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Das Großherzogtum Hessen beinhaltete viele Gebiete des heutigen Hessen, jedoch gehörten die preußische Provinz Hessen-Nassau und das Fürstentum Waldeck und Pyrmont nicht dazu. Die Großherzöge kamen aus dem Hause Brabant, deren Linie sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Im Mittelalter zerfiel das Haus und Hessen wurde unter zahlreichen Seitenlinien wie zum Beispiel Hessen-Homburg, Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Rotenburg, Eschwege, Rheinfels-Rotenburg und Rheinfels-Wanfried geteilt und anschließend mehr oder weniger wieder zusammengeführt. 1806 wurde das Land Großherzogtum und Mitglied des Rheinbunds, nachdem Napoleon diesbezüglich starken Druck ausgeübt hatte, weil der vormalige Landgraf und jetzige Großherzog Ludwig eher Preußen zugeneigt war. Die Großherzöge führten den Titel „von Hessen und bei Rhein“. 1815 trat das Großherzogtum dem Deutschen Bund bei, trat Westfalen an Preußen ab und wurde mit Rheinhessen entschädigt. Eine landständische Verfassung wurde verabschiedet. Im Gegensatz zu früheren Konflikten stand das Land 1866 an der Seite Österreichs gegen Preußen, was vor allem auf Ministerpräsident von Dalwigk zurückzuführen war, und mußte nach der Niederlage des Landes wieder gegen eine Entschädigung durch Gebiete kleinerer Staaten Territorium an Preußen abtreten, schloß dann eine Militärkonvention mit Preußen und der nördlich des Mains gelegene Teil Hessens wurde Teil des Norddeutschen Bundes. 1871 wurde das gesamte Großherzogtum Bundesstaat des Deutschen Reichs.

Das Land stellte drei Abgeordnete im Bundesrat und neun im Reichstag. Die Landesfarben waren rot, weiß und rot. Im hessischen Zweikammersystem bestand die erste Kammer aus ernannten und die zweite aus von Wahlmännern gewählten Abgeordneten. Da die erste Kammer umfangreiche Vetorechte besaß, kann das politische System als konservativ bezeichnet werden. 1910 hatte das Land rund 1,3 Mio. Einwohner. Da die Bevölkerung rapide wuchs, setzten sich der Großherzog, Adlige und Industrielle für den sozialen Wohnungsbau ein. Zu den Streitkräften stellte Hessen eine geschlossene Division. Wirtschaftlich lebte das Land von Agrarwirtschaft, vor allem Weinanbau, und der Chemie- und Lederindustrie. Die Großherzöge waren gleichzeitig Oberhaupt der evangelischen Landeskirche.

Erster Großherzog im neuen Kaiserreich war der schon seit 1848 regierende Ludwig III. Er galt nicht gerade als ein Freund Preußens oder der deutschen Einheit und blieb auch der Reichsgründung in Versailles fern. Allerdings hatte er sich zu diesem Zeitpunkt auch schon weitgehend von den Regierungsgeschäften zurückgezogen und überließ diese seinem Neffen, dem späteren Ludwig IV. An den Verhandlungen zur Reichsgründung nahm allerdings Ministerpräsident von Dalwigk teil, der aufgrund seiner Parteinahme für Österreich 1866 nicht gerade beliebt bei Bismarck war. So war dann Hessen auch das einzige Land, welches im deutschen Föderalismus keine Sonderrechte eingeräumt bekam. Ludwig III. verschied 1877 und Ludwig IV. trat dann auch offiziell seine Nachfolge an. Dieser war, ähnlich wie Kaiser Friedrich III., mit einer englischen Prinzessin verheiratet und somit Schwiegersohn von Königin Victoria von England. Anders als sein Onkel war er jedoch wieder propreußisch orientiert und integrierte Hessen in das neue Deutsche Reich. Die Politik des Landes konzentrierte sich auf die Reformierung der Verwaltung. Ludwig IV. starb 1892 an einem Schlaganfall.

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein

Ihm folgte mit 23 Jahren sein Sohn Ernst Ludwig auf den hessischen Thron. Er widmete sich der Förderung von Architektur und Kunst, so wurde Hessen zu einem wichtigen Zentrum des Jugendstils. Ansonsten ging er vor allem seiner militärischen Laufbahn nach. Im 1. Weltkrieg bekleidete er den Generalsrang und war dem kaiserlichen Hauptquartier zugeordnet, die Familie engagierte sich außerdem für die Verwundeten. Ernst Ludwig kann als beliebter Monarch angesehen werden, wurde am 9. November 1918 jedoch auch von einem Arbeiter- und Soldatenrat für abgesetzt erklärt. Neben dem König von Bayern und dem Fürsten von Waldeck-Pyrmont dankte der Großherzog von Hessen jedoch nie formell ab. Er entband seine Bediensteten 1919 lediglich von ihrem Treueeid. Da sein erstgeborener Sohn bei einem Flugzeugunfall ums Leben kam, wurde bei seinem Tod 1937 der Zweitgeborene Sohn Ludwig neuer Chef des Hauses. Dieser galt in Zeiten des Nationalsozialismus wegen seiner englischen Gattin als politisch unzuverlässig und wurde im Zuge des Prinzenerlaß aus der Wehrmacht ausgemustert. Später widmete er sich dem Wiederaufbau Darmstadts und anderer Orte. Da seine Ehe kinderlos blieb, adoptierte er Moritz von Hessen-Kassel, also einen Angehörigen einer Nebenlinie. Heutiger Chef des Hauses ist seit 2013 der 1966 geborene Unternehmer Landgraf Heinrich Donatus von Hessen.

L.R.

Der Chef des Gesamthauses Hessen: Landgraf Donatus, Landgräfin Floria, geborene Gräfin von Faber-Castell, mit ihren Kindern, vorne Erbprinz Moritz von Hessen, seine Zwillingsschwester Prinzessin Pauline (*26. März 2007) und der 2012 geborene Prinz August.