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Zum bundesrepublikanischen Fahnenstreit

Die Farben des Kaiserreichs gehen zurück auf die Zeit um 1866, als der Deutsche Bund noch überwiegend aus Kleinstaaten bestand: Die preußische Marine, auch Hamburger, Bremer und Oldenburger Kaufleute fuhren unter verschiedenen Flaggen. Um den Handel und die Akzeptanz der Flotte nach außen zu erhöhen, brauchten die Kaufleute eine einheitliche Symbolik. Aus den preußischen Farben schwarz und weiß und dem rot-weiß der Hanse ging schließlich schwarz-weiß-rot hervor.

Was war im in den letzten 15 Jahren unter der gegenwärtigen Kanzlerin immer uniformer werdenden Blätterwald zu den Coronademonstrationen nicht alles zu lesen: Der Reichstag sollte gestürmt werden. Reichsbürger probten den Umsturz. Die Demokratie war in Gefahr. Einige rechtsextreme Youtuber filmten vor Ort und feierten sich selbst für ihr heroisches Erklimmen einer nicht allzu steilen und nicht allzu hohen Treppe. Am Ende wurden die drei Polizisten, die gerade zufällig vorm Reichstag Dienst taten, dann mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, wurden vom Bundespräsidenten und vom Bundestag empfangen, weil sie das Gebäude bewacht hatten. Der Reichstag war zu diesem Zeitpunkt allerdings leer, denn es war Samstag und da gibt es keine Sitzungen des Parlaments.

Dem Autor fiel dabei ein Satz eines spanischen Sozialisten ein, der den ersten, melodramatischen und gescheiterten Staatsstreich in der 2. Spanischen Republik 1932 dahingehend kommentierte, daß er es verdienen würde, demnächst im Theater aufgeführt zu werden. Der Vorwurf lächerlicher Theatralik gilt dabei für beide Seiten, also Demonstranten und Politik.

Der Teil der Coronademonstrationen, welcher vor dem Reichstag stattfand, passierte nun allerdings unter einer Vielzahl von Fahnen, unter anderem der schwarz-weißen preußischen und der schwarz-weiß-roten des Kaiserreichs, welche die Medien als eischreiben soll, als „Fahne“. Der Bundespräsident und einige Parlamentarier gaben dann zum Besten, daß es unerträglich sei, daß diese Fahnen heute wieder vor dem Reichstag gezeigt würden. Ob die Journalisten und Politiker, die Entsprechendes äußerten, wohl wissen, wer das Gebäude gebaut hat und welche Fahne der deutsche Staat damals verwendete, darf in einigen Fällen durchaus bezweifelt werden. Einige von ihnen werden auch nicht wissen, daß die Wahlen zum Deutschen Reichstag im Kaiserreich unter dem fortschrittlichsten Wahlrecht stattfanden, welches es damals in Europa gab, und daß fast alle Dinge, auf die die Bundesrepublik später in Politik, Verwaltung und Recht aufgebaut hat, aus dem Kaiserreich kommen. Es geht aber eben nicht darum, sondern eben um ein „Narrativ“, also darum, eine Geschichte zu erzielen, statt die (deutsche) Geschichte objektiv wiederzugeben.

Kronprinz Georg Friedrich distanzierte sich derweil auf Nachfrage in der Neuen Osnabrücker Zeitung von der Aktion am Reichstag. So sagte er, daß er sich „seit vielen Jahren dafür ein(setzt), dass wir uns mit unserer Geschichte einschließlich all ihrer Licht- und Schattenseiten bewusst auseinandersetzen, um deren Interpretation nicht eines Tages denen zu überlassen, die versuchen werden, sie für eigene ideologische Zwecke zu instrumentalisieren.“  Es ist zu begrüßen, daß sich Seine Königliche Hoheit hier von Rechtsextremen und auch von Leuten abgrenzt, die für sich selbst beschlossen haben, daß die Pandemie jetzt zu Ende zu sein hat. Gerade letzteren sei gesagt, daß die Generation unserer Großeltern ein bis zwei Kriege mitsamt Nachkriegszeit sowie je nach Heimatort Flucht und Vertreibung beziehungsweise eine kommunistische Diktatur durchgemacht hat, was die Beschränkungen, die wir momentan erleben, doch etwas relativiert.

Die kaiserliche Reichskriegsflagge kann von der Polizei entfernt werden, allerdings nur unter der Voraussetzung, daß die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch sie gefährdet scheint (!). Im Bundesland mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung, Bremen, wird ab 21. September das öffentliche Zeigen der Reichs- und der Reichskriegsflagge verboten. Zuwiderhandelnde werden mit einer Geldstrafe von bis zu 1000 € belegt.

Es mag dabei auf der Demonstration einen gewissen Anteil Rechtsextremer, Esoteriker und Verschwörungstheoretiker und einen noch einmal so hohen Anteil von Leuten auf jener Demonstration gegeben haben, die zu wenig belastbar für das Leben unter Pandemiebedingungen sind. Was werden sich aber wohl die wegen Corona vom Konkurs bedrohten Kleinunternehmer denken, oder die Kinder, die während des Lockdowns ihre Eltern in Krankenhäusern oder Altersheimen kaum sehen durften, und deswegen nach Berlin gefahren sind? Es mögen auch viele Leute dabei gewesen sein, die sich Sorgen um ihre Ersparnisse machen, weil die EU die Folgen der Pandemie mit dem Drucken von Phantasiegeld lindern möchte. Wenn diese Leute, deren Motive, sich an der Demonstration zu beteiligen, also durchaus Empathie und Sympathie hervorrufen können, durch sehr kreativ zusammengeschnittene Reportagen massiv in die Nähe von Irren, Weicheiern und Extremisten gerückt werden, werden sie wohl eher keinen reumütigen Kotau vor der Regierung machen, so wie diese sich das vorgestellt haben mag, weil dort auch Menschen demonstriert haben, die man sonst eher nicht zum Nachbarn haben möchte. Sie werden sich eher mit ihren Sorgen nicht ernstgenommen fühlen und sich ebenso geistig von dem Staat mit der schwarz-rot-goldenen Fahne entfernen, wie es schon sehr viele Deutsche wie zum Beispiel Euroskeptiker oder Migrationskritiker in den späten Merkeljahren getan haben. Wenn diese seriösen Kritiker dann schwarz-weiß-rot für sich entdecken, warum nicht? L.R.

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Die vollständige 241. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 241

Inhalt der 241. Ausgabe:

  • Zum bundesrepublikanischen Fahnenstreit
  • Reza Pahlavi verurteilt Hinrichtung eines Ringers
  • Fakten über das Kaiserreich

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