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Wer mehr zur Entstehung des Fürstenhauses im Mittelalter erfahren möchte, sollte den Artikel über das Fürstenhaus Reuß älterer Linie lesen. 1790 wurde Reuß jüngerer Linie zum Fürstenhaus erhoben, Noch 1802 teilte es sich jedoch in die Gebiete Gera, Schleiz, Lobenstein und Ebersdorf. Das erneuerte Fürstentum entstand durch Aussterben der Linie Lobenstein und des Verzichts der Linie Ebersdorf 1848. Es war Mitglied im Deutschen Bund und im Deutschen Zollverein. 1866 war das Land im preußisch-österreichischen Krieg neutral, trat danach aber freiwillig dem Norddeutschen Bund bei. 1871 wurde das Fürstentum dann Teil des Deutschen Reichs. Bereits im Norddeutschen Bund gab das kleine Fürstentum die Verantwortung für Außen- und Wirtschaftspolitik sowie für Verteidigung an Preußen ab. Berlin gegenüber wurde es vom Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vertreten.

Hauptstadt des Landes war Gera. Die Landesfarben waren schwarz-rot-gelb. Wichtigster Wirtschaftszweig waren die Textilindustrie und der Maschinenbau, was das Land zu einer Hochburg der Sozialdemokratie machte. Um 1905 hatte das Land rund 145.000 Einwohner. Im Reichstag und im Bundesrat hatte das Land je eine Stimme. Im Landesparlament herrschte ein interessantes Wahlrecht, welches Einkommen, Lebensalter und Bildungsstand berücksichtigte.

Zu Zeiten der Reichseinigung herrschte im Fürstentum Heinrich XIV., welcher 1867 den Thron bestiegen hatte. Wirklich zu bestimmen gab es aber eigentlich wenig, da die meisten Hoheitsrechte eben von anderen Bundesstaaten wahrgenommen wurden. 1902 übernahm Heinrich XIV. nach dem Aussterben des Hauses Reuß älterer Linie die Regentschaft dort, mußte aber selbst 1908 die Regierung an seinen Sohn Heinrich XXVII. abgeben. Heinrich XIV. starb 1913. Im bald darauf ausbrechenden 1. Weltkrieg war sein Sohn General der Kavallerie beim XI. Armeekorps. Am 11. November 1918 muß er abdanken und stirbt 1927 in Gera.

Nach dem Ende der Monarchie wurde Reuß 1920 Bestandteil des Landes Thüringen. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung hatte und hat die Gegend um Gera sehr schwer mit dem Strukturwandel zu kämpfen.

L.R.

Nachtrag:

In der Lausitzer Allgemeinen wurden die Gute[n] Gründe der Monarchie nachzutrauern dargelegt und in diesem Artikel hieß es:

Gera: Unter der Monarchie eine der reichsten Städte überhaupt und heute ein riesiges Armenhaus

Stadt Gera: Unter der Monarchie eine der reichsten Städte überhaupt: Und heute, ein riesiges Armenhaus. Die Perspektiven für die Zukunft sehen noch viel düsterer aus: Überalterung, Fortzüge und Resignation.

„Gera war einmal reich. Heute ist Thüringens drittgrößte Stadt pleite.“

Heinrich XIII. Prinz Reuß ist ein Nachfahre des letzten regierenden Fürsten Heinrich XXVII. Reuß der Fürstentümer Reuß ä.L. und Reuß j.L., dessen erzwungene Abdankung 1918/1919 mit der Besonderheit eines Rechts auf Rücktritt zu diesem Abdankungsvertrag erfolgte. Von diesem Recht macht Heinrich XIII. Prinz Reuß seit dem 3. Juni 2019 notariell Gebrauch. Die Gerichte erklären sich jedoch für die sog. Schiedsgerichtsklausel nicht zuständig und/oder lehnen diese im Gesetz verankerte Regelung als hinfällig ab.