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Shitstorm für Georg Friedrich

Prinz Georg Friedrich im Hof von Schloβ Cecilienhof, das für seine Urgroβmutter gebaut wurde.

Mitte Juli wurden im tiefsten Sommerloch seit 2014 laufende Geheimverhand-lungen zwischen den Hohenzollern auf der einen und dem Bund sowie den Ländern Berlin und Brandenburg und zugehörigen Kultureinrichtun-gen auf der anderen Seite bekannt. Es geht um einen außergerichtlichen Vergleich zur Restituierung von Kulturgütern und Wohnrecht für die Familie in brandenburgischen Schlössern, vor allem im Potsdamer Cecilienhof. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), ließ in einem öffentlich gewordenen Brief nun wissen, sie müsse die Forderungen der Hohenzollern leider ablehnen. Zuletzt stellte auch Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Die Linke) dem Prinzen ein „Ultimatum“ bis zum 24. Juli, er möge auf seine Forderungen gegen das Bundesland Brandenburg verzichten. Andernfalls, so die Drohung des Politikers, werde man den Kronprinzen Wilhelm als jemand einstufen, der dem Nationalsozialismus wesentlich Vorschub geleistet habe, was bewirken würde, daß die Hohenzollern alle ihre Ansprüche verlieren würden. Es folgte auf die Bekanntgabe dieser Nachrichten massive Kritik am Prinzen in den Medien, die in den Kommentarbereichen von oft aggressiven und beleidigenden Äußerungen – auf neudeutsch „Shitstorm“ – begleitet wurden. Von der Verrechnung der Toten des 1. Weltkrieges mit den Ansprüchen der Hohenzollern bis hin zu dem Wunsch, die Guillotine möge zum Einsatz kommen, war so ziemlich alles dabei. Gemäßigte oder ausgeglichene Kommentare gab es dagegen kaum.

Nüchtern betrachtet haben die Hohenzollern und andere Fürstenhäuser in den 20er Jahren in der Tat Ausgleichszahlungen vom deutschen Staat bekommen und in den 90er Jahren vor Gericht verloren, als es um die Restitution von Land und Immobilien ging, welche während des Sozialismus‘ enteignetet wurden. Dies betrifft jedoch zum einen keineswegs Ausstattungsstücke und persönliche Gegenstände, die in diesen Immobilien enthalten waren. Hier könnte die Rechtslage ganz anders aussehen. Zum anderen bestehen auch unterschiedliche Rechtsauffassungen über die Tragweite der Fürstenentschädigung aus dem Jahr 1926. Letztlich hat die Drohung von Brandenburgs Finanzminister auch kaum Gehalt, da die Einstufung von Kronprinz Wilhelm als Nazibefürworter vor einem Gericht wohl keinen Bestand haben würde – vielleicht wäre es im Sinne der Hohenzollern sogar gut, man würde diese Frage einmal gerichtlich klären lassen.

Warum die Nachricht von den langjährigen Verhandlungen aber gerade jetzt an die Presse durchgestochen wurde, ist nicht bekannt. Eine mögliche Erklärung ist, daß das Haus Hohenzollern anders als beim Streit um Burg Rheinfels, den Prinz Georg Friedrich jüngst in erster Instanz verloren hatte, gute Argumente hat und einen Rechtsstreit gewinnen würde. Wenn staatliche Stellen sich jetzt an die Presse richten, wäre das also der Versuch, die öffentliche Meinung gegen Georg Friedrich zu wenden. Er soll so wohl dazu gebracht werden, seine Forderungen niedriger anzusetzen. L.R.

PS.
Ein völlig unaufgeregtes und sehr informatives Interview zu diesem Komplex veröffentlichten am 26. Juli die Potsdamer Neuesten Nachrichten mit André Schmitz. Der SPD-Politiker war unter Klaus Wowereit Chef der Senatskanzlei und Staatssekretär für Kultur: „In meiner Amtszeit habe ich Georg Friedrich Prinz von Preußen immer als fairen Vertragspartner erlebt.“

Hintergrund: Treuhand und Adel

„Volkseigentum“ war in der DDR das Eigentum von jedermann und damit eigentlich von niemandem, wobei der gröβte Teil dieses Vermögens in der Nachkriegszeit durch massive Enteignungen geschaffen wurde. Am 1. März 1990 beschloß der Ministerrat der ersten demokratisch gewählten Regierung der DDR die Bildung einer „Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums“. Der Zweck des heute in Ostdeutschland verhaßten Treuhandkomplexes war also eigentlich positiv: Durch die Entflechtung von Kombinaten sollten überlebensfähige Unternehmen gebildet werden, die in der Marktwirtschaft eines vereinigten Deutschlands würden bestehen können. Schon bald nach ihrer Gründung wurde der eigentlich positive Zweck der Anstalt jedoch abgewandelt. Im Rahmen der Verhandlungen zum Einigungsvertrag war der Zweck bald nur die Privatisierung des Volksvermögens. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde die Treuhand, die zu diesem Zeitpunkt DDR-Kombinate verwaltete, in denen rund vier Millionen Menschen beschäftigt waren, wie so vieles andere auch, dann sofort mit einer Führungsriege aus dem Westen belegt. Die Privatisierung ostdeutscher Betriebe durch Westdeutsche war aber bei weitem nicht das einzig Fragwürdige: Ostdeutsche hatten nach der Wiedervereinigung kein Geld, einen volkseigenen Betrieb (VEB) zu kaufen, westdeutsche Unternehmen wollten oft unliebsame potentielle Konkurrenten ausgeschaltet sehen und oft ging es Unternehmen nur um das Einstreichen von Fördermitteln oder auch um den Maschinenpark. Dies soll keineswegs heißen, daß die Wirtschaft auf dem Gebiet der ehemaligen DDR floriert hätte, wenn man sie nur gelassen hätte. Die Entwicklung des BIP der anderen ehemals sozialistischen Staaten spricht dagegen, und natürlich war die Mehrheit der Unternehmer, die über die Treuhand Volksvermögen erworben haben, auch ehrlich an einem marktwirtschaftlichen Fortkommen der Betriebe interessiert. Daß die Treuhand jedoch kein Erfolg war und darüber hinaus Narben im Selbstwertgefühl der Ostdeutschen hinterlassen hat, ist nicht zuviel gesagt.

Bereits 2013 besuchte Jörg Thadeusz die Familie zu Lynar im Spreewald für die RBB-Serie „Preuβisch Blau“ und beschrieb Schwierigkeiten und Erfolge der Familie beim wirtschaftlichen Wiederaufbau ihres einstigen Besitzes. Die Serie war leider in der ARD-Mediathek nicht zu finden. Falls jemand weiβ, wo die Serie zu sehen ist, kann sich vertrauensvoll an die Corona-Redaktion wenden.

Mit der Wiedervereinigung interessierte sich auch eine ganz bestimmte Gruppe für ostdeutsches Volksvermögen: von den Sowjets und dem DDR-Regime 1945 und danach enteignete Menschen, darunter viele Adlige. Für die Ostdeutschen mag es in den Tagen um 1990 so ausgesehen haben, als ob diese Personen ihr Land stehlen und dafür noch nicht einmal bezahlen wollten, da sie auf die Rückgabe ihrer Besitzungen ohne irgendeine finanzielle Gegenleistung klagten. Ein entsprechend kühler Empfang wurde ihnen bereitet. Unterstützt wurde diese Sichtweise von Medien und Politik, konnte man doch von den Fehlern der Treuhand ablenken, wenn man die Aufmerksamkeit auf andere lenkte, die zudem einem alten Feindbild der DDR-Propaganda entsprachen. In Wirklichkeit brachten diese Menschen jedoch einen Vorzug mit, welchen diejenigen, die über die Treuhand Volksvermögen beziehen wollten, nie haben konnten: einen jahrhundertealten Bezug zur Region. Auch war vielen nicht klar, daß es bei den Rückforderungen nicht um Vermögen ging, welches Kleinbauern oder Privatpersonen überhaupt gehörte, was jedoch immer wieder suggeriert wurde. Ein Engagement von Adligen nach der Wiedervereinigung hätte vielmehr die Schaffung von Arbeitsplätzen bedeutet, und dazu geführt, daß viele ostdeutsche Dörfer heute weniger trist wären. Positive Beispiele für wirtschaftliches Engagement von Adligen in den neuen Ländern ist etwa jenes der Lynars in Lübbenau, wo die Familie das Schloß für 10 Mio. DM sanierte und heute darin ein 4-Sterne-Hotel betreibt, oder die Wilthener Brennerei, die heute den Hardenbergs gehört und viele Arbeitsplätze bewahren konnte. Am Ende wurden die juristischen Verfahren zur Rückgabe des enteigneten Eigentums der 1990er Jahre jedoch fast durchweg abschlägig beschieden und eine historische Chance wurde vertan.

Wenn heute ein Finanzminister, der einer Partei angehört, die in der Nachfolge derer steht, die die Ostdeutschen 1945 und danach enteignet hat, und eine Kulturbeauftragte, die einer Partei angehört, die die Treuhand heute noch immer nicht als Fehler benennen möchte, über den Chef des Hauses Hohenzollern in der Öffentlichkeit insinuieren, er würde sich geradezu unrechtmäßig Vermögen aneignen wollen, bekommt dies Züge einer Groteske. Man sollte ihnen nicht auf den Leim gehen. L.R.

Herzog Carl regelt die Nachfolge im Hause Württemberg

Herzog Wilhelm mit seiner Mutter, Herzogin Marie, geborene Prinzessin zu Wied, am Tag der Beisetzung von Herzog Friedrich von Württemberg.

Die Nachfolge für den am 9. Mai 2018 tödlich verunglückten Herzog Friedrich von Württemberg ist geregelt. Der Chef des königlichen Hauses, Herzog Carl von Württemberg, hat am Donnerstag über die Hofkammer in Friedrichshafen bekanntgeben lassen, daβ sein Enkel, Herzog Wilhelm von Württemberg künftiger Chef des Hauses und der Geschäfte“ werde. Der Nachfolger studiere bis nächstes Jahr in Großbritannien, dann werde er außerhalb der Familie Berufserfahrung sammeln. Wann er als Chef des Hauses antrete, stehe noch nicht fest. Am 13. August wird Herzog Wilhelm seinen 25. Geburtstag feiern. Herzog Carl seinerseits, begeht am 1. August seinen 83. Geburtstag.

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Die vollständige 221. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 221

Inhalt der 221. Ausgabe:

  • Shitstorm für Georg Friedrich
  • Hintergrund: Treuhand und Adel
  • Königliche Moderatoren im Politikbetrieb
  • Raddampfer Kaiser Wilhelm I.

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