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Das Territorium des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen ist braun gefärbt, das des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt orange.

Die Grafen von Schwarzburg wurden erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Schwarzburg benennt dabei tatsächlich keine Stadt, sondern eben eine Burg, die sich an der Schwarza befand, einem kleinen Zufluß der Saale, so daß der geographisch relevantere Name der Gebiete der Beiname ist, also Rudolstadt beziehungsweise Sondershausen. Das Gebiet rund um die beiden Städte wechselte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation häufig Gestalt und Ausdehnung, im Jahr 1599 einigten sich Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen dann aber auf eine territoriale Aufteilung, die im wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand hatte. Beide Gebiete waren dabei jedoch keine geschlossenen Besitzungen, sondern ein Flickenteppich kleiner, geographisch weit auseinanderliegender Territorien. Schwarzburg-Rudolstadt umfaßte eine Oberherrschaft mit Rudolstadt, Stadtilm und Blankenburg, sowie eine Unterherrschaft mit dem Gebiet um Frankenhausen, Schwarzburg-Sondershausen eine Unterherrschaft mit Sondershausen und eine Oberherrschaft rund um Arnstadt.

1710 wurden beide Grafschaften Fürstentum und waren zu Zeiten Napoleons und danach Mitglieder im Deutschen Bund. Im Krieg von 1866 auf der Seite des Gewinners konnten sie ihren Bestand im Deutschen Reich von 1871 sichern. Beide Fürstentümer hatten im Kaiserreich je rund 100.000 Einwohner und trieben die Industrialisierung voran. Sie besaßen je einen Sitz in Reichstag und Bundesrat. Ihre Fürsten hatten eine Vorliebe für’s Militär, hielten sich aber in der Ausübung ihrer Herrschaft gegenüber Regierung und Parlament eher zurück.

Schwarzburg-Rudolstadt war aufgrund des Wahlsystems im Kaiserreich eine Hochburg der Sozialdemokratie, während Schwarzburg-Sondershausen von den Konservativen dominiert wurde, die der Sozialdemokratie eine politische Teilhabe lange verwehrten.

Fürst Günther Viktor Schwarzburg-Rudolstadt

Der letzte Herrscher von Schwarzburg-Rudolstadt war Günther Viktor, welcher als sehr introvertiert galt. Als 1909 Fürst Karl-Günther von Schwarzburg-Sondershausen stirbt, wird er in Personalunion Chef dieses Fürstentums und nennt sich nur noch Fürst von Schwarzburg. Beide Fürstentümer, die, hätte das Deutsche Kaiserreich weiter Bestand gehabt, für sich alleine genommen sicher wenig lebensfähig gewesen wären, sollten eigentlich zusammengeführt werden. Dies scheiterte aber am Kriegsausbruch und an der Weigerung der Sondershausener, die Angst vor einem Erstarken der Sozialdemokratie hatten. Günther Viktor, der Kriegsteilnehmer von 1870, wäre gerne 1914 mit seinen Soldaten ins Feld gezogen, war aber bei Kriegsausbruch schon zu alt. Er ist der vorletzte Bundesfürst, der im November 1918 abdankt und stirbt 1925 in Sondershausen. Da auch Günther Viktor keine Kinder hatte, benannte seine Frau Fürstin Anna-Luise von Schwarzburg 1942 den Prinzen Wilhelm von Schönburg-Waldenburg per Adoption zum Erben, dieser fiel jedoch bei der Landung der Alliierten in der Normandie. Heutiger rechtmäßiger Fürst von Schwarzburg wäre somit der 1940 geborene Ulrich von Schönburg-Waldenburg.  L.R.

Die Witwe des Fürsten Günther Viktor, des vorläufig letzten Regenten der Fürstentümer Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt, starb am 7. November 1951 in Sondershausen. Sie sollte am Abend des 10. November in der Schwarzburger-Gruft von St. Andreas zu Grabe getragen werden. Keine Todesanzeige durfte in den Zeitungen veröffentlicht werden. Nicht in Sondershausen, wo Fürstin Anna Luise unter dem Schutz des sowjetischen Stadtkommandanten im Schloß bis zu ihrem Tod lebte, und auch nicht in Rudolstadt. Trotzdem war die Schloßkirche in Sondershausen am Vormittag des 10. November zum Trauergottesdienst gefüllt bis auf den letzten Platz. Tausende säumten die Straßen, als der Sarg zum Bahnhof überführt wurde. Das wiederholte sich nachmittags in Rudolstadt bei der Fahrt des Sarges zur Stadtkirche.