die Herzöge trugen den Titel von Braunschweig und Lüneburg, obwohl Lüneburg im Kaiserreich Teil der preußischen Provinz Hannover war. Anders als andere kleinere Bundesstaaten delegierte das Herzogtum innere Verwaltungsangelegenheiten nicht an größere Staaten, sondern nahm diese selbst wahr.

1884 erlischt das braunschweigische Herrscherhaus – der langjährige Herzog Wilhelm war unverheiratet und ohne Kinder geblieben – und der preußische Prinz Albrecht tritt 1885 die Regentschaft an, obwohl das Land verwandtschaftlich mit den Welfen verbunden war und nach einem Abkommen zwischen Hannover und Braunschweig bei Erlöschen der braunschweigischen Dynastie eigentlich auch an die Welfen gehen sollte. Das ganze hatte nur einen Haken: Das Königreich Hannover gab es seit 1866 nicht mehr und die Welfen wurden von Preußen mit Argwohn betrachtet, weswegen ein preußischer Regent ernannt wurde. Nach dem Tod Albrechts wird der Mecklenburger Prinz Johann Albrecht neuer Regent. Dieser hatte sich eigentlich für die koloniale Expansion Deutschlands interessiert, war als junger Mann viel nach Afrika und Asien gereist und bekleidete das Amt des Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft, einem Verein mit 42.000 Mitgliedern. In den deutschen Kolonien waren mehrere Straßen und geographische Punkte nach ihm benannt. Nach dem Tod seines Bruders übernahm er kurz die Regentschaft in Mecklenburg-Schwerin und wurde 1907 von der Braunschweiger Landesversammlung mit der Regentschaft in Hannover betraut. 1913 kam das Land dann jedoch (endlich) wieder in die Hände der Welfen. Die einzige Tochter Kaiser Wilhelms II. heiratete Prinz Ernst August von Hannover. Hiermit wurde die Regentschaft über das Land beendet und nachdem Wilhelm II. sich schon mit Sozialdemokraten und Katholiken ausgesöhnt hatte, die Bismarck einst gegen sich aufgebracht hatte, wollte er dies auch mit den Welfen tun. Politisch konnte der neue Herzog Ernst August durch den kurz nach seinem Regierungsantritt ausgebrochenen 1. Weltkrieg keine Akzente setzen. Er diente als Generalmajor im X. Armeekorps und überließ die Regentschaft seiner preußischen Gemahlin. Am 8. November dankte er nach dem verlorenen Krieg ab und lebte anschließend im Exil in Österreich. Gegenwärtiger Chef des Hauses Hannover, welcher damit auch Ansprüche auf Braunschweig hätte, ist der 1954 geborene Ernst August, Thronfolger ist der 1983 in der ersten Ehe des Hauschefs geborene, heute als Investmentbanker tätige Erbprinz Ernst August. Nach dem 2. Weltkrieg fand sich der größte Teil des Herzogtums im Land Niedersachsen wieder, Blankenburg und Calvörde jedoch gehörten zur DDR und heute zum Bundesland Sachsen-Anhalt. L.R.

Das Fürstentum Reuß jüngerer Linie

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Wer mehr zur Entstehung des Fürstenhauses im Mittelalter erfahren möchte, sollte den Artikel über das Fürstenhaus Reuß älterer Linie lesen. 1790 wurde Reuß jüngerer Linie zum Fürstenhaus erhoben, Noch 1802 teilte es sich jedoch in die Gebiete Gera, Schleiz, Lobenstein und Ebersdorf. Das erneuerte Fürstentum entstand durch Aussterben der Linie Lobenstein und des Verzichts der Linie Ebersdorf 1848. Es war Mitglied im Deutschen Bund und im Deutschen Zollverein. 1866 war das Land im preußisch-österreichischen Krieg neutral, trat danach aber freiwillig dem Norddeutschen Bund bei. 1871 wurde das Fürstentum dann Teil des Deutschen Reichs. Bereits im Norddeutschen Bund gab das kleine Fürstentum die Verantwortung für Außen- und Wirtschaftspolitik sowie für Verteidigung an Preußen ab. Berlin gegenüber wurde es vom Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vertreten.

Hauptstadt des Landes war Gera. Die Landesfarben waren schwarz-rot-gelb. Wichtigster Wirtschaftszweig waren die Textilindustrie und der Maschinenbau, was das Land zu einer Hochburg der Sozialdemokratie machte. Um 1905 hatte das Land rund 145.000 Einwohner. Im Reichstag und im Bundesrat hatte das Land je eine Stimme. Im Landesparlament herrschte ein interessantes Wahlrecht, welches Einkommen, Lebensalter und Bildungsstand berücksichtigte.

Zu Zeiten der Reichseinigung herrschte im Fürstentum Heinrich XIV., welcher 1867 den Thron bestiegen hatte. Wirklich zu bestimmen gab es aber eigentlich wenig, da die meisten Hoheitsrechte eben von anderen Bundesstaaten wahrgenommen wurden. 1902 übernahm Heinrich XIV. nach dem Aussterben des Hauses Reuß älterer Linie die Regentschaft dort, mußte aber selbst 1908 die Regierung an seinen Sohn Heinrich XXVII. abgeben. Heinrich XIV. starb 1913. Im bald darauf ausbrechenden 1. Weltkrieg war sein Sohn General der Kavallerie beim XI. Armeekorps. Am 11. November 1918 muß er abdanken und stirbt 1927 in Gera.

Nach dem Ende der Monarchie wurde Reuß 1920 Bestandteil des Landes Thüringen. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung hatte und hat die Gegend um Gera sehr schwer mit dem Strukturwandel zu kämpfen.

L.R.

Nachtrag:

In der Lausitzer Allgemeinen wurden die Gute[n] Gründe der Monarchie nachzutrauern dargelegt und in diesem Artikel hieß es:

Gera: Unter der Monarchie eine der reichsten Städte überhaupt und heute ein riesiges Armenhaus

Stadt Gera: Unter der Monarchie eine der reichsten Städte überhaupt: Und heute, ein riesiges Armenhaus. Die Perspektiven für die Zukunft sehen noch viel düsterer aus: Überalterung, Fortzüge und Resignation.

„Gera war einmal reich. Heute ist Thüringens drittgrößte Stadt pleite.“

Heinrich XIII. Prinz Reuß ist ein Nachfahre des letzten regierenden Fürsten Heinrich XXVII. Reuß der Fürstentümer Reuß ä.L. und Reuß j.L., dessen erzwungene Abdankung 1918/1919 mit der Besonderheit eines Rechts auf Rücktritt zu diesem Abdankungsvertrag erfolgte. Von diesem Recht macht Heinrich XIII. Prinz Reuß seit dem 3. Juni 2019 notariell Gebrauch. Die Gerichte erklären sich jedoch für die sog. Schiedsgerichtsklausel nicht zuständig und/oder lehnen diese im Gesetz verankerte Regelung als hinfällig ab.

Französischer Sozialist kämpft gegen die königliche Familie um seinen Platz

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Zu den Mai-Feiertagen gehört in Frankreich auch der Namenstag der Heiligen Johanna, die in Deutschland eher als die Jungfrau von Orléans bekannt ist. 1920 wurde sie von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen und seither wird sie von den verschiedenen politischen Strömungen beansprucht. Sie gilt Republikaner wie Bonapartisten als Patronin. General de Gaulle benutzte sie in seinem Kampf, zog sogar in ihre Heimat nach Colombey les Deux Églises.

Wie Le Courrier Royal berichtete, geriet in diesem Jahr die jährliche Meßfeier in Orléans zur Provinzposse. Natürlich nahmen der Chef der französischen Königsfamilie, Prinz Jean d’Orléans, Graf von Paris, und seine Frau Philoména, Gräfin von Paris, daran teil und der ausrichtende Bürgermeister von Orléans, Serge Grouard, hatte für diese Ehrengäste Plätze in der ersten Reihe reserviert, wie es Brauch ist in der Kathedrale von Orléans. Dies echauffierte den sozialistischen Senator für den Bezirk Loiret, Jean-Pierre Sueur. Er verlangte, aus der dritten Reihe mindestens ebenfalls in die erste Reihe placiert zu werden. Es sei ungeheuerlich, daß dieser Rang den Nachkommen der französischen Könige zuerkannt werde. In der örtlichen Tageszeitung wird er mit der Aussage zitiert: « Les parlementaires devaient être installés au troisième rang et le comte de Paris, un ancêtre de la monarchie au premier. Je n’étais pas d’accord. Le principe républicain devait prévaloir. Je me suis donc mis au premier rang et j’ai dit que si quelqu’un n’était pas content, ce serait à la police de me déloger. »

Mit Polizeigewalt wollte er also notfalls in die erste Reihe eskortiert werden und sich seinen republikanischen Sitz sichern.

Dem Senator der Sozialistischen Partei, Jean-Pierre Sueur (l.), mißfiel sein Sitzplatz. Der Abgeordneten Stéphanie Rist von der Macron-Partei LREM und Orléans Bürgermeister Serge Grouard bereitete es kein ideologisches Bauchgrimmen, neben dem Grafen und der Gräfin von Paris in der ersten Reihe zu sitzen.
Graf und Gräfin von Paris in der Kathedrale von Orléans an ihren Plätzen in der ersten Reihe.

Der Streit löste sich friedlich, denn das königliche Paar nahm seine Plätze umgeben von Abgeordneten anderer Parteien ein, die sich nicht an der Nachbarschaft störten und für Jean-Pierre Sueur fand sind ein von ihnen entferntes Plätzchen. Graf und Gräfin von Paris standen noch für ein paar Photomotive beim Verlassen der Kathedrale bereit, aber bedingt durch die Corona-Beschränkungen in Frankreich, konnten sie an diesem 8. Mai keinen Kranz an der Statue der Heiligen Johanna niederlegen.

Prinz Jean und Prinzessin Philoména wurden vom Bischof von Orléans verabschiedet.

Präsident Macron lobt das Genie Napoléons Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 252

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Europäischer Adel und ein Staatspräsident gedenken Napoléons

An Gedenktagen erinnern sich nicht nur aus professionellen Gründen viele an die Vergangenheit. Frankreich erlebt in diesen Maitagen eine ganze Reihe von Jahrestagen, derer bis in die Spitze der Republik hinein gedacht wird. In diesem Jahr legte zum ersten Mal ein Staatspräsident der 5. Republik am Sarg Napoleons I. einen Kranz nieder. Der Kaiser der Franzosen war am 5. Mai 1821 auf der britischen Insel Sankt Helena gestorben, unter König Louis Philippe I. wurden 1840 seine Gebeine nach Paris überführt. Aber nicht diese königliche Initiative hielt Präsidenten bisher davon ab, Napoléon die Reverenz zu erweisen, sondern die Erinnerung an Adolf Hitler, der 1940 auch am Sarkophag stand und aus seiner Bewunderung Napoléons kein Hehl machte.

Ein gigantischer Sarkophag, in dessen Schatten Präsident Macron sich recht klein ausnimmt.

Der 200. Todestag änderte die Zurückhaltung. Das Oberhaupt des Hauses Bonaparte, Prinz Jean-Christophe Napoléon und seine Frau, Prinzessin Olympia (geb. Gräfin von und zu Arco-Zinneberg), empfingen Emmanuel Macron und dessen Frau im Eingangsbereich des Invalidendoms und geleiteten sie zum Sarkophag. Zuvor hatte Macron im Institut de France des vor 200 Jahren Verstorbenen gedacht: «Napoléon Bonaparte est une part de nous.» (Napoléon Bonaparte ist ein Teil von uns.) Und er meinte dies für Bonaparte, den Kriegsherrn, den Baumeister und den Gesetzesgeber. Ob man sie liebt oder nicht, die napoleonische Ära ist nicht spurlos in der Geschichte untergegangen. Sie ist auch spürbar in den Mythen, die der Republikspräsident wiederholte: « Le génie de Napoléon fut d’aider les Français à rompre définitivement avec ce qu’ils avaient décidé d’abandonner en 1789.» (Das Genie Napoléons war es, den Franzosen zu helfen, endgültig mit dem zu brechen, das sie entschieden, 1789 aufzugeben.) Wie die Hilfe dieses Genies aussah, wissen Royalisten, denn das von Napoléon dirigierte Massaker am 5. Oktober 1795 (benannt nach dem republikanischen Kalender als 13 Vendémiaire An IV ), als mehr als 1400 Royalisten in Paris abgeschlachtet wurden, weil diese versuchten, die Revolutionäre endlich loszuwerden, wird stets in Erinnerung bleiben. Die, die sich nicht entschieden, das aufzugeben, was sie 1789 verloren hatten, erlebten in Napoléon den Tyrannen, der zahllose Menschen hinrichten ließ, nur weil sie dem Königtum die Treue hielten. Als Beispiel sei nur an die bekanntesten erinnert: Die Entführung und Ermordung des Duc d‘Enghien oder die Guillotinierung von Georges Cadoudal.

Und so ist es zynisch, daß Macron seine Rede am 5. Mai mit dem Satz schloß: «Le soleil d’Austerlitz brille encore.» („Die Sonne von Austerlitz scheint weiter.“) Der Schlachtenglanz mit zwei geschlagenen Kaisern begeistert Macron weiter, wobei sein Vorgänger Jacques Chirac den Jahrestag der Schlacht von Austerlitz 2005 boykottierte. Soviel europäische Solidarität mußte damals sein.

Obwohl auch sein Vater bei den Feierlichkeiten anwesend war, hatte Prinz Jean-Christophe Napoléon (hier mit seiner Frau Olympia) die Rolle des Gastgebers.

Beim Begehen des 200. Todestags von Napoléon sah man in Paris keine europäischen Politiker, dafür aber neben sehr viel Militär Vertreter des europäischen Hochadels. Vorweg natürlich Gastgeber Prinz Jean Christophe Napoléon und seine aus österreichisch-bayerischem Adel stammende Frau Olympia. Und weil einer seiner Vorfahren, Napoléons jüngster Bruder Jérôme Prinzessin Katharina von Württemberg heiratete, war in diesem Jahr auch eine Vertreterin des Hauses Württemberg in Paris zu sehen: Herzogin Sophie von Württemberg, Tochter von Herzog Albrecht Eugen von Württemberg und Prinzessin Nadejda von Bulgarien. 2021 waren bei den Napoléons auch die Vertreter des französischen Königtums willkommen: Prinz Jean, Graf von Paris, und Prinzessin Philoména nahmen an der Messe für Napoléon teil, anders als die Macrons, die dem strikten republikanischen Laizismus frönten und dem christlichen Gottesdienst fernblieben. In den knapp 20 Jahren der napoleonischen Herrschaft starben Millionen Menschen. Wird auch für sie eine Messe ohne Präsidententeilnahme gelesen?     H.S.

König Gyanendra und Königin Komal von Nepal an Corona erkrankt

Bei einem Besuch in Indien infizierten sich König Gyanendra und Königin Komal von Nepal mit dem Coronavirus. Auch Prinzessin Prerana, ihre einzige Tochter, wurde infiziert. Der König und die Prinzessin sind auf Sauerstoffzufuhr angewiesen, befinden sich aber sonst in einem guten Zustand, wie das Norvic International Hospital betonte, in welchem sie behandelt werden. Anders sieht es bei Königin Komal aus, die auf die Intensivstation verlegt wurde, da sie anhaltende Atembeschwerden habe. Sie muß mit hochkonzentriertem Sauerstoff beatmet werden. Das Königspaar ist schon über 70 Jahre alt und gehört damit gewiß zur Risikogruppe in einer Region, die von der Pandemie besonders betroffen ist. Die Corona-Redaktion wünscht gute Besserung. L.R.

Wie am Freitag gemeldet wurde, habe Königin Komal die Intensivstation verlassen. Sie könne auch wieder einige Schritte gehen.

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Die vollständige 252. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 252. Ausgabe:

  • Europäischer Adel und ein Staatspräsident gedenken Napoléons
  • König Gyanendra und Königin Komal an Corona erkrankt
  • Wird das britische Königshaus kleiner?
  • Zulu-Königin unerwartet gestorben
  • Früherer Kronprinz Prinz Mohammad bin Talal von Jordanien tot

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Das Fürstentum Reuß älterer Linie

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Die Ahnenlinie des Hauses Reuß läßt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Seinen eigentlichen Namen bekam das Haus aber erst im 13. Jahrhundert, weil ein Vogt von Plauen eine Russin, eine Reußin, heiratete. Im Jahr 1564 wurde der Besitzstand des Hauses zwischen einer jüngeren, mittleren und älteren Linie aufgeteilt. Im Jahr 1616 starb die mittlere Linie aus und die Ländereien wurden zwischen den beiden anderen Linien aufgeteilt. 1790 wurde Reuß älterer Linie zum Reichsfürstentum erhoben. 1807 trat es dem Rheinbund, 1815 dem Deutschen Bund und 1833 dem Deutschen Zollverein bei.

Ein Kuriosum ist, daß alle Fürsten aus dem Hause Reuß älterer und jüngerer Linie Heinrich hießen, weil Kaiser Heinrich IV. der Familie im Mittelalter einst Land schenkte, was nicht gerade dazu beigetragen hat, die verschiedenen Fürsten besser auseinanderhalten zu können.

Fürst Heinrich XXII. regierte seit 1859 und führte das Fürstentum somit in das Deutsche Reich, allerdings sehr widerwillig. Seine Abneigung gegen Preußen war pathologisch. Im deutschen Krieg 1866 stand das Fürstentum auf der Seite Österreichs und sollte nach der Niederlage eigentlich an das Fürstentum Reuß jüngerer Linie übergehen, wurde aber letztlich auf Fürsprache der Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach in seiner Selbständigkeit bewahrt. Die Opposition gegen Preußen wurde nach der Reichsgründung fortgesetzt. Das Fürstentum stimmte so ziemlich gegen alles, was im Deutschen Reich passierte, sei es gegen die Intervention in China 1901, gegen die Zivilehe, die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) oder die Sozialistengesetze. Eins auswischen konnte Heinrich XXII. Preußen, als seine Stimme den Ausschlag für die Ansiedlung des Reichsgerichts in Leipzig und nicht in Berlin den Ausschlag gab.

Landeshauptstadt war Greiz. Die nächstgrößeren Städte waren Zeulenroda und Irchwitz. Insgesamt hatte das kleine Fürstentum 1910 rund 70.000 Einwohner. Das Gebiet des Fürstentums war dabei kein einheitliches Gebiet, sondern eher ein Flickenteppich mit verschiedenen Exklaven, die keine Landverbindung mit dem Gebiet um die Hauptstadt Greiz hatten. Im Reichstag und im Bundesrat hatte das Fürstentum je eine Stimme. Eine traditionell sparsame Haushaltspolitik machte das Land zum einzigen im Deutschen Reich ohne Schulden.

1902 stirbt Heinrich XXII. und sein Nachfolger Heinrich XXIV. wird für regierungsunfähig erklärt, da er aufgrund eines Unfalls in seiner Kindheit nicht bei voller physischer und psychischer Gesundheit war. Die Vormundschaft übte daher ab diesem Zeitpunkt Fürst Heinrich XIV. Reuß jüngerer Linie aus. Er beendete umgehend den Konfliktkurs gegenüber dem Zentralstaat, dem Deutschen Reich, wurde aber 1908 selbst regierungsunfähig, weswegen sein Sohn die Regentschaft übernahm und nach dem Tod seines Vaters 1913 als Fürst Heinrich der XVII. über das Fürstentum Reuß jüngerer Linie herrschte, während es bis zum Ende des 1. Weltkrieges nicht gelang, für Reuß älterer Linie eine dauerhafte Lösung zu finden und er dort nur die Regentschaft ausübte. Nach dem Tod des Fürsten wurde Heinrich der XLV. Chef des Hauses. Dieser wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt nach August 1945 vom sowjetischen Militär ermordet, womit auch die jüngere Linie des Hauses eigentlich ausgestorben ist. Rechtsnachfolger ist heute die Nebenlinie Reuß-Köstritz, die ihren Sitz auf Schloß Ernstbrunn in Niederösterreich hat. Kaiserin Hermine, die zweite Frau Wilhelms II., war eine geborene Prinzessin Reuß. Das Land Reuß älterer Linie vereinigte sich 1919 mit dem jüngerer Linie, ging aber schon 1920 in Thüringen auf. Corona berichtete am 1. Juli 2012 über den Tod von Fürst Heinrich IV. Reuß.

L.R.

Die Großherzöge von Hessen

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Das Großherzogtum Hessen beinhaltete viele Gebiete des heutigen Hessen, jedoch gehörten die preußische Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck und Pyrmont nicht dazu. Die Großherzöge kamen aus dem Hause Brabant, deren Linie sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Im Mittelalter zerfiel das Haus und Hessen wurde unter zahlreichen Seitenlinien wie zum Beispiel Hessen-Homburg, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Rotenburg, Eschwege, Rheinfels-Rotenburg und Rheinfels-Wanfried geteilt und anschließend mehr oder weniger wieder zusammengeführt. 1806 wurde das Land Großherzogtum und Mitglied des Rheinbunds, nachdem Napoleon diesbezüglich starken Druck ausgeübt hatte, weil der vormalige Landgraf und jetzige Großherzog Ludwig eher Preußen zugeneigt war. Die Großherzöge führten den Titel „von Hessen und bei Rhein“. 1815 trat das Großherzogtum dem Deutschen Bund bei, trat Westfalen an Preußen ab und wurde mit Rheinhessen entschädigt. Eine landständische Verfassung wurde verabschiedet. Im Gegensatz zu früheren Konflikten stand das Land 1866 an der Seite Österreichs gegen Preußen, was vor allem auf Ministerpräsident von Dalwigk zurückzuführen war, und mußte nach der Niederlage des Landes wieder gegen eine Entschädigung durch Gebiete kleinerer Staaten Territorium an Preußen abtreten, schloß dann eine Militärkonvention mit Preußen und der nördlich des Mains gelegene Teil Hessens wurde Teil des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde das gesamte Großherzogtum Bundesstaat des Deutschen Reichs.

Das Land stellte drei Abgeordnete im Bundesrat und neun im Reichstag. Die Landesfarben waren rot, weiß und rot. Im hessischen Zweikammersystem bestand die erste Kammer aus ernannten und die zweite aus von Wahlmännern gewählten Abgeordneten. Da die erste Kammer umfangreiche Vetorechte besaß, kann das politische System als konservativ bezeichnet werden. 1910 hatte das Land rund 1,3 Mio. Einwohner. Da die Bevölkerung rapide wuchs, setzten sich der Großherzog, Adlige und Industrielle für den sozialen Wohnungsbau ein. Zu den Streitkräften stellte Hessen eine geschlossene Division. Wirtschaftlich lebte das Land von Agrarwirtschaft, vor allem Weinanbau, und der Chemie- und Lederindustrie. Die Großherzöge waren gleichzeitig Oberhaupt der evangelischen Landeskirche.

Erster Großherzog im neuen Kaiserreich war der schon seit 1848 regierende Ludwig III. Er galt nicht gerade als ein Freund Preußens oder der deutschen Einheit und blieb auch der Reichsgründung in Versailles fern. Allerdings hatte er sich zu diesem Zeitpunkt auch schon weitgehend von den Regierungsgeschäften zurückgezogen und überließ diese seinem Neffen, dem späteren Ludwig IV. An den Verhandlungen zur Reichsgründung nahm allerdings Ministerpräsident von Dalwigk teil, der aufgrund seiner Parteinahme für Österreich 1866 nicht gerade beliebt bei Bismarck war. So war dann Hessen auch das einzige Land, welches im deutschen Föderalismus keine Sonderrechte eingeräumt bekam. Ludwig III. verschied 1877 und Ludwig IV. trat dann auch offiziell seine Nachfolge an. Dieser war, ähnlich wie Kaiser Friedrich III., mit einer englischen Prinzessin verheiratet und somit Schwiegersohn von Königin Victoria von England. Anders als sein Onkel war er jedoch wieder propreußisch orientiert und integrierte Hessen in das neue Deutsche Reich. Die Politik des Landes konzentrierte sich auf die Reformierung der Verwaltung. Ludwig IV. starb 1892 an einem Schlaganfall.

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein

Ihm folgte mit 23 Jahren sein Sohn Ernst Ludwig auf den hessischen Thron. Er widmete sich der Förderung von Architektur und Kunst, so wurde Hessen zu einem wichtigen Zentrum des Jugendstils. Ansonsten ging er vor allem seiner militärischen Laufbahn nach. Im 1. Weltkrieg bekleidete er den Generalsrang und war dem kaiserlichen Hauptquartier zugeordnet, die Familie engagierte sich außerdem für die Verwundeten. Ernst Ludwig kann als beliebter Monarch angesehen werden, wurde am 9. November 1918 jedoch auch von einem Arbeiter- und Soldatenrat für abgesetzt erklärt. Neben dem König von Bayern und dem Fürsten von Waldeck-Pyrmont dankte der Großherzog von Hessen jedoch nie formell ab. Er entband seine Bediensteten 1919 lediglich von ihrem Treueeid. Da sein erstgeborener Sohn bei einem Flugzeugunfall ums Leben kam, wurde bei seinem Tod 1937 der Zweitgeborene Sohn Ludwig neuer Chef des Hauses. Dieser galt in Zeiten des Nationalsozialismus wegen seiner englischen Gattin als politisch unzuverlässig und wurde im Zuge des Prinzenerlaß aus der Wehrmacht ausgemustert. Später widmete er sich dem Wiederaufbau Darmstadts und anderer Orte. Da seine Ehe kinderlos blieb, adoptierte er Moritz von Hessen-Kassel, also einen Angehörigen einer Nebenlinie. Heutiger Chef des Hauses ist seit 2013 der 1966 geborene Unternehmer Landgraf Heinrich Donatus von Hessen.

L.R.

Der Chef des Gesamthauses Hessen: Landgraf Donatus, Landgräfin Floria, geborene Gräfin von Faber-Castell, mit ihren Kindern, vorne Erbprinz Moritz von Hessen, seine Zwillingsschwester Prinzessin Pauline (*26. März 2007) und der 2012 geborene Prinz August.