Die nächste Generation in den Monarchien – Corona-Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 226

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In den Monarchien rückt die nächste Generation auf

Anläßlich des 18. Geburtstags der Kronprinzessin gab die belgische Post eine Sondermarke heraus.

Die belgische Kronprinzessin Elisabeth, die Herzogin von Brabant, ist am 25. Oktober achtzehn Jahre alt geworden. „Das Land kann auf mein Engagement zählen“, sagte die Kronprinzessin im Zuge einer im Fernsehen übertragenen Geburtstagszeremonie, bei welcher die königliche Familie und die Regierung anwesend waren. Auch eine Briefmarke wurde anläßlich des Geburtstages der Kronprinzessin herausgegeben. Ansonsten geht Elisabeth noch bis Mitte 2020 in einem Internat in Wales zur Schule. Danach soll sie mehr Aufgaben für die Monarchie übernehmen. 1991 schaffte Belgien die salische Erbfolge ab, davor war der Thron den männlichen Erben reserviert. Elisabeth wird also voraussichtlich die erste weibliche Herrscherin Belgiens werden.

In Japan, wo weiter die salische Erbfolge gilt, liegen die Hoffnungen auf den Schultern des 13jährigen Prinzen Hisahito, der nach dem 53jährigen Kronprinzen Akishino, dem Bruder des gegenwärtigen Kaisers, auf Rang zwei der Thronfolge steht. Er absolvierte im August seinen ersten öffentlichen Auslandsauftritt im Königreich Bhutan.

Kronprinzessin Leonor von Spanien als jüngste Thronfolgerin Europas hielt in diesem Jahr ihre erste öffentliche Rede als Stiftungspräsidentin der Prinzessin-von-Asturien-Stiftung und vergab dementsprechend den Stiftungspreis an ihrem vierzehnten Geburtstag. Dies war zwar nicht ihr erster öffentlicher Auftritt, wo sie eine Ansprache hielt, jedoch wurde er dieses Mal im Fernsehen übertragen und bekam breite öffentliche Aufmerksamkeit.

Auch in Katalonien vergab die Infantin Leonor für ihre Prinzessin-von-Girona-Stiftung Preise. Wüste Ausschreitungen in den Straßen Barcelonas und Gironas schreckten die königliche Familie Spaniens nicht ab.

Kronprinz zu sein, ist etwas, was man sich nicht aussuchen kann. Die späteren Monarchen werden von Kindesalter an auf ihre hohe Aufgabe vorbereitet, was natürlich zu Lasten einer unbeschwerten Kindheit und Jugend geht. Gerade diese frühe und oft lange Vorbereitung, die oft mit einem Durchlaufen einer Vielzahl staatlicher Institutionen, dem Erlernen mehrerer Fremdsprachen und auch dem Erlernen eines stets angemessen Auftretens in der Öffentlichkeit einhergeht, ist jedoch ein wesentlicher Vorteil der gekrönten Häupter im Vergleich zu einem gewählten Staatsoberhaupt.   L.R.

Senat in Brasilien sieht neues Referendum über Monarchie skeptisch

Man muß den brasilianischen Staatslenkern zu Gute halten, daß sie nach dem Ende der Militärdiktatur unter den ganz wenigen waren, die dem Volk eine echte Mitsprachemöglichkeit bei der Wahl der Staatsform einräumten. Normalerweise wird die Republik wie in Deutschland zementiert, ohne daß jemals irgendjemand darüber befragt wurde. Man muß in diesem Zusammenhang auch sagen, daß die Abstimmung damals deutlich zu Ungunsten der Monarchie ausging – nur 13 % der Wähler stimmten für sie. Nun argumentieren Monarchisten normalerweise bei den ständigen Rufen von Rebublikanern, daß man nicht so lange abstimmen kann, bis man das gewünschte Ergebnis erhält. Rund 25 Jahre nach dem Referendum ist die Republik jedoch durch zahlreiche Korruptionsskandale erschüttert, die sozialen Ungleichheiten konnten nicht gemindert werden und Brasilien ist ganz ohne Krieg eines der Länder mit den höchsten Mord- und Gewaltraten der Welt. Man könnte auch die Wahl des sehr weit rechts stehenden und mit der Militärdiktatur sympathisierenden Jair Bolsonaro zum Präsidenten als Symptom der großen Unzufriedenheit sehen, die in der Republik herrscht. Vor diesem Hintergrund kam es in den vergangenen Jahren zu einem wieder lauter werdenden Ruf nach der Monarchie – gegenwärtig würden vermutlich deutlich mehr Brasilianer für sie stimmen, als 1993.

Die vor zwei Jahren gewählten monarchistischen Abgeordneten beider Häuser des brasilianischen Parlaments. Ihre große Zahl und der Umstand, daß sie verschiedenen Parteien angehören, läßt hoffen, daß die Frage der Monarchie auf der Tagesordnung bleibt.

Einige hatten jetzt auf den Präsidenten gesetzt, welcher auch von Mitgliedern des brasilianischen Kaiserhauses unterstützt wird. Auch sitzen Monarchisten im brasilianischen Parlament. In der Tat wurden 45.000 Unterschriften für ein zweites Referendum gesammelt, das ist die doppelte Zahl dessen, was dafür nötig ist, um die Möglichkeit eines Referendums im Senat analysieren zu lassen. Auch die Regionalparlamente der beiden Bundesstaaten Rondônia und Minas Gerais unterstützten den Vorstoß. Eine Kommission des Senats kam jetzt jedoch zu dem Ergebnis, daß ein neues Referendum unter der gegenwärtigen Verfassung nicht möglich sei, da auch die nach 1993 beschlossene brasilianische Verfassung eine mit Deutschland vergleichbare Ewigkeitsklausel besitze und es im Vergleich zu der Situation von 1993 keine wesentlichen Änderungen gegeben habe. Der Bericht der Kommission des Senats stellt einen schweren Rückschlag für die Monarchisten dar, müßte man jetzt doch erst die Verfassung ändern, um ein erneutes Referendum durchführen zu lassen. Eine verfassungsändernde Mehrheit dafür ist jedoch momentan nicht in Sicht. L.R.

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Die vollständige 226. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 226

Inhalt der 226. Ausgabe:

  • In den Monarchien rückt die nächste Generation auf
  • Schwierige Erbfolge im Sultanat der Republik Indonesien
  • Inthronisierungszeremonie in Japan
  • Senat in Brasilien sieht neues Referendum über Monarchie skeptisch

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K. und k. Monarchisten suchen die Öffentlichkeit

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Ende Oktober und Anfang November nehmen die traurigen Jahrestage mit schöner Regelmäßigkeit zu.

In Tschechien und Österreich schicken sich Monarchisten nicht in Fatalismus, sondern zeigen Alternativen zur allgemeinen Tristesse auf:

II. Europäischer Monarchisten-Kongress in Wien

Erster deutschlandweiter Hohenzollerntag – Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 225

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Erster deutschlandweiter Hohenzollerntag

Burg Hohenzollern, ein Hohenzollernort par excellence

Ungeachtet der gegenwärtigen Kontroverse um die Rückgabe von Kunstgütern durch Bund und Länder an die Hohenzollern fand am 12. Oktober der erste Hohenzollerntag an vierzehn Orten in Deutschland sowie in Haus Doorn in den Niederlanden statt. Bereits im Vorfeld hatten sich 20 Orte, deren Geschichte eng mit den Hohenzollern verbunden ist, zusammengeschlossen, um mit den Hohenzollern auf der Seite https://www.hohenzollern-orte.de/ für sich zu werben. Dabei gibt sich die Seite durchaus modern: So wurde zu einem Photowettbewerb aufgerufen, im Zuge dessen über Instagram die schönsten Photos der mit den Hohenzollern verbundenen Orte eingereicht werden konnten. Die Seite scheint auch regelmäßig aktualisiert zu werden. Als Betrei-ber wird eine „FTM FrankenTourismus Marketing GmbH“ genannt. Auch wenn diese begrüßenswerte Initiative also leider einmal wieder nicht von Brandenburg ausgeht, ist es umso schöner, daß man sich vor allem in Franken der Erinnerung an die Hohenzollern annimmt. So werden Veranstaltungen dann eben auch vor allem in Franken beworben. Leider erfuhr der erste Hohenzollerntag im Vorfeld aber nur wenig mediale Aufmerksamkeit, erst Anfang Oktober erfuhr man allmählich von den bevorstehenden Veranstaltungen und auch wir berichteten nicht, da wir von dem Tag schlichtweg keine Kenntnis hatten. Trotzdem kann der 1. Hohenzollerntag als ein Erfolg und der Beginn einer schönen und wichtigen Tradition gesehen werden, den es in der Zukunft weiter zu bewerben gilt, und dem sich weitere Städte und Orte anschließen sollten.

Im Rückgabestreit mit den Hohenzollern setzt sich in der Presse im übrigen langsam die Erkenntnis durch, daß deren Forderungen vor Gericht mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Erfolg haben würden, auch wenn der brandenburgische Noch-Finanzminister Christian Görke (Die Linke), der momentan eigentlich mit dem Räumen seines Schreibtischs beschäftigt sein sollte, in Interviews weiter gegen die Hohenzollern schießt und auch immer mal wieder der bis dato weniger bekannte Historiker Malinowski zitiert wird, den die brandenburgische Regierung als Gutachter gegen den renommierten Christopher Clark ins Feld geführt hatte, um einen vermeintlichen Vorschub des Nationalsozialismus durch das preußische Königshaus zu belegen. Das sind aber Rückzugsgefechte. Die Bundesregierung versuche demnach momentan, sich mit den Hohenzollern dahingehend zu einigen, daß Kunstschätze von nationaler Bedeutung nicht ins Ausland ausgeführt werden sollen. Auch ein Wohnrecht in Cecilienhof soll es nicht geben, was sehr schade ist, da dem Prinzen eine offizielle Rolle so weiter verweigert wird. Trotzdem ist eine Einigung sehr viel wahrscheinlicher, als noch im August. Die ganze Situation ist dabei sicher nicht optimal, da die Kulturgüter natürlich weiter der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten, was Prinz Georg Friedrich auch grundsätzlich zugesichert hat, wofür es aber im Einzelfall nie eine vollständige Garantie geben kann. Ob weitere Familien den Hohenzollern folgen und ihr Recht einfordern, muß abgewartet werden. Dies alles hätte sicher vermieden werden können, wäre es nach der Wende 1990 zu einer Regelung gekommen, bei denen die alten Familien ihre Immobilien zurückbekommen und beispielsweise als Auflage bekommen hätten, die Kunstgüter dort zu belassen. So rächt sich, was damals versäumt wurde. L.R.

Herzog Ludwig von Württemberg verstorben

Der Chef des Hauses Württemberg muß binnen anderthalb Jahren einen weiteren Todesfall beklagen. Nach dem tödlich verunglückten Hauserben Herzog Friedrich im Mai 2018 ist am 6. Oktober 2019 Herzog Ludwig Albrecht von Württemberg (*23. August 1930) in Weingarten verstorben.

Herzog Ludwig von Württemberg (23. August 1930 – 6. Oktober 2019)

Als erstgeborener Sohn von Herzog Philipp Albrecht und Herzogin Rosa von Württemberg war er eigentlich prädestiniert, einmal an der Spitze des Hauses Württemberg zu stehen, doch am 29. Juni 1959 und nochmals am 19. Januar 1960 in Altshausen verzichtete er für sich und seine Nachkommen auf seine etwaigen Thronrechte und die Mitgliedschaft zum königlichen Haus.

Am 16. Februar 1960 ehelichte er Freifrau Adelheid von und zu Bodman. Sie ließen sich 1970 wieder scheiden. Das Paar hatte drei Kinder. Am 14. August 1972 heiratete Herzog Ludwig Angelika Kiessig. Die Eheleute wurden 1988 geschieden. Dieser Ehe entstammte ein weiteres Kind.

Im Gegensatz zu anderen Häusern, wo die freiwillig geleistete Verzichtserklärung des Erstgeborenen nach dem Tod des Vaters angesichts des verlorenen Erbes zu langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen führte, die sogar die obersten bundesrepublikanischen Instanzen beschäftigten, blieb das Haus Württemberg von solch unschönen Querelen verschont. Herzog Ludwig arbeitete als Innenarchitekt und war zu allen großen Feierlichkeiten in Altshausen, dem heutigen Stammsitz der Familie, eingeladen. Seinem Bruder, Herzog Carl von Württemberg, gilt unser Mitgefühl.  H.S.
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Die vollständige 225. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 225

Inhalt der 225. Ausgabe:

  • Erster deutschlandweiter Hohenzollerntag
  • Herzog Ludwig von Württemberg verstorben
  • Von Büchern und Blumen im Königreich Norwegen
  • Schweden verkleinert Königshaus

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Steinmeier äußert sich parteipolitisch – Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 224

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Steinmeier äußert sich parteipolitisch, die Queen nicht

Während von deutschen Medien das Eingreifen der britischen Königin im Rahmen des Brexit im Sinne einer gegen einen EU-Austritt gerichteten Aussage gefordert wurde, worüber Corona in der letzten Ausgabe berichtete, schweigt die Queen dazu weiter beharrlich. Dabei waren und sind auch britische Politiker nicht davor gefeit, das Staatsoberhaupt in Versuchung zu führen: Wie jetzt bekannt wurde, intervenierte David Cameron vor der Abstimmung zum Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich bei der Queen, sie möge sich gegen einen Abfall aussprechen und damit für ihn die Kohlen aus dem Feuer holen. Über das Öffentlichmachen dieser Information durch Cameron ließ „der Palast“ sein Mißfallen ausrichten, Cameron wurde damals aber richtigerweise ebenso abgewiesen, wie Brexitkritiker heute und auch Boris Johnson soll sich lieber alleine eine blutige Nase holen.

Unverzeihlicher Fehler: David Cameron plauderte in den Medien über seine Gespräche mit der Königin.

Ganz anders der deutsche Bundespräsident Steinmeier: Dieser äußert sich zum wiederholten Male partei- und tagespolitisch. Aufsehen erregt hatte Steinmeier bereits, als er nach den ausländerfeindlichen Unruhen von Chemnitz zum Besuch eines Konzerts mit linksextremen und zeitweilig vom Verfassungsschutz beobachteten Musikgruppen aufrief. Jetzt hat er der Partei „Alternative für Deutschland” die Bürgerlichkeit abgesprochen. Er nahm damit Stellung in einer aktuellen Debatte nach den Landtagswahlen in Sachsen, in deren Zuge eine Journalistin vom Mitteldeutschen Rundfunk von einer bürgerlichen Koalition zwischen CDU und AfD gesprochen und damit eine Debatte um die Bürgerlichkeit der immerhin größten Oppositionspartei ausgelöst hatte. Es soll hier nun nicht Position zu Gunsten der AfD bezogen werden. Dennoch ist anzumerken, daß sich ein Staatsoberhaupt in einem parlamentarischen System, welches diesen Namen verdient, aus solch einer tages- und parteipolitischen Debatte gefälligst herauszuhalten hat. Die parteipolitische Neutralität des Bundespräsidenten ist zwar nirgendwo festgeschrieben. Diejenigen, die ein aktives und tagespolitisches Handeln befürworten, sollten sich aber einmal vorstellen, ein der AfD entstammender Bundespräsident würde das Amt für tagespolitische Statements nutzen, die den Inhalten dieser Partei entnommen sind.

Das Schauspiel, das Großbritannien bietet, mag momentan zwar oftmals zumindest ungeordnet wenn nicht chaotisch wirken, auch neutral und nicht nur durch die Brille der deutschen Medien betrachtet, die den britischen Premierminister Boris Johnson als neuen Bösewicht zeichnen, mit dem es an Verwerflichkeit nur Donald Trump aufnehmen kann. Es ist aber zum einen unangebracht, wenn die Medien einer Republik, die in Teilen seit 1949 und in ihrer momentanen Form seit 1990 besteht, einer jahrhundertealten parlamentarischen Monarchie Lektionen über Parlamentarismus geben möchten. Zum anderen können auch jene in Großbritannien, die die Regierungsposition nicht teilen, sich durch ihre strikte Neutralität immer noch mit der Monarchie und damit auch mit den Traditionen ihres Landes identifizieren. Eine vielberedete Spaltung der Gesellschaft ist somit trotz der historischen Bedeutung des umstrittenen Brexit eher unwahrscheinlich. Wenn man jedoch das Pech hat, nicht in einer Monarchie zu leben, sondern dort, wo das Staatsoberhaupt aus Parteiräson gewählt wird, sind tagespolitische Äußerungen schnell getätigt. Wie sollte sich ein Mensch schließlich das abgewöhnen, was er Jahrzehnte getan hat, nur weil er jetzt Präsident ist? Diejenigen, die Steinmeiers Position nicht teilen, können dabei leicht den Eindruck bekommen, daß hier eben nicht nur ein GroKo-Minister oder die CDU-Kanzlerin sprechen, sondern der deutsche Staat und sie werden sich geistig (weiter) von diesem entfernen. Der Bundespräsident spaltet die Gesellschaft, nicht die Queen.

L.R.

Gedenken an Prinz Louis Ferdinand von Preußen

Für Monarchisten ist die Weitergabe der Verantwortung innerhalb eines Hauses immer zwiespältig. Einerseits freut man sich über das junge, frische Gesicht, das nun die neue Verantwortung repräsentiert, und andererseits trauert man um einen Verstorbenen, mit dem einen gute Erinnerungen verbinden.

Prinz Louis Ferdinand mit seinem Enkel und Nachfolger Prinz Georg Friedrich von Preußen

So verhält es sich mit dem 25. September 1994, als Prinz Louis Ferdinand von Preußen im Alter von 86 Jahren starb. Dreiundvierzig Jahre hatte er an der Spitze des Hauses Hohenzollern gestanden und nie auf seine ihm daraus erwachsenden Rechte verzichtet – und sich auch nie gescheut, sie zu betonen, wenn er danach gefragt wurde. Sein Nachfolger wurde der gerade 18-jährige Prinz Georg Friedrich. Sein Silbernes Jubiläum als Hauschef – und damit als Thronprätendent – dürfte er nicht gefeiert haben, weil damit immer auch der Tod seines Großvaters verbunden ist. Diese Einstellung teilt übrigens auch Königin Elizabeth II., die den 6. Februar, der im Vereinigten Königreich und im Commonwealth als Accession Day (Tag der Thronbesteigung) begangen wird, persönlich nie feiert. Das überläßt sie anderen.

Die Urnen mit den sterlichen Überresten von Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kira von Preußen sind im Kapellenboden eingelassen und mit den Wappen des Hauses Preußen bzw. Romanow gekennzeichnet.

In Deutschland wurde am Jahrestag wenigstens an den Tod des langjährigen Thronprätendenten erinnert. Eine kleine Delegation von Corona-Lesern samt Corona-Redakteur gedachten des Prinzen Louis Ferdinand an seiner Begräbnisstätte auf der Burg Hohenzollern. Er wurde im Oktober 1994 in der russisch-orthodoxen Kapelle neben seiner 1967 verstorbenen Gattin, Prinzessin Kira von Preußen zur letzten Ruhe gebettet.

Eine Gedenktafel erinnert in der russisch-orthodoxen Kapelle an Prinz Louis Ferdinand jr (1944 – 1977) und Prinzessin Donata (1950 – 2015), die Eltern von Prinz Georg Friedrich. Beide sind nicht auf Burg Hohenzollern beerdigt.

Gedenktafeln an den Wänden erinnern an die bereits verstorbenen Kinder des Paars. Unter den Ikonen ragt die der heiliggesprochenen Zarenfamilie heraus. Die Ruhe und Schlichtheit der Kapelle korrespondiert mit dem Leben und Wirken der Verstorbenen, die hier bestattet wurden.

Links des Altars sind die Gedenktafeln für die bereits verstorbenen Kinder von Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kira an der Wand zu sehen. Die Tafel rechts des Altars gilt Prinz Friedrich Wilhelm.

Im Zentrum der Ikonen steht die Ikone der heiliggesprochenen 1918 ermordeten Zarenfamilie.

Da die russisch-orthodoxe Kapelle nicht für den allgemeinen Publikumsverkehr geöffnet wird, könnte es wieder einige Jahre dauern, bevor sich die Tür für ein Gedenken öffnet. Vielleicht werden zum 30. Todestag von Prinz Louis Ferdinand am 25. September 2024 einige Getreue mehr den Weg auf die Burg Hohenzollern finden. H.S.

Die russisch-orthodoxe Kapelle auf Burg Hohenzollern.

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Die vollständige 224. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 224

Inhalt der 224. Ausgabe:

  • Gedenken an Prinz Louis Ferdinand von Preußen
  • Persische und iranische Außenpolitik
  • Steinmeier äußert sich parteipolitisch, die Queen nicht

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Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 5

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Friedrich August von Oldenburg – Letzter regierender Grossherzog des Hauses Holstein-Gottorp

Friedrich August von Oldenburg, geboren am 16. November 1852 in Oldenburg und gestorben am 24. Februar 1931 in Rastede, war der älteste Sohn des Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg und somit der vorläufig letzte regierende Großherzog des Landes Oldenburg. Prinz Friedrich August studierte an den Universitäten Bonn, Straßburg und Leipzig, sein Erzieher war der bayerische General Otto von Parseval. 1878 heiratete er die preußische Prinzessin Elisabeth Anna.

Großherzog Friedrich August von Oldenburg

Seine Regentschaft begann am 13. Juni 1900. Großherzog Friedrich August war ein konservativ geprägter Mensch, ein Spiegelbild des Wilhelminismus. Seine Interessen lagen im nautischen und im technischen Bereich. Ähnlich wie der regierende Kaiser hegte er eine Liebe für die Marine und die See und bemühte sich um den Ausbau von Wasserwegen, die Ansiedlung von Industrieunternehmen zur Wirtschaftsförderung des Landes und den Bau von oldenburgischen Häfen an der Weser. Der Großherzog war ein beliebter Monarch, jedoch galt er auch als eigenwillig. Während seiner Amtszeit wurde ein Palais zu Ehren seiner Frau errichtet (Elisabeth-Anna-Palais), jedoch verstarb die Genannte während der Zeit der Bauarbeiten. Auch die Gerichtsbarkeit erhielt neue Anstöße durch den Monarchen, als er beispielsweise das Gesetz zur Einführung der Verwaltungsgerichtbarkeit durch eine Verordnung in Kraft setzte.

Im Ersten Weltkrieg gehörte Friedrich August zum Kreise der Annexionisten, welche eine radikale Umstülpung der europäischen Landkarte zugunsten Deutschlands favorisierten. Am 11. November trat Friedrich August zurück und zog auf das SchloΒ Rastede. In der Nachkriegszeit verkaufte Friedrich August viele Teile seines privaten Kunstbesitzes, um sich weiterfinanzieren zu können. Er starb 1931. Im Nachleben ist Friedrich August vor allem durch seine übermäßig ausgeprägte Begabung im Bereich des Nautisch-Technischen bekannt geworden: Er rettete Schiffbrüchige, er wurde mit hohen Marinetiteln geehrt, er steuerte selber gerne Schiffe, er führte Vorsitz bei der Schiffbautechnischen Gesellschaft, er erfand einen neuen Schiffspropeller etc.. Der Großherzog trat sogar in einem deutschen Spielfilm („Zwei blaue Jungen“) aus dem Jahre 1917 auf.

Ben Gibson

Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 4

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Friedrich II. von Baden – Letzter regierender Grossherzog des Hauses Zähringen

Großherzog Friedrich II. machte formal den Weg frei für die badische Republik mit der Unterzeichnung der Abdankungsurkunde vom 22. November 1918.

Friedrich II. (geboren 9. Juli 1857 in Karlsruhe, gestorben 9. August 1928 in Badenweiler), war der vorläufig letzte Großherzog des Landes Baden und regierte von 1907 bis 1918. Als Sohn des Großherzogs Friedrich I. und seiner Frau Luise, geborene Prinzessin von Preußen, erhielt Friedrich II. zunächst Privatunterricht, bevor er auf das Großherzogliche Friedrich-Gymnasium Karlsruhe wechselte. Friedrich legte die Abiturprüfung 1875 ab und er trat anschließend in den Militärdienst ein. Wie viele andere Monarchen in seiner Zeit studierte auch er Staats- und Rechtswissenschaften sowie Geschichte an der Universität Heidelberg. Am 20. September 1885 heiratete er die Prinzessin Hilda von Nassau. Die Ehe blieb kinderlos, jedoch adoptierten die beiden den Sohn des letzten kaiserlichen Reichskanzlers Prinz Max von Baden, Berthold.

Nach dem Tod Groβherzog Friedrichs I. übernahm Friedrich II. 1907 die Regierungsgeschäfte. Er führte die liberale Politik seines Vaters fort. Während seiner Amtszeit kam es zu Gründungen von neuen Schulen und der Förderung der Kunst. Während der Novemberrevolution kam es in Karlsruhe vor dem Schloβ zu Schießereien und Raufereien. Großherzog Friedrich zog sich daraufhin auf Schloβ Zwingenberg zurück. Am 22. November 1918 unterzeichnete er auf Schloβ Langenstein seine Thronverzichtserklärung. Friedrich II. lebte darauf ein ruhigeres Leben, erblindete im Laufe seiner letzten Jahre jedoch mehr und mehr und reiste kaum noch.

Schließlich starb er im Jahre 1928 und wurde in der großherzoglichen Grabkapelle im Fasanengarten Karlsruhe beigesetzt.

Ben Gibson

Prinz geht juristisch gegen „Die Linke“ vor Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 223

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Georg Friedrich geht juristisch gegen „Die Linke“ vor

Wahlkampf in bester Populistenmanier: Potsdam am 7. August 2019

Der populistische Anti-Hohenzollern-Wahlkampf der Partei „Die Linke” hat bei den Landtagswahlen in Brandenburg nicht verfangen. In Brandenburg (und Sachsen) verzeichnete sie die größten prozentualen Verluste aller Parteien. Trotzdem ist es möglich, daβ sie auch an einer neuen Regierung beteiligt wird. Eine Koalition aus SPD, Linken und Grünen hätte in Brandenburg allerdings nur eine Stimme Mehrheit, während eine Koalition aus SPD, CDU und Grünen über fünf Stimmen Mehrheit verfügt, weswegen vermutet wird, daß Ministerpräsident Dietmar Woidke aufgrund der höheren Stabilität zu letztgenannter Koalition tendiert. Eine abschließende Aussage zu dieser Thematik oder darüber, ob „Die Linke“, wenn sie doch an der Regierung beteiligt wird, weiterhin den Finanzminister stellen wird, welcher den Feldzug gegen die Hohenzollern besonders vorangetrieben hatte, ist aber noch nicht möglich.

Noch kurz vor den Wahlen hatte Noch-Finanzminister Christian Görke eine Entschädigung jedweder Art erneut abgelehnt und wollte den Rechtsstreit zwischen dem Haus Hohenzollern und dem Land Brandenburg wieder aufnehmen. Sollte die Partei aus der Regierungsverantwortung abgelöst werden, kann sie zwar mehr oder weniger laut lärmend gegen die Hohenzollern schießen, während es nicht zu erwarten ist, daß die andere Oppositionspartei, die AfD, sich gegen das alte Königshaus stellt. Jedoch dürfte der Konflikt dann wieder in ruhigere Gewässer kommen und eine Verhandlungslösung scheint realistisch. Andernfalls droht beioiden Parteien ein langjähriger Rechtsstreit.

Klar ist, daß die Linkspartei Post des Anwalts von Prinz Georg Friedrich bekommen hat. Rechtsanwalt Martin Henning geht im Namen des Prinzen juristisch gegen Falschbehauptungen der Partei vor, die jedoch in der freizugänglichen Presse nicht weiter detailliert wurden. Auch verschiedene Zeitungen wie die einst liberalkonservative Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sahen sich zu Richtigstellungen genötigt, da sie fälschlicherweise ein Ende der Verhandlungen verkündet hatten und selbst die World Socialist Web Site, die wir hier nicht verlinken wollen, um ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit zu gewähren, muβte einen Beitrag revidieren.

Bleibt zu hoffen, daß der Prinz den schon jetzt entstandenen Imageschaden wettmachen kann, vielleicht ja, indem er möglichst viel öffentlich in Brandenburg auftritt. L.R.

Königinmutter Elena wird nach Rumänien überführt

Königinmutter Elena mit ihrem Sohn, König Michael I. von Rumänien

Rumänien bereitet sich wieder auf einen königlichen Begräbnisakt vor: Die sterblichen Überreste der Königinmutter Elena werden laut Mitteilung des königlichen Pressebüros repatriiert und am 19. Oktober 2019 in der Neuen Erzbischöflichen und Königlichen Kathedrale in Curtea de Argeș neben dem Grab ihres Sohnes, König Mihai I., beigesetzt. Dem Beschluβ der Hüterin der Krone, Kronprinzessin Margareta, zufolge werde der Sarg der Königinmutter am Freitag, dem 18. Oktober, auf dem Bukarester Flughafen Otopeni eingeflogen.

Die Königinmutter wurde 1896 als Tochter König Konstantins I. und Königin Sophies der Hellenen, einer Schwester Kaiser Wilhelms II., geboren. 1921 heiratete Prinzessin Elena den rumänischen Kronprinzen Carol, von dem sie sich sieben Jahre später scheiden ließ. 1940 erhielt sie den Titel Königinmutter Rumäniens, wurde 1947 vom kommunistischen Regime gezwungen, mit König Mihai I. ins Exil zu gehen und verstarb 1982 in Lausanne.Während des Zweiten Weltkrieges unternahm Königinmutter Elena Bemühungen, um die rumänischen Juden vor der Massenermordung zu retten, wofür sie später mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet wurde. Besonderheit ihres Lebens: Sie war nicht nur die Tochter eines Königs, sondern auch die Schwester von drei griechischen Königen (Alexander I., Georg II. und Paul I.) und auβerdem die Tante einer Königin (Sofía von Spanien).

Ihr geschiedener Mann starb 1953 in Portugal und wurde schon 2003 nach Rumänien überführt. Allerdings war die Grabkapelle nur eine zeitweise Ruhestätte. Am 8. März 2019 wurden die sterblichen Überreste König Carols II. in die Neue Erzbischöfliche und Königliche Kathedrale in Curtea de Argeș überführt. H.S.

König Carol II. wurde im März 2019 in die Neue Erzbischöfliche und Königliche Kathedrale in Curtea de Argeș überführt, wo schon sein Sohn König Michael I. seit 2017 und seine Schwiegertochter Königin Ana seit 2016 liegen.

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Die vollständige 223. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 223

Inhalt der 223. Ausgabe:

  • Georg Friedrich geht juristisch gegen „Die Linke“ vor
  • Ausstellung über König Peter II. von Jugoslawien
  • Königin Margrethe II. zu Besuch in Schleswig
  • Königin Elizabeth II. und der Brexit
  • Königinmutter Elena wird nach Rumänien überführt

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Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 3

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Die königliche Familie von Sachsen sowie Mitglieder der Königsfamilie Beider Sizilien, deren Anwesenheit durch die verwandtschaftlichen Verbindungen deutlich wird. Der Bruder König Friedrich Augusts III. (M.), Prinz Johann Georg (r.) war mit Prinzessin Maria Immacolata Beider Sizilien (2.v.l.) verheiratet.

Friedrich August III. von Sachsen – Letzter regierender König des Hauses Wettin

Friedrich August III., letzter regierender König von Sachsen, wurde geboren am 25. Mai 1865 in Dresden und starb am 18. Februar 1932 auf Schloß Sibyllenort in Schlesien. Er stammte aus der Linie der albertinischen Wettiner und war von 1904 bis 13. November 1918 König. Ab 1874 besuchte Friedrich August das Königliche Gymnasium in Dresden, ab 1884 nahm er an der Straßburger Kaiser-Wilhelm-Universität ein Studium auf und besuchte dort Vorlesungen zu Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte.

Am 15. Oktober 1904 bestieg Friedrich August den Thron. Er folgte seinem Vater, König Georg von Sachsen, auf dem Thron, welcher im Voke äußerst unbeliebt gewesen war. Dennoch bedeutete der Thron für ihn keine absolutistische Herrschaft. Wie in den anderen deutschen Staaten war auch dieser König an eine Verfassung gebunden und Friedrich August mischte sich während seiner ganzen Herrschaft nicht einmal widerrechtlich in die politischen Geschäfte ein. Vielmehr reiste er durch die Provinzen Sachsens und versuchte sich an verschiedensten Reformen. So bemühte er sich um eine Haushaltsreform (erfolgreich), eine Wahlrechtsreform (erfolgreich) und eine umfassende Volksschulreform (gescheitert).

Während des Weltkriegs hegte das Land weitgehende Annexionspläne, welche jedoch allesamt im Sande verliefen. Zudem kam es zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen im Königreich Sachsen. Im letzten Jahr des Krieges kam es zu kleineren Friedensbestrebungen Friedrich Augusts und einer Kabinettsreform, als sich Unruhe aufgrund des Krieges im Volk ausbreitete. Als sich die Novemberrevolution in Sachsen ausbreitete, weigerte sich der König den gerade zu Ende gehenden Krieg auf den Straßen Sachsens fortzuführen. Der König nahm schließlich Quartier auf Schloß Guteborn und unterzeichnete außerhalb der Landesgrenzen seine Thronverzichtserklärung am 13. November. Tags darauf reiste er ins nahe Breslau und begab sich auf das Schloß Sibyllenort, wo er viele Jahre sein Leben verbringen würde.

Am 17. Februar 1932 unternahm Friedrich August einen morgendlichen Ausritt, besuchte die Heilige Messe und besichtigte anschließend die Hofgüter. Abends hatte er zur Skatrunde geladen. Als er gegen 22 Uhr zu Bett ging, deutete nichts auf Beschwerden hin. Am nächsten Morgen fand die Dienerschaft den als körperlich rüstig und geistig gesund geltenden Friedrich August bewußtlos in seinem Bett liegend. Er starb am Abend des 18. Februar um 22:03 Uhr im Alter von 67 Jahren an Lungenlähmung. Um 10 Uhr morgens den 22. Februar, als der Leichnam des Königs am Dresdner Bahnhof eintraf, säumten Hundertausende die Straßen (etwa 500.000). Am folgenden Tag nach der Totenmesse wurde der Sarg in die Neue Gruft der Hofkirche verbracht.

Friedrich August III. war ein überaus bescheidener Monarch. Auf erhöhte Stellung, Privilegien oder Reichtum legte er keinen Wert und er war ein warmherziger, kontaktfreudiger, liebenswürdiger Mensch äußerst populär im Volk. Zwar war er kein großer Kunstliebhaber, doch hinderte ihn dies nicht, Opern, Theater, Kultur- und Bildungseinrichtungen privat zu fördern. Über den letzten König Sachsens sind unzählige (und überaus witzige) Anekdoten erhalten. Noch heute sind viele Denkmäler zu Ehren Friedrich August III. erhalten.

Ben Gibson

Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 2

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Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein – Jüngste Linie des Hauses Hessen

Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein wurde am 25. November 1868 in Darmstadt geboren und war von 1892 bis 1918 der letzte Großherzog des Bundesstaats Hessen-Darmstadt im Deutschen Kaiserreich. Geboren wurde er als Sohn des Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein und seiner Frau Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, Tochter der weltbekannten Queen Victoria.

Im Jahre 1894 heiratete Ernst Ludwig seine Cousine Victoria Melita von Edinburgh, mit welcher er eine Tochter hatte. Er trennte sich jedoch von ihr und heiratete 1905 stattdessen Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich. Der Großherzog studierte von 1889 bis 1890 an der Universität zu Leipzig Rechtswissenschaften und wechselte 1890 dann auf die hessische Universität zu Gießen, wo er 1891 sein Studium beendete.

In der Politik seines Landes galt für Ernst Ludwig: „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst“. So gründete er 1899 die Darmstädter Künstlerkolonie und förderte namhafte Künstler, darunter Hans Christiansen, Peter Behrens und mehr. Zudem schloß er Verträge für eine mit Preußen verhandelte Eisenbahngemeinschaft. Auch als Autor und Komponist war der Großherzog tätig und schuf Theaterstücke sowie kleinere musikalische Werke und einen Gedichtband. Nach dem Beginn der Novemberrevolution 1918 weigerte sich der Großherzog abzudanken und wurde schließlich vom Darmstädter Arbeiter- und Soldatenrat für abgesetzt erklärt. Ernst Ludwig starb am 9. Oktober 1937 in Schloß Wolfsgarten bei Langen und wurde im Park Rosenhöhe in Darmstadt beigesetzt, seinem Wunsch entsprechend neben seiner Tochter Elisabeth.

Monarch aus der Linie HessenKasselRumpenheim

Landgraf Friedrich Karl Ludwig Konstantin  von Hessen (geboren 1. Mai 1868 in Holstein, gestorben 1940 in Kassel) war Ende des Jahres 1918 zwei Monate Land König von Finnland, sein Regentenname lautete Fredrik Kaarle (auf schwedisch Fredrik Karl). Er ist bislang der einzige, welcher je diesen Titel trug. Jedoch mußte er aufgrund äußerer Zeitgeschehnisse am 14. Dezember 1918 auf den Thron verzichten. Somit endete in relativ kurzer Zeitspanne die Geschichte des Königreichs Finnland. Beigesetzt ist Friedrich Karl in der Kapelle der Burg Kronberg im Taunus.

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Prinz Philipp von Hessen mit einem Portraitphoto seines Urgroβvaters, der zum König von Finnland gewählt wurde. Rechts seine Urgroβmutter, Königin Margrethe und die Krone Finnlands im Rücken.

Die letztregierenden Monarchen Deutschlands – Teil 1

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König Ludwig III. von Bayern – Haus Wittelsbach

König Ludwig III. und Kronprinz Rupprecht von Bayern.

König Ludwig III. war ab 1913 bis ins Jahre 1918 der letzte regierende König Bayerns. Geboren 1845 als Sohn des Prinzregenten Luitpold und der Auguste Ferdinande, Erzherzogin von Österreich und Prinzessin der Toskana, war seine kurze Amtszeit geprägt vom Konservativ-Katholischen. Ludwig traf sich oftmals mit Bürgern in einem Lokal in der Türkenstraße und seiner Leidenschaft galt der Landwirtschaft. Karikaturen in Zusammenhang mit seiner Herrschaft nahm er stets mit Humor. Politisch stand er dem Zentrum nahe und in seiner Sozialpolitik lehnte er sich an den „Arbeiterpapst“ Leo XIII. an.

Als der Erste Weltkrieg begann, hegte Ludwig III., wie viele andere deutsche Monarchen auch, verschiedene Kriegsziele, beispielsweise die Angliederung des Elsaβ an Bayern. Viele der anfänglichen Kriegsziele wurden jedoch im Laufe der Kämpfe fallengelassen. Im Februar 1918, anläβlich seiner Goldenen Hochzeit, spendete das Königspaar noch 10 Millionen Mark für wohltätige Zwecke. Trotz der seit längerem gärenden Unzufriedenheit unter der in weiten Teilen notleidenden Bevölkerung traf der Aufruhr den König völlig unvorbereitet. Vom Ausbruch der Revolution soll er am 7. November bei seinem täglichen Nachmittagsspaziergang im Englischen Garten von einem Passanten erfahren haben. Nach seiner Rückkehr in die Residenz fand er diese vom Personal und den Wachen weitgehend verlassen vor. Gegen 19 Uhr erschienen die ersten Demonstranten vor der königlichen Residenz. Philipp von Hellingrath, der bayerische Kriegsminister, muβte eingestehen, daβ in München keine Truppen mehr zur Verfügung standen, um die Monarchie zu verteidigen.  Angesichts der für den König prekären Situation wurde Ludwig III. von Otto von Dandl und Innenminister Friedrich von Brettreich die vorübergehende Flucht empfohlen. Da die Sicherheit des Königs nicht mehr zu gewährleisten war, veranlaβten ihn seine Minister, mit dem restlichen Hofstaat mit Automobilen nach Schloβ Wildenwart im Chiemgau abzureisen. Zusammen mit seiner schwerkranken Frau, drei Töchtern, dem Erbprinzen Albrecht und einem kleinen Hofstaat verließ der König gegen 23 Uhr München in Zivilkleidung. Die drei Mietautos mit den Flüchtenden hatten zwar Schloβ Wildenwart am Chiemsee zum Ziel, später muβte der Troβ aber weiter an den Hintersee in Ramsau bei Berchtesgaden fliehen. Als auch hier die Sicherheit des Königs bedroht schien, entschied man sich schließlich Bayern zu verlassen und im Schloβ Anif nahe Salzburg in Österreich Zuflucht suchen.

Ben Gibson