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Am Vormittag des 7. Juni ist in Ravensburg nach langer Krankheit Seine Königliche Hoheit Herzog Carl von Württemberg im 86. Lebensjahr gestorben.

Herzogin Diane und Herzog Carl von Württemberg umgeben von ihren Kindern und Enkeln.

Er sagte von sich selbst, er sei ein „gefürchteter“ Spendensammler, der jede Gelegenheit nutzte, um für soziale Projekte zu werben. Herzog Carl und seine Frau Herzogin Diane von Württemberg setzten sich immer für ihre „Herzenssache“ ein, das Projekte für Kinder unterstützt. Auch für Kultur, Bildung und Wissenschaft hatte Herzog Carl imer ein offenes Ohr. Er war Ehrensenator der Universitäten Tübingen und Hohenheim, der er ein Stipendium gestiftet hat. Stefan Köhler, Geschäftsführer der Denkmalstiftung Baden_Württemberg, würdigte ihn in der Stuttgarter Zeitung als „maßgebenden Initiator für die Denkmalstiftung und maßgeblichen Treiber“. Seinen Tod nannte er „ein[en] sehr großen Verlust“.

Mit „großer Dankbarkeit“ nimmt die Universität Hohenheim Abschied von Herzog Carl. „Seit ihrer Gründung im Jahr 1818 ist die Universität Hohenheim dem Haus Württemberg eng verbunden“, betonte eine Universitätssprecherin gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Erst kürzlich habe die Universität eine „großzügige Spende bekommen„, dank der neue Lernplätze eingerichtet worden seien. Das Herzog-Carl-Stipendium ermögliche Studenten im Rahmen ihrer Abschlußarbeiten Forschungsaufenthalte im Ausland.

Auch die Kunststiftung Baden-Württemberg würdigte Herzog Carl von Württemberg als langjährigen Förderer. Er habe die junge Kunstszene in Baden-Württemberg unterstützt, „wofür wir ihm großen Dank schulden.“ Und auch für Jugendliche hielt er besondere Starthilfen bereit: Die Herzog-Carl-Stiftung fördert Nachwuchstalente des Württembergischen Yacht-Clubs. Herzog Carl von Württemberg hatte die Stiftung zu seinem 50. Geburtstag eingerichtet. Aus anfangs 10.000 DM Fördersumme jährlich sind längst 10.000 € geworden.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern, denn dem Philantropen fiel das Neinsagen schwer, wenn ein Anliegen an ihn herangetragen wurde. Um all diese Aktivitäten finanzieren zu können, gehört zur Abrundung des Bilds auch zu erwähnen, daß Herzog Carl ein erfolgreicher Unternehmer war, der die Güter des Hauses Württemberg geschickt verwaltete und vermehrte. In den letzten Jahren war er dazu aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst in der Lage, aber seine Söhne übernahmen seine Aufgaben. Herzog Friedrich von Württemberg, als ältester Sohn 1961 geboren und als Erbe vorgesehen, hatte seit 1992 in der Hofkammer des Hauses Württemberg gearbeitet. Seit 1998 war er Vorsitzender der Direktion der Hofkammer, was das Management von ca. 5500 Hektar Wald, ca. 2000 Hektar Wiesen und Äcker, 50 Hektar Rebgärten, etwa 700 Grundstücke im In- und Ausland, Wälder in Kanada, Österreich und Spanien sowie Firmenbeteiligungen bedeutete. Außerdem muβ der Unterhalt von 70 Kulturdenkmalen des Hauses Württemberg sichergestellt werden. Nach seinem Unfalltod 2018 übernahm sein jüngster Bruder, Herzog Michael, seine Aufgaben zeitweise.

Herzog Wilhelm mit seiner Mutter, Herzogin Marie (links) und seiner Großmutter, Herzogin Diane von Württemberg (rechts) nach dem Trauergottesdienst für den tödlich verunglückten Herzog Friedrich im Mai 2018.

Herzog Wilhelm (27) neuer Chef des Hauses Württemberg

Neuer Hauschef ist Herzog Wilhelm (*13. August 1994). Der Sohn von Herzog Friedrich und Herzogin Marie von Württemberg war von seinem Großvater sofort nach dem Tod Herzog Friedrichs als künftiger Hauschef bestätigt worden (Herzog Carl regelt die Nachfolge im Hause Württemberg). Solange seine Ausbildung andauert, wird sein Onkel, Herzog Michael (*1. Dezember 1965), die Hofkammer leiten.

Herzog Carl wurde als fünftes von sechs Kindern Herzog Philipp Albrechts und seiner zweiten Frau, Herzogin Rosa von Württemberg, geborene Erzherzogin von Österreich, am 1. August 1936 in Friedrichshafen geboren. Sein älterer Bruder Herzog Ludwig verzichtete auf seine Erbrechte. Herzog Carl blieb während seiner Ausbildung weitgehend im Ländle: Altsprachliches Gymnasium in Riedlingen, Internat in St. Blasien, Studium der Rechtswissenschaft in Tübingen, danach die praktische Verwaltung in der Hofkammer. In einem Interview zu seinem 70, Geburtstag umschrieb er die Anfänge dort so: Als ich 1961 von meinem Vater in die Verwaltung eingesetzt wurde, hatten wir Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Weinbau, etwas Immobilien und Aktienbesitz als Basis unseres Wirtschaftsbetriebes. Wir mußten moderner sein, unsere Denkweise verändern. Wir wollten uns nicht allein auf Deutschland beschränken. Ich fing an, in Kanada und den USA zu investieren. Wir haben Industriebeteiligungen und Immobilien gekauft, um mehr Einnahmen zu haben. Die brauche ich unter anderem auch, um meine denkmalgeschützten Gebäude zu erhalten.“ Der Erfolg gab ihm recht und heute steht das Haus Württemberg als modernes Wirtschaftsunternehmen mit Tradition ausgezeichnet da.

Herzog Carl bekannte sich immer zur monarchischen Staatsform

Die Monarchie immer noch die beste Staatsform

Die Leistungen Herzog Carls anerkannte auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der sich betroffen zeigte vom Tod Herzog Carls, dem er 2017 die Staufer-Medaille in Gold für sein Engagement überreicht hatte: „Durch sein großes vielfältiges Engagement und die vielen Ehrenämter hat er sich um unser Gemeinwesen überaus verdient gemacht. Herzog Carl hat sich immer für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ausgesprochen.“ Dabei störte sich Kretschmann nicht daran, daß Herzog Carl immer bekannte, er halte die konstitutionelle Monarchie für die beste Staatsform. „Die Monarchie scheint für mich immer noch die beste Staatsform zu sein“, sagte er kurz vor seinem 70. Geburtstag im Jahr 2006 der „Stuttgarter Zeitung“. „In meinen Augen ist ein Monarch weit weniger abhängig als ein aus der Politik nach oben gekommener Repräsentant des Staates.“ Ein auf Lebenszeit agierender Monarch könne mehr gestalten als ein auf Zeit gewählter Politiker.

Die Heilige Messe zum 60. Hochzeitstag des Herzogspaars in der Schloßkirche Altshausen wurde gefeiert vom emeritierten Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler.

Seit 1960 war Herzog Carl mit Prinzessin Diane von Frankreich verheiratet. 2020 feierte das Paar Diamantene Hochzeit. Die Familie hat nun ihren Mittelpunkt verloren. Und das Land wird seine markante Persönlichkeit sehr vermissen. Herzog Carl hat sich um das Land verdient gemacht, auch wenn er nie eine offizielle Stellung einnahm. Er zeigte, wie man auch ohne politische Macht einiges bewegen kann.

Auf Twitter hat der Graf von Paris den Tod seines württembergischen Onkels vermeldet.
Auf seiner Webseite kondoliert Prinz Jean seiner Tante und seinen württembergischen Cousins zum Tod Herzog Carls und er versichert dem neuen Familienoberhaupt Herzog Wilhelm seiner Unterstützung.