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Bei der Aufzeichnung der Ansprache des Königs zum belgischen Nationalfeiertag war auch erstmals die Thronfolgerin, Prinzessin Elisabeth, dabei. Früh übt sich, wer eine gute Königin werden will.

Ansprache Seiner Majestät des Königs zum Nationalfeiertag am 21. Juli 2019

Meine Damen und Herren,

vor zwei Monaten haben Sie Männern und Frauen Ihr Vertrauen geschenkt, von denen Sie Antworten auf die Fragen erwarten, die Sie umtreiben.  Sie haben unterschiedlich gewählt, aber letztlich geht es Ihnen allen um dieselben wichtigen Themen: Beschäftigung, Klima, Armut, Migration.  Themen, die übrigens auch die Menschen in vielen anderen Ländern der Welt beschäftigen.

Es geht jetzt darum, hieraus die nötigen Schlüsse zu ziehen und sich auf Lösungen zu einigen.  Ich verstehe die Zwänge, denen unsere Politiker Rechnung tragen müssen.   Aber die Herausforderungen sind derart, daβ sie rasch und mit Mut und Entschlossenheit angepackt werden müssen.  Und sie sind so eng miteinander verflochten, daβ sie eine intensive Zusammenarbeit auf allen Ebenen erfordern.

Unser Land ist voller Talente und Energie. Es fehlt nicht an gutem Willen und Ideen.  Im Gegenteil.  Viele unter uns engagieren sich mit Überzeugung in ihrer direkten Umgebung, zeigen sich solidarisch in ihrer Gemeinschaft oder bei groβen Solidaritätsaktionen, sehnen sich nach sinnvollen und ambitionierten Projekten.  Es geht darum, all den guten Willen zu mobilisieren.

Begeisternde Projekte kommen zustande im Dialog und durch das Bündeln von Kräften.

Im offenen und wahren Dialog steckt ein enormes Potential.  Schöpfen wir es aus.  Einen offenen Dialog zu führen, bedeutet, bereit zu sein, den anderen zu verstehen mit seinen Überzeugungen und Entscheidungen, auch wenn man sie nicht teilt.  Den anderen spüren zu lassen, daβ man ihn braucht, um zu einer Lösung zu kommen, ohne Vorbehalt.  Im offenen Dialog ist auch kein Platz für Lügen und verletzende Worte.

Der echte Dialog stellt sich der Komplexität. Er nuanciert und strebt danach, einander zu ergänzen. In den Bereichen wie Klima und Beschäftigung, aber auch der Mobilität, Energie, Erziehung und Ausbildung können wir nur durch ein koordiniertes Handeln und im offenen und ehrlichen Gespräch miteinander effizient sein.

Unsere Kräfte zu bündeln, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, dafür gibt es auf vielen Gebieten schöne Beispiele: in unseren Unternehmen, wo neue Formen der Zusammenarbeit entstehen.  Bei unseren Wissenschaftlern, die in vielen Bereichen der Spitzenforschung eng miteinander kooperieren.  Bei unseren Regisseuren und den vielen Künstlern, die die Seele unseres Landes hinaus in die Welt tragen.  Von Hollywood bis zum preisgekrönten belgischen Pavillon auf der Biennale von Venedig, der das Ergebnis einer schönen Zusammenarbeit zwischen allen Gemeinschaften unseres Landes ist.

Unsere Gabe zum Dialog und unser Talent, Menschen zusammenzubringen, stellen wir auch mit Erfolg in den Dienst des europäischen Projekts.

Unsere Verschiedenheit und Komplementarität sind unsere Stärke.  So sind wir international bekannt, und so erwartet man uns auch.  Vielleicht sind wir uns dessen nicht genügend bewuβt.  Dabei ist es genau das, was uns auszeichnet.  Und darauf dürfen wir auch zurecht stolz sein.

Das alles muβ uns für unser Land eine neue Ambition geben.  Obendrein ist es das beste Heilmittel gegen Angst, das Gefühl von Ohnmacht und Resignation.  Unsere Demokratie kann dadurch nur gewinnen.

Das wünsche ich uns allen am heutigen Tage: daβ wir den verantwortungsvollen Dialog suchen, daβ wir unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit weiter stärken und daβ wir stolz sind auf das, was unser Land so einmalig macht.

Die Königin und ich wünschen Ihnen einen schönen Nationalfeiertag.

Es lebe Belgien !

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