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Im Friedensvertrag von Frankfurt vom 10. Mai 1871 trat Frankreich den größten Teil des Elsaß‘ (ohne Belfort) und Lothringens (ohne Meurthe et Moselle und ohne die Hauptstadt Lothringens – Nancy) an das Deutsche Reich ab. Besonderheit: Vom Departement Vosges (blau) kamen der Kanton Schirmeck und die Hälfte des Kantons Saales, zum Reichsland und gehören seitdem zum Elsaß.

Das Reichsland Elsaß-Lothringen kam 1871 als Kriegsbeute zum Deutschen Reich und so richtig trauten die Deutschen den Bewohnern dieses Landes im Zeitalter des Nationalismus nicht über den Weg. Im Deutschen Kaiserreich hatte es daher keinen eigenen Monarchen, sondern war „Reichsland“ und bekam einen von Berlin ernannten Statthalter. Dem kaiserlichen Statthalter waren ein Reichsamt und ein beratender Ausschuß der Bevölkerung zur Seite gestellt wurde.

Ab dem 9. Jahrhundert wurden das Elsaß und Lothringen von den Herzögen von Schwaben regiert. Danach teilten sich die Länder ab dem 13. Jahrhundert in verschiedene Besitzungen, wobei die Habsburger einen großen Teil des Landes bekamen. Immer wieder wehrten die deutschen Kaiser des Mittelalters französische Versuche ab, Einfluß auf das Gebiet zu erringen. Später war das Elsaß dann ein wichtiger Ausgangspunkt der Reformation. Die Habsburger verloren vielleicht deswegen ihr Interesse an dem Gebiet und traten ihre Rechte daran an Spanien ab, welches sich ebenfalls wenig damit beschäftigte. Bereits im 16. Jahrhundert eroberten die Franzosen daher Metz, Toul und Verdun. Nach dem dreißigjährigen Krieg 1648 kam es ganz zu Frankreich, das Herzogtum Lothringen folgte 1766. Da Frankreich vor der Revolution und dem Zeitalter des Nationalismus wenig unternahm, um den Bewohnern die eigene Lebensweise aufzudrücken, blieb die Bevölkerung der Lande jedoch kulturell eher deutsch, was vor allem für die Protestanten galt. 90 % der Einwohner im Reichsland sprachen außerdem um 1870/71 herum Deutsch als Muttersprache. Im Frieden von 1871 wurde festgelegt, daß diejenigen, die nicht mit der deutschen Annexion einverstanden waren, die französische Staatsbürgerschaft behalten konnten, jedoch das Land zu verlassen hätten. Letztere Bestimmung wurde aber nicht umgesetzt und die französisch fühlenden Bewohner des Reichslandes wurden nicht vertrieben. 1874 durfte das Land erstmals Abgeordnete in den Reichstag entsenden. Die 15 Abgeordneten stellten sogleich den Antrag, daß Elsässer und Lothringer selbst darüber entscheiden dürfen sollten, zu welchem Land sie gehören. Dieser Antrag wurde (leider) abgelehnt. Es war wie erwähnt die Zeit des Nationalismus und es war unvorstellbar, daß man sich freiwillig von Teilen eines Gebietes trennte, auch wenn dies vielleicht hätte zu einer Aussöhnung mit Frankreich und einer höheren Legitimität der Annexion führen können. Ein Teil der gewählten Abgeordneten nahm in der Folge am politischen Leben des Reichs teil, ein anderer boykottierte die Reichstagssitzungen. Auch Vorfälle wie die Zabernaffäre verlangsamten die Integration. Dies änderte sich erst nach und nach. Gerade der erste Reichstatthalter Edwin von Manteuffel war bemüht, die Bevölkerung des von ihm verwalteten Gebietes gerecht zu werden. Nach 1890 trat die große Mehrheit der Elsässer und Lothringer denn auch für mehr Autonomie und nicht mehr für einen Zusammenschluß mit Frankreich ein. Diese Autonomie sollte das Reichsland jedoch erst sehr spät bekommen. Erst 1911 bekam das Land eine Verfassung. Zu diesem Zeitpunkt waren Rückkehrbestrebungen zu Frankreich in der Bevölkerung stark im Rückgang begriffen, wozu auch die Entwicklungen der Französischen Republik hin zu einem radikalen Laizismus beitrugen, von denen sich in Elsaß-Lothringen Katholiken und Protestanten gleichermaßen bedroht fühlten.

Bei der letzten großen Regionalreform wurde das Elsaß mit anderen Teilen zur neuen Region Grand Est zusammengelegt. Dagegen erhob sich Widerstand, u.a. mit der Gründung einer Partei Unser Land – Le Parti Alsacien, die bis zu 12,6% der Stimmen holte.

Im 1. Weltkrieg waren die Grenzen von Elsaß-Lothringen gleichzeitig ein Teil der Front, bis zum Ende des Krieges konnten die Franzosen aber keine Gebietsgewinne verzeichnen. Die als unzuverlässig eingeschätzten wehrfähigen Männer der Region wurden vom Kaiserreich zumeist an der Ostfront eingesetzt. Politisch meldeten die Wittelsbacher Ansprüche an, das Land zu regieren, wozu es dann nicht mehr kam. Nach der deutschen Niederlage 1918 kam das Land ebenfalls ohne Volksabstimmung zu Frankreich, anders als 1871 wurde ein Teil der Bevölkerung, etwa 200.000 Menschen, vertrieben und es begann eine starke Französisierungskampagne, die sich nach der zwischenzeitlichen Besetzung des Landes im 2. Weltkrieg bis in die 1970er Jahre fortsetzte, in der föderale Ansätze wieder mehr Anhänger fanden. Daher sprechen heute weniger Menschen im Elsaß und in Lothringen Deutsch. An die Kaiserzeit erinnern unter anderem die Hohkönigsburg, das Schlachtfeld am Hartmannsweilerkopf und das Chorgewölbe des Straßburger Münsters.

L.R.