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Mecklenburgs Herzöge stammen aus dem Hause der Obotriten, deren Dynastie das Land seit dem Jahr 1131 beherrschte. Innerhalb dieser Dynastie kam es des öfteren zu Thronfolgestreitigkeiten und Landesteilungen. 1701 wurde das Land zum letzten Mal zwischen verschiedenen Vertretern der Dynastie aufgeteilt: in Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin. Gleichzeitig blieb Mecklenburg aber offiziell ein Gesamtstaat mit den genannten zwei Teilherzogtümern, was eine Besonderheit darstellte. Im Wiener Kongress 1815 wurde Mecklenburg dann zu einem Großherzogtum aufgewertet. 1866 traten beide Landesteile dem Norddeutschen Bund bei und wurden 1870 auch Teil des Deutschen Reichs. Beide Gebiete innerhalb des Gesamtgroßherzogtums wurden bis 1918 durch ein gemeinsames Ständesystem und zwei verschiedene Großherzöge regiert. Da Mecklenburgs Herzöge sich seit dem Mittelalter die Macht mit den Ständen teilten, sah man offenbar wenig Bedarf, in diesem vor allem ländlich und landwirtschaftlich geprägten Gebiet im Sinne eines moderneren Parlamentarismus etwas an diesem System zu ändern, auch wenn dies im Schweriner Landesteil zu Beginn des 20. Jahrhunderts versucht wurde, aber am Widerstand der Stände und der Strelitzer scheiterte. Verwaltungstechnisch war das Land in Domanien (direkter Besitz des Großherzogs), Ritterschaften (Besitz der Adligen) und Landschaften (Besitz der Städte) unterteilt. Es dominierten Landwirtschaft und Ostseehandel, während Industrie und Bergbau so gut wie keine Bedeutung hatten.

Größere Städte des Teilherzogtums Mecklenburg-Strelitz mit rund 100.000 Einwohnern waren Neustrelitz, Neubrandenburg, Stargard und Friedland. Mecklenburg-Schwerin umfaßte neben Schwerin auch Rostock, Güstrow, Parchim, Wismar und Waren. Das Land hatte 1910 rund 640.000 Einwohner. Im Bundesrat hatte Mecklenburg-Schwerin zwei Stimmen und im Reichstag stellte das Land sechs Abgeordnete. Mecklenburg-Strelitz entsandte je einen Vertreter.

Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin, Großherzogin Alexandra mit Erbgroßherzog Friedrich Franz auf dem Arm.

Friedrich Franz II. regierte in Mecklenburg-Schwerin von 1842 bis 1883 über 40 Jahre lang. Während dieser langen Herrschaft wurden Schienen und Straßen ausgebaut und das Justiz-, Polizei und Sanitätswesen reformiert. Er nahm am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Ihm folgte 1883 Franz Friedrich III., der jedoch gesundheitlich von Anfang an angeschlagen war, sich deswegen meist in Südfrankreich aufhielt und die Regierungsgeschäfte weitgehend General von Maltzahn übertrug. Nach seinem Tod herrschte ab 1897 der junge Herzog Franz Friedrich IV., auch wenn für ihn bis 1901 eine Regentschaft ausgeübt wurde. Im 1. Weltkrieg war der Herzog eine der Stimmen, die sich für einen Verständigungsfrieden einsetzte, jedoch blieb er unerhört. Wie schlecht die Lage an der Front war, war für den Herzog, der seine Truppen nicht ins Feld führte, am Ende aber trotzdem eine Überraschung und der Sturz des Kaisers und seine eigene Abdankung kamen für ihn überraschend.

In Mecklenburg-Strelitz war zur Zeit der Reichsgründung der blinde Großherzog Friedrich Wilhelm II. an der Macht. Seine Sparsamkeit sanierte den Staatshaushalt, Investitionen in die Infrastruktur wurden aber kaum getätigt. Bei seinem Tod 1904 hatten der Großherzog und sein Staat aber ein beachtliches Vermögen angesammelt, die Herzog Adolf Friedrich V. dann in das Land investieren konnte. Großherzog Adolf Friedrich VI. von Mecklenburg-Strelitz bestieg sechs Wochen vor Ausbruch des 1. Weltkriegs den Thron. Vor dem Krieg hatte er oft England bereist und setzte sich dann während des Krieges für englische Gefangene ein. Er verstarb im Februar 1918 unter mysteriösen Umständen: Er wurde mit einem Schuß in der Brust im Kammerkanal bei Neustrelitz gefunden. Die Tatwaffe wurde jedoch nie entdeckt. Obwohl ein Suizid des depressiven Herzogs nicht unwahrscheinlich erscheint, wurde der Fall nie geklärt, und auch ein Mord ist möglich. Da er keine männlichen Nachkommen hatte, verwaltete Franz Friedrich IV. von Mecklenburg-Schwerin den Strelitzer Landesteil bis zur Novemberrevolution mit. Er verstarb im November 1945, nachdem er sich vor dem Einmarsch der roten Armee in Richtung Dänemark zurückgezogen hatte, wo er hoffte, von dem mit ihm durch verwandschaftliche Beziehungen verbundenen dänischen Königshaus aufgenommen zu werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich diese drei Mecklenburger, die ein sehr unterschiedliches Schicksal hatten: Königin Alexandrine von Dänemark und Königin von Island (1879 – 1952), Großmutter der heutigen Königin Margrethe II.; Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg (1873 – 1969), letzter Gouverneur von Togoland, gewählter Herzog des Vereinigten Baltischen Herzogtums und 1. Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland; Kronprinzessin Cecilie von Preußen (1886 – 1954), als Frau von Kronprinz Wilhelm sollte sie Deutsche Kaiserin werden. Sie ist die Urgroßmutter von Prinz Georg Friedrich von Preußen. Anders als es die Zeitungsbildunterschrift darstellt, waren nur die Hohen Damen Geschwister, Herzog Adolf Friedrich war ihr Onkel.

Damit wären eigentlich beide Linien ausgestorben. Als heutiger Chef des Gesamthauses von Mecklenburg ist jedoch der am 10. Juni 1956 in Freiburg i. Br. geborene Herzog Georg  Borwin zu Mecklenburg anzusehen, der auch zwei Söhne hat, was die Zukunft der Dynastie sichert. Herzog Georg Borwin ist der Großenkel des in einer morganatischen Ehe eines Bruders des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz geborenen Georg von Carlow. Damit entstammte er zwar der Dynastie der Mecklenburg-Strelitzer, dies wurde jedoch zunächst nicht anerkannt und erst durch nachträgliche Adoption nach dem Ende des Kaiserreichs bestätigt. L.R.

Die Angehörigen des heutigen Hauses Mecklenburg und viele Menschen in Mecklenburg gedachten 2018 des 100 Jahre zuvor verstorbenen Groβherzogs Adolf Friedrich VI. von Mecklenburg-Strelitz.