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Lieber Leser,

wir bedanken uns für Ihren ausführlichen Kommentar, den Sie zur 150. Ausgabe von Corona geschrieben haben und der hier zu lesen ist, und möchten in einer angemessenen Länge darauf eingehen.

Sie schreiben über Geschichtsromantik bezüglich des Kaiserreichs, und daß die Bundesrepublik der erfolgreichste Staat auf deutschem Boden sei. Hierbei folgen Sie einer Argumentation, wie sie in Politik und Medien gerne benutzt wird, weil sie die gegenwärtigen Eliten begünstigt, jedoch aus der Zeit gefallen ist. Wenn man das heutige Deutschland mit dem Mittelalter vergleicht, ist es natürlich so, daß die medizinische Versorgung besser und das Bruttoinlandsprodukt höher ist. Folgt man solch einer Argumentation, ist man aber eben auch schnell dabei, daß Friedrich der Große schlecht gewesen sei, weil er Angriffskriege geführt hat. Ein korrekter Umgang mit der Geschichte ist es aber vielmehr, die Ereignisse stets in den Kontext ihrer Zeit zu stellen. Dabei wird man dann feststellen, daß das Deutsche Kaiserreich ganz ohne Geschichtsromantik beispielsweise sehr viel fortschrittlicher in bezug auf das Wahlrecht, den Sozialstaat, die bürgerlichen Freiheiten oder die wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen war, als alle anderen Staaten seiner Zeit. Und natürlich hat Friedrich der Große Angriffskriege geführt, aber alle anderen in jener Zeit haben dies eben auch. Außergewöhnlich wäre es in diesem Fall gewesen, wenn er es nicht getan hätte.

Aus unserer Sicht richtig an Ihrer Argumentation ist jedoch, daß wir uns beim Eintreten für die Monarchie nicht nur auf Geschichtliches, sondern auch verstärkt auf die Aktualität beziehen sollten. Das Argument der Parteiunabhängigkeit ist in der Tat ein wichtiges Argument, jedoch bei weitem nicht das einzige. Bei uns in Deutschland kennt jeder den spanischen König Felipe VI., wer aber kennt in Spanien den Namen des Bundespräsidenten? Die Repräsentativität einer Monarchie dem Ausland gegenüber schlägt jede Republik um Lichtjahre.

Die Rechte eines Monarchen sind je nach Verfassung unterschiedlich ausgestaltet und in den meisten Monarchien Europas heute so wie Sie schreiben in der Tat recht geringfügig. Es ist aber auch so, daß der Monarch durch seine persönliche Autorität und die Zuneigung der Menschen, die ich in Monarchien selbst stets feststellen konnte, in Krisenzeiten stets eine andere Bedeutung bekommt. Denken Sie an die Beendigung des 2. Weltkrieges durch Kaiser Hirohito, oder die Beendigung des Militärputsches in Spanien 1981 durch Juan Carlos I.. Auch in persönlichen Ausnahmesituationen kann der Monarch eine wichtige Rolle spielen: Würde man seinen in einem Konflikt gefallenen Sohn lieber von Ursula von der Leyen von der CDU oder einem Monarchen verabschieden lassen, der die ganze Nation vertritt?

Auch in Italien stellen Monarchisten die Kosten für eine Königin denen von Präsidenten entgegen - und zeigen, wie kostengünstig Monarchen sind.

Auch in Italien stellen Monarchisten die Kosten für eine Königin denen von Präsidenten entgegen – und zeigen, wie kostengünstig Monarchen sind. Bei den Angaben zum BRD-Präsidenten unterliefen den Italienern zwei Fehler: Im Entwurf zum Bundeshaushalt 2016 stehen 34,32 Mio. € im Etat des Bundespräsidialamts und der enthält keine Finanzierung der Residenzen, denn die Schlösser werden vom Bundesfinanzministerium verwaltet, während Königin Elizabeth den Unterhalt ihrer Schlösser mit der Civil List oder aus eigener Tasche bestreitet. Damit kommen sich das deutsche und das britische Staatsoberhaupt sehr nahe.

Ein eher sekundäres Argument ist die Kostenfrage: Die Republikaner bringen immer wieder vor, daß es zu teuer ist, eine Familie von Steuergeldern zu alimentieren, aber die Kosten einer Präsidentschaft sind zumeist viel höher. Auch zeigt sich, daß sich die Königsfamilien durch die mangelnde Legitimation durch Wahlen meist viel vorbildlicher in bezug auf Kosten und Transparenz verhalten müssen, als die Vertreter von Volkes Gnaden.

Wir haben also zahlreiche Argumente für die Monarchie, von denen hier in unserer Antwort bei weitem nicht alle aufgeführt sind:

  • Überparteilichkeit
  • Repräsentativität
  • Symbol der Nation in Krisenzeiten
  • Kosten
  • Transparenz

Wir empfehlen Ihnen im Zusammenhang mit den Vorteilen der Monarchie „Die kleine Monarchistenfibel“ von Henning von Normann, wo dieses Thema recht ausführlich behandelt wird. Gerne können wir Ihnen diese auf Wunsch zukommen lassen.

Was schließlich auch für uns nur wenig wünschenswert ist, wäre dagegen eine neuerlichen Einführung des Adels. Den Adligen, die vor 1945 Ländereien in den heutigen neuen Bundesländern besaßen und nach der Wende gegen alle Widerstände zurückgingen und Arbeitsplätze schufen, gebührt unsere Dankbarkeit und Anerkennung. Und auch den alten klingenden Namen unserer Nation sollten wir unseren Respekt bezeugen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß sie irgendwelche Vorrechte besitzen sollten und niemand von uns will die Rückkehr des Feudalismus.

Der andere Teil Ihres Beitrages bezieht sich auf das persönliche Auftreten und die Kommunikation. Hier haben Sie absolut recht. Anstatt sektiererischem Gebaren und der Kritik an anderen ist es sicherlich viel identitätsstiftender, positiv aufzutreten, in schwierigen Situationen und soweit man es eben kann ein Vorbild zu sein und dabei den Menschen zu vermitteln, daß man so auftritt, weil man auf der Grundlage eines bestimmten Wertekodex handelt. Dabei muß man auch nicht immer bierernst sein. Monarchisten können und sollten sehr viel lustigere Zeitgenossen sein, als zum Beispiel jene, die jede Party mit Vorträgen über gesunde Ernährung oder Mülltrennung versauen.

Auch ist es wichtig, den modernen Trends bei der Kommunikation zu folgen, wofür wir aber auf Mitarbeit angewiesen wären. In diesem Sinne möchten wir unsere Antwort auf Ihren Beitrag mit der Bitte abschließen, sich gelegentlich mit Ihren Gedanken bei uns einzubringen. Die Corona-Spalten stehen Ihnen offen.

Die Corona-Redaktion

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