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Es ist für den Autoren stets ärgerlich, wenn von den „neuen Bundesländern“ gesprochen wird, denn Länder wie Brandenburg oder Sachsen haben als Kurfürstentümer eine weit längere Geschichte, als Neuschöpfungen wie das Saarland, Rheinland-Pfalz oder NRW, auch wenn die historischen Wurzeln der Staaten, die diesen Konstrukten vorangingen, innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation natürlich ebenso bedeutend sind.

Sachsen wurde dabei immer vom Haus Wettin regiert, welches seine Ursprünge in Merseburg und in der Lausitz hat. Im 15. Jahrhundert teilte sich das Haus in die ernestinische und die albertinische Linie, wobei die Albertiner in Sachsen und die Ernestiner in thüringischen Kleinstaaten wie Sachsen-Coburg-Gotha und Sachsen-Meiningen herrschten. Erstaunlich ist es dabei, daß die Ernestiner durch Heiratspolitik außerdem in ganz Europa herrschten: so früher in Portugal und Bulgarien und noch heute in Belgien und England.

Das Königreich Sachsen in der Zeit des 2. Kaiserreichs.

In diesem Artikel soll es jedoch um Sachsen und die Albertiner gehen: Deren Geschichte als traditionellem Verbündeten Österreichs war spätestens seit Friedrich dem Großen durch den Antagonismus mit dem benachbarten Preußen geprägt. Durch das militärische Geschick des Nachbarn sollte das Land mehrfach aufgelöst werden und wurde nur auf Fürsprache der Habsburger bewahrt. 1806 durch Napoleon zum Königreich erhoben, fand die letzte Auseinandersetzung Sachsens mit Preußen 1866 statt und endete wie die Kriege davor mit einer Niederlage. Beim anschließenden Friedensschluß wurden dann die Grenzen Sachsens so festgelegt, wie sie im wesentlichen noch heute bestehen und es fand eine Aussöhnung mit den Hohenzollern statt, um die sich nach dem Tod von König Johann vor allem König Albert bemühte, welcher 1873 auf den Thron kam und bis 1902 herrschte. Im Reichstag stellte das Königreich 23 von 397 Abgeordneten und im Bundesrat hatte es 4 von 61 Stimmen. Vielleicht aufgrund des stetigen militärischen Mißgeschicks hatte die Innenpolitik in Sachsen eine hohe Bedeutung und es gelang, eine relativ erfolgreiche Industrie aufzubauen, die das Land zu einem der reichsten deutschen Länder machte, welches sich aber auch früh mit einer starken Arbeiterbewegung auseinandersetzen mußte. Es bestand ein Zweikammersystem, wobei die zweite Kammer in geheimer und gleicher Wahl gewählt wurde und die erste Kammer in ihrer Zusammensetzung eher mit dem heutigen britischen Oberhaus vergleichbar war. Albert versuchte, die Lage der Armen zu verbessern und stieß eine Verwaltungsreform, eine Steuer- und Wahlrechtsreform an. Auf Albert folgte Georg, welcher jedoch nur zwei Jahre herrschte und dann an den Folgen einer Grippe verschied.

Der letzte Monarch, Friedrich August III., galt als sehr bescheiden, sprach Dialekt und war sehr volksnah und beliebt. Ohne Eskorte wurde er in Wirtshäusern in Dresden beim Skatspielen gesehen und ging mit den Dresdnern in Zivilkleidung einkaufen. Als wichtige Meilensteine seiner Regierungszeit sind die Sanierung des Staatshaushalts und eine Wahlrechtsreform zu nennen, die den Sozialdemokraten mehr politische Teilhabe gewährte. Die 3. Armee, welche bei Kriegsausbruch 1914 überwiegend von Sachsen gestellt wurde, führte er nicht ins Feld, sondern überließ das Kommando den Generälen von Hausen und später von Einem. Bei der Abdankung nach dem unglücklichen Kriegsausgang ist von ihm der Satz „Dann macht euern Dreck doch alleene“ überliefert, jedoch ist es nicht sicher, ob er so wirklich gefallen ist. Auch soll er, als er nach dem Sturz der Monarchie von einigen Bürgern erkannt und bejubelt wurde, „Na, ihr seid mir ja schöne Republikaner“, gesagt haben. Er besuchte Kaiser Wilhelm II. mehrfach in seinem Exil in Doorn und versuchte, das Weimarer Republikschutzgesetz zu verhindern, was dafür spricht, daß die beiden Dynastien am Ende wirklich versöhnt waren und der König politisch engagiert blieb. Bei seiner Beerdigung 1932 gaben ihm 500.000 Sachsen die letzte Ehre.

Beerdigung von König Friedrich August III. von Sachsen in Dresden 1932

Nach dem Tod des Königs ging die Thronfolge auf Friedrich Christian und später auf Maria Emanuel über. Da dieser keine männliche Nachfahren hatte, erklärte er den Sohn seiner Schwester Anna zum Thronfolger. Prinz Alexander von Sachsen-Gessaphe war eine Zeit lang Berater der sächsischen Regierung, lebt heute aber in Mexiko und hat ein erfolgreiches Speditionsunternehmen. Er hält die Monarchie in Deutschland für denkbar, kann sich aber statt eines Hohenzollern auf dem deutschen Thron eher einen Wittelsbacher vorstellen, wie er einmal in einem Gespräch sagte.

L.R.

Prinz Alexander von Sachsen, Markgraf von Meiβen und seine Familie