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Vater der portugiesischen Monarchisten verstorben

Der wichtigste Gründer der Monarchistischen Volkspartei Portugals (Partido Popular Monarquico – PPM), Gonçalo Pereira Ribeiro Telles, ist im hohen Alter von 98 Jahren verstorben. Thronprätendent Dom Duarte Pio von Bragança würdigte den Verstorbenen als Idealisten und wahren Patrioten.

Gonçalo Pereira Ribeiro Telles
* Lissabon, 25. Mai 1922 –
† Lissabon, 11. November 2020
 

Wie so vielen, erging es auch den Portugiesen nach dem Sturz ihrer Monarchie im Jahr 1910 durch das Militär nicht gut. Es folgte Staatsstreich auf Staatsstreich und die Diktatoren und Präsidenten gaben sich die Klinke in die Hand. In dieses Umfeld wird auch Ribeiro Telles 1922 hineingeboren. 1926 folgte in Portugal dann die Errichtung eines neuen, dann allerdings sehr langwierigen autoritären Regimes: Der Estado Novo oder Corporativo, der Ständestaat unter Antonio de Oliveira Salazar. Anders als in Spanien, wo bei den Eliten der Gedanke der Restauration der Monarchie immer vorhanden und so stark war, daß Franco ihn nicht ignorieren konnte, wählten die portugiesischen Monarchisten den Weg der Opposition und die Regierung setzte sich aus meist republikanisch denkenden Generälen zusammen. Salazar mußte sich daher nicht mit solchen Anliegen auseinandersetzen und bei seiner krankheitsbedingten Absetzung 1968 (er starb 1970) trat mit Marcelo Caetano ein weiterer bürgerlicher Diktator seine Nachfolge an. Auch Ribeiro Telles, der studierte Landschaftsarchitekt, stand in Opposition zum Regime, wirkte an der Gründung verschiedener monarchistischer Kreise mit und unterstützte Militärs in Opposition zum Salazarregime. Ebenfalls anders als Spanien, welches geschickt verhandelte und sich einige Vorteile wie etwa den Verbleib der Exklaven Ceuta und Melilla auf dem afrikanischen Kontinent bei Spanien sichern konnte, gab Portugal seine Kolonien nicht freiwillig auf, und portugiesische Wehrpflichtige kämpften und starben in Angola und anderswo auf der Welt, was die Bevölkerung gegen die Regierung aufbrachte. 1974 kam es daher zu einem weiteren Militärputsch, in dessen Verlauf sich die Nelkenrevolution entwickelte und Portugal Demokratie wurde, jedoch die republikanische Staatsform beibehielt.

Das erste Grundsatzprogramm des PPM beschrieb 1974 auf 62 Seiten die Vorstellungen der Monarchisten zur zukünftigen Gestaltung Portugals.
 

In der Folge durften verschiedene politische Strömungen wieder in einen politischen Wettstreit treten und eine Partei, die sogleich gegründet wurde und verschiedene monarchistische Strömungen gruppierte, war der PPM. Bei Wahlen trat er in der Aliança Democrática mit Sozialdemokraten (PPD/PSD) und Christdemokraten (CDS) an, gewann 1979 in einem solchen Bündnis die Wahlen und von 1981 bis 1983 war Ribeiro Telles Minister für Lebensqualität. Im Anschluß daran verlor die Partei jedoch an Bedeutung, auch wenn sie hin und wieder an Wahlbündnissen beteiligt wurde und mitunter Sitze auf nationaler Ebene errang. Heute stellt sie nur noch Regionalabgeordnete auf den Azoren. Der mangelnde Erfolg ist vor allem dynastischen Fragen zwischen den Monarchisten geschuldet, denn neben dem Haus Bragança herrschten in Portugal in jüngeren Zeiten auch Vertreter des Hauses Sachsen-Coburg-Gotha. Obwohl die portugiesischen Monarchisten unter Ribeiro Telles sich keinen ultrakonservativen Anstrich gaben, sondern auch moderne Themen wie die Ökologie aufgriffen und betonten, daß die Monarchie für alle da sei, konnten sie auch jüngere Wähler nicht überzeugen. Nicht überzeugen konnte auch die Republik Portugal, denn sie ist heute bei den meisten Indikatoren Schlußlicht in Westeuropa. So gilt das Bildungssystem als das schlechteste, es gibt kaum größere portugiesische Unternehmen und ein nicht unbedeutender Teil der Jugend emigriert aufgrund der Perspektivlosigkeit im eigenen Land. Unter Salazar und Franco waren Portugal und Spanien sich nicht unähnlich, aber im Rahmen des Übergangs sind die Spanier mit der Monarchie eindeutig besser gefahren. L.R.

Demonstration für die Monarchie?

In Corona-Zeiten sind Demonstrationen auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Gab es einst klar abgesteckte Fronten, hinter denen sich Gleichgesinnte scharten, um für oder gegen etwas zu demonstrieren, charakterisiert das heutige Demowesen bloß noch heterogene Anliegen. Die jüngste Demonstration am 14. November in Potsdam brachte das erneut zum Ausdruck. Angemeldet wurde sie laut PNN von „Reichsbürgern“, die des „Jahrestags der sogenannten Abdankung des [vorläufig] letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.“ gedenken wollten. Seinem Ururenkel, Prinz Georg Friedrich von Preußen, wolle man zeigen, „daß wir da sind und ihn zurück wollen“. Dieser solle der nächste „Friedenskaiser“ werden. Ebenfalls laut PNN hat sich Seine Kaiserliche Hoheit in einem Telephonat mit Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) von der Demonstration distanziert, doch was die Zeitung zitiert, klingt eher wie vages Befürworten des status quo denn ein schroffes Ich-will-das-nicht. Warum hatte OB Schubert überhaupt den Hohenzollernchef angerufen? Und warum plaudert er das Gespräch aus?Trieb ihn die Angst, es könnte mehr dahinterstecken?

Wenn alle demonstrieren, warum sollten Monarchisten es nicht tun? Aber waren die Potsdamer Organisatoren wirklich Monarchisten oder ging es ihnen bloß um Provokation? Das scheint in diesem Krisenjahr 2020 eher an der Tagesordnung zu sein als wohldurchdachte Alternativen zum Politikbetrieb. Die Zeit ist nicht günstig, um für die monarchische Staatsform durch die Straßen zu ziehen. Das muß aber nicht so bleiben. H.S.

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Die vollständige 244. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Inhalt der 244. Ausgabe:

  • Vater der portugiesischen Monarchisten verstorben
  • Trianon-Tag in Rumänien
  • Fumihito offiziell japanischer Kronprinz
  • Volkstrauertag mit Prinz Charles
  • Potsdam: Eine Demonstration für die Monarchie?

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