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Liebe Leser

Wie im letzten Nachrichtenbrief angekündigt, wollen wir in dieser Ausgabe Sie zu Wort kommen lassen, da sie ein kleines Jubiläum darstellt und die Standpunkte und Meinungen zur Monarchie, die wir seit 2006 in 149 Ausgaben mit unseren Artikeln vertreten haben, nicht den Anspruch erheben, für alle Freunde der Monarchie allgemein gültig zu sein. Wie diese Ausgabe zeigt, sind die Motive, sich für die Monarchie auszusprechen, in der Tat sehr unterschiedlich, wenngleich viele Leser ihr Bekenntnis historisch begründen.

Seit es Corona gibt, ist die monarchische Staatsform für Deutschland nicht nähergerückt, daran ändern auch die 645 Bezieher, die 615 Facebookfreunde, die „Follower” bei Twitter und fast 200.000 Zugriffe auf unseren Blog recht wenig, auch wenn die sich weiterhin positiv entwickelnden Zahlen immerhin dafür sprechen, daß Corona etwas vertritt, das von einigen gewünscht wird, anderswo aber nicht oder kaum vertreten wird. Daß Corona dabei immer noch weitgehend eine Zweimannshow ist, auch wenn Gastbeiträge in letzter Zeit zugenommen haben, ist nicht die Schuld der Autoren. In Zeiten der Internetsuchmaschinen haben viele offenbar Angst, Standpunkte offen zu vertreten, was ein Indiz dafür ist, daß die gerade in den Republiken vielgepriesene Meinungsfreiheit nur solange gilt, wie man das meint, was gerade en vogue ist. Vielleicht fehlt es aber auch einfach an Engagement. “Travailler pour le Roi de Prusse”, für den König von Preußen arbeiten, ist eine Redensart im Französischen, die bedeutet, daß man eine Sache um ihrer selbst willen tut, ohne dabei auf den persönlichen Vorteil zu hoffen. Wir danken unseren Gastautoren dieser und vorangegangener Ausgaben, daß sie dies getan haben, und freuen uns auch in Zukunft auf Beiträge von außen. L.R.

Angebote schaffen – Präsenz zeigen

Plakat für das 3. Monarchieforum in Berlin.

Plakat des 3. Monarchieforums in Berlin.

Die TuL-Mitgliederversammlung 2006 in Coburg war – zumindest nach monarchistischen Maßstäben – eine überaus turbulente Veranstaltung. Fundamentale Differenzen über den Kurs des Vereins und leider auch persönliche Kränkungen führten zu Austritten und bildeten den Anstoß für eine ganze Reihe neuer Projekte und Initiativen. Manches unausgegorene Konzept kam über die Erstellung einer Homepage nie hinaus, in anderen Bereichen – man denke an die Monarchieforen – wurde Großes und Wegweisendes geleistet. Überdauert hat freilich nur ein Unternehmen – das Online-Magazin Corona, von dem wir heute die 150. Nummer auf dem Bildschirm haben.

Obwohl es stets für Gastbeiträge – hin und wieder auch von meiner Seite – offen war, ist der Info-Brief doch zuallererst das Werk seiner beiden Herausgeber, denen dafür ein herzliches Dankeschön gebührt. Der Anspruch bestand von Anfang an darin, als neutraler, aber sympathisierender Beobachter über die Aktivitäten der alten und neuen Gruppen zu berichten und aktuelle Entwicklungen aus der weltweiten monarchistischen Szene sowie bedeutsame politische Themen in einer ansprechenden Form zu präsentieren. Die regelmäßig verschickte pdf-Datei sollte all das sein, was die bestehenden royalistischen Druckerzeugnisse schon lange nicht mehr sind: aktuell, relevant, ehrlich und angefüllt mit selbstproduziertem „Content“ (und damit nicht Ausgabe für Ausgabe justiziabel …). Angesprochen durfte sich jeder fühlen, vom organisierten Hardcore-Monarchisten bis hin zum gelegentlichen Royalty-Watcher, der jenseits des „Bunte-Post“-Niveaus fundierte Informationen sucht. Der Einstieg ist bewußt „niederschwellig“: Es kostet nichts und es braucht bloß eine (anonyme) Mailadresse für den Bezug. Seit 2011 gibt es dann auch noch den Blog und die inzwischen obligatorische Facebook-Seite, die zumindest theoretisch den Austausch im web 2.0 ermöglichen. Mit ersten Lesertreffen sollte dann 2014 der Sprung ins „real life“ gewagt werden – das Ergebnis war ausbaufähig.

Eigentlich wurde also alles richtig gemacht. Trotzdem ist die Freude über die Jubiläumsausgabe nicht gänzlich ungetrübt. Wie man von den Herausgebern hört, sind es auf dem Blog vor allem die historischen Themen, die angeklickt werden. Seit längerer Zeit stagniert auch die Abonnentenzahl im höheren dreistelligen Bereich, geht z.T. sogar leicht zurück. Das ist schon etwas ernüchternd angesichts der Tatsache, welcher digitale Nonsens ansonsten binnen kürzester Frist mit Hunderttausenden „likes“ bedacht wird. Sollte die Corona damit tatsächlich bereits ihr Potential ausgeschöpft haben? Gibt es nicht einmal tausend Monarchisten in Deutschland, und betrachten diese die Monarchie vor allem als historisches Phänomen ohne Relevanz für die Zukunft?

Vielleicht sollte man sich vom Gedanken an eine ständig wachsende royalistische Massenbewegung verabschieden und anerkennen, daß die aktuelle politische Großwetterlage uns trotz aller Krisenerscheinungen nicht in die Hände spielt. Es gilt schlicht, Angebote zu schaffen und Präsenz zu zeigen. Wer Monarchisten sucht, soll und wird auch welche finden. Monarchist zu sein, heißt nicht, etwas Sinnvolles oder Vernünftiges zu tun. Es heißt, das einzig Richtige zu tun. In diesem Sinne: Auf die kommenden 150 Ausgaben! T.G.

Wie kommen Jugendliche zur Monarchie?

Ich kam zum ersten Mal 2005, während meines Studiums, in Kontakt mit organisierten Monarchisten. Zunächst machte mich ein Kommilitone mit Erbe und Auftrag vertraut, 2006 stieß ich dann über das Internet zur Kaisertreuen Jugend. Damals waren „soziale Medien“ in Deutschland noch nicht sehr verbreitet, man diskutierte mit Gleichgesinnten vor allem in Foren. Die Kaisertreue Jugend entwickelte sich 2007 aus einem solchen Internetforum zu einem (nicht eingetragenen) Verein, dessen Gründung am 27. Januar 2007 in Berlin vollzogen wurde. In den folgenden Jahren führten wir mehrere Veranstaltungen durch, ganz vorne zu nennen sind wohl die beiden Monarchieforen 2008 in Laufen/Salzach und 2009 in Hechingen, die unter tatkräftiger Mitarbeit der KJ zustande kamen.

Kaisertreue Jugend - e. V. in Gründung hieß es 2007, drei Jahre später hätte man das umbenennen müssen in e.V. in Liquidation.

Kaisertreue Jugend – e. V. in Gründung hieß es 2007, drei Jahre später hätte man das umbenennen müssen in e.V. in Liquidation.

Auch die Presse zeigte sich bald interessiert an der KJ. Es folgten – faire und weniger faire – Interviews, etwa durch die ZEIT, Süddeutsche Zeitung Magazin oder auch den mitteldeutschen Radiosender Sputnik. Die Frage, die alle Journalisten faszinierte, war stets: „Was bringt Jugendliche im 21. Jahrhundert dazu, die Ideale der Monarchie zu vertreten?“ Bei vielen fängt es wahrscheinlich wie bei mir mit einem Gefühl der Unsicherheit, einem Gefühl der Leere an: Irgendwas fehlt in diesem Land. Man fühlt, wie sich ein Wertevakuum immer weiter ausbreitet, ist mehr oder weniger abgestoßen vom Geschacher der Parteien (etwa um das Amt des Bundespräsidenten) und sucht nach Alternativen. In der Monarchie haben wir damals diese Alternative gefunden. Bewunderung etwa für die Liebe der Briten zu ihrer Queen und ihre Identifikation mit der britischen Monarchie. Wahrscheinlich gehört diese „Suche nach Werten“ zur Adoleszenz, leider landen viele Jugendliche dabei in links- oder rechtsradikalen Sackgassen.

Aufkleber aus der Zeit der Kaisertreuen Jugend, der die K-Frage stellte.

Aufkleber aus der Zeit der Kaisertreuen Jugend, der die K-Frage stellte.

Leider sind Jugendliche zwar schnell für etwas zu begeistern, wenden sich aber auch schnell wieder von einer Idee ab, wenn sich nicht sofort etwas tut. Das mußten wir auch in der Kaisertreuen Jugend erfahren. Das Eintreten für die Monarchie bringt eben keine „schnellen Ergebnisse“, und so verabschiedeten sich viele Mitglieder bald wieder. Das ist kein Vorwurf, ich weiß selbst noch, wie ich in diesem Alter oft begeistert Ideen und Denkmuster aufnahm, um sie dann wieder zu verwerfen. So blieb 2010 nur noch die Auflösung des Vereins mangels Aktivität. Ich bin Monarchist geblieben, so wie ein Kreis von Freunden aus KJ-Zeiten. Und auch wenn wir derzeit nicht organisiert sind, die Kaisertreue bleibt – etwa bei Fahrten nach Doorn (vgl. Bericht Seite 4 in Corona 150). Und es bleibt zu hoffen, daß zumindest ein Funken der Idee Monarchie bei den jungen Männern und Frauen hängen geblieben ist, die damals in der Kaisertreuen Jugend engagiert waren. JS (Jahrgang 1985)

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Die vollständige 150. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit: Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 150

Inhalt der 150. Ausgabe:

  • Angebote schaffen – Präsenz zeigen
  • Liebe Leser
  • „Ich hege zwar gewisse Sympathien für die Monarchie, aber …“
  • Wie kommen Jugendliche zur Monarchie?
  • Was mir die Monarchie bedeutet
  • Zum 74. Todestag: Wir werden Kaiser Wilhelm nie vergessen

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Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

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