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Eine interessante Besonderheit der deutschen föderalen Monarchie war, daß sie Republiken auf ihrem Gebiet zuließ und damit ein großes Maß innenpolitischer Toleranz zum Ausdruck kam. Bekanntermaßen ist dies heute umgekehrt nicht der Fall, denn es darf keine Monarchien in der Republik geben – Republikaner wollen die Macht eben nicht teilen, wenn sie sie einmal haben. Die drei Republiken des Deutschen Kaiserreichs jedenfalls waren die Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen.

Die Existenz Hamburgs läßt sich bis ins Jahr 810 zurückverfolgen, sie wurde aber wahrscheinlich schon im 8. Jahrhundert gegründet und litt in der ersten Zeit unter Plünderungen durch slawische Stämme. Als eine der bedeutendsten Städte der Hanse war Hamburg später sehr wohlhabend und versuchte stets, die eigene Unabhängigkeit und den Status als Freie Reichsstadt gegen dänischen Einfluß aber auch gegen deutsche Fürsten zu bewahren. In den napoleonischen Kriegen erklärte die Stadt ihre Neutralität, wurde aber 1806 trotzdem besetzt und von Napoleon 1811 für Frankreich annektiert. Nach der Niederlage Napoleons wurde die Unabhängigkeit Hamburgs auf dem Wiener Kongreß bestätigt und das Land trat dem Deutschen Bund bei. 1866 verbündete sich Hamburg mit Preußen, was sicher keine Liebesheirat, sondern der geographischen Nähe geschuldet war. Es wurde Mitglied im Deutschen Bund und dann Teil des Deutschen Reichs. Die Stadt, die zu Beginn des 1. Weltkrieges etwa eine Million Einwohner besaß, hatte eine Stimme im Bundesrat und drei Stimmen im Reichstag. So wie Lübeck und Bremen hatte auch Hamburg ein Zweikammersystem, in welchem die erste Kammer ständisch und die Bürgerschaft durch Wahlen besetzt wurde. Die Stadt profitierte vom Übersee- und Kolonialhandel. Wichtige Unternehmen wie Hapag oder Blohm und Voss hatten ihren Sitz in der Stadt. Zollrechtlich wurde Hamburg erst 1888 in das Deutsche Reich eingegliedert. Die Stadt war eine Hochburg der Sozialdemokratie, auch August Bebel hatte sein Reichstagsmandat für Hamburg inne.

Die Geschichte der Stadt Lübeck läßt sich bis ins Jahr 819 als slawische Siedlung und bis ins Jahr 1143 als Stadtgründung durch Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein zurückverfolgen. 1226 wurde Lübeck reichsunmittelbare Stadt und blieb dies als Mitglied der Hanse bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Im dreißigjährigen Krieg war die Stadt neutral und wurde nicht zerstört. In den Napoleonischen Krieg wurde die Stadt 1811 von Frankreich annektiert, bekam 1815 aber die Unabhängigkeit zurück und wurde Bestandteil des Deutschen Bundes. 1866 trat die Stadt dem Norddeutschen Bund bei. Erst 1868 wurde die Stadt auch Mitglied im Zollverein. 1871 wurde die Stadt Bestandteil des Deutschen Kaiserreichs. Im Bundesrat und im Reichstag hatte Lübeck, welches um 1910 rund 120.000 Einwohner hatte, je eine Stimme. Wirtschaftlich lebte das Land von der Industrie und vom (See-)Handel. Im 1. Weltkrieg stellte Lübeck große Teile der 81. Infanteriebrigade, welche an Brennpunkten in Flandern, an der Somme und bei Verdun eingesetzt wurde und schwere Verluste erlitt. Obwohl der sogenannte Matrosenaufstand von Kiel schnell auf Lübeck übergriff, war der Lübecker Bürgermeister Fehling erstaunlicherweise das einzige Oberhaupt aller deutschen Bundesstaaten, welches nicht abdanken beziehungsweise zurücktreten mußte. Der Bürgermeister blieb bis 1920 im Amt und arbeitete noch selbst eine neue Stadtverfassung aus. 1937 verlor die Stadt jedoch ihren Status und wurde in die preußische Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert. Damit ist sie die einzige der drei freien Städte, die diesen Status nach Ende des Kaiserreichs verlor. Auch die Alliierten änderten hieran nach dem Krieg nichts.

Die Stadt Bremen wurde im Jahr 782 zum ersten Mal erwähnt. 1276 trat die Stadt der Hanse bei und 1646 wurde die Stadt reichsunmittelbar, wurde 1806 von Napoleon annektiert und litt wirtschaftlich unter seiner Kontinentalsperre. 1813 wurde die Stadt von französischer Herrschaft befreit. Da der Hafen von Bremen zu weit im Land lag und die Weser nicht tief genug war, um modernen Schiffsverkehr in großer Menge zuzulassen, wurde 1827 die Stadt Bremerhaven gegründet. Das Gebiet der freien Stadt Bremen bestand somit zur Zeit des Beitritts zum Norddeutschen Bund und zur Kaiserzeit aus den Städten Bremen, Bremerhaven und Vegesack. Im Bundestag und im Reichstag hatte die freie Stadt je eine Stimme. Bremen und Bremerhaven waren genauso wie Hamburg auch zu Beginn der Kaiserzeit nicht Mitglied des Deutschen Zollvereins, sondern galten als Freihäfen. Erst 1888 trat Bremen dem Deutschen Zollverein bei. Im Jahr 1905 zählte es etwa 265.000 Einwohner. Neben Hamburg war auch Bremen ein wichtiger Standort der Sozialdemokratie. Der aus Heidelberg stammende Friedrich Ebert war eine Zeit lang Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft. Im 2. Weltkrieg schwer getroffen gehörten das Gebiet Bremens und Bremerhavens als Exklave zur amerikanischen und nicht zur britischen Besatzungszone, da die Besatzer einen großen Hafen benötigten.

Seit 1950 lebte die kaiserliche Familie auf dem Wümmehof in Bremen-Borgfeld (die Aufnahme von Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kira von Preußen mit ihren sieben Kindern entstand 1961). In seinen Lebenserinnerung schreibt Prinz Louis Ferdinand zu Bremen: „Die sympathischen Züge dieser weltoffenen Stadt sind die konziliante Höflichkeit und der demokratische Geist ihrer Bewohner. … Das gilt ebensosehr vom früheren Präsidenten des Senats, Bürgermeister Wilhelm Kaisen – im Volksmund „Kaiser Wilhelm“ genannt – , der bei uns im Dorf in einem Siedlerhäuschen wohnte, wie von unserem bäuerlichen Nachbarn Heini Schumacher, der nun wiederum mich mit „Kaiserliche Hoheit“ titulierte, im übrigen aber mich duzte, wenn wir uns in der Dorfschenke trafen.“ (Mehr zu Bremen als Wohnsitz von Prinz Louis Ferdinand von Preußen in „Die Geschichte meines Lebens„, Seite 325ff)