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Marokkanischer Thronfolger feiert 18. Geburtstag

Am 8. Mai erlangte der marokkanische Thronfolger Moulay Hassan die Volljährigkeit. Während zur Feier seiner Geburt im Jahr 2003 noch 101 Kanonenschüsse abgegeben wurden, gab es in Coronazeiten nur eine kleine Feier im Familienkreis. Nach Ablegen seines Abiturs im vergangenen Sommer studiert er mittlerweile an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Universität Mohammed VI. in Benguerir nahe Marrakech. Ein Studienaufenthalt im Ausland ist vermutlich auch geplant.

Moulay Hassan hatte seinen ersten offiziellen Auftritt mit acht Jahren, als er eine Rede an der Militärakademie in Kénitra hielt. Das erste Mal vertrat er Marokko im Ausland mit zehn Jahren in Frankreich. Seitdem mehren sich die öffentlichen Termine kontinuierlich, auch wegen der Gesundheit seines Vaters. Über den Gesundheitszustand von König Mohammed VI. wird immer wieder hinter vorgehaltener Hand spekuliert. Richtig ist, daß er sich in den vergangenen Jahren immer wieder Operationen in Frankreich unterzogen hat. Auch sein Aussehen hat sich verändert, was eventuell auf den Einsatz von Cortison zurückgeführt werden kann. Sollte der König versterben, wenn der Thronfolger seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen hat, gilt eine Regentschaft von Moulay Rachid, dem Bruder des jetzigen Königs, als wahrscheinlich. Außerdem kann sich auch ein neuer Monarch auf ein Beraterkabinett stützen, welches nicht den politischen Parteien oder der Regierung verantwortlich ist, den Makhzen.

Marokko war jüngst in die Schlagzeilen geraten, weil Mohammed VI. das Westsahara-Thema, welches er von seinem Vater Hassan II. (1929 – 1999) geerbt hat, offenbar noch unter seiner Herrschaft verbindlich regeln möchte, damit sich Kronprinz Hassan auf andere Themen konzentrieren kann. Im vergangenen November erkannte Donald Trump die Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko an – der Konflikt um die Region zwischen Marokko, Algerien und den von Algerien unterstützten Separatisten besteht seit 1975. Seitdem übt Marokko mit der Migrations- und Sicherheitszusammenarbeit Druck auf die europäischen Länder aus, es ihm gleichzutun, unter anderem auf Spanien und Deutschland, welches nach der Entscheidung Trumps ungeschickt eine Sitzung im UN-Sicherheitsrat zu dem Thema beantragte. Der Zorn auf Deutschland und andere europäische Staaten geht dabei offenbar tatsächlich vom Palast aus, was bedeutet, daß keine einfache Lösung zu erwarten ist. Ob Mohammed VI. damit am Ende allerdings Erfolg haben wird, ist fraglich, da die wirtschaftlichen Risiken dieses Vorgehens doch recht hoch sind und das Land, welches durch Corona einen hohen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen hatte, einen aggressiven Kurs gegen Europa nicht lange durchhalten kann. L.R.

Zum Gedenken an Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg

Im gesegneten Alter von 95 Jahren ist in seinem schwäbischen Wohnort Friedrichshafen am 2. November 2020 SKH Ferdinand Eugen Herzog von Württemberg gestorben. Der Herzog war das älteste von fünf Kindern aus der Ehe SKH Herzog Albrecht Eugen von Württemberg und IKH Nadejda geb. Prinzessin von Bulgarien aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha-(Kohary). Er wurde am 3. April 1925 in Carlsruhe/Schlesien geboren und in Breslau von Kardinal Adolf Bertram, dem letzten Fürstbischof von Breslau, auf die Namen Ferdinand Eugen (und, wie beim Hochadel üblich, auf weitere 13 Vornamen) katholisch getauft. Sein Vater aus der katholischen Linie des Hauses Württemberg erbte nach dem Tod von König Wilhelm II. von Württemberg 1921 die große Herrschaft Carlsruhe (auch Bad Carlsruhe) in Oberschlesien, wo Ferdinand Eugen die ersten Kinderjahre verbrachte, Sein Großvater väterlicherseits war der im I. Weltkrieg bekannte Heerführer, württembergischer und preußischer Generalfeldmarschall Herzog Albrecht und der Großvater mütterlicherseits Zar (König) Ferdinand I., der Schöpfer des modernen Bulgariens. Einmal auf die verblüffende Ähnlichkeit mit SKH Otto von Habsburg-Lothringen angesprochen sagte er, daß ja seine Großmütter Prinzessin Marie Louise von Bourbon-Parma, eine Halbschwester der Kaiserin Zita, und Margarethe Sophie Erzherzogin von Österreich waren. Seine Onkel waren Zar Boris III. von Bulgarien, verheiratet mit Prinzessin (Zariza) Joanna (Giovanna), einer Tochter des italienischen Königs Viktor Emanuel III., und der 1945 von den Kommunisten erschossene Prinzregent Kyrill von Bulgarien. Der seit 1943 „herrschende“ bulgarische „Kindkönig“ Simeon II. (bis 1946), auch bekannt als bulgarischer  Ministerpräsident (2001-2005) Sakskoburgotski ist Cousin von Ferdinand Eugen. Dieser besuchte, nachdem seine Eltern das Schloß Lindach in Württemberg erworben hatten, Schulen in St. Gallen, München und im Kloster Ettal. Der Dienst in der Wehrmacht blieb ihm auf Grund von Hitlers „Prinzenerlaß“ erspart. Für ihn, den Enkelsohn eines Generalfeldmarschalls, damals doch etwas zwiespältig. 1944 zu einem Arbeitseinsatz im Forstbereich zwangsverpflichtet, konnte er erst nach dem Krieg seine Schulausbildung fortsetzen und ein Studium (Forstwirtschaft) abschließen, um dann als Forstmeister  und Forstdirektor beruflich tätig zu sein.

Nach dem Tod seines Vaters 1954 erbte Ferdinand Eugen als ältester Sohn die Herrschaft Carlsruhe, die jedoch seit 1945 zu Polen gehörte und wie aller Besitz von Deutschen entschädigungslos polnisches Staatseigentum wurde. Trotz dieses materiellen Verlustes und obwohl er nur die ersten sechs Kinderjahre in Carlsruhe verbrachte hatte, zog es ihn bereits 1984 zu einem ersten Besuch in seinen Geburtsort.  Diesem ersten Besuch folgten viele weitere bis die immer mehr auftretende Krankheit, auf Grund der bei der Zwangsarbeit erlittenen körperlichen Schäden, nach seinem 90. Geburtstag Reisen in das heutige Carlsruhe (polnisch: Pokoj) nicht mehr möglich machten. Vor allem war er ein gerngesehener Gast des seit 2004 jährlich stattfindenden Carl-Maria-von-Weber-Musikfestivals. 1990 wurde er Vorsitzender des Heimatkreises der vertriebenen Carlsruher und 1995 dessen Ehrenvorsitzender. 1998 war er Ehrengast bei der 250-Jahrfeier von Carlsruhe. Und am 18. November 2016 verlieh ihm der polnische Staatspräsident für seine Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen. Mit seiner offenen liebenswürdigen Art und seinem schwäbisch-österreichischen Dialekt gewann er schnell die Zuneigung der Heimatvertrieben, der in der Heimat Gebliebenen (Carlsruhe hat eine starke deutsche Minderheitengruppe) und auch der heutigen polnischen Mehrheitsbevölkerung seines Geburtsorts. Sein Christentum veranlaßte ihn, in der Sophienkirche in der Herzogsloge dem evangelischen Gottesdienst  und in der katholischen Pfarrkirche von der Königsloge (König Wilhelm II. von Württemberg war Patronatsherr der Kirche) aus der Heiligen Messe beizuwohnen – sichtbares Zeichen gelebter schlesischer Toleranz.  Mit seinem Tod ging die seit 1945 nur noch symbolische Herrschaft des Hauses Württemberg im schlesischen Carlsruhe zu Ende, die es 1745 auf dem Erbweg übernommen hatte.

Manfred Prediger


Der polnische Generalkonsul Marcin Król (li.) überreichte Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg am 18. November 2016 in München das „Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen“ für seine Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung .
 

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Die vollständige 253. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 253. Ausgabe:

  • Zum Gedenken an Herzog Ferdinand Eugen von Württemberg
  • Kaiser Wilhelm II. seit 80 Jahren im Exil beerdigt
  • Youtube-Video mit Prinz Louis Ferdinand
  • Marokkanischer Thronfolger feiert 18. Geburtstag

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