Wir werden nie aufhören, in den Ereignissen um den 9. November 1918 ein Unglück zu sehen

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Am heutigen Tag jährt sich zum 100. Mal der Moment, da der kaiserliche Staatssekretär (!) Philipp Scheidemann von einem Balkon des Reichstags die Republik in Deutschland ausrief. Unser leider bereits verstorbene Freund und Historiker Wolfgang Stribrny schrieb darüber: „In unüberbietbarer Phrasenhaftigkeit schmetterte Scheidemann, berauscht von seinen eigenen Worten und einem Publikum, das an der Republik gar nicht interessiert war, über den Königsplatz: ‚Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt.‘ Derselbe Scheidemann hatte noch wenige Tage vorher sich aufrichtig zur Monarchie bekannt!“

Politiker wie Friedrich Ebert wuβten, daβ die Meinung des deutschen Volks in der Frage der Staatsform alles andere als einhellig für die Repubik war, deshalb tadelte er den übereilten Schritt Scheidemanns, der auch nicht durch die Ausrufung der Sowjetrepublik durch Karl Liebknecht gerechtfertigt war. Freilich wagte man auch nicht, den Genossen Scheidemann zu desavouieren.

Golo Mann schrieb in einem Begleitwort zu den Erinnerung des Prinzen Max von Baden, des Reichskanzlers, der fälschlicherweise die Abdankung des Kaisers am 9. November verkündete: Der Umsturz von 1918 sei „historisch sinnlos; denn das, was die Leute wollten, hatten sie schon oder hätten es demnächst bekommen.“ Er stellte sich auch die Frage, warum die alten Autoritäten so wenig Widerstand leisteten: „Ein allgemeiner Nervenzusammenbruch, ein Reiβen der Geduld in der Tiefe und Breite sind viel schwerer zu bändigen oder sind es gar nicht. Die alte ‚Obrigkeit‘ muβ das gefühlt haben … Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, der Überzeugung ist, daβ die Nation einer anständigen Kontinuität ihrer politischen Entwicklung zutiefst bedurfte und die Monarchie im nächsten Halbjahrhundert noch wesentlich stilgebende und bindende Dienste hätte leisten können, wird nie aufhören, in den Ereignissen um den 9. Novem-ber 1918 ein Unglück zu sehen. Eine uralte Anordnung des öffentlichen Lebens wurde in wenigen Stunden hinweggefegt und es trat nichts Solides an ihre Stelle. Warum nicht? Weil nur eine vorübergehende Stimmung am Werk gewesen war, nicht ein revolutionärer Wille, der einriβ, um etwas völlig Neues aufzubauen.

Drei, die nach 1918 nie auf ihre Thronrechte verzichteten (v.l.); Kronprinz Rupprecht, Herzog Albrecht und Herzog Franz von Bayern.

Es gibt auch aus den damals gestürzten Herrscherhäusern  eine Antwort auf die Frage: Warum? S.K.H. Herzog Franz von Bayern, Chef des Wittelsbacherfamilie und erster Anwärter auf die bayerische Krone, sagte in einem Interview mit dem Bayerischen Fernsehen: „Ich erkläre es mir aus einem allgemeinen Erschöpfungszustand heraus am Ende dieses Weltkriegs wie man ihn vorher nicht gekannt hat. Und daβ niemand eine Hand gerührt hat, fürchte ich, gilt für das Danach genauso wie für das Zuvor. Man muβ sich ja schon fragen, warum man einen alten Herrn wie Ludwig III. im Hofgarten spazieren gehen läβt am Tag vor der Revolution, ohne ihn über die Entwicklung zu informieren. Es muβ doch irgendjemand gegeben haben, der gespürt oder erkannt hat, daβ sich da etwas zusammenbraut. Niemand hat es offensichtlich für notwendig erachtet, den König zu warnen. Das zeigt schon, wie gelähmt, wie erschöpft alles war. Ich glaube, es war einfach ein Aufgeben auf allen Seiten.

Thronverlust am Geburtstag

S.K.H. Prinz Louis Ferdinand von Preuβen, der am 9. November 1918 seinen elften Geburtstag feierte, schrieb in seinen Lebenserinnerung von den Ereignissen, die sein weiteres Schicksal von Grund auf veränderten. „Ich hatte … Radfahren gelernt und war sehr stolz, daβ ich es konnte; daher war zu meinem elften Geburtstag am 9. November 1918 mein Hauptwunsch ein Fahrrad. Freilich wuβte ich, daβ es äuβerst schwierig sein würde, in diesem Stadium des Krieges einen solchen Gegenstand zu beschaffen, und ich rechnete fast schon damit, wegen der schlechten Zeiten gar nichts zum Geburtstag zu bekommen. Doch am Morgen fand ich auf meinem Geburtstagstisch die Skizze eines Fahrrads, von meiner Mutter gezeichnet. Sie tröstete mich, das Fahrrad sei noch nicht fertig, aber ich würde es bestimmt in den nächsten Tagen bekommen. Ich war überglücklich, doch entging mir nicht, daβ in der Stimme meiner Mutter eine nie gekannte Traurigkeit mitschwang.

Der Kaiser mit seinen Enkeln Wilhelm und Louis Ferdinand.

Von uns Kindern ahnte vielleicht nur [der  Erbprinz] Wilhelm die tragische Wendung, die das Schicksal unserer Familie und unseres ganzen Landes genommen hatte. Indessen blieb bei mir der Eindruck der Niedergeschlagenheit der Erwachsenen haften. Menschen, zu denen wir bis dahin ehrfürchtig aufgeblickt hatten, konnten ihre Hilflosigkeit nicht verbergen; vom Fenster sah ich meine Onkel und Tanten stundenlang vor dem [Neuen] Palais auf und ab gehen. Am nächsten Tag sagte uns [Wilhelm von] Ditfurth, daβ die Wachkompanie gegen ihren Willen einen Soldatenrat habe bilden müssen. Widerstrebend hatten sie ein rotes Bändchen an ihre Uniformröcke geheftet, aber sie erwiesen uns weiterhin die militärischen Ehren.

Bis in unser freiwilliges Gefängnis drang sonst kaum etwas von dem revolutionären Ereignissen, höchstens das falsche Gerücht von einem Transport mit roten Matrosen, der nach Wildpark unterwegs sei, um das Neue Palais zu erstürmen. Wir bekamen keinen einzigen revolutionären Soldaten oder Zivilisten zu Gesicht; wir hörten nur, daβ es in Berlin zu Zusammenstöβen gekommen sei. In Potsdam fiel kein Schuβ. Der ganze Aufstand war hier ohne Blutvergieβen verlaufen und gegen unsere Familie schienen die Revolutionäre keinerlei böse Absichten zu hegen. Als sich die Lage im allgemeinen beruhigt hatte, bestand meine Mutter darauf, nach Cecilienhof zurückzukehren.

Kronprinzessin Cecilie hätten sich viele als Regentin für ihren ältesten Sohn Wilhelm vorstellen können – den entscheidenden Schritt, sie darum zu bitten, ging aber keiner.

‚Wenn sie uns umbringen wollen, können sie das hier in meinem eigenen Hause tun‘, sagte sie bei der Rückkehr nach Cecilienhof. ‚Solange ich es verhindern kann, will ich nicht, daβ meine Kinder im Exil aufwachsen.‘ Für diese Haltung sind wir alle ihr tief verpflichtet. Angesichts der warnenden Stimmen nahm sie die ganze Verantwortung auf sich, wozu nach den Geschehnissen in Ruβland [Ermordung der Zarenfamilie am 17. Juli des gleichen Jahres] groβe Charakterfestigkeit und viel Mut gehörten.

Hätte es eine Regentschaft der Kronprinzessin geben können?

Ich bin sicher, daβ meine Mutter auch in einem noch umfassenderen Sinne die Verantwortung auf sich genommen hätte, wenn es etwa zu einer Regentschaft gekommen wäre. Darüber hatte ich fünfzehn Jahre später eine längere Unterredung mit [dem ehemaligen britischen Premierminister] Lloyd George. Ich war im Sommer 1933 auf seinem Landsitz eingeladen; der einzige Gast auβer mir war [der zeitweilige südafrikanische Premierminister und] General Smuts.

‚Wissen Sie, Prinz Louis‘, sagte er, ‚wir hatten den Sturz Ihrer Dynastie weder erwartet noch beabsichtigt. Die öffentliche Meinung in England machte es mir unmöglich, als Premierminister dieses Landes einen Frieden mit Ihrem Groβvater oder Ihrem Vater an der Spitze Deutschlands zu schlieβen. Aber wir hatten alle gedacht, daβ für Ihren Bruder Wilhelm eine Regentschaft unter Ihrer Mutter oder einem Ihrer Onkel eingesetzt würde. Wenn Ihr Haus in Deutschland an der Regierung geblieben wäre, brauchten wir uns jetzt keine Kopfschmerzen wegen des Herrn Hitler zu machen.‘

Heute gilt es als historische Tatsache, daβ eine solche Lösung, wäre sie präsentiert worden, auch von den Sozialdemokraten angenommen worden wäre. Aber es fehlte an weitblickenden und entschlossenen Beratern.“

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9. November 1918: Der traurigste Tag in Württembergs Geschichte

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Seit dem 7. bis 9. November 1918 breiteten sich wegen des verlorenen Krieges im ganzen Deutschen Reich revolutionäre Unruhen aus, die zur raschen, oft überstürzten Abdankung der vielen deutschen Fürsten führten.

Schon am 7. November stürzte die Monarchie in Bayern. Am 9. November gab der Reichskanzler der ersten deutschen parlamentarischen Koalitionsregierung , Prinz Max von Baden, die Abdankung des im Hauptquartier im belgischen Spa weilenden Kaisers Wilhelm II. bekannt, um die Monarchie zu retten. So wie es z. B. in Bulgarien geschehen ist, wo Zar Ferdinand zu Gunsten seines Sohnes Boris rechtzeitig abgedankt hatte. Der Plan des Kanzlerprinzen miβlang aber, weil in Berlin bereits am selben Tag die Republik ausgerufen wurde, und zwar gleich zweimal: Vom Balkon des Stadtschlosses aus von dem Unabhängigen Sozialdemokraten Liebknecht, von einem Fenster des Reichstages aus durch den Sozialdemokraten Scheidemann, was dessen Parteivorsitzender Friedrich Ebert heftig miβbilligte. „Dazu hattest du kein Recht,“ sagte er zu seinem vom Fenster zurücktretenden Genossen. Ihm wäre die parlamentarische Monarchie, wie sie seit September 1918 bestand, die bessere Staatsform für Deutschland gewesen. Der von allen verlassene Kaiser begab sich auf Hindenburgs dringenden Rat ins holländische Exil.

Rote Fahne vor dem Stuttgarter Wilhelmspalais, Wohnort des beliebten Königs Wilhelm II.

Briefmarke zum 25. Regierungs-jubiäum von König Wilhelm

In Württemberg hatte man 1916 das 25-jährige Regierungsjubiläum König Wilhelms II. zwar in kriegsbedingter Schlichtheit, aber unter großer dankbarer Anteilnahme des Volkes begangen. Im sozialdemokratischen Parteiorgan schrieb dessen Schriftleiter, Wilhelm Keil: falls Württemberg Republik würde, fände es keinen besseren Präsidenten als den gegenwärtigen Monarchen.

Als eine drohende Note des US-amerikanischen Präsidenten Wilson als Bedingung für einen fairen Frieden die Abdankung der herrschenden Autokraten forderte, womit natürlich Kaiser Wilhelm II. gemeint war, wandelten beinahe alle deutschen Bundesstaaten ihre konstitutionellen Monarchien in parlamentarische Monarchien um. So auch in Württemberg. Den Wunsch des Königs, der bisherige Ministerpräsident Freiherr Karl von Weizsäcker solle auch an der Spitze der neuen Regierung stehen, lehnte dieser ab, da er nichts vom Parlamentarismus angelsächsischer Art hielt. So berief der König am 7. November ein neues, nun dem Landtag verantwortliches Kabinett unter dem Premierminister Theodor Liesching.
Dieses Kabinett war am Vormittag des 9. November 1918 im Wilhelmspalais zu Stuttgart, dem Privatwohnsitz des Königs, versammelt, um von diesem vereidigt zu werden. Gleichzeitig zogen von allen Seiten Demonstranten für die Beendigung des Krieges auf den nahe gelegenen Schloβplatz. Eine von Cannstatt über die Neckarstraße heranmarschierte Kolonne wurde von einigen Scharfmachern aufgehetzt, in das am Wege liegende Wilhelmspalais einzudringen. Die Rädelsführer forderten, statt der königlichen Standarte die rote Fahne zu hissen. Wohlgemerkt: der Pöbel drang nicht bis zum König vor. Dieser erklärte, als ein Diener die Forderung der Leute meldete, vor dem Kreis ohnmächtig schweigender Minister: Das ist Hausfriedensbruch – aber ich weiche der rohen Gewalt. Der König, der ausdrücklich schon im Vorfeld der Ereignisse erklärt hatte, daβ es um und für seine Person kein Blutvergießen geben solle, war nach der Entwaffnung der Palastwache wehrlos. Nur der wachhabende Leutnant, der spätere evangelische Pfarrer Karl Botsch, weigerte sich, im Haus seines Königs – wie verlangt – seinen Degen abzugeben. Er wurde «verhaftet» und beim Verlassen des Palais vom Mob zusammengeschlagen. Bald aber verließ die Menge wieder das Haus und ließ einen zutiefst betroffenen König zurück, der über den Undank der Welt pessimistische Betrachtungen anstellte.

Inzwischen hatten die Häupter der Linksparteien eine provisorische Regierung gebildet und mit Schrecken und Miβbilligung von den Insulten im königlichen Palais vernommen. Sofort wurden loyale Arbeiter- und Soldatenräte zum Schutz des Hauses bestellt, und als der König den Wunsch äußerte, Stuttgart zu verlassen, um sein Jagdschloβ in Bebenhausen aufzusuchen, beschützte wieder eine Reihe treuer Arbeiter- und Soldatenräte den königlichen Autokonvoi. Im Schloβhof von Bebenhausen angekommen, bedankte sich der Monarch bei den biederen Männern und gab allen die Hand, worauf einer der Geehrten in ehrlicher Wallung den Ausspruch tat: «Majestät, das war der schönste Tag meines Lebens.» – «Meiner nicht», antwortete dieser, den auch am gewiβ traurigsten Tag seines Lebens der Humor nicht völlig verlassen hatte.

Inzwischen hatte die sozialistische Regierung unter Wilhelm Blos die Geschäfte aufgenommen und attestierte dem abgereisten König in einem ihrer ersten Aufrufe eine edle Regentschaft. Welch ein Unterschied zu Berlin, wo der Abgeordnete Molkenbuhr von der fluchbeladenen Regierung des Hauses Hohenzollern sprach.

Der Kaiser empfing am 28. November in seinem ersten niederländischen Zufluchtsort, Amerongen, eine Berliner Regierungsdelegation, in deren Anwesenheit er seine Abdankungsurkunde als Deutscher Kaiser und als König von Preußen unterzeichnete. Dasselbe tat sein ebenfalls nach Holland geflohener ältester Sohn, Kronprinz Wilhelm.

Keiner im „Volksstaat“ verlangt Abdankung – König Wilhelm II. formuliert seinen „Scheidegruß“:

An das Württemberger Volk!
Wie ich schon erklärt, soll meine Person niemals ein Hindernis sein für die freie Entwicklung der Verhältnisse des Landes und dessen Wohlergehen.
Geleitet von diesem Gedanken lege ich mit dem heutigen Tage die Krone nieder.
Allen, die mir in 27 Jahren treu gedient oder sonst Gutes erwiesen haben, vor allem auch unseren heldenmütigen Truppen, die durch 4 Jahre schwersten Ringens mit größtem Opfermut den Feind vom Vaterlande ferngehalten haben, danke ich aus Herzensgrund, und erst mit meinem letzten Atemzuge wird meine Liebe zur teuren Heimat und ihrem Volke erlöschen.
Ich spreche hiebei zugleich im Namen meiner Gemahlin, die nur schweren Herzens ihre Arbeit zum Wohle der Armen und Kranken im bisherigen Umfang niederlegt.
Gott segne, behüte und schütze unser geliebtes Württemberg in alle Zukunft.
Dies ist mein Scheidegruß.

Wilhelm
Bebenhausen, 30. Novbr. 1918.

Vom König von Württemberg verlangte niemand seine formelle Abdankung, obwohl inzwischen der Volksstaat Württemberg gebildet worden war. Der Monarch hätte es bei diesem Zustand belassen können, wie Großherzog Ernst Ludwig, der ebenfalls sehr populäre Regent von Hessen. Auch der württembergische Thronfolger, Herzog Albrecht, und dessen Sohn, Herzog Philipp Albrecht, lehnten als echte Legitimisten eine Abdankung ab. Die entsprechenden Erklärungen anderer deutscher Fürsten hatten meistens einen trockenen, juristischen Wortlaut, ohne die Wärme einer individuellen Handschrift. So wollte unser König aber nicht abtreten. Einerseits wollte er freiwillig seinen Abschied nehmen, andererseits wollte er dies in persönlicher, herzlicher Sprache tun und sich ohne Groll von seinem hohen Amt und seinem Volke trennen. Das Ergebnis ist dieses, wie ich meine, große menschliche Dokument (siehe Abbildung).

Der erste Satz bezieht sich auf seine Bekundungen vor dem und am 9. November, als er Blutvergießen seinetwegen verhindern wollte. Daβ er in seiner Regierung, die er unter das Motto besonnener Fortschritt gestellt hatte, ein Hindernis für die freie Entwicklung der Verhältnisse des Landes und dessen Wohlergehen gewesen ist, konnte nun wirklich niemand im Ernst behaupten. Aber seine Bescheidenheit und die Macht des Faktischen ließen ihn diesen Satz wiederholen, ohne zu betonen, daβ die Person des Monarchen ja auch ein Garant für Freiheit und Wohlergehen seines Landes sein kann. Ob im Ebert’schen Sinn weiterbestehende deutsche Monarchien nicht einen besseren Schutzwall gegen die 1933 alles Recht zerstörende Hitler-Diktatur gebildet hätten als die schwache Weimarer Republik, ist eine ernsthafte Frage. Hat nicht der spanische König 1981 die Demokratie seines Landes vor einem Umsturzversuch gerettet?

König Wilhelm II. sprach schließlich nur für seine verzichtbereite Person, die Haltung des Thronfolgers hat er gewürdigt und in seinem Herzen sicher nach wie vor der rechtsstaatlichen Monarchie den Vorzug vor anderen Staatsformen gegeben.

König Wilhelm II. und Königin Charlotte verabschieden im August 1914 die württembergischen Truppen.

Was nun im Text folgt, ist von großer Würde. Er legt die Krone nieder, die von vielen Regenten seines Hauses getragen wurde. Ein schmerzlicher Entschluβ. Den größeren Teil seiner Kundgebung widmet er aber dem Dank. Er dankt für treue Dienste und für unvergessene Wohltaten, die ihm als Dank für seine wohltätige Regierung entgegengebracht worden sind. Er dankt vor allem den heldenmütigen Truppen, die über vier Jahre unter großen Opfern die Heimat vor feindlicher Eroberung gerettet haben. Taktvoll gibt der König hier zu verstehen, daβ auch ohne Sieg die Leistung der Soldaten als Beschützer des Vaterlands zu würdigen ist. Und dies ohne fatale Dolchstoßlegende, die sogar der kluge Friedrich Ebert beförderte, als er im Dezember 1918 den heimkehrenden Truppen ein im Felde unbesiegt bescheinigte. Es ist übrigens bekannt, daβ der König, der im August 1914 seine Stuttgarter Regimenter mit Tränen in den Augen ins Feld verabschiedete, wie wohl kein anderer Fürst unter deren Verlusten gelitten hat und unermüdlich die Truppen seines XIII. Armeekorps im Felde und die Verwundeten in den Lazaretten besuchte. All denen gilt sein tiefster Dank und die Versicherung seiner immerwährenden Liebe für Land und Volk Württemberg.

Etwas ganz Einmaliges und für die Ritterlichkeit dieses Monarchen Typisches ist die Einbeziehung seiner Gemahlin, der Königin Charlotte, in den Abschiedsgruß. Deren karitative Tätigkeit im großen Stil hatte nun auch ein Ende. Die abschließenden Segensworte haben aus der Feder dieses Mannes, dem wohlfeile Phrasen nie über die Lippen kamen, besonderes Gewicht und Glaubwürdigkeit. Auch noch heute können die nachgeborenen Schwaben stolz auf diesen innerlich so vornehmen König sein.

Das Volk wurde 1918 vor vollendete Tatsachen gestellt, die im Drang und Sturm der Zeit hergestellt und später irreversibel waren. Der wahren Stimmung im Land entsprachen sie nicht. Dafür steht eher eine Kundgebung des Senats der Landesuniversität Tübingen, der am 2. Dezember 1918 stehend die Abdankung des Königs zur Kenntnis genommen hatte und dem Herrscher mit tiefer Bewegung erklärte, welch herben Schmerz es ihm bereite, in euer Majestät nicht mehr unseren allergnädigsten König und Herrn sehen zu dürfen.

Der Geradheit seines Wesens entsprach es auch, daβ Wilhelm II. mit der Königskrone zugleich den Titel ablegte und sich fortan Herzog zu Württemberg nannte, was aber weitgehend ignoriert wurde, da er für sein Volk immer der König blieb. Dieser zog sich aber nicht beleidigt zurück, sondern nahm nun z. B. als Staatsbürger an den demokratischen Wahlen teil. Im Gottesdienst verschmähte er jetzt den Königsstuhl und setzte sich in die erste Reihe der Gemeindebänke als Christ unter Christen. Die Liebe des Volkes zu ihm war nach der Revolution eher noch gewachsen, und er klagte, daβ er die Masse seiner Geburtstagspost kaum bewältigen könne.

Als König Wilhelm II. am 2. Oktober 1921 starb, trauerte wirklich das ganze Land um den pater patriae (den Vater des Vaterlands), und über 100.000 Menschen kamen zur Beisetzung nach Ludwigsburg, während alle Kirchenglocken im Land zusammen läuteten. Stuttgart hat der König allerdings nie mehr betreten; sogar der Leichenzug von Bebenhausen nach Ludwigsburg machte einen großen Bogen um die ungetreue Landeshauptstadt herum. Versöhnlich aber, wie sein Wesen war, erklärte er, es sei nicht Groll, was ihn von Stuttgart fernhalte, sondern das Gefühl, daβ er da nicht mehr hingehöre.

Inzwischen hat in den 1990er Jahren eine Bürgerinitiative dem guten König vor seinem Palais ein rührendes Denkmal gesetzt, auf dem der König mit seinen beiden Spitzerhunden zu sehen ist, mit denen er ohne Schutz und Begleitung täglich und zum Schluβ noch am 7. November 1918 seinen Spaziergang durch die Hauptstadt gemacht hatte. Es ist einmalig in Deutschland, daβ einem 1918 abgesetzten Monarchen ein Denkmal gewidmet worden ist.

Aber dieser König hat ein gutes Andenken verdient. Er ist ein Vertreter bester deutscher Geschichte, dessen man sich in uneingeschränkter Dankbarkeit erinnern kann.

Diese leicht gekürzte Abhandlung schrieb Werner Zeeb für den Schwäbischen Heimatbund.

Wie sehr König Wilhelm II. von Württemberg geschätzt wurde, zeigt dieses Stuttgarter Denkmal von Hermann-Christian Zimmerle. Es wurde 1991 geschaffen und stand bis September 2017 vor dem Eingang des Wilhelmspalais’ an der Konrad-Adenauer-Straße. Heute befindet es sich an der Südseite des Gebäudes im hinteren Bereich, wo Wilhelm wie ein distanzierter Beobachter der neuen Gebäudenutzung wirkt.
Der neue Hausherr im Gebäude, Torben Giese, läβt auf Nachfrage der Stuttgarter Zeitung wissen, man habe keinesfalls eine Herabsetzung des Königs im Schilde geführt. Im Gegenteil: Das Denkmal sei aus seiner Sicht am neuen Ort besser platziert als am alten. Der König mit seinen beiden Spitzen stehe nicht mehr so exponiert im Verkehrslärm. Anders als früher sei das Denkmal auch nicht mehr einfach Beiwerk des Gebäudes, sondern es stehe im Garten und dort auch mittendrin in den Freiluftaktionen am Stadtpalais, wie das Wilhelmspalais nach dem Einzug des Stadtmuseums heißt.
Mitte September 2017 wurde der König von Freunden im Garten begrüßt, flankiert von zehn lebenden Spitzen, die ein Züchter von Wilhelms Lieblingshunderasse aus diesem Anlaβ aufmarschieren ließ. Der Verkehrsverein Pro Stuttgart hatte neben einem Denkmal-Förderverein um Hans-Frieder Willmann einst immerhin wesentlich dazu beigetragen, daβ Wilhelm II. und die Spitze 1991 eine Heimstatt vor dem Palais fanden.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 208

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Ein Aussenminister aus dem brasilianischen Kaiserhaus?

Tschechien hat es mit der Berufung von Fürst Schwarzenberg vorgemacht: In der prestigeträchtigen Position des Außenministers ist ein Vertreter eines alten Adelsgeschlechts gerngesehen. Er kommt im Ausland gut an, was gut für seine Regierung ist, und kann auf der anderen Seite auch für sich selbst punkten, da im Außenministerium nicht so viel im Volk Unpopuläres entschieden wird, wie in den Ressorts für Verteidigung, Inneres oder Gesundheit, wo beispielsweise Angela Merkel regelmäßig unliebsame Widersacher parkt.

Dom Luiz Filipe von Orléans und Bragança (*3. April 1969) hatte eine bayerische Groβmutter: Prinzessin Maria Elisabeth von Bayern.

Daß Teile des brasilianischen Kaiserhauses den rechten Kandidaten Jair Bolsonaro bei den dortigen Wahlen unterstützen, hat die Corona bereits berichtet. Im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl, bei dem auch das Parlament bestimmt wurde, wurden vier Monarchisten und ein Sympathisant, der in seinem Bundesstaat wieder die kaiserliche Flagge eingeführt hatte, für die nächste Legislatur auf seinem Ticket (Partido Social Liberal, PSL) gewählt. Ein Sieg von Bolsonaro gegen den Kandidaten der Linken Haddad bei dem am 28. Oktober stattfindenden zweiten Wahlgang gilt als sehr wahrscheinlich. Jetzt ist Luiz Filipe von Orléans-Bragança, welcher seinen Sitz im brasilianischen Parlament für die Stadt São Paulo souverän gewann, laut der US-amerikanischen Presse sehr ernsthaft als brasilianischer Außenminister im Gespräch. Ob es dazu kommt, wird man freilich erst nach den Wahlen endgültig sagen können.

Wie wichtig für Bolsonaro ein prestigeträchtiger Außenminister wäre, kann man ahnen: Seine teilweise sehr exzentrischen Äußerungen stören die Brasilianer selbst, die in einem Strudel von Gewalt, wirtschaftlichem Niedergang und Korruption gefangen sind, zwar nicht so sehr. Sie haben schlicht und ergreifend andere Probleme. Bolsonaro ist jedoch nicht nur aufgrund seiner Sympathie für Brasiliens Militärdiktatur, sondern auch wegen Äußerungen zu politischen Gegnern, Homosexuellen und Linken gerade im Ausland umstritten, wie die Berichterstattung über ihn und seinen Wahlkampf auch in Deutschland zeigte.

Luiz Filipe gehört der sehr konservativen Vassouras-Linie der Dynastie an, deren Thronprätendent der 1938 geborene Luis Gastão ist, der nur selten öffentlich auftritt. Es gibt mit der Petropolis-Linie noch andere Thronprätendenten, die sich im übrigen teilweise gegen die Wahl Bolsonaros ausgesprochen haben. Da ein Thronprätendent dieser Linie aufgrund einer morganatischen Ehe jedoch im frühen 20. Jahrhundert auf den Thron verzichtete, sehen Brasiliens Monarchisten mehrheitlich die Vassouras-Linie als die rechtmäßige an. L.R.

Prinz Harrys Einsatz für Kriegsveteranen

Vor der beeindruckenden Kulisse des Opernhauses in Sydney, das seine Groβmutter als Königin von Australien auf den Tag genau 45 Jahren zuvor einweihte, eröffnete Prinz Harry am 20. Oktober die Invictus Games. Für acht Tage standen die im Zentrum der Aufmerksamkeit, denen sonst keiner mehr einen Blick schenkt: den kriegsversehrten Veteranen, die zwar von ihren Regierungen in den Krieg nach Afghanistan oder Irak entsandt wurden, denen aber nach schweren und schwersten Verwundungen oft noch ein Kampf mit den Behörden um Entschädigung oder Rehabilitation ansteht.

Prinz Harry, der selbst am Hindukusch Europa verteidigte (um des ehemaligen Bundesverteidigungsminister Peter Strucks Aussage, Deutschland werde in dieser Weltgegend verteidigt, zu paraphrasieren), kannte ihre Probleme. Um die Selbstachtung der Veteranen zu stärken, entwickelte er die Idee von sportlichen Wettkämpfen für Invalide. Er gründete die Invictus Games Stiftung. 2014 fanden die ersten Spiele mit 400 Teilnehmern aus 13 Nationen in London statt. Jetzt beteiligten sich in Sydney schon 500 Athleten aus 19 Nationen, darunter 19 deutsche Teilnehmer. Daβ man in  den deutschen Medien mehr Aufmerksamkeit für die Kleider der Herzogin von Sussex aufbrachte als für das Engagement ihres Manns für mehrfachamputierte Rollstuhlrugbyspieler, Bogenschützen oder Fahrradfahrer, läβt tief blicken und erklärt vieles in der deutschen Gesellschaft. H.S.

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Die vollständige 208. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 208

Inhalt der 208. Ausgabe:

  • Bundesfürsten im November 1918
  • Ein Außenminister aus dem brasilianischen Kaiserhaus?
  • Prinz Harrys Einsatz für Kriegsveteranen

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 207

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Guter Widerstand, schlechter Widerstand

Honoré d‘Etienne d‘Orves (1901 – 1941).
In seinem deutschen Wikipedia-Eintrag fehlt jeder Hinweis auf die royalistischen Überzeugungen des Widerstandskämpfers.

In dem nahe dem französischen Nantes gelegenen Städtchen Carquefou mit seinen knapp 20.000 Einwohnern soll das örtliche Gymnasium nach dem Widerstandskämpfer Honoré d’Estienne d’Orves benannt werden. D’Estienne d’Orves war zu Beginn der deutschen Besetzung Frankreichs der Kopf des Widerstandes in Nantes und wurde Anfang 1941 entdeckt und exekutiert. Das Problem dabei ist nun, daß d’Estienne d’Orves Royalist und Anhänger der Action Française war, die sich unter anderem für die Wiedererrichtung der Monarchie einsetzte. Ein Problem ist dies zumindest für die linken und grünen Stadträte und auch die Konservativen verteidigen d’Estienne d’Orves nur halbherzig. Man solle sich bei der Namensgebung lieber für jemanden entscheiden, der sich ökologisch verdient gemacht hat, argumentieren vor allem die Grünen. Vielleicht findet sich ja jemand unter den ehrenwerten Bürgern bereit, die gegenwärtig die Polizei im Hambacher Forst mit ihrer eigenen Scheiße bewerfen und dafür meist noch nicht einmal ein Ordnungsgeld riskieren, als Namensgeber für die Schule zu dienen. Das ist natürlich viel bedeutender.

Es reicht heute also offenbar nicht mehr, das Richtige getan und dafür einen hohen Preis gezahlt zu haben, man muß es auch aus politisch korrekten Gründen tun, wobei Zeitgenossen mit kommunistischen Widerständlern weniger Probleme haben – wie lange der deutsche Widerstand vom 20. Juli bei solch einer Argumentation noch als Vorbild gilt, ist unklar.

Die französische Linke hielt übrigens bis zum Beginn von Operation Barbarossa weitgehend still, beteiligte sich also größtenteils nicht an Widerstandsaktionen, da ihr Chef in Moskau ja einen Nichtangriffspakt mit Deutschland unterzeichnet hatte. Wer dies weiß, muß den ganzen Vorgang noch absurder finden. Wie der Prozeß um die Schule letztlich ausgeht, ist derzeit noch unklar.

Carquefou ist in einer Region zwischen Bretagne, Normandie und Vendée gelegen, die nach der französischen Revolution für ihre royalistische Gesinnung bekannt war, die immer wieder bis weit in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein zu Aufständen führte, die von der Republik blutig niedergeschlagen wurden. L.R.

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Die vollständige 207. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 207

Inhalt der 207. Ausgabe:

  • Prinz Georg Friedrich fordert Burg Rheinfels zurück
  • Guter Widerstand, schlechter Widerstand
  • Liechtensteins Thronfolger liefert gute Argumente für die Monarchie
  • Uneingeschränktes Lob für König Wilhelm I. von Württemberg

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Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 206

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Kaiserpalast von Rio de Janeiro abgebrannt

Der Kaiserpalast beherbergte nach der Ausrufung der Republik das Nationalmuseum.

Am 2. September ist das Nationalmuseum im Kaiserpalast von Rio de Janeiro abgebrannt. Zahlreiche Ausstellungsstücke, welche dem brasilianischen Kaiserhaus gehörten beziehungsweise von den Nachfahren von Kaiser Dom Pedro II. zur Verfügung gestellt wurden, wurden Opfer der Flammen. Es kam zu zahlreichen Protestkundgebungen im Volk. Harte Kritik übte das brasilianische Königshaus in einem Schreiben, welches Prinz Luis von Orléans-Bragança verfaβte und von 16 weiteren Familienmitgliedern mitgetragen wird. In dem offenen Brief wirft der Prätendent der Linie Vassouras dem brasilianischen Staat die Vernachlässigung des Brandschutzes vor und fordert rasche Aufklärung darüber, wie es zu dem Brand kommen konnte. Gleichzeitig kündigten andere Prinzen an, dem brasilianischen Staat und damit dem Volk gegebenenfalls neue Ausstellungsstücke aus Familienbesitz zur Verfügung zu stellen, wenn diese besser geschützt würden.

Schnell kam es vor der Ruine des Museums auch zu monarchistischen und antimonarchistischen Kundgebungen. In der Tat erwartet das Land ein anderer Brand: In den kommenden Wochen wird in Brasilien, welches von einer sehr schweren Wirtschafts- und Vertrauenskrise in die Politik gezeichnet ist, gewählt. Der bisherige Favorit Lula da Silva, der bereits Präsident war und derzeitig wegen Korruption im Gefängnis sitzt, darf aufgrund einer Entscheidung der Wahlkommission nicht antreten. Auf den in den Umfragen Zweitplazierten, den rechten Kandidaten Jair Bolsonaro, mit dem Teile des Kaiserhauses sympathisieren, wurde ein Attentat verübt. Er ist  mittlerweile zwar außer Lebensgefahr, es stehen sich die politischen Lager jedoch unversöhnlich gegenüber und es ist nicht zu erwarten, daß derjenige, der aus den Wahlen als Sieger hervorgeht, vom brasilianischen Volk als solcher anerkannt wird. Das Kaiserhaus sympathisiert wie gesagt mit den Konservativen und hat in Teilen auch Partei ergriffen, was durchaus kritisch zu sehen ist, denn nur ein unparteiisches Kaiserhaus, welches nicht in Verbindung mit den Kandidaten gebracht wird, könnte im Rahmen der Monarchie das gespaltene Land wieder versöhnen. Danach sieht es im Moment jedoch leider nicht aus. L.R.

König Simeon II. soll enteignet werden

Nach dem Tod seines Vaters Boris III. 1943 mit sechs Jahren auf den Thron gekommen, von den Kommunisten drei Jahre später vertrieben und ins Exil gegangen, nach dem Fall des eisernen Vorhangs Premierminister, welcher sein Land in die EU und Nato führte: das Leben Simeons II. liest sich wie ein Abenteuerroman. Angetrieben hat ihn dabei sicher stets die Liebe zu Bulgarien.

Seinen von den Kommunisten enteigneten Besitz, den er erst nach einer Entscheidung des bulgarischen Verfassungsgerichts aus dem Jahre 1998 zurückbekommen hat, soll er jetzt dennoch wieder verlieren. Die Argumentation: Auch in der Monarchie haben die Schlösser einer staatlichen Verwaltungsbehörde gehört, nicht den Königen selbst. So urteilten die bulgarischen Gerichte. Damit sollen vor allem Schloß Vrana und Schloß Zarska Bistritza enteignet werden. Dieses traurige Schauspiel ist sicher auch darauf zurückzuführen, daß die politischen Fehden am Rande Europas verbitterter und auf persönlicherem Niveau geführt werden, als hierzulande. Die politischen Gegner des immer für Bulgarien aktiven Simeon II. scheinen ihm jetzt einen schweren Schlag versetzt zu haben und der Rechtsweg im Land selbst ist erschöpft.

König Simeon, Königin Margarita und Kronprinzessin Miriam de Ungría nahmen in einem bulgarisch-orthodoxen Gottesdienst Abschied von ihrem Sohn respektive ihrem Gatten, Kronprinz Kardam.

Der König, der nach der Wende lange kraftvoll für das Fortkommen Bulgariens stritt, wirkte nach den Urteilen niederschlagen und müde. Vor einigen Jahren starb sein Sohn und Thronfolger, Kronprinz Kardam, nach einem Autounfall in Spanien. Das ist sicher nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Nun steht ihm in einem Rechtsstaat die zweite Enteignung nach der Zeit des Kommunismus bevor. Simeon II. setzt jetzt auf den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und auf seine internationalen Beziehungen, die die Intrige gegen ihn noch zum Einstürzen bringen können. Nach seinem langen Kampf für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in seinem Land wäre es ihm zu wünschen, daß er nicht Opfer der niederen Motive seiner politischen Gegner wird. L.R.

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Die vollständige 206. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 206

Inhalt der 206. Ausgabe:

  • Kaiserpalast von Rio de Janeiro abgebrannt
  • Historische Schmuckstücke wechseln den Besitzer
  • Kolloquium im Elsaβ zu Kaiser und Papst im 1. Weltkrieg
  • König Simeon II. soll enteignet werden

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Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 205

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Von Feuerlöschern und Brandstiftern

Seine Königliche Hoheit Afonso von Bragança, Prinz von Beira und Herzog von Barcelos bei den Bombeiros Voluntários de Lisboa, die weiter die Krone im Wappen tragen.

Der Sommer der Waldbrände hat noch kein Ende gefunden. Überall in Europa brannten Bäume, Felder und Touristenorte. Besonders Portugal und Griechenland waren wieder einmal stark betroffen. Um seinen Beitrag gegen Feuersbrünste zu leisten, meldete sich in Lissabon der Erbe des Hauses Portugal, Dom Afonso von Bragança (*1996) bei der städtischen Feuerwehr, um sich ausbilden zu lassen. Der älteste Sohn von Thronanwärter Dom Duarte von Bragança (*1945) konnte in diesem Jahr nicht mehr eingesetzt werden, aber er bereitet sich für die kommende Brandsaison vor.

Während das Engagement des portugiesischen Prinzen Anerkennung fand, nutzen übelmeinende Zeitgenossen am östlichen Ende des Mittelmeers es für verleumderische Propaganda aus. Sie beschuldigen das griechische Königshaus, sich auf Luxusjachten schwimmend vor den brennenden Inseln zu vergnügen. Keiner der jungen Prinzen folge dem Cousin in Portugal und trete in die Feuerwehrbrigaden ein. Sie werfen insbesondere dem Erben des Königtums, Prinz Constantin-Alexios (*1998), vor, keinen Einsatz zu zeigen. Es ist klar, welche Assoziationen damit verbunden sind: Wie Kaiser Nero angeblich den Anblick des brennenden Roms genoβ, aalten sich die Royals in der Sonne, als Griechenland angezündelt wurde.

Seine Königliche Hoheit Prinz Constantin-Alexios (3. v.l.) als Kadett während seiner Zeit im Wellington College.

In einer Botschaft zeigte König Konstantin II. seine Solidarität mit den Opfern der Brände und die königliche Anna-Maria-Stiftung wird nach bestem Können helfen, aber die Kritiker verkennen, daβ die Mitglieder der königlichen Familie erst seit kurzem wieder nach Griechenland reisen dürfen und ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt wurde. König Konstantin (*1940) ist auf einen Rollstuhl angewiesen und dürfte kaum als Feuerwehrmann einsetzbar sein. Der Erbe des Hauses hat angekündigt, er strebe eine militärische Karriere an, jedoch nicht in Griechenland, sondern bei den Royal Marines. Er würde damit dem Vorbild seines Vaters, Kronprinz Paul (*1967), folgen, der an der britischen Militärakademie Sandhurst ausgebildet wurde. H.S.

Prinz Georg Friedrich zu den Briefen von Kaiserin Auguste Viktoria

Wie bereits in Corona 204 berichtet, wurden rund 1000 bislang verschollene Briefe von Kaiserin Auguste Viktoria im Neuen Palais in Potsdam aufgefunden. Der Raum, in welchem die Briefe gefunden wurden, war im 19. Jahrhundert zugemauert und von einem Schlosser bei Sanierungsarbeiten wiederentdeckt worden. In den Potsdamer Neuesten Nachrichten äußerte sich nun auch der Chef des Hauses Hohenzollern zu dem Sensationsfund. Kronprinz Georg Friedrich vertritt die Auffassung, daß die private Korrespondenz der Kaiserin grundsätzlich ihren Nachkommen zusteht, er sie jedoch der Ӧffentlichkeit weitestgehend zugänglich machen will. Er steht in engem Kontakt hierzu mit der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten.

Bereits im Juni eröffnete Georg Friedrich auch die Ausstellung „Help, de Keizer komt” (Hilfe, der Kaiser kommt), welche sich mit der Ankunft Kaiser Wilhelms II. im Exil in Holland beschäftigt, wo er 18 Monate zunächst als Gast der Familie von Bentinck auf Schloß Amerongen wohnte, dem Ort der Ausstellung, bevor er Haus Doorn erwarb, während die Entente bei der niederländischen Königin Wilhelmina seine Auslieferung forderte. Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Dezember zu sehen. Ob der Kronprinz an weiteren Terminen im Zusammenhang mit dem Sturz der Monarchie teilnimmt, ist nicht bekannt, während beispielsweise das britische Königshaus bezüglich des Kriegsendes und das russische Königshaus anläβlich der Ermordung der Zarenfamilie eine sehr gefüllte Agenda haben. L.R.

Das Recht auf’s eigene Bild

Mit einem Blogbeitrag in Vice [Hacker haben inzwischen den Artikel beseitigt, er kann bei Corona bestellt werden] hat Nicholas Lord (Photo) für einen (An-)Sturm gesorgt.

Er teilte in seinem Beitrag die Tatsache mit, daβ jeder Australier das Recht auf ein Portraitphoto von Königin Elizabeth II. hat. Die Abgeordnetenbüros müssen (!) jedem, der dies wünscht, ein Bild zur Verfügung stellen. Die gesetzliche Grundlage wurde geschaffen, als das Government Information Office in Canberra (vergleichbar dem Bundespresseamt in Berlin) aus Kostenersparnisgründen geschlossen wurde. Veröffentlichungen der Bundesregierung werden seither dezentral von den gewählten Abgeordneten ausgegeben und um den Vorwurf der einseitigen Wählerbeeinflussung zu entkräften, dürfen Abgeordnete nicht nur das Material verteilen, das ihnen politisch liegt, sondern alles, was die Bürger haben möchten. Die Gesuche nach Portraitphotos nahmen nach der Veröffentlichung ungekannte Ausmaβe an und ärgerten besonders republikanische Abgeordnete, die sich ihrer gesetzlichen Pflicht gerne entziehen würden. Kann sich jemand vorstellen, daβ es eine vergleichbare Nachfrage nach Bildern des Bundespräsidenten gäbe, wäre die gesetzliche Grundlage wie in Australien gegeben? H.S.

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Die vollständige 205. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 205

Inhalt der 205. Ausgabe:

  • Für australische Monarchisten beginnt eine geschäftige Zeit
  • MadMonarchist stellt seinen Blog ein
  • Prinz Georg Friedrich zu den Briefen von Kaiserin Auguste Viktoria
  • Von Feuerlöschern und Brandstiftern

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85. Geburtstag Herzog Franz von Bayern: Benefizauktion brachte knapp 800.000 €

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Als S.K.H. Herzog Franz von Bayern ankündigte, seinen 85. Geburtstag am 14. Juli nicht groβ zu feiern, zeigte er gleichzeitig eine Alternative für ihm zugedachte Ge-schenke: In der Benefiz-auktion „Helfen ohne Limit“ sollte Kunst versteigert und die Erlöse zugunsten von Projekten in Kenia und Süd-Sudan eingesetzt werden.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Die Spendenbereitschaft von Künstlern, Sammlern, Galeristen und Kunsthändlern war riesig. Wer noch nicht wusste, in welchem Maß Herzog Franz von Bayern die Sympathien zufliegen, erfährt es durch die Resonanz auf die angekündigte Benefizauktion zugunsten des ‚Hilfsvereins Nymphenburg‘, die sich der Chef des Hauses Wittelsbach zu seinem 85. Geburtstag gewünscht hat. Die Einnahmen der von Neumeister ehrenamtlich durchgeführten Auktion sollen dem Hilfsverein zukommen, insbesondere einem Herzensprojekt des Jubilars: den so genannten ‚Value Villages‘ in Kenia und Südsudan, dörflichen Initiativen für eine nachhaltige Zukunft. Es geht um sauberes Wasser, medizinische Grundversorgung, schulische, handwerkliche und landwirtschaftliche Ausbildung.“

Nun hat Neumeister das Ergebnis der Benefizauktion veröffentlich und Corona erhielt die Erlaubnis, den Rechenschaftsbericht zu veröffentlichen.

Knapp 800.000 Euro für den guten Zweck
Top-Ergebnisse bei der Zeitgenössischen Kunst:
– Photografie von Andreas Gursky erzielt 140.000 Euro,
– Skulptur von Anselm Kiefer bringt 100.000 Euro,
– Arbeit auf Papier von Georg Baselitz für 75.000 Euro,
– Skulptur von Senkrechtstarterin Mia Florentine Weiss brachte aus dem Stand 50.000 Euro.
– 100 Prozent Verkaufsquote bei Alter Kunst und Kunsthandwerk.

Neben dem Erlös von 783.800 Euro konnte der Hilfsverein Nymphenburg e.V. noch Spenden in beachtlicher Höhe einnehmen.

Bei der Offerte von Kunsthandwerk, Silber, Glas, Münzen und Schmuck fand jedes der 201 Lose seinen Käufer – eine sensationelle Verkaufsquote von 100 Prozent.

Diese Quote wurde mit Graphik und Gemälden vom 15. bis 20. Jahrhundert sowie Post War & Contemporary Art nicht ganz erreicht – hier gab es dafür eine ganze Reihe sehr erfreulicher Spitzenergebnisse, wie etwa 140.000 Euro für Andreas Gurskys Werk „Leipzig“ aus dem Jahr 1995 oder 100.000 Euro für Anselm Kiefers Objekt „Aurora“ aus dem Jahr 2011.

Ein Grund für die zahlreichen herausragenden Ergebnisse und die ausgezeichnete Verkaufsquote lag sicher darin, daβ die Bieter kein Aufgeld und keine Mehrwertsteuer auf die ersteigerten Objekte zahlen muβten. Sie hatten also pro Gebot ein zusätzliches Bietpotential von knapp 30 Prozent, das viele auch für die gute Sache nutzten.

S.K.H. Herzog Franz von Bayern freute sich über den erfolgreichen Verlauf der Auktion:
Ich freue mich sehr, daβ so viele Menschen meiner Bitte gefolgt sind, bei dieser Auktion kräftig und großzügig mitzusteigern!
Das erfreuliche Ergebnis ist in der Tat für mich das schönste Geburtstagsgeschenk. Ich möchte gern drei ganz herzliche Dankeschön loswerden: an die vielen freiwilligen Helfer der Auktionsvorbereitung, an die großzügigen Spender der fast 450 Kunstobjekte und an die nicht minder großzügigen Käufer dieser Kunst!

S.K.H. Prinz Ludwig von Bayern über die geplante Verwendung der in der Auktion erlösten Mittel:
Die Auktion war mit einem Erlös von 783.800 Euro ein großartiger Erfolg für den Hilfsverein Nymphenburg und natürlich für das Projekt Value Villages in Kenia und dem Südsudan. Mit dieser Summe können wir bis Ende 2018 sieben Dörfern und deren Bewohnern – die ohne jede Schulbildung sind, nur ihre Stammessprache sprechen und mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen müssen – durch Grundversorgung und Erwerbsmöglichkeiten eine nachhaltige Zukunft ermöglichen. Derzeit sind bereits drei Dörfer dank Value Villages auf einem sehr guten Weg und verfügen bereits über Wasserversorgung, Kindertagesstätten und teilweise auch Schulzugang. Was uns besonders freut ist, daβ zusätzlich zu dem Auktionserlös beim Hilfsverein Nymphenburg noch Spenden in beachtlicher Höhe eingegangen sind. Ich danke allen freiwilligen Helfern, Spendern und Käufern und natürlich dem Auktionshaus NEUMEISTER für die tatkräftige und effiziente Unterstützung.“

Katrin Stoll, geschäftsführende Gesellschafterin von NEUMEISTER, die die Auktion leitete:
Das hervorragende Ergebnis der Benefizauktion spricht für sich selbst! Ich freue mich vor allem, daβ u. a. auch unser Verzicht auf Aufgeld und die Tatsache, daβ dadurch keine Mehrwertsteuer anfiel, viele Bieter motiviert hat, dieses zusätzliche Bietpotential für die gute Sache zu nutzen. Im Grunde zeigt diese Auktion, wofür NEUMEISTER steht: für kontinuierlich sehr gute bis hervorragende künstlerische Qualität, ausgezeichnete Provenienzen, exzellentes Marketing, vor allem auch bei Sammlungs- und Sonderauktionen und in der Folge konstant gute bis ausgezeichnete Ergebnisse.
Ich darf S.K.H Herzog Franz von Herzen für das in unser Haus, mich und mein Team gesetzte Vertrauen danken!

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 204

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Der schwarze Tag des deutsches Heeres

Der 8. August 1918 war eigentlich gar kein so besonderer Tag. Seit Mitte Juli war das Deutsche Kaiserreich nach den Frühjahrsoffensiven und einem Vormarsch über die Marne an der Westfront aufgrund des Eintreffens von immer mehr amerikanischen Truppen wieder in die Defensive geraten und muβte die Front zurücknehmen – erst wieder über die Marne, später noch weiter zurück.

Bei der Frühjahrsoffensive 1918 konnte das Deutsche Heer Geländegewinne erzielen – doch keine kriegsentscheidenden und im August muβte es sich überall zurückziehen.

Am 8. August kam es erstmalig zu einem etwas größeren Einbruch in die deutschen Stellungen, der allerdings am Folgetag mit Reserven aufgefangen werden konnte. Das Neue: Erstmals im gesamten Krieg ergab sich eine große Zahl kaiserlicher Soldaten. So konnte die Entente mindestens 15.000 Gefangene machen. Schlechte Moral gab es bis dahin eigentlich nur beim Feind oder bei den Verbündeten. Die Oberste Heeresleitung, die noch im Juli, als die sogenannte Hunderttageoffensive der Entente schon begonnen hatte, unter völliger Verkennung der Lage auf einen günstigeren Moment für Friedensverhandlungen warten wollte, bewegte der 8. August daher zum Umdenken. General Ludendorff selbst prägte den Ausdruck des „schwarzen Tages des deutschen Heeres”. Für ein Umdenken war es aber leider schon zu spät, da die Entente aufgrund der für sie günstigen militärischen Lage keine Notwendigkeit für einen Verständigungsfrieden sah, wenn sie überhaupt je die Notwendigkeit gesehen haben sollte: Bereits anderthalb Monate nach dem 8. August kapitulierte Bulgarien. Das Osmanische Reich sollte bald nachfolgen. Die deutschen Truppen waren, wie bereits beschrieben, ebenfalls demoralisiert, denn es war offensichtlich, daß die Frühjahrsoffensiven, die das Versprechen eines Siegfriedens nach einer letzten großen Kraftanstrengung einlösen sollten, verpufft waren. Bald waren sie auf ihre Ausgangsstellungen vorm März 1918 und dahinter zurückgeworfen. Sowohl in der Heimat als auch an der Front waren alle Kräfte aufgebraucht. Kaiser Wilhelm II. versuchte in dieser Zeit, Volk und Armee zum Durchhalten zu bewegen, da der Eindruck von Schwäche und Unordnung nur härtere Friedensbedingungen mit sich bringen würde, wie er auf mehreren Reden vor Fabrikarbeitern betonte. Gleichzeitig wurden politische Reformen vorbereitet, die im Oktober zur Parlamentarisierung des Kaiserreichs führen sollten. Erich Ludendorff teilte dem Kaiser am 29. September im Hauptquartier in Spa mit, daß sofort Waffenstillstandsverhandlungen aufgenommen werden müβten, was er zwei Monate zuvor noch rundweg ablehnte. Die Diktatur der Obersten Heeresleitung war damit an ihr Ende gelangt und von nun an gaben wieder zivile Politiker die Richtlinien vor. Leider scheiterten die angedachten Reformen dann jedoch an den falschen Versprechungen von US-Präsident Wilson, darauf wird jedoch in einem späteren Artikel eingegangen. L.R.

Schwedische Kronjuwelen gestohlen

König Gustaf V. Adolf war der letzte schwedische Monarch, der die Krone nicht nur symbolisch trug.

Seit 1907 Gustaf V. Adolf als letzter schwedischer König mit den Reichsinsignien gekrönt wurde, erlebte diese jahrhundertealte Tradition in Schweden keine Wiederholung. Die Reichssymbole liegen bei der Thronbesteigung eines Monarchen nur noch in seiner Nähe. Und nun haben dreiste Diebe sich an den Kronjuwelen vergriffen: Zwei Kronen und ein Reichsapfel aus dem Jahr 1610 wurden am 1. August aus der Kathedrale von Strängnäs, östlich von Stockholm, gestohlen. Die beiden Räuber entkamen auf einem Schnellboot und trotz umfangreicher Suche sind Verbrecher wie das gestohlene Gut unauffindbar.

In Schweden wurde ein sogenannter „nationaler Alarm“ ausgerufen, die höchste Stufe auf der Polizeiskala, mit dem die Sicherheitskräfte in den nordischen Ländern mobilisiert werden, auβerdem erlaubt er der Polizei, auβergewöhnliche Maβnahmen zu ergreifen. Welche das im Fall der gestohlenen Kronjuwelen sind, wurde, das liegt in der Natur der Sache, nicht bekanntgegeben. Weil die Gefahr besteht, daβ das Diebesgut ins Ausland verschoben wird, hat Schweden auch Interpol eingeschaltet.

Die Kronen gehörten König Karl IX. (1550 bis 1611, König ab 1604) und seiner Gattin, Königin Kristina († 1625, eine Prinzessin aus dem Haus Holstein-Gottorf). Bereits 2013 entwendeten Langfinger die Krone von König Johann III. (1537 bis 1592, König ab 1568). Vor fünf Jahren hatte es die schwedische Polizei mit reuemütigen Gaunern zu tun. Aufgrund eines anonymen Hinweises fanden die Beamten das geraubte Königsgut in einem Müllsack in einem Straβengraben. Vielleicht hofft sie auch jetzt wieder auf königstreue Räuber.

Ähnliches passierte auf der Burg Hohenzollern, wo am 31. Juli 1953 eingebrochen wurde. Paul Falk, ein  mehrfach vorbestrafter Einbrecher, verschaffte sich Zugang in die Schatzkammer, in der er Gold und Juwelen, die Tabatieren Friedrichs des Großen, einen Marschallstab und verschiedene Orden erbeutete. Der reine Materialwert wurde damals auf 500.000 DM geschätzt, der historische Wert läβt sich nicht beziffern. Die preußische Königskrone von 1889 lieβ er zurück. Er erklärte im Prozeβ, er habe das von so vielen Menschen verehrte Symbol nicht berühren wollen, weil er Monarchist sei. Alle hoffen 2018 auf eine solche Wiederholung in Schweden.     H.S.

Beim Einbruch auf Burg Hohenzollern war die preuβische Krone, die hier Prinz Louis Ferdinand begutachtet, für den Dieb Paul Falk sakrosankt, denn er sei Monarchist, erklärte er in seinem Prozeβ.

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Die vollständige 204. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 204

Inhalt der 204. Ausgabe:

  • Der schwarze Tag des deutschen Heeres
  • Rätselraten um das Erbe von Prinz Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg
  • Japan bereitet Thronfolgezeremonie vor
  • Schwedische Kronjuwelen gestohlen

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Umbenennungswahn trifft Turnvater Jahn

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Der nach dem Monarchisten Jahn benannte Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg soll wegen angeblich antisemitischer Bemerkungen des Turnvaters umbenannt werden. Allerdings stimmen die Behauptungen aus dem linken Lager vorne und hinten nicht. Wie immer geht es nur um die Tilgung der den Machthabern unbequemen deutschen Geschichte. Allerdings mehren sich die Gegenstimmen.

Eberhard Diepgen (CDU) spricht sich ebenso dagegen aus, wie Walter Momper (SPD), Stefan Kretschmer (AfD), der Autor Jan von Flocken, der Historiker Gerd Steins und der BZ-Kolumnist Gunnar Schupelius. Trotzdem will die rot-rot-grüne Mehrheit im Bezirk Pankow den Sportpark umbenennen.

Laut BZ erklärte Diepgen: „Personen der Geschichte haben ihre Schattenseiten. Bemerkungen des Turnvaters über Juden gefallen uns allen nicht. Jahn machen sie aber auch nach Sicht von Historikern nicht zu einem aus seiner Zeit fallenden extremen Judenhasser. Also lassen wir es beim Namen Jahn Sportpark.“

Momper sieht das ähnlich und berichtet: „Der Vorwurf, er sei ein „bekennender Antisemit“, ist unbegründet. Der Vorwurf wird darauf gestützt, dass Jahn 1815 ins Fremdenbuch der Wartburg eingetragen hatte: „Wälsche und wendische Helfer bringen uns immer tiefer ins Verderben“. Damit meinte Turnvater Jahn die Franzosen und die Russen. Antisemitische Turner in Österreich vereinnahmten Turnvater Jahn. Auch die Nazis nutzten das. Auch das Jahn-Zitat: „Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück“ ist gefälscht. Die Autorin Eleonore Sterling hat es 1965 Turnvater Jahn in die Schuhe geschoben. Dabei stammte es zur Hälfte von Heinrich von Treitschke. Bis heute wird diese Fälschung wiederholt und verbreitet.

Laut dem Schriftsteller und Historiker Jan von Flocken war er „der herrschenden Klasse zuwider wegen seines Patriotismus. Wegen seines ja man kann schon sagen glühenden Eintretens für die deutsche Einheit. Und jetzt haben wir das wieder, dass der Mann verfolgt wird.“

Auch der Historiker Gerd Steins ist gegen eine Umbenennung. Dem Tagesspiegel teilte er mit: „Die Vorwürfe, er sei ein „bekennender Antisemit“, sind aus wissenschaftlicher Sicht völlig unbegründet. Ich beschäftige mich seit gut 40 Jahren mit Jahn und habe in seinen Schriften keine dementsprechenden Sätze finden können. Selbst im neuen „Handbuch des Antisemitismus“ wird eine derartig unsinnige Behauptung über Jahn nicht aufgestellt.“

Und der Journalist Gunnar Schupelius erklärte in der BZ: „Friedrich Ludwig Jahn ist eine schillernde Persönlichkeit, die unsere Geschichte stark geprägt hat. Er war kein Verbrecher und auch kein Wegbereiter späterer finsterer Zeiten. Es wäre vermessen und töricht, seinen Namen zu entfernen. Man kann die Geschichte nicht nachträglich hinbiegen. Es wäre geradezu gespenstisch, wenn wir Persönlichkeiten aus unserer Erinnerung verbannen, weil sie sich im Sinne der heutigen Auffassungen politisch nicht korrekt verhielten. Wo fängt diese Bereinigung der Geschichte an und wo hört sie auf?

Nur die linke Mehrheit im Bezirk ist anscheinend unbelehrbar und hält an ihren Plänen fest. Dabei übersehen die Abgeordneten das Gute, was Jahn in den Befreiungskriegen und im ersten gesamtdeutschen Parlament geleistet hat. Und sie sehen auch nicht, welche positiven Einflüsse Jahn auf die deutsche Romantik hatte.

Der Maler Caspar David Friedrich (1774–1840) stellte beispielsweise in seinem 1819 entstandenen Bild Zwei Männer in Betrachtung des Mondes den Turnvater zusammen mit dem Neubrandenburger Pastor Franz Christian Boll (1776–1818) dar. Es handelte sich um eines der Gedächtnisbilder für den verstorbenen Boll, welchem man auf dem Gemälde die etwas untersetzte Figur mit Umhang zuordnen kann. Die andere, sportlich wirkende Person ist aus den historischen Umständen heraus als Friedrich Ludwig Jahn in jungen Jahren, während seiner Hauslehrerzeit in Neubrandenburg, zu erkennen.
Christian Schwochert

Nachbemerkung:
Auβerhalb Berlins wird eleganter mit Straβen- und Schulnamen umgegangen, die nicht nach jedermanns Geschmack sind und/oder als anstöβig betrachtet werden. Im Stadtrat von Esslingen (bis 16. Oktober 1964 amtliche Schreibweise Eßlingen am Neckar) lehnte eine breite Mehrheit den Antrag ab, die Hindenburgstraβe in Clarastraβe umzubenennen.

Auch die SPD-Fraktion stimmte gegen die Umbenennnung. Wie die Stuttgarter Zeitung am 28. Juli schrieb, fand der SPD-Stadtrat Klaus Hummel „es sei außerdem an der Zeit, die alle paar Jahre aufflammende Umbenennungsdiskussion bei verschiedenen Straßen ein für alle Mal mit einer gemeinsamen Erklärung zu beenden. Er schlug einen Text vor nach Ravensburger Vorbild: „Straßenbezeichnung sind Ausdruck der historischen Entwicklung der Stadt und des jeweiligen Zeitgeistes (. . .) Straßennamen nach Personen mit zweifelhafter und widersprüchlicher Geschichte dienten ursprünglich deren Würdigung. Heute sind sie uns Mahnung und Erinnerung an unrühmliche Abschnitte der Geschichte. Wir wollen sie durch geeignete Maßnahmen kenntlich machen und kommunizieren. Dies gilt nicht für nationalsozialistische Gewalttäter.

Trauer im Großherzoglichen Haus: Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg verstorben

Strelitzius Blog

Herzog Carl Gregor mit seiner 2006 verstorbenen Ehefrau Prinzessin Maria Margarethe von Hohenzollern.

Mich hat die Nachricht des Großherzoglichen Hauses Mecklenburg-Strelitz erreicht, dass  Dr. phil. Carl Gregor Herzog zu Mecklenburg, Prinz von Mecklenburg-Strelitz, M.A., Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, Graf zu Schwerin, Herr der Lande Rostock und Stargard am Montagmorgen, den 23. Juli, an seinem Wohnsitz, der Villa Silberburg in Hechingen, im 86. Lebensjahr verstorben ist. Meine Anteilnahme gilt der Großherzoglichen Familie.

Der Herzog wurde als viertes Kind des Herzog Georg zu Mecklenburg und dessen Frau Irina am 14. März 1933 auf Schloss Remplin bei Malchin geboren. Nach dem Brand des Schlosses 1940, wahrscheinlich von den Nazis gelegt, dem Verlust des Wohnsitzes in Berlin durch einen Bombentreffer, der Inhaftierung des Vaters 1944 im KZ Sachsenhausen verbrachte er die Nachkriegszeit in Sigmaringen und Hechingen. Er studierte Kunstgeschichte, wurde an der Universität Tübingen promoviert und leitete das Diözesanmuseum in Rottenburg.

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