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Von einem feministischen Aufschrei war bislang nichts zu vernehmen. Eine Solidaritätskampagne mit iranischen Frauen blieb aus. Warum nehmen alle mehr oder weniger schweigend zur Kenntnis, daß im August das iranische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Technologie Frauen von 36 Universitäten und 77 Studienzweigen ausschloß? Zwar berichteten Der Spiegel und Deutschlandradio Kultur über diesen skandalösen Akt, aber damit war die Pflicht erfüllt:

Wie im Jahr zuvor hatten im Juni mehr als eine Million Studienbewerber die zentrale Aufnahmeprüfung für die iranischen Hochschulen geschrieben. Erfolgreiche Kandidatinnen durften diesmal allerdings aus weniger Fächern wählen als ihre Vorgängerinnen. Den Frauen bleiben besonders oft die traditionell hoch angesehenen Ingenieurwissenschaften verwehrt, vereinzelt waren auch Sprach- und Naturwissenschaften sowie Wirtschaftsstudiengänge von dem Frauenbann betroffen.“

Zu den Studienfächern, die Frauen verschlossen bleiben, gehören unter anderem Nuklearphysik, englische Literatur und Übersetzungen, Hotelmanagement, Archäologie, Computerwissenschaften, Elektro- und Industrieingenieurwissenschaften oder Wirtschaftsmanagement. Alles keine Berufsfelder für Frauen?

Mit der Krönung seiner Frau zur Schahbanu 1971 wollte Schah Mohammed Reza ein Zeichen für die Gleichberechtigung der Frauen im Iran setzen.

Schah Mohammed Reza Pahlevi leitete ab 1963 mit der „Weißen Revolution“ umfangreiche wirtschaftliche, politische und soziale Reformen ein. Mit den steigenden Öleinnahmen konnte ein Industrialisierungsprogramm aufgelegt werden, das den Iran binnen weniget Jahre von einem Entwicklungsland zu einem aufstrebenden Industriestaat machte. Industrialisierung und gesellschaftliche Modernisierung führten zu Spannungen mit  konservativen Teilen der schiitischen Geistlichkeit. Insbesondere Ayatollah Khomeini sprach sich seit 1963 gegen das Reformprogramm aus. Die 1977 erfolgte Liberalisierung der politischen Diskussion führte zu gewaltsamen Demonstrationen mit Mord- und Brandanschlägen, die das Land in seinen Grundfesten erschütterten. Nach der Konferenz von Guadeloupe im Januar 1979, auf der der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing, US-Präsident Jimmy Carter, der britische Premierminister James Callaghan und Bundeskanzler Helmut Schmidt beschlossen, den Schah fallenzulassen und das Gespräch mit Ayatollah Khomeini zu suchen, verließ Schah Mohammad Reza Pahlavi den Iran am 16. Januar 1979. Zu den ersten Maßnahmen des neuen Regimes gehörte die Verfügung, daß Frauen nicht mehr als Richter einem Gericht vorsitzen könnten.

Shirin Ebadi stand 1969 nach ihrem Examen mit 22 Jahren eine glänzende Karriere im Kaiserreich Iran offen. Bereits 1975 war sie als erste Frau Gerichtspräsidentin. Die Islamische Republik degradierte sie 1979 zur Sekretärin an ihrem eigenen Gerichtshof.

Die Friedensnobelpreisträgerin von 2003, Shirin Ebadi, wurde das prominenteste Opfer des Mullahregimes. Sie hat jetzt in einem Brief an die Vereinten Nationen gegen den Studienausschluß von Frauen protestiert. Durch die Reformen Schah Mohammed Reza Pahlevis bekamen die iranischen Frauen Gleichberechtigung. Shirin Ebadi war 1969 die erste Frau, die ein Richteramt im Kaiserreich einnahm. Von 1975 bis 1979 hatte sie einen Senatsvorsitz im Teheraner Stadtgericht inne. Nachdem Schah Mohammed Reza den Iran 1979 verließ und die Islamische Republik ausgerufen wurde, vertrieben die neuen Machthaber sie aus dem Amt und sie arbeitete zunächst als Sekretärin bei dem Gerichtshof, den sie vorher leitete, später versuchte sie sich als Anwältin und Dozentin, aber eine adäquate Karriere versperrten ihr die islamistischen Republikaner.

Schah Reza II., Kaiserin Farah und die weiblichen Angehörigen der kaiserlichen Familie des Irans.

Die Monarchie böte den iranischen Frauen die ideale Alternative. Der 1980 im Exil vereidigte Schah Reza II. ist ohne männlichen Erben, aber er sieht seine Töchter als durchaus ebenbürtige Nachfolgerinnen, denen er zutraut, als konstitutionelle Monarchinnen im Iran zu wirken. Er hat immer betont, daß ein freier Iran mit einer konstitutionellen Monarchie reif für die weibliche Nachfolge auf dem Pfauenthron wäre. Seine Mutter, Kaiserin Farah, sagte in einem Interview mit dem französischen Magazin Point de Vue dasselbe:

In the past we have had several Queens who reigned over Iran. If in the future, ensha-allah (God willing) Iran becomes a free and democratic country, all citizens will have the same rights, our Constitution must be amended in this direction. If the Constitutional Monarchy is restored – which I believe is the best solution for my country- a woman can become Queen or occupy any other situation. It will certainly not be like today where 89 women who were candidates for the presidential elections were refused to present themselves because they were precisely women. The Islamic Republic was not able to banish women from elections or dismiss their right to vote, however many laws that protected their rights have been suspended or modified to their disadvantage. Today an Iranian woman cannot ask for a divorce and if a divorce is pronounced the children are under the father’s responsibility or that of his family. My female compatriots are no more normal citizens. Many jobs or responsibilities are refused to them. Thus a woman cannot be a judge because these gentlemen consider that a woman can never be fair in her judgments. One of our most famous compatriots Shirin Ebadi the Nobel Peace Laureate of 2003, was a judge before the revolution. She was banished from her position by the Islamic Republic, and worst she was forbidden to exercise her job as a lawyer for more than five years. (Aus dem Französischen ins Englische von Diana Mandache übersetzt, auf deren sehr empfehlenswertem Blog dieser Text steht.)

Vereint unter der kaiserlichen Flagge: Frauen gegen das Mullahregime.

Wie weit wird die Frauensolidarität gehen? Wird sie Frauen veranlassen, die monarchische Alternative zum Mullahregime zu unterstützen?

Als dieser Filmbericht des Bayerischen Rundfunks 1968 gedreht wurde, stand die „Weiße Revolution“ von Schah Mohammed Reza Pahlavi im Mittelpunkt des Interesses — und der Bewunderung.

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