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Afghanistan: Die verpaßte Chance

Als die USA in der Folge des Anschlages vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschierten, taten sie dies mit der erklärten Absicht, die Taliban von der Regierung zu verdrängen und ein demokratisches Regime zu etablieren, damit Terroristen für alle Zukunft dort keinen Rückzugsort mehr fänden. Der bis dahin über das Land wenig informierte Leser konnte dann plötzlich erfahren, daß unter den Taliban Frauen unterdrückt werden, Vergnügungsmittel wie etwa Musik oder Bilder verboten sind, ein Islam propagiert wird, wie er im Mittelalter üblich war und die Haupteinnahmequelle der afghanischen Wirtschaft der Export von Schlafmohn ist.

Afghanistan ohne Königtum – Ausländische Soldaten, Frauengestalten in Burkas und raketenzerstörter Königspalast, ein Musterbeispiel für die Erkenntnis: Ein Land ohne König wird bald ein weiterer „failed state“ werden.

Etwas weniger als 19 Jahre später unterschreibt eine andere amerikanische Regierung nun in Doha ein Abkommen, welches den Taliban die Rückkehr an die Macht ermöglichen wird. Zwar geht es nur um den Abzug der amerikanischen Truppen für den die Taliban im Gegenzug zusichern, aus Afghanistan nicht wieder einen Rückzugsort für Terroristen zu machen. Im Anschluß an das Abkommen sollen die Taliban jetzt mit der offiziellen afghanischen Regierung den Frieden aushandeln. Wie dies ausgehen wird, kann man sich jedoch denken: Die durch und durch korrupte und inkompetente Marionettenregierung wird schnell weggespült werden, natürlich haben ihre prominenteren Vertreter aber schon so viel Geld auf Konten im Ausland deponiert, daß sie dort dann bequem leben können. Wahrscheinlich wird die Machtübernahme der Taliban sogar anfänglich mit der Zustimmung der Bevölkerung geschehen, denn eines sind fanatische Extremisten in der Tat meist nicht: korrupt.

Die Taliban werden die afghanische Bevölkerung dann schon bald so unterdrücken, wie sie es vor 2001 getan haben und es wird ein Islam einkehren, wie er zu Zeiten des Propheten Mohammed geherrscht und für das 7. Jahr-hundert ein Fortschritt gewesen sein mag. Die Afghanen können einem also leidtun, obwohl vielleicht sogar Friede in dem Land einkehrt, denn für jeden, der nicht mitmacht, hat die Scharia einfache aber wirkungsvolle disziplinarische Möglichkeiten parat.

Es hätte dabei anders kommen können, denn zu Zeiten des amerikanischen Einmarsches war König Mohammed Zahir Schah zwar hochbetagt, doch noch am Leben. Das letzte Staatsoberhaupt, unter dem die Afghanen in Frieden gelebt haben, genoß ein hohes Ansehen und stand für einen nicht ganz so rückständigen Islam. Hätten die Afghanen damals wirklich eine Wahl gehabt, wäre er Staatsoberhaupt gewoden und wenn überhaupt hätte es nur ihm gelingen können, Kriegsherren und verfeindete Stämme zu einem halbwegs friedlichen Auskommen zu bewegen, ohne dafür eine Steinzeitdiktatur zu errichten. Leider bestanden die Amerikaner damals auf die Einsetzung der von ihnen kontrollierten Marionette Karsai und der Ex-König bekam einen bedeutungslosen Titel als „Vater der Nation“. 2007 verstarb er 92-jährig in seinem Palast in Kabul und der mittlerweile auch schon 85-jährige Kronprinz Ahmed Schah Khan genießt nicht die hohe Popularität des alten Königs und hat auch nicht den Titel eines Vaters der Nation. Diesen Fehler der USA im Umgang mit dem Königshaus wird die afghanische Bevölkerung nun teuer bezahlen. L.R.

Iranische Friedensnobelpreisträgerin bittet um Entschuldigung für „unheilvolle Revolution“

Shirin Ebadi (* 21. Juni 1947) studierte ab 1965 Jura in Teheran und wurde 1969 Richterin. 1975 wurde sie zur ersten Vorsitzenden Richterin im Iran ernannt. Mit dem neuen Regime verlor sie 1979 das Richteramt und mußte Sekretärinnenarbeiten verrichten. 2003 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

Daß die Revolution ihre Kinder frißt, ist eine Binsenweisheit, auch wenn sie Revolutionäre immer verdrängen. Es kommt eher selten vor, daß sich Umstürzler einmal bei der nachfolgenden Generation entschuldigen für den Schaden, den sie anrichteten. Die iranische Juristin und Friedensnobelpreisträgerin von 2003, Shirin Ebadi, hat die junge Generation im Iran in einem offenen Brief um Verzeihung für die „unheilvolle Revolution“ gebeten. Die Washington Post veröffentlichte ihn am 25. Februar 2020 auf englisch: „I thought the Iranian Revolution would bring freedom. I was wrong.“ Eine deutsche Übersetzung erschien im schweizerischen Journal 21. Unter anderem schrieb Frau Ebadi darin:

Dieser Brief, geschrieben 41 Jahre nach der Revolution, die meine Generation und ich angestiftet haben, richtet sich an meine Töchter und ihre Altersgenossen. Sie bitte ich hiermit um Verzeihung für unseren Fehler, der ihre Welt zerstört hat. Das war nicht unsere Absicht. Wir hätten vor 41 Jahren nach Reformen streben müssen, denn der Schah war krank und hatte 1978 den unumstrittenen Patrioten Shahpur Bakhtiar zum Ministerpräsidenten ernannt. Wir hätten ihn statt Khomeini unterstützen müssen.

Damals hörten wir dessen Mitteilungen im Radio BBC Persian. Als der Schah und sein Umfeld dem Sender Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes und die Lenkung der Revolution vorwarfen, hieß es von der BBC, sie würde unparteiisch berichten – die offiziellen Nachrichten aus dem Iran und die Nachrichten der Gegner des Schahs. Tausende von uns hörten Khomeinis Mitteilungen in der BBC und folgten seinen Anweisungen zu den Demonstrationen. Die Schuld dafür, für ein politisches System zu votieren, von dessen Inhalt wir keine Ahnung hatten, liegt einzig und allein bei uns.

Der Iran ist in den Händen von 100 korrupten Familienclans, und wer außerhalb dieses Kreises steht, hat keine Hoffnung auf Fortschritt und ein gesundes und würdiges Leben.“

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Die vollständige 232. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 232

Inhalt der 232. Ausgabe:

    • Afghanistan: Die verpaßte Chance
    • Ein Virus kann eine Chance sein
    • Malaysischer König im Zentrum der Aufmerksamkeit
    • Entschuldigung für „unheilvolle Revolution“

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