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Der Sturm auf die Bastille

Der Sturm auf die Bastille, einer östlich des Pariser Zentrums an der Seine gelegenen, damals weithin sichtbaren Festung, gilt als der Ausgangspunkt der Französischen Revolution. Die Französische Republik gedenkt dieses Ereignises seit  1880 mit ihrem Nationalfeiertag, an dem unter anderem eine große und internationale Militärparade in Paris sowie bedeutende Feuerwerke in zahlreichen anderen französischen Städten stattfinden.

Die Bastille war im 14. Jahrhundert als östlicher Eckpfeiler der Verteidigung der französischen Hauptstadt gegen einen möglichen Angriff erbaut worden, diente aber seit dem frühen 17. Jahrhundert vor allem als Gefängnis und der König hatte das Recht, mittels eines lettre de cachet persönlich die Inhaftierung eines Untertanen zu verfügen. Dabei war die Bastille eigentlich eine Haftanstalt für die Reichen und Adligen. Die Inhaftierten waren in relativ komfortablen Räumen untergebracht und durften mit der Außenwelt korrespondieren. Es gab zwar auch eine Sektion für einfache Gefangene, die unter weit weniger guten Bedingungen hausten, ironischerweise war es aber Ludwig XVI., der sich für die Lebensbedingungen auch dieser Gefangenen mit Erfolg einsetzte und sie verbesserte. Die Bastille war also nie wirklich das Symbol royaler Willkür, welches im Schulunterricht behandelt wird. Das schlechte Image der Festung geht vielmehr auf einige dort inhaftierte, unzufriedene adlige Luxusgefangene zurück, die später Bücher über ihre Haftzeit verfaßten – einer von ihnen war beispielsweise der auch über längere Zeit in Preußen ansässige jakobinische Honoré Gabriel de Riqueti, Graf von Mirabeau (9. März 1749 – 2. April 1791). Im Vergleich zur Freiheit war der Aufenthalt in der Bastille dann natürlich doch eher weniger schön, aber sonst hatte die Bastille zu Zeiten Ludwigs XVI. eigentlich jeden Schrecken verloren.

Die Erstürmung der Bastille – wie sie von republikanischen Propagandisten dargestellt wird und wie sie sich im allgemeinen Geschichtsbild festgesetzt hat, aber wie sie nachweislich nie stattgefunden hat.

Der eigentliche Sturm auf die Bastille, welcher sich am 14. Juli 1789 abspielte, war deshalb vor seiner propagandistischen Aufbereitung auch nur eine Randnotiz der Französischen Revolution, denn das ausschlaggebende Ereignis fand bereits davor statt: Eine verängstigte Menschenmenge, die im Vorfeld aus Protest gegen die steigenden Preise und die Entlassung des beliebten Finanzdirektors Jacques Necker tagelang Zollhäuser und andere Gebäude in Brand gesetzt hatte, fürchtete nun die Gegenmaßnahmen der Staatsgewalt. In der Stationierung schweizerischer und deutscher Truppenteile der königlichen Armee rund um Paris wurde ein Anzeichen dafür gesehen, daß nun mit militärischer Gewalt die Ordnung in Paris wiederhergestellt werden sollte und deswegen wandte sich die Menge gegen das Hôtel des Invalides, wo Waffen gelagert waren. Der Kommandant wurde aufgefordert, diese Waffen herauszugeben und da die Garnison des Hôtel des Invalides – wie der Name schon sagt – aus Invaliden bestand und die wenigen regulären Truppen sich weigerten, auf das Volk zu schießen, kam der Kommandant der Aufforderung nach und gab die Waffen heraus.

Erst im Anschluß daran richtete sich die Menge gegen die Bastille, und zwar nicht etwa, um ein Symbol royalistischer Opression niederzuringen und die unschuldig inhaftierten Monarchiegegner zu befreien, sondern auf der Suche nach Munition für die erbeuteten Waffen. Anders als im vorhergehenden Fall weigerten sich die 114 hier stationierten Soldaten unter ihrem Kommandanten, dem Marquis de Launay, Waffen und Munition herauszugeben. So kam es zu vereinzelten Schußwechseln zwischen den Verteidigern und der bis zu 50.000 Mann umfassenden Menschenmenge vor der Festung. Nach sechsstündiger Belagerung wurde im Angesicht der Kräfteverhältnisse eine Übergabe ausgehandelt, die freies Geleit für die Besatzung der Festung vorsah. Diese Abmachung wurde von den Belagerern jedoch nicht eingehalten und der Kommandant und mehrere Soldaten wurden gelyncht. Wenigstens die von der Monarchie unterdrückten Gefangenen wurden dann allerdings tatsächlich befreit. Insgesamt waren es sieben: Zwei Verrückte, vier Fälscher und ein Adliger, welcher sich heute nicht mehr nachzuvollziehender Verbrechen schuldig gemacht hat – die Angaben variieren hier zwischen Mord, Inzest und Betrug. Überliefert ist jedoch, daß jener Adlige auf die Bitte seiner eigenen Familie inhaftiert worden war, die auch seinen Unterhalt in der Bastille zahlte.

Im Anschluß an den Sturm auf die Bastille wurde noch das dortige Polizeiarchiv geplündert und schon am darauffolgenden Tag wurde damit begonnen, die Festung zu schleifen, so daß heute nur noch ein säulenartiges Denkmal an ihren Standort erinnert. Dies ist durchaus bedauerlich, denn dem Publikum ist es daher heute leider nicht mehr möglich, sich selbst ein Bild von der Bastille und vom Leben der Gefangenen dort zu machen. So können Generationen republikanischer Lehrer im Schulunterricht weiter behaupten, es wären dort Menschen vom Königtum unterdrückt und misshandelt worden.

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