Das Fürstentum Reuß älterer Linie

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Die Ahnenlinie des Hauses Reuß läßt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Seinen eigentlichen Namen bekam das Haus aber erst im 13. Jahrhundert, weil ein Vogt von Plauen eine Russin, eine Reußin, heiratete. Im Jahr 1564 wurde der Besitzstand des Hauses zwischen einer jüngeren, mittleren und älteren Linie aufgeteilt. Im Jahr 1616 starb die mittlere Linie aus und die Ländereien wurden zwischen den beiden anderen Linien aufgeteilt. 1790 wurde Reuß älterer Linie zum Reichsfürstentum erhoben. 1807 trat es dem Rheinbund, 1815 dem Deutschen Bund und 1833 dem Deutschen Zollverein bei.

Ein Kuriosum ist, daß alle Fürsten aus dem Hause Reuß älterer und jüngerer Linie Heinrich hießen, weil Kaiser Heinrich IV. der Familie im Mittelalter einst Land schenkte, was nicht gerade dazu beigetragen hat, die verschiedenen Fürsten besser auseinanderhalten zu können.

Fürst Heinrich XXII. regierte seit 1859 und führte das Fürstentum somit in das Deutsche Reich, allerdings sehr widerwillig. Seine Abneigung gegen Preußen war pathologisch. Im deutschen Krieg 1866 stand das Fürstentum auf der Seite Österreichs und sollte nach der Niederlage eigentlich an das Fürstentum Reuß jüngerer Linie übergehen, wurde aber letztlich auf Fürsprache der Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach in seiner Selbständigkeit bewahrt. Die Opposition gegen Preußen wurde nach der Reichsgründung fortgesetzt. Das Fürstentum stimmte so ziemlich gegen alles, was im Deutschen Reich passierte, sei es gegen die Intervention in China 1901, gegen die Zivilehe, die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) oder die Sozialistengesetze. Eins auswischen konnte Heinrich XXII. Preußen, als seine Stimme den Ausschlag für die Ansiedlung des Reichsgerichts in Leipzig und nicht in Berlin den Ausschlag gab.

Landeshauptstadt war Greiz. Die nächstgrößeren Städte waren Zeulenroda und Irchwitz. Insgesamt hatte das kleine Fürstentum 1910 rund 70.000 Einwohner. Das Gebiet des Fürstentums war dabei kein einheitliches Gebiet, sondern eher ein Flickenteppich mit verschiedenen Exklaven, die keine Landverbindung mit dem Gebiet um die Hauptstadt Greiz hatten. Im Reichstag und im Bundesrat hatte das Fürstentum je eine Stimme. Eine traditionell sparsame Haushaltspolitik machte das Land zum einzigen im Deutschen Reich ohne Schulden.

1902 stirbt Heinrich XXII. und sein Nachfolger Heinrich XXIV. wird für regierungsunfähig erklärt, da er aufgrund eines Unfalls in seiner Kindheit nicht bei voller physischer und psychischer Gesundheit war. Die Vormundschaft übte daher ab diesem Zeitpunkt Fürst Heinrich XIV. Reuß jüngerer Linie aus. Er beendete umgehend den Konfliktkurs gegenüber dem Zentralstaat, dem Deutschen Reich, wurde aber 1908 selbst regierungsunfähig, weswegen sein Sohn die Regentschaft übernahm und nach dem Tod seines Vaters 1913 als Fürst Heinrich der XVII. über das Fürstentum Reuß jüngerer Linie herrschte, während es bis zum Ende des 1. Weltkrieges nicht gelang, für Reuß älterer Linie eine dauerhafte Lösung zu finden und er dort nur die Regentschaft ausübte. Nach dem Tod des Fürsten wurde Heinrich der XLV. Chef des Hauses. Dieser wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt nach August 1945 vom sowjetischen Militär ermordet, womit auch die jüngere Linie des Hauses eigentlich ausgestorben ist. Rechtsnachfolger ist heute die Nebenlinie Reuß-Köstritz, die ihren Sitz auf Schloß Ernstbrunn in Niederösterreich hat. Kaiserin Hermine, die zweite Frau Wilhelms II., war eine geborene Prinzessin Reuß. Das Land Reuß älterer Linie vereinigte sich 1919 mit dem jüngerer Linie, ging aber schon 1920 in Thüringen auf. Corona berichtete am 1. Juli 2012 über den Tod von Fürst Heinrich IV. Reuß.

L.R.

Die Großherzöge von Hessen

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Das Großherzogtum Hessen beinhaltete viele Gebiete des heutigen Hessen, jedoch gehörten die preußische Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck und Pyrmont nicht dazu. Die Großherzöge kamen aus dem Hause Brabant, deren Linie sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Im Mittelalter zerfiel das Haus und Hessen wurde unter zahlreichen Seitenlinien wie zum Beispiel Hessen-Homburg, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Rotenburg, Eschwege, Rheinfels-Rotenburg und Rheinfels-Wanfried geteilt und anschließend mehr oder weniger wieder zusammengeführt. 1806 wurde das Land Großherzogtum und Mitglied des Rheinbunds, nachdem Napoleon diesbezüglich starken Druck ausgeübt hatte, weil der vormalige Landgraf und jetzige Großherzog Ludwig eher Preußen zugeneigt war. Die Großherzöge führten den Titel „von Hessen und bei Rhein“. 1815 trat das Großherzogtum dem Deutschen Bund bei, trat Westfalen an Preußen ab und wurde mit Rheinhessen entschädigt. Eine landständische Verfassung wurde verabschiedet. Im Gegensatz zu früheren Konflikten stand das Land 1866 an der Seite Österreichs gegen Preußen, was vor allem auf Ministerpräsident von Dalwigk zurückzuführen war, und mußte nach der Niederlage des Landes wieder gegen eine Entschädigung durch Gebiete kleinerer Staaten Territorium an Preußen abtreten, schloß dann eine Militärkonvention mit Preußen und der nördlich des Mains gelegene Teil Hessens wurde Teil des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde das gesamte Großherzogtum Bundesstaat des Deutschen Reichs.

Das Land stellte drei Abgeordnete im Bundesrat und neun im Reichstag. Die Landesfarben waren rot, weiß und rot. Im hessischen Zweikammersystem bestand die erste Kammer aus ernannten und die zweite aus von Wahlmännern gewählten Abgeordneten. Da die erste Kammer umfangreiche Vetorechte besaß, kann das politische System als konservativ bezeichnet werden. 1910 hatte das Land rund 1,3 Mio. Einwohner. Da die Bevölkerung rapide wuchs, setzten sich der Großherzog, Adlige und Industrielle für den sozialen Wohnungsbau ein. Zu den Streitkräften stellte Hessen eine geschlossene Division. Wirtschaftlich lebte das Land von Agrarwirtschaft, vor allem Weinanbau, und der Chemie- und Lederindustrie. Die Großherzöge waren gleichzeitig Oberhaupt der evangelischen Landeskirche.

Erster Großherzog im neuen Kaiserreich war der schon seit 1848 regierende Ludwig III. Er galt nicht gerade als ein Freund Preußens oder der deutschen Einheit und blieb auch der Reichsgründung in Versailles fern. Allerdings hatte er sich zu diesem Zeitpunkt auch schon weitgehend von den Regierungsgeschäften zurückgezogen und überließ diese seinem Neffen, dem späteren Ludwig IV. An den Verhandlungen zur Reichsgründung nahm allerdings Ministerpräsident von Dalwigk teil, der aufgrund seiner Parteinahme für Österreich 1866 nicht gerade beliebt bei Bismarck war. So war dann Hessen auch das einzige Land, welches im deutschen Föderalismus keine Sonderrechte eingeräumt bekam. Ludwig III. verschied 1877 und Ludwig IV. trat dann auch offiziell seine Nachfolge an. Dieser war, ähnlich wie Kaiser Friedrich III., mit einer englischen Prinzessin verheiratet und somit Schwiegersohn von Königin Victoria von England. Anders als sein Onkel war er jedoch wieder propreußisch orientiert und integrierte Hessen in das neue Deutsche Reich. Die Politik des Landes konzentrierte sich auf die Reformierung der Verwaltung. Ludwig IV. starb 1892 an einem Schlaganfall.

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein

Ihm folgte mit 23 Jahren sein Sohn Ernst Ludwig auf den hessischen Thron. Er widmete sich der Förderung von Architektur und Kunst, so wurde Hessen zu einem wichtigen Zentrum des Jugendstils. Ansonsten ging er vor allem seiner militärischen Laufbahn nach. Im 1. Weltkrieg bekleidete er den Generalsrang und war dem kaiserlichen Hauptquartier zugeordnet, die Familie engagierte sich außerdem für die Verwundeten. Ernst Ludwig kann als beliebter Monarch angesehen werden, wurde am 9. November 1918 jedoch auch von einem Arbeiter- und Soldatenrat für abgesetzt erklärt. Neben dem König von Bayern und dem Fürsten von Waldeck-Pyrmont dankte der Großherzog von Hessen jedoch nie formell ab. Er entband seine Bediensteten 1919 lediglich von ihrem Treueeid. Da sein erstgeborener Sohn bei einem Flugzeugunfall ums Leben kam, wurde bei seinem Tod 1937 der Zweitgeborene Sohn Ludwig neuer Chef des Hauses. Dieser galt in Zeiten des Nationalsozialismus wegen seiner englischen Gattin als politisch unzuverlässig und wurde im Zuge des Prinzenerlaß aus der Wehrmacht ausgemustert. Später widmete er sich dem Wiederaufbau Darmstadts und anderer Orte. Da seine Ehe kinderlos blieb, adoptierte er Moritz von Hessen-Kassel, also einen Angehörigen einer Nebenlinie. Heutiger Chef des Hauses ist seit 2013 der 1966 geborene Unternehmer Landgraf Heinrich Donatus von Hessen.

L.R.

Der Chef des Gesamthauses Hessen: Landgraf Donatus, Landgräfin Floria, geborene Gräfin von Faber-Castell, mit ihren Kindern, vorne Erbprinz Moritz von Hessen, seine Zwillingsschwester Prinzessin Pauline (*26. März 2007) und der 2012 geborene Prinz August.

Königin Elizabeth II. zum 95. Geburtstag

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Links die Schlagzeile 1947 zur Verlobung und rechts 2021 zum Trauergottesdienst

Nur vier Tage, nachdem ihr Ehemann zur zeitweiligen Ruhe in die Krypta der St. George’s Chapel gebettet wurde, feiert Königin Elizabeth II., Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Königreiche und Territorien, Oberhaupt des Commonwealths, Verteidigerin des Glaubens ihren 95. Geburtstag. Wie sehr die Coronapandemie ins Leben aller Menschen eingreift, war an der Monarchin zu erkennen. Nicht einmal ihr gönnten die regierungsamtlich verordneten Beschränkungen ein tröstendes Beisammensein mit Familienangehörigen.

Wenn es ein Symbol für die vereinsamenden Maßnahmen der letzten Monate braucht, dann liefert es die einsame Königin im Chorgestühl der Kapelle.

Nur 30 Angehörigen war die Teilnahme gestattet. Bis ins kleinste hatte der verstorbene Prinz Philip seine Beerdigung geplant, von der Musik bis zum militärischen Zeremoniell. Er bestimmte, daß Offiziere aus Australien, Kanada, Neuseeland und Trididad und Tobago das Commonwealth repräsentierten. In drei dieser Länder ist Königin Elizabeth auch Staatsoberhaupt und Prinz Philip bereiste alle Länder des Commonwealths (vielleicht mit Ausnahme der neuaufgenommenen und eher nichtbritischen Staaten Rwanda und Moçambique). Australien hatte er als Marineoffizier sogar schon 1940 besucht, da war noch nicht einmal absehbar, daß er dereinst der Ehemann der Königin von Australien werden würde. 1956 eröffnete er in ihrer Stellvertretung die Olympischen Spiele in Melbourne.

Teilnehmer am Trauergottesdienst und die Sitzordnung in der St. George’s Chapel.

Nach seiner Festlegung reisten auch drei Vertreter des deutschen Hochadels nach Windsor. Der Enkel seiner Schwester Theodora, Erbprinz Bernhard von Baden, nahm den Platz seines Vater, Markgraf Max von Baden (*1933) ein, Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg hat Prinzessin Margarita, Prinz Philips älteste Schwester zur Großmutter und nur Landgraf Donatus von Hessen hat keine unmittelbaren verwandtschaftlichen Verbindungen zu Prinz Philip (natürlich aber die gemeinsame Vorfahrin Königin Victoria). Allerdings ist das Haus Battenberg, aus dem Prinz Philips Mutter, Prinzessin Alice, stammt, eine Seitenlinie des Hauses Hessen und zwei Schwestern von Prinz Philip hatten Angehörige der Häuser Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt geheiratet. Seine Besuche bei den hessischen Verwandten sind legendär und in zahlreichen Fernsehdokumentationen festgehalten.

Die persönliche Standarte, die den Sarg von Prinz Philip einhüllte, zeigte in den vier Feldern Herkunft und Gegenwart: Oben links drei Löwen und Herzen aus dem Wappen der dänischen Königsfamilie, oben rechts das weiße Kreuz auf blauem Grund aus der griechischen Nationalflagge, unten links schwarze und weiße Streifen aus dem Wappen der Familie von Philips Mutter, Mountbatten (Battenberg) und unten rechts die Burg als Symbol für Edinburgh. 

Spekulationen und Gerüchte, wie es nun mit der Königin oder gar mit der Monarchie weitergehen werde, werden eifrig entworfen und gestreut, doch niemand kann mit Bestimmtheit sichere Aussagen treffen. Die Königin hat bei ihrer Krönung einen heiligen Eid geschworen, bis zum Ende ihre Aufgaben als Monarchin zu erfüllen. Dies wird sie auf andere Weise tun als ihre Ururgroßmutter Königin Victoria, die als trauernde Witwe sich der Welt entzog und dabei oft – und mehr als gut war für die Rolle der Krone – dem Kabinett Entscheidungsfreiheit erteilt. Es wird im Fall von Königin Elizabeth einen vorsichtigen Weg zurück an die Öffentlichkeit geben. Sie wird ihre Aufgaben wie gewohnt wahrnehmen, wobei ihre Auftritte kürzer und mit größeren Intervallen sein werden.

Zu ihrem 95. Geburtstag entbietet Corona die besten Wünsche. Many happy returns of this day, Your Majesty!

Gedenken an Kaiserin Auguste Viktoria Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 251

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Kaiserin Auguste Viktoria erfährt eine späte Anerkennung

Wilhelm I. und Bismarck betrachteten die 1858 geborene Auguste Viktoria Friederike Luise Feodora Jenny von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg als keine gute Partie. Man hätte wohl eine ausländische Prinzessin bevorzugt, um die Verbindungen mit anderen Dynastien zu stärken. Prinz Wilhelm mußte daher den Widerstand in seinem Umfeld brechen, um seine Auserwählte, die er schon 1868 kennengelernt hatte, heiraten zu dürfen. Es gab immer einmal wieder Biographien, die dem Kaiser aufgrund seines männlichen Umfeldes bei den Nordlandreisen Homosexualität oder auf der anderen Seite Affären mit anderen Frauen unterstellten. Es ist aber vielmehr anzunehmen, daß Wilhelm II. und die spätere Kaiserin sich wirklich geliebt haben. 1881 war es dann so weit, und das Paar durfte heiraten.

Passend zum 100. Todestag veröffentlichte Jörg Kirschstein eine Biographie über die Kaiserin. Sie erschien im Be.Bra-Verlag.

Für die Norddeutsche bedurfte es einer Zeit der Eingewöhnung am Berliner Hof, da Monarchen nun einmal kaum Privatleben haben. Sie fand sich jedoch recht schnell zurecht und widmete sich vor allem karitativen Tätigkeiten, etwa im Rahmen des Kirchenbaus und Sanatorien. Später stand die Kaiserin, die mit Wilhelm II. insgesamt sieben Kinder hatte, ihrem Mann bei politischen Krisen zur Seite. Wilhelm II. hatte eine schnelle Auffassungsgabe und auch ein Gespür für Entwicklungen wie etwa in der Technik und auch im sozialen Bereich. Auf der anderen Seite war er jedoch bei Dingen, die langfristigere Bemühungen brauchten, wie die diplomatischen Beziehungen, zu sprunghaft und konnte oftmals nicht abwarten, wenn es keine schnellen Ergebnisse gab. Hier stand ihm die Kaiserin zunehmend zur Seite. Dies galt in etwa ab der Zeit seit der Daily-Telegraph-Affäre von 1908, für die der Kaiser zu Hause und international kritisiert wurde. Im Krieg wurde die Kaiserin dann zur wichtigsten Stütze für ihren Mann, der den Weltenbrand nicht wollte, ihn aber nicht verhinderte und auch nicht die Kraft hatte, nach Lösungen jenseits des von den Militärs propagierten totalen Siegfriedens zu suchen. Immer wieder mußte sie ihn aufrichten, als die Dinge sich ungünstig entwickelten. Als es dem Ende entgegenging, versuchte Auguste Viktoria, die Monarchie zu retten, indem sie den Kanzler Max von Baden zusammenfaltete, da dieser aus ihrer Sicht nicht genug dafür tat. Jedoch war es da schon zu spät.

Es ist eine Tragödie, daß die Menschen, die damals das Kaiserreich leiteten, dem immensen Druck nicht gewachsen waren. Wilhelm II., Reichskanzler Prinz Max von Baden und General Ludendorff erlitten gegen Ende des Krieges Nervenzusammenbrüche, während die Kaiserin einen ersten Schlaganfall hatte. Der einzige, der von Natur aus zu einer ehernen Ruhe neigte, war ausgerechnet der vor allem auf sich selbst bedachte Hindenburg, der lieber sich als die Hohenzollern retten wollte.

Im Exil, wohin die Kaiserin ihrem Mann Ende November 1918 nachreiste, war die Kaiserin eine gebrochene Frau, die kurze Zeit nach einem zweiten Schlaganfall im holländischen Exil verstarb. Am 11. April jährte sich der Tod von Kaiserin Auguste Viktoria nun zum 100. Mal. Zu ihrem Begräbnis in Potsdam erschienen über 100.000 Menschen, was gleichzeitig die größte Demonstration zu Gunsten der Monarchie in der Weimarer Republik darstellte, weil politische Demonstrationen dafür verboten waren. Deutsche Medien gedachten der Kaiserin zu ihrem 100. Todestag in erstaunlichem Maße. Das Bild der gutmütigen, aber einfältigen Auguste Viktoria erfährt einen Wandel hin zu einer starken Frau, die ihren Mann und das Deutsche Reich durch schwierige Zeiten begleitete. L.R.

Gedenken zum 100. Todestag der Kaiserin Auguste Viktoria in Potsdam

SKH Prinz Georg Friedrich und IKH Prinzessin Sophie von Preußen beim Verlassen des Antikentempels in Potsdam. Kaiserin Auguste Viktoria ist die Ururgroßmutter des heutigen Hohenzollernchefs.

Am vergangenen Sonntag – genau einhundert Jahre nach dem Tod der Kaiserin –  gedachte der Chef des Hauses Hohenzollern, Prinz Georg Friedrich von Preußen, im Rahmen einer Andacht im Antikentempel dieses historischen Ereignisses. Ein anschließender Gottesdienst beschloß die Feierlichkeiten in engstem Familienkreis.

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Die vollständige 251. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 251. Ausgabe:

  • 100. Todestag von Kaiserin Auguste Viktoria
  • Chef des Hauses Hohenzollern würdigt verstorbenen Herzog von Edinburgh
  • Staatsstreich in Jordanien vereitelt?
  • Die vielen Facetten von Prinz Philip

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Prinz Philip, der Herzog von Edinburgh ist tot

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Ein bemerkenswertes Leben endete am 9. April 2021. Es umspannte nicht nur fast einhundert Jahre, sondern auch zahlreiche Brüche, viele Neuanfänge und viele Impulse, die von dem ausgingen, der am 10. Juni 1921 auf Korfu im Königreich Griechenland als Seine Königliche Hoheit Prinz Filippos von Griechenland und Dänemark geboren wurde.

Nach dem Scheitern der Megali Idea und der folgenden Kleinasiatischen Katastrophe suchten griechische Politiker nach Sündenböcken und fanden sie in der Königsfamilie. Unter anderem wurde Philips Vater, Prinz Andreas, zum Tod verurteilt und 1924 die Republik ausgerufen. Die Angehörigen der griechischen Königsfamilie mußte ins Exil gehen und sie wählten sehr verschiedene Zufluchtsorte – von Bukarest über Florenz bis nach Salem am Bodensee. Dem kleinen Philip war im Ausland die Trennung seiner Eltern keine Hilfe, wobei seine Mutter in verschiedene Nervenheilanstalten eingeliefert wurde, um sie – nach damaliger Auffassung – von ihren Halluzinationen zu befreien.

Prinz Philips ältere Schwestern hatten deutsche Prinzen geheiratet und nahmen sich des kleineren Bruders an.

Prinzessin Margarita (1905 bis 1981) heiratete 1931 Fürst Gottfried von Hohenlohe-Langenburg (1897 bis 1960)

Prinzessin Theodora (1906 bis 1969) heiratete 1931 Markgraf Berthold von Baden ( 1906 bis 1963)

Prinzessin Cecilia (1911 bis 1937) heiratete 1931 Erbgroßherzog Georg Donatus von Hessen-Darmstadt (1906 bis 1937)

Prinzessin Sophia (1914 bis 2001) heiratete 1930 Prinz Christoph von Hessen-Kassel (1901 bis 1943) und 1946 Prinz Georg von Hannover (1915 bis 2006)

Sein badischer Schwager, Markgraf Berthold, eröffnete ihm die Möglichkeit, im Schloßinternat Salem eine solide Ausbildung zu erleben. Salem galt seit der Gründung durch Prinz Max von Baden als Reformschule, die unter der Leitung von Kurt Hahn einen hervorragenden Ruf genoß. Als Jude konnte Hahn seine Arbeit 1933 in Deutschland nicht fortsetzen. Er emigrierte nach Großbritannien und setzte in Gordonstoun seine pädagogischen Prinzipien um. Prinz Philip folgte ihm an die Schule in Schottland, die ihn wesentlich formte. Ausfluß der Hahn’schen Ideen war unter anderem das Duke of Edinburgh Award Scheme, mit dem junge Leute dabei unterstützt werden, etwas Besonderes zu unternehmen und ihre Grenzen zu erweitern. Die Gebiete sind vielfältig und junge Menschen sind frei in der Wahl der „Challenge“, die sich sich auferlegen wollen.

Doch vor der Gründung dieses besonderen Jugendwerks stand die Marineausbildung und der Kriegsdienst im 2. Weltkrieg bei der Royal Navy. Kamen später Vorwürfe auf, seine deutschen Verwandten seien fanatische Nazis gewesen, konnten die Verteidiger von Prinz Philip immer auf seinen mit Auszeichnungen belohnten Einsatz gegen die Feinde Großbritanniens verweisen.

Schon während seiner seemännischen Ausbildung am Royal Navel College, Dartmouth, traf er auf Prinzessin Elizabeth, die seit 1936 als Erbin der Krone feststand. Als Dreizehnjährige verguckte sie sich bereits in den feschen Seekadetten und es geht die Sage, sie habe fortan sein Bild in ihrem Zimmer aufbewahrt. 1947 durften sie – ohne die deutsche Verwandtschaft – heiraten und bereits ein Jahr später wurde Thronfolger Prinz Charles geboren, 1950 gefolgt von Prinzessin Anne.

Mit der Thronbesteigung von Elizabeth wuchs er unter Mühen in die Rolle des Prinzgemahls. Wie er selbst einmal in einem Interview gestand, gibt es für den Platz neben der Monarchin kein Drehbuch. Er stand Prinz Bernhard der Niederlande oder Prinz Henrik von Dänemark, zwei „Kollegen“ mit ähnlichen Aufgaben, nahe und auch die beiden klagten mitunter, daß sie sich nicht richtig gewürdigt fühlten neben ihren Monarchenfrau. Prinz Henrik nutzte sein künstlerisches Talent, um sich einen eigenen Bereich zu erarbeiten. Prinz Philip und Prinz Bernhard professionalisierten den Schutz der Tierwelt mit der Schaffung des World Wildlife Fund.

Was den Tod von Prinz Philip so schmerzhaft macht, ist der Verlust eines unabhängigen Menschen. Er war in ein Korsett von Konventionen und verfassungsrechtlichen Einschränkungen gezwängt, aber er sagte immer sehr deutlich, was er dachte und scherte sich wenig darum, ob das nun der political correctness entsprach oder nicht. Denen, die das kritisieren, sei geraten, sich in seine Situation zu versetzen und zu überlegen, wie sie denn mit wildfremden Menschen Konversation betreiben würden, die einem in einer Ausstellungseröffnung, am Straßenrand oder bei einem Stehempfang auflauern und nur darauf warten, daß ein Wort fällt, das negativ ausgelegt werden könnte. Unter dieser Prämisse waren die geistreichen Bemerkungen von Prinz Philip kein Schritt in irgendein Fettnäpfchen, sondern kleine Bosheiten, die niemanden beleidigen, aber Interesse erkennen lassen sollten.

Seinen letzten Deutschlandbesuch absolvierte Prinz Philip als Begleiter der Königin auf einem Staatsbesuch. Es bleibt als eine unvergeßliche Geste, daß die beiden am 26. Juni 2015 das von britischen Truppen befreite Konzentrationslager Bergen-Belsen besuchten. In seinen letzten Stunden auf deutschem Boden hielt Prinz Philip vor dem Mahnmal des Central Jewish Commitee inne. Niemand kann wissen, was ihm dabei durch den Kopf ging. Ob er an seine Mutter, Prinzessin Alice von Griechenland und Dänemark dachte, die für ihren Einsatz für verfolgte Juden am 31. Oktober 1994 in einer Zeremonie in Yad Vashem als eine Gerechte unter den Völkern mit einer Baumpflanzung geehrt wurde.

Prinz Philip während seines Besuch im KZ Bergen-Belsen

Prinz Philip hat sich seines Geburtslandes und des Landes, in dem er als Prinzgemahl diente, sowie des Commonwealths, dessen Völkerfamilie er in zahllosen Reisen kennenlernte, würdig erwiesen. Sein Tod hinterläßt eine große Lücke.

„Volksinitiative“ gegen die Hohenzollern Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 250

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Volksinitiative gegen Hohenzollern nach Fristverlängerung erfolgreich

Die von der Linkspartei angestrebte Volksinitiative hat nach mehrfacher Verlängerung der hierfür vorgesehenen Frist das notwendige Quorum erreicht. Insgesamt unterschrieben etwa 23.000 in Brandenburg ansässige Menschen. Damit muß sich jetzt der dortige Landtag mit dem Thema befassen – nicht mehr und nicht weniger als das. Selbiger Landtag tagt übrigens in einem Hohenzollernschloß in Potsdam. Lange hat es so ausgesehen, als ob das Volk der SED-Nachfolgepartei bei dieser Volksinitiative nicht beistehen wolle. Jedoch wurde das Datum, zu welchem die Unterschriften zwingend zusammenkommen mußten, coronabedingt mehrfach nach hinten verlegt. Am Ende sind also die Unterschriften zusammengekommen. Daß dies in eine entsprechende Entscheidung des brandenburgischen Landtages mündet, ist jedoch unwahrscheinlich.

Im renovierten Stadtschloß von Potsdam hat der Landtag Brandenburgs seit 2014 seinen Sitz.

Die Linkspartei hatte die Initiative als Manöver im Zuge der damaligen Landtagswahlen gestartet, das war noch Mitte 2019. Die Dauer der Unterschriftensammlung auf Corona zu schieben, ist dabei nicht wirklich einleuchtend, denn die Mehrzahl der Menschen hat im Lockdown ja eher mehr als weniger Zeit, da zahlreiche Freizeitaktivitäten entfallen. Dies spricht also doch dafür, daß die Hohenzollern bei den Ostdeutschen beliebter sind, als von den Medien suggeriert wird, zumindest bei jenem Teil, der keine Sympathien für das Ancien Régime empfindet, dem die Linkspartei entstammt. Man würde sich durchaus wünschen, daß das Kaiserhaus dem Rechnung tragen würde, und sich öfter in seinen ehemaligen Stammlanden auch jenseits von Potsdam und Berlin zeigte.

Trotzdem ist es immer wahrscheinlicher, daß es zu einem Gerichtsprozeß kommt, denn Berlin hat schon angekündigt, daß es mit den Hohenzollern nicht verhandeln möchte und in Brandenburg ist die Volksinitiative hierfür auch nicht hilfreich. Staatsfinanzierung durch die EZB, Beobachtung der größten Oppositionspartei durch den Verfassungsschutz, Frauenquote in Parlamenten – in immer schnellerer Geschwindigkeit entscheiden die Gerichte zu wichtigen Themen diametral entgegengesetzt zur Position der Regierenden. Im Streit mit den Hohenzollern bahnt sich die nächste juristische Ohrfeige für den Staat an. L.R.

Zulu-König Goodwill Zwelithini gestorben

In Südafrika starb am 12. März König Goodwill Zwelithini kaBhekuzulu an den Folgen seiner Diabeteserkrankung. Er wurde 72 Jahre alt. Mit rund 10 Millionen stellen die Zulu die größte Ethnie Südafrikas und Goodwill war der achte Monarch dieses Volkes. Er amtierte seit 1968. Sein Vater, König Cyprian Bhekuzulu, hatte ihn zur Nachfolge bestimmt und nach einer Übergangszeit wurde er am 3. Dezember 1971 mit traditionellen Riten in seine Funktion eingeführt. Seinen eigenen Nachfolger wird die Familie unter seinen 28 Kindern auswählen.

Der am 12. März verstorbene Zulu-König Goodwill Zwelithini kaBhekuzulu bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte 2020.

Nachdem König Goodwill durch ein turbulentes halbes Jahrhundert regierte, kommen auf den nächsten König ganz neue Herausforderungen zu. Er (oder vielleicht sogar eine Sie?) wird sich dagegen stemmen, daß die Zulu-Nation sich auflöst und im südafrikanischen Staat verschwindet. Bereits heute lebt ein großer Teil der Zulu nicht im traditionellen Gebiet, sondern in den Groß- und Minenstädten des Landes. Dort gelten weder die alten Riten noch überkommene Abhängigkeiten. Die Verbundenheit mit

dem Königshaus dürfte bei vielen noch stärker vorhanden sein, aber die kulturellen Bräuche geraten in Vergessenheit.

Die Überparteilichkeit des neuen Königs gerät in eine Bewährungsprobe, denn in der Heimatprovinz KwaZulu-Natal stehen sich zwei rivalisierende Parteien gegenüber: Der Südafrika regierende ANC und die IFP (Inkatha Freedom Party), die einst unter der Apartheid mit ihrem Parteiführer Prince Mangosuthu Buthelezi Hauptsprecher der Zulus war, kämpfen um die Vorherrschaft – nicht nur in KwaZulu-Natal. Vom neuen König wird auch erwartet, daß er den bei der Modernisierung des Landes zu kurz gekommenen Zulus Unterstützung anbietet.  H. S.

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Die vollständige 250. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 250. Ausgabe:

  • Volksinitiative gegen Hohenzollern nach Fristverlängerung erfolgreich
  • Südafrika: Zulu-König Goodwill Zwelithini gestorben
  • Prinz Philip verläßt Krankenhaus
  • Neue Biographie über Prinzessin Olga von Jugoslawien

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Rückerstattungsstreit David gegen Goliath Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 249

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Prinz Georg Friedrich siegt in weiterer Gerichtsentscheidung gegen Historiker

Die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten, die dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg gehört, will drei Viertel von Schloß Cecilienhof für 20 Jahre an eine Hotelgruppe vermieten.

Der Entschädigungsstreit zwischen dem Bund und dem Land Brandenburg einerseits und den Hohenzollern andererseits ist ein Kampf von David gegen Goliath, wobei das Kräfteverhältnis anders ist, als Goliath uns glauben machen möchte: Auf der einen Seite steht der Staat mit seinem ihm affinen Medienapparat und Historikern, die an ihren Universitäten auf staatliche Fördermittel angewiesen sind, und auf der anderen Seite steht Deutschlands ehemaliges Kaiserhaus. Ironischerweise wird in selbigen staatsaffinen Medien genau das gegenteilige Bild gezeichnet: Die Hohenzollern würden mit Abmahnungen gegen Historiker in den freien Diskurs der Wissenschaft eingreifen und das sei dann irgendwie unfair. Wissenschaftler würden so in ihrer Arbeit behindert werden. Hierbei handele es sich um eine Einschüchterungskampagne des Kaiserhauses, wie es unter anderem in einem Kommentar der Potsdamer Neuesten Nachrichten heißt. Das Wort „Einschüchterungskampagne“ muß man sich dabei einmal auf der Zunge zergehen lassen, wenn man berücksichtigt, daß das Kaiserhaus seit Monaten in die Nähe des Nationalsozialismus gerückt wird, um es von seinen Forderungen abzubringen.

In Berlin haben die Hohenzollern jetzt einen weiteren Prozeß gewonnen, dieses Mal gegen den recht unbekannten Historiker Winfried Süß. Die Historikerin Karina Urbach hatte sich nach einer Abmahnung durch das Kaiserhaus bereits weitgehend aus der Debatte zurückgezogen. Süß darf jetzt nicht mehr behaupten, daß das Kaiserhaus versuchen würde, Einfluß auf die historische Deutung der Hohenzollern zu nehmen und ein Mitspracherecht hierfür zu erreichen.

Derweil vermietet die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten, die dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg gehört, drei Viertel von Schloß Cecilienhof für 20 Jahre an eine Hotelgruppe. Dies soll unter dem Motto „Geschichte leben“ stattfinden. Von den Verhandlungen zwischen Kronprinz Georg Friedrich und dem Land Brandenburg war bekannt gewor-den, daß auch ein Wohnrecht auf Cecilienhof für einen gewissen Zeitraum im Gespräch war. Dies wurde von den Medien verurteilt. Die Hohenzollern haben wohl offenbar nichts mit der Geschichte zu tun, die in Cecilienhof gelebt werden soll. Man würde sich wünschen, daß die kritische Berichterstattung, die die Hohenzollern als geldgierig darstellt, auch in bezug auf die Länder Berlin und Brandenburg angewendet werden würde. Man darf also David – unserem Kaiserhaus – viel Glück wünschen, sich weiter-hin gegen Goliath und seine Anwürfe und Verunglimpfungskampagnen in den Medien zur Wehr zu setzen. L.R.

International Monarchistischer Kongress

F.I.MO – Fórum Internacional Monárquico – São Paulo, Brasil Capital Monárquica Mundial 2021

Es gab immer wieder Versuche, einen internationalen Zusammenschluß monarchistischer Gruppen zu erreichen. Keinem war dauerhafter Erfolg beschieden. Nun hat die Unión Monárquica de España die Initiative ergriffen und betreibt das Fórum Internacional Monárquico (FIMO). Dessen Generalsekretär Prince Gharios El Chemor of Ghassan Al-Nu’man VIII ist zugleich FIMO-Repräsentant in den USA und im Libanon. Für 2021 ist ein internationaler Kongress in São Paulo, Brasilien, geplant: AGENDA 2.021 „Sao Paulo Ciudad Monárquica 2021“. Erwartet werden Vertreter von 30 monarchistischen Gruppen.

Weitere Informationen bei: fimo@unionmonarquica.es

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Die vollständige 249. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 249. Ausgabe:

  • Georg Friedrich siegt in weiterer Gerichtsentscheidung gegen Historiker
  • Prinz Georg Friedrich verzichtet auf Eilverfahren vor Landgericht Berlin
  • Das Königreich Marokko: Wie eine Impfkampagne funktionieren kann
  • Medienzirkus à la Hollywood

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Von der Grünen Bundestagsfraktion geladene Experten geben erwartete Antworten Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 248

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Grüne Bundestagsfraktion lud ihre Experten zur Frage der Entschädigung des Hauses Hohenzollern ein

Wenn die Grünen eine Veranstaltung zu den Hohenzollern organisieren, ist das ihr Recht als politische Gruppierung, die die Interessen ihrer Wählerschaft vertritt. Die Zusammenstellung der von den Grünen in den Bundestag eingeladenen Historikergruppe und das Ergebnis der Veranstaltung kann dann auch niemanden überraschen: Die Hohenzollern sind böse, sie hätten dem Nationalsozialismus nahegestanden, man sollte sie nicht entschädigen, usw. Die Historiker Eckhard Conze und Stephan Malinowski, der in Schottland unterrichtet, stehen mit ihren Meinungen über den Kronprinzen Wilhelm am äußersten (linken) Rand der Forschungsgemeinschaft und versuchen geradezu zwanghaft, die These zu belegen, Kronprinz Wilhelm habe dem Nationalsozialismus wesentlichen Vorschub geleistet. Der Rest der Besetzung dieser Gruppe, die auch aus den Grünen gewogenen Juristen bestand, hob sich davon nicht ab. Im wissenschaftlichen Jargon hört sich das etwa so an: Die Hohenzollern hätten Mittel und Motiv gehabt, um dem Nationalsozialismus Vorschub zu leisten. Wie gesagt, es ist das gute Recht einer politischen Partei, ihre Meinung diesbezüglich kundzutun. Auf einer CDU-, FDP- oder AfD-Veranstaltung zu diesem Thema wäre man sicher zu diametral entgegengesetzten Schlußfolgerungen gekommen.

Der eigentliche Skandal liegt aber einmal mehr darin, daß Medien diese Veranstaltung aufgreifen, als sei sie ein Ereignis mit objektiven Ergebnissen, wie beispielsweise die FAZ, dieses eemals ehrbare konservative Blatt.  Die Einseitigkeit der Berichterstattung zu den Hohenzollern jenseits von Nischenpublikationen in Deutschland oder ausländischen Medien hat in der Tat Züge angenommen, die manch einen an die DDR erinnern mögen, wobei zur Ehrenrettung der DDR gesagt sei, daß diese die Hohenzollern gegen Ende ihrer Existenz wenigstens ein Stück weit rehabilitiert hatte, weil es opportun erschien, für das Staatsvolk identitätsstiftende Dinge jenseits des Bezuges auf die deutsche Nation oder den nicht funktionierenden Sozialismus bereitzustellen. (Siehe dazu auch PNN: „Martin Sabrow hat den Briefverkehr eines gewissen Hans Bentzien mit DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker und dem Hohenzollern-Nachfahren Prinz Louis Ferdinand gesichtet. Eine Korrespondenz, die sich in Privatbesitz befindet, Kopien im Bundesarchiv existieren offensichtlich nicht. … Im Herbst 1987 besuchte [Prinz] Louis Ferdinand auf Honeckers Einladung Potsdam.”) 

Läge Burg Hohenzollern nicht in Süddeutschland, sondern z. B. im Land Brandenburg, müßten die Hohenzollern heute sogar um ihre Stammburg kämpfen.

Eine differenzierende und auf Fakten und nicht auf Narrativen basierende Berichterstattung durch die Medien ohne volkserzieherische Elemente scheint in der 4. Legislatur der Ära Merkel in den Medien auf diesem und sehr vielen anderen Feldern aber nicht mehr möglich. Kritisiert wird dagegen eine sogenannte „Abmahnwelle“ durch die Hohenzollern gegen Historiker. Diese würden einen illegitimen Eingriff in den freien wissenschaftlichen Diskurs darstellen – als ob es einen solchen überhaupt gäbe, wenn alle Zeitungen das gleiche schreiben, weil sie freiwillig oder im Gegenzug für Subventionen oder Gebühren immer mehr auf Regierungslinie einschwenken. Sei es, wie es sei. Wenn die Bundesregierung und die brandenburgische Landesregierung auf die linkspopulistischen Sirenengesänge hören, wäre dies sogar zu begrüßen.

Natürlich war es das Ziel der Monarchisten in Weimar, die Republik zu beseitigen und dies ist ja auch richtig so.

Der Kronprinz hätte sich ja dann wohl auch eher selbst auf den Thron gesetzt, als Hitler zu unterstützen (Motiv). Die Republikschutzgesetze in Weimar verhinderten ein tatsächlich effizientes Wirken der Monarchisten jedoch, während die wirklichen brandgefährlichen Extremisten, nämlich Kommunisten und Nationalsozialisten, im Grunde tun und lassen konnten, was sie wollten. Die Frage, ob Kronprinz Wilhelm dem Nationalsozialismus erheblichen Vorschub geleistet hat, ist daher schon deshalb zu verneinen, weil die Kreise, in denen der Kronprinz neben Sympathie auch echten Einfluß hatte, durch diese Gesetzgebung wenig organisiert und bedeutend waren. Er hätte also gar nicht „erheblichen Vorschub“ zu irgendetwas leisten können (Mittel). Nicht umsonst setzten die Bundes- und die brandenburgische Regierung bisher grundsätzlich auf Verhandlungen: Sie wissen, daß die Gefahr einer Niederlage vor Gericht sehr hoch ist, denn anders als die Medien, nehmen diese ihre politiktheoretische Aufgabe, die anderen Gewalten im Zaum zu halten, durchaus noch ernst. Insofern wäre eine gerichtliche Klärung zu begrüßen, denn dann wären die Vorwürfe gegen den Kronprinzen Wilhelm ein für alle Mal vom Tisch und der Staat müßte wahrscheinlich mehr Geld an die Hohenzollern zahlen, als im Rahmen einer Verhandlungslösung. L.R.

Griechischer König Konstantin gegen Covid-19 geimpft

Über die einsetzenden Impfungen gegen den Corona-Virus berichtete dieser Nachrichtenbrief in seiner vorigen Ausgabe. Weitere gekrönte Häupter haben sich das Serum spritzen lassen, so in der letzten Woche König Konstantin II. der Hellenen, der im Krankenhaus von Nafplio auf der Halbinsel Peloponnes behandelt wurde. Königin Anne-Marie (im Photo links) wurde noch nicht geimpft. Sie soll einen späteren Termin erhalten. Der 80-jährige Monarch und seine Frau leben wieder in Griechenland, doch gesundheitlich geht es ihm nicht gut. Ob er an den Feierlichkeiten zum 200. Beginn des griechischen Freiheitskampfs am 25. März teilnehmen kann (und darf) ist offen.                         H.S.

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Die vollständige 248. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 248. Ausgabe:

  • Grüne Bundestagsfraktion lud ihre Experten zur Hohenzollernfrage ein
  • Hohenzollernleihgaben: Kulturgutauslagerungen denkbar
  • Das Königreich der Seto
  • Griechischer König Konstantin II. gegen Corona geimpft
  • 40. Jahrestag des Putschs in Spanien

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Kaiserproklamation weiter thematisiert Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 247

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Will Facebook nicht, daß der Reichsgründung gedacht wird?

Um nicht ins Verschwörungstheoretische abzugleiten, muß mit Theorien, die man nicht belegen kann, immer vorsichtig umgegangen werden, und daher sei dem folgenden Artikel vorangestellt, daß es sich um eine Vermutung handelt. Wer die Funktionsweise von Facebook besser kennt, kann gerne korrigieren.

Worum geht es? Am 18. Januar jährte sich bekanntlich die Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles zum 150. Mal. Zu diesem Anlaß wurde auf dem Corona-Blog ein Artikel veröffentlicht und auf Facebook geteilt. Dem Betreiber der Seite wird in diesem Zusammenhang angezeigt, wie viele Menschen einen Beitrag gesehen haben, und am ersten Tag handelte es sich um ganze 13.

Obwohl die Zahl der Abonnenten der Corona-Seite auf Facebook kontinuierlich steigt und bei etwa 1350 liegt, sind die Zahlen derer, die die Beiträge sehen, in den letzten Jahren von im Durchschnitt über 300 auf durchschnittlich unter 200 gesunken. Dies erscheint schon etwas merkwürdig, kann aber noch daran liegen, daß Corona im Jahr 2018 eine tägliche Rückblende auf die Ereignisse des Jahres 1918 veröffentlichte, von der Kapitulation Rußlands über die Frühjahrsoffensiven bis hin zum schwarzen Tag des deutschen Heeres und der Novemberrevolution. Dies hat zahlreiche Abonnenten und Follower gebracht und das Ende dieser Serie mag dazu geführt haben, daß die Seite von weniger Menschen verfolgt wird.



So zeigte sich die Corona-Facebookseite am 18. Januar 2021

Die Reichsgründung ist nun für unsere Zielgruppe ein sehr wichtiges Datum und selbst an einem Montag sollte man daher mit sehr guten Reichweiten rechnen können, in jedem Fall sollten aber mehr als 13 Menschen mit dem Beitrag erreicht werden. Es ist also durchaus davon auszugehen, daß sich Facebook über verschiedene Algorithmen am Wort „Reichsgründung“ stört und die Verbreitung des Artikels weitgehend unterbindet. Wenn man „Reichsgründung“ hingegen etwa durch das Wort „Katzenbabies“ ersetzen würde, hätte man wohl eine weit größere Reichweite. Auf einer viel größeren Seite als derjenigen von Corona, nämlich auf der der konservativen Wochzeitung Junge Freiheit, hieß es im übrigen über einen Beitrag zur Reichsgründung „Der Inhalt ist derzeit nicht verfügbar“. Der Inhalt wurde erst am nächsten Tag freigeschaltet.



Facebookseite der Jungen Freiheit

Die Internetgiganten standen jedenfalls zu Beginn des Jahrtausends und noch bis vor recht kurzer Zeit für Meinungsfreiheit und füllten damit eine Lücke, die die Printmedien hinterlassen hatten, als sie sich zu Gunsten von versteckten oder mittlerweile recht offiziellen staatlichen Subventionen weitgehend von Regierungskritik verabschiedeten. Das war aber Politikern schon immer ein Dorn im Auge und nachdem man sich lange schwertat, geeignete Mittel zu finden, erfand man „Haßreden“ und ähnliches, um einen Hebel gegen die Netzwerke der sozialen Medien zu haben, obwohl der Tatbestand der Beleidigung u. ä. im Strafrecht vorher schon existierten. Facebook & Co. haben sich mittlerweile mit der Situation arrangiert, und solange wie die Politik Facebook erlaubt, in Irland ansässig zu sein und dort so gut wie keine Steuern zu zahlen, behindert man eben lieber ein paar Inhalte. Am Ende ist Facebook ein Unternehmen, welches Gewinn machen will und das Handeln ist daher rational und nachvollziehbar.

Wenn es aber tatsächlich so wäre, daß Facebook sozusagen die deutsche Geschichte verbietet, wäre dies schon gruselig und hätte etwas von George Orwells „1984“. Gleichzeitig würde es bedeuten, daß man Alternativen zu diesem sozialen Netzwerk suchen müßte. Wie gesagt: wir wissen es nicht mit Sicherheit. L.R.

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Die vollständige 247. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 247. Ausgabe:

  • Will Facebook nicht, daß der Reichsgründung gedacht wird?
  • Königshäuser gehen beim Impfen mit gutem Beispiel voran
  • Das Kaiserreich – Was bleibt
  • 45. Oberhaupt des Hauses Osman in Damaskus verstorben

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Der 18. Januar 1871 – das ungeliebte Datum

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2021 jährt sich die Reichsgründung zum 150. Mal, jedoch möchte sich kaum jemand daran erinnern. Dies ist das Resultat einer längeren Entwicklung: Das vielleicht bedeutendste Zeichen nach 1990, mit dem man sich zu der Gründung von 1871 bekannte, war der Umzug der Regierung nach Berlin, denn dieser symbolisierte die Kontinuität der preußisch-deutschen Hauptstadt, obwohl es in der Historie davor durchaus andere deutsche Hauptstädte gegeben hat. Es ist bezeichnend, daß dieser nur mit einer sehr knappen Mehrheit zustande kam, bei dem die Stimmen der PDS den Ausschlag gaben. Die heutige Weigerung des offiziellen Berlins, des Ereignisses zu gedenken, stellt jedoch einen vorläufigen Höhepunkt dar.


Wie sehr das Kaiserreich in Berlin noch präsent ist, zeigt dieser wunderbare Bildband: Von offiziellen Regierungsgebäuden, Bildungsanstalten, Krankenhäusern, Industriearchitektur, Wohngebäude, Sakralbauten oder Freizeitstätten u.a.m. hat er die faszinierende Vielfalt der Kaiserzeitepoche eingefangen. Die farbigen Abbildungen ergänzt ein sehr gut recherchierter und leicht lesbarer Begleittext, der eine Fülle an Hintergrundinformationen bietet. Autor: Matthias Barth, Berlin der Kaiserzeit  Architektur 1871 bis 1918, Gebund. Ausgabe, 336 Seiten; Michael Imhof Verlag,ISBN-10: 3731907194

Die Entfremdung besteht in der Tat schon länger, nicht nur in der Politik: Die heute älteren Menschen im Westteil Deutschlands haben die deutsch-französische Aussöhnung erlebt. Sie waren meist eher in Paris, in der Normandie oder der Provence als in Potsdam, Dresden oder Schwerin. Wenn man sie fragt, bekommt man zu hören, daß Deutschland den Franzosen 1871 das Elsaß weggeschnappt hat und damit die deutsch-französische Erbfeindschaft begründete. Einige wenige können vielleicht noch Napoleon nennen, jedoch beendete die Reichsgründung in Wirklichkeit die ständigen Einfälle Frankreichs in deutschen Ländern seit dem Mittelalter und auch der Umstand, daß 1870 80 % der Elsässer Deutsch sprachen, ist nicht der Tatsache geschuldet, daß Deutsch die leichtere oder schönere Sprache ist, sondern weil das Land vorher von Frankreich annektiert wurde. Wir sollen uns hier nicht falsch verstehen: Auch Frankreich hat vor allem im 20. Jahrhundert viel unter den Deutschen gelitten und die deutsch-französische Verständigung ist sicher einer der größten Erfolge der Bundesrepublik. Trotzdem sollte man aber an Stelle eines Narrativs bei den historischen Fakten bleiben und da ist es nun einmal so, daß die Reichseinigung Deutschland endlich wieder ermöglichte, sich ernsthaft gegen äußere Feinde zur Wehr zu setzen, was unseren Vorfahren sehr viel bedeutete.

Im Osten Deutschlands wiederum würde man sich zwar in einem Hohenzollernreich wahrscheinlich nicht unwohl fühlen. Bei einem Anteil von 20 % an der Gesamtbevölkerung, dem ein Anteil von nur 1,5 % Ostdeutscher in Führungspositionen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gegenübersteht, herrscht jedoch auch dort zunehmend weniger Feierlaune beim Gedanken an Gesamtdeutschland, welches dem alten Preußenkönig Wilhelm schon bei seiner Gründung wenig Freude bereitete. Das Gefühl westdeutscher Fremdherrschaft ist heute eher stärker als vor 30 Jahren und man fragt sich, ob mit Preußen, Sachsen, Anhalt, Mecklenburg und den thüringischen Provinzen allein nicht auch Staat zu machen gewesen wäre, nach dem man den Sozialismus zum Teufel gejagt hat, läßt dabei aber die massiven wirtschaftlichen Verwerfungen aus den Augen, die dies mit sich gebracht hätte.

Zurück zur Politik: Von den fünf in Artikel 20 der gegenwärtigen Verfassung genannten Prinzipien des deutschen Staates – Föderalismus, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Republik und Sozialstaatlichkeit – kommen mindestens drei aus dem Kaiserreich, und auch das Demokratieprinzip war damals im Vergleich zu den meisten Nachbarn mit den freien, geheimen und gleichen Wahlen zum Reichstag durchaus nicht schlecht umgesetzt, während das Republikprinzip ohnehin unnatürlich ist und weg sollte. Auch die Rechtschreibung, die Grundlage der Pharma- und Autoindustrie, die verfaßte Wirtschaft, die Grundlagen für den Wissenschaftsstandort Deutschland und sogar die Gewerkschaften kommen aus dem Kaiserreich. Der Politik ist dies eher peinlich, da die Staatslenker der beiden ehemaligen Volksparteien CDU und SPD lieber hätten, daß die Bewohner des besten jemals existiert habenden Deutschlands denken, selbige Parteien wären es gewesen, die diese Errungenschaften herbeigeführt haben. Für den, der sich auskennt, hat dies jedoch keinen Bestand. So ist zwar zum Beispiel die ausformulierte Definition der „sozialen Marktwirtschaft“ eine Erfindung der Bundesrepublik, jedoch wird hier nur ein Begriff nachträglich konzeptualisiert, der im Kaiserreich schon gelebt wurde. Auch der Nationalstaat ist Politikern eher suspekt. Viele Eliten wollen auch aus wirklicher Überzeugung, daß Deutschland in der EU aufgeht (eine Idee, die allerdings von den Nachbarn nicht geteilt wird). Deutschland ist für diese Parteieliten nur eine Verwaltungseinheit, welche nur insoweit Sinn macht, als deren Führungspositionen nach Parteibuch vergeben werden können.

Es finden sich also weder im Volk noch in der Politik wirklich viele, die der Reichseinigung von 1871 unter Wilhelm I. noch etwas Positives abgewinnen können. Vielleicht würde es helfen, sich einmal vorzustellen, wie es ohne die Proklamation Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser ausgesehen hätte. Die Phantasten von 1848 hätten vielleicht einen noch freiheitlicheren, aber weit schwächeren Staat geschaffen, der zur Beute seiner Nachbarn geworden wäre, ganz ohne Einheit und bei Beibehalt der Kleinstaaterei wäre dagegen nie das Niveau an Wohlstand und Entwicklung erreicht worden, welches erreicht worden ist. Es wäre die großdeutsche Lösung geblieben, jedoch hätten die Nachbarn dieses Gebildes wohl auch um die Kräftebalance gefürchtet und dieses nicht zugelassen, außerdem hätte Deutschland unter Führung der Habsburger auch die Probleme geerbt, die historisch zur Implosion von deren Reich geführt haben. Wilhelm I., Bismarck, Moltke und die Deutschen schufen also ein Reich, welches nicht von Anfang an eine Totgeburt war, und dies ist schon viel.

Für die Generation, die im Kaiserreich aufwuchs, jedoch die Folgezeit auch erlebte, war es die gute alte Zeit. Für uns ist es immer noch die Zeit, in der die meisten funktionierenden Grundlagen des deutschen Gemeinwesens gesetzt wurden, und das ist doch schon etwas, was man feiern kann.

L. R.