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Das Fürstentum Lippe zählte zu den kleinsten Ländern im Deutschen Reich. Die herrschende Dynastie war das Haus Lippe, deren Ahnherr Bernhard von der Lippe im 12. Jahrhundert herrschte. Im Jahr 1789 wird das Land Reichsfürstentum, 1815 tritt es dem Deutschen Bund und 1841 dem Zollverein bei. 1866 stand das Land an der Seite Preußens und lippische Soldaten wurden auch in Kampfhandlungen in Hessen verwickelt. Im Anschluß wurde Lippe zu Zeiten der Herrschaft Leopolds III. Teil des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Kaiserreichs. Der konservative Fürst, der sich Zeit seiner Herrschaft gegen die Folgen der Revolution von 1848 stemmte, erlebte noch die Einweihung des Hermannsdenkmals durch Kaiser Wilhelm I. bevor er 1875 verstarb. Auf ihn folgte Fürst Woldemar von Lippe-Detmold, der die von seinem Vorgänger ausgesetzte Verfassung wieder einsetzte und den Einfluß des Adels schwächte. Gleichzeitig galt er als sehr sparsam und sanierte den Staatshaushalt.

Das Haus Lippe teilte sich schon im Mittelalter in verschiedene Linien. Es herrschten im Fürstentum wechselnd die Grafen von Lippe-Detmold oder diejenigen von Schaumburg-Lippe. 1895 starb jedoch Fürst Woldemar und sein ihm in der Thronfolge nachstehender Bruder Alexander konnte aufgrund einer Geisteskrankheit die Herrschaft im Fürstentum nicht antreten. Hierauf entstand ein Streit darüber, wer die Regentschaft übernehmen sollte. Kaiser Wilhelm II. favorisierte jemanden aus dem Haus Schaumburg-Lippe, da er die beiden Fürstentümer zusammenführen wollte. Der als Schiedsrichter eingesetzte König von Sachsen entschied jedoch für Graf Ernst von Lippe-Biesterfeld. Die Biesterfelder Seitenlinie hatte bislang nicht geherrscht. 1905 wurde sein Sohn als Leopold IV. schließlich zum legitimen Herrscher im Fürstentum ernannt. Er verbesserte die Infrastruktur und erhöhte das Steueraufkommen vor allem zu Ungunsten der reicheren Schichten.

Im Reichstag und im Bundesrat stellte das Land je einen Abgeordneten. Für die Wahl des Landesparlaments galt das Dreiklassenwahlrecht. Residenzstadt war Detmold, weitere wichtige Städte waren Lemgo und Salzuflen. 1910 hatte das Fürstentum rund 150.000 Einwohner. Wichtigster Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft.

Armin Leopold Ernst Bruno Heinrich Willa August Prinz zur Lippe, so sein vollständiger Name, wird am 18. August 1924 als einziges gemeinsames Kind von Fürst Leopold IV. und seiner zweiten Ehefrau Anna, einer gebürtigen Prinzessin zu Ysenburg-Büdingen, in Detmold geboren. Er war einer der ersten Kriegsdienstverweigerer in der Bundesrepublik Deutschland und starb hochgeachtet am 20. August 2015.

Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg dankte Leopold IV. am 12. November ab, wobei es ihm gelang, Teile des Familienbesitzes zu sichern. Aufgrund Verwicklungen seines erstgeborenen Sohnes Ernst Leopold mit dem nationalsozialistischen Regime wurde dieser aus der Erbolge ausgeschlossen und sie ging auf seinen Halbbruder Armin über, welcher 2015 verstarb. Chef des Hauses ist heute der 1959 geborene Stephan Prinz zur Lippe, welcher sich als Rechtsanwalt und Steuerberater verdingt und sich politisch in der FDP engagiert. Das Land Lippe bleibt in der Weimarer Republik unabhängiger Freistaat. 1947 wurde Lippe in das künstlich geschaffene Bundesland Nordrhein-Westfalen eingegliedert.
L.R.