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Das Fürstentum Waldeck und Pyrmont war einer der kleinsten deutschen Bundesstaaten im Kaiserreich. Das Land lag ungefähr zwischen Kassel, Marburg und Paderborn. Größere Städte war die Hauptstadt Arolsen und die Städte Bad Wildungen und Pyrmont. Die Landesfarben von Waldeck-Pyrmont waren schwarz, rot und gelb. Im Bundesrat hatte das Land eine Stimme. Gegen 1905 zählte Waldeck-Pyrmont rund 60.000 Einwohner. Haupterwerbsquelle für die Bevölkerung war die Landwirtschaft.

Die Fürsten kommen aus dem Hause Schwalenberg, welches ab dem ausklingenden 12. Jahrhundert als Waldeck bezeichnet wurde. 1631 wurde Pyrmont erworben. Im Mittelalter veränderten sich die Gebietsgrenzen des Fürstentums stark in die eine und die andere Richtung. In der napoleonischen Zeit wurde es zwischen den Brüdern Friedrich und Georg getrennt, wobei Waldeck ein Teil des Rheinbunds wurde. Nach dem Aussterben einer Linie wurde es jedoch schon 1813 wieder vereint und 1815 wurde das Fürstentum Teil des Deutschen Bundes. 1866 stand auf der Seite Preußens und wurde dann Mitglied des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reichs. Zu Zeiten der Reichsgründung herrschte in Waldeck-Pyrmont Fürst Georg Viktor, der als eher konservativ galt. Es gab Überlegungen, das Fürstentum ganz in Preußen aufgehen zu lassen, dies wurde jedoch von Bismarck abgelehnt, der nicht wollte, daß es den Anschein habe, daß Preußen die kleineren Staaten gängeln würde. Die Verwaltung des Fürstentums wurde dann aber ab 1877 weitgehend auf Preußen übertragen, was für das hochverschuldete Fürstentum auch erforderlich war, denn Preußen trug damit auch einen großen Teil der anfallenden Verwaltungskosten. Preußen ernannte hierfür einen Landesdirektor und der Fürst behielt sich lediglich das Begnadigungsrecht sowie die Hoheit in kirchlichen Angelegenheiten sowie die Zustimmung zu einigen Gesetzestypen vor.

Auf Georg Viktor folgte 1893 Fürst Friedrich. Er bekleidete den Rang eines Generals der Kavallerie und nahm als solcher am 1. Weltkrieg teil. Da es in Waldeck-Pyrmont keine eigenen Revolutionäre und Räte gab, mußten solche erst aus dem benachbarten Kassel herangefahren werden, um den Fürsten abzusetzen. Fürst Friedrich starb 1946 in Arolsen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Fürstentum nach und nach in die preußische Provinz Hannover eingegliedert und verlor auch seinen Bestand als Gebietseinheit. Bei einer Kreisreform 1942 bekam das Land als Kreis noch einmal fast seine alten Grenzen, was bis zu einer weiteren Kreisgebietsreform so blieb. Erbprinz Josias, welcher im 1. Weltkrieg unter anderem in der Schlacht bei Gallipoli kämpfte und dafür mit dem Eisernen Halbmond ausgezeichnet wurde, bekleidete in der NS-Zeit ein höheres Amt in der SS und war deswegen bis 1950 in Haft.

Erbprinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont ist seit 2018 geschäftsführender Vorsitzender der Fürstlichen Stiftung des Hauses Waldeck und Pyrmont. Der Nachfolger des 9. Fürsten ist seit einem Unfall 2011 querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Chef des Hauses ist heute der 1936 geborene Fürst Wittekind zu Waldeck und Pyrmont, welcher sich lange ehrenamtlich um die deutsche Forstwirtschaft kümmerte, für die er lange hohe Ämter bekleidete. Erbprinz ist der 1991 geborene Carl-Anton.

L.R.

Königin Beatrix der Niederlande besuchte im Sommer 2008 Arolsen. Fürst Wittekind und Fürstin Cäcilia (Mitte) zu Waldeck und Pyrmont waren ihre Gastgeber. Zwischen den Herrscherfamilien bestehen enge Beziehungen, war doch Königin Emma, die Urgroßmutter von Beatrix, eine Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont, die durch ihre Eheschließung mit König Wilhelm III. und der Geburt der nachmaligen Königin Wilhelmina verhinderte, daß ein Prinz aus dem Haus Sachsen-Weimar-Eisenach König der Niederlande wurde.