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Rezension der „Kaisertage“

In Corona 212 wurde das Erscheinen des Buches „Kaisertage“ angekündigt, nun haben wir es auch gelesen. Ein Vorwort von Kronprinz Georg Friedrich von Preußen ist dem reich bebilderten Band vorangestellt. Auf den ersten Seiten wird auch das tägliche Leben des Kaisers in der unmittelbaren Vorkriegszeit beschrieben, im Anschluβ daran die Julikrise und der Kriegsausbruch. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Jahr 1917, wo Wilhelm II. zunächst noch einmal durch zahlreiche Reisen zu den Verbündeten in Szene gesetzt wurde und schließlich auf der Zeit ab August 1918, wo es dann schnell dem Ende seiner Herrschaft entgegenging.

Für den Monarchen ist das Buch vorteilhaft und unvorteilhaft zugleich. Klar wird, daß er den Krieg nicht gewollt hat. Klar wird aber auch anhand des Ablaufs seines Alltags, daß er im Krieg nicht auf der Höhe seiner Aufgaben war, was sich nicht zuletzt auch immer wieder in Depressionen und Bettlägerigkeit äußerte. Wilhelm II. entschied sich in der Tradition seiner Vorväter, die Truppen ins Feld zu begleiten. Große Feldherren hatten die Hohenzollern zwar beispielsweise mit Friedrich dem Großen oder Friedrich III., jedoch wäre es Anfang des 20. Jahrhunderts unmöglich gewesen, daß ein Monarch den komplex geworden industriellen Krieg hauptamtlich führt. Stattdessen wäre sein Platz eher in Berlin gewesen, wo er zwischen den Parteien hätte vermitteln und den Primat der Politik gegenüber dem Militär durchsetzen müssen, so die Autoren. Wilhelm II. mied aber Berlin und die Politik gerade und wurde im Großen Hauptquartier nach außen abgeschirmt. Was die Befugnisse des Kaisers angeht, waren diese noch bis 1916 eigentlich recht weitgehend. Wilhelm II. konnte den Oberbefehlshaber der Armee ernennen und entlassen und hatte selbst den Oberbefehl über die Marine. Die Ernennung des relativ unerfahrenen Erich von Falkenhayn zum Befehlshaber der kaiserlichen Truppen war seine Idee und solange Falkenhayn, der sich bemühte, Wilhelm II. nicht außen vorzulassen, der Chef der OHL war, hatte der Monarch ein gutes Verhältnis zu ihr. Dies änderte sich mit seiner Absetzung nach der Schlacht von Verdun und mit dem Tandem Hindenburg/Ludendorff, gegen welches der Kaiser auch eine persönliche Aversion hatte. Hindenburg und Ludendorff waren im Volk sehr beliebt und bei jeder Entscheidung, die der Kaiser nicht in ihrem Sinne traf, drohten diese mit Rücktritt, was aufgrund besagter Popularität des Gespanns schlichtweg Erpressung war. Nach außen war es trotzdem der Kaiser, der in der deutschen Propaganda und der Wahrnehmung nach innen und außen das Sagen hatte. Dieses Paradox führte letztlich zum Ende der Monarchie. Ein wenig Protagonismus während der 3. OHL entwickelte Wilhelm II. lediglich im Umgang mit den Verbündeten, die er sehr häufig besuchte und empfing. Er betrachtete Außenpolitik eben als Familienpolitik und das Buch erwähnt auch, daß er Nikolaus II. freies Geleit für ein Asyl in England zusicherte, der Tod der Zarenfamilie also hätte vermieden werden können.

Alles in allem handelt es sich bei dem Buch, welches anhand der Tagesabläufe des Kaisers sein Agieren auf der Weltbühne interpretiert, um eine durchaus mehrheitlich zutreffende Einschätzung, deren Lektüre sich lohnt.      L.R.

Peter Schönberger, Stefan Schimmel, Herausgeber: Georg Friedrich Prinz von Preuβen: Kaisertage, 160 Seiten, Südverlag, Konstanz 2018, 24,90 €
ISBN 978-3-87800-120-1

Karibikstaaten bleiben der Krone treu

Prinz Charles und Herzogin Camilla bereisen seit einer Woche die Karibik. Auf der zwölftägigen Tour, die sie u.a. nach St. Lucia führte, dessen 40. Jahrestag der Unabhängigkeit sie mitfeierten, besuchten sie St. Vincent und die Grenadinen. Dessen Premierminister Ralph Gonsalves entpuppte sich als das, was man nach deutscher Terminologie wohl einen Vernunftsmonarchisten nennen müβte. Gonsalves hatte 2009 versucht, seine Landsleute von einer Republik zu überzeugen. Aber in einer Volksabstimmung, über die Corona in Ausgabe 53 am 29. November 2009 berichtete, sagten 55,64% der Einwohner dazu Nein. Sie zogen Königin Elizabeth II. als Monarchin von St. Vincent und den Grenadinen einer Politikerrepublik vor. Queen-Nachfolger Prinz Charles wird der nächste König von St. Vincent und den Grenadinen sein, das versicherte ihm Ralph Gonsalves, denn er, der sich als „alter antikolonialistischer Kämpfer“ bezeichnet, habe akzeptiert, daβ das Volk die Monarchie wolle: „I’m not a monarchist, but I accept it, the Queen of England not only legally but politically is the Queen of St Vincent and the Grenadines and I accept that.“ (Ich bin kein Monarchist, aber ich akzeptiere es; die Königin von England ist nicht nur rechtlich sondern auch politisch Königin von St. Vincent und den Grenadinen und ich akzeptiere es.“)

Der „alte antikolonialistische Kämpfer“ Ralph Gonsalves sieht keine Erfolgsaussichten mehr, in St. Vincent und den Grenadinen eine wie auch immer geartete Republik einzuführen.

Immer wieder betreiben Politiker den Wechsel der Staatsform, so in Jamaica und Barbados, doch  stets war die öffentliche Meinung gegen Pläne, ihnen die Macht vollständig in die Hände zu geben. Die Monarchin und ihre Familie mögen weit weg auf einer Insel in Europa residieren, aber die Königin ist durch einen Generalgouverneur vertreten. Die Krone ist jederzeit präsent und die regelmäβigen Besuche von Royals lenken das Interesse zahlreicher Journalisten und Photographen auf die kleinen Staaten in der Karibik. Wer nähme sonst Notiz von ihnen? Als die von den USA beherrschte Insel Puerto Rico durch einen Wirbelsturm verwüstet wurde, war das in Europa kaum eine Randnotiz wert. Die Aufbauhilfe für Antigua brachte Prinz Charles und Sint Maarten konnte mit der Unterstützung von König Willem-Alexander rechnen. Noblesse oblige. Und die Medien hatten die Photos, die ihr Publikum sehen wollte. H.S.

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Die vollständige 215. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 215

Inhalt der 215. Ausgabe:

  • Rezension der „Kaisertage“
  • Nepals Royalisten verlangen ein Referendum
  • Karl von Habsburg verliert Rechtsstreit, geht aber straffrei aus
  • Karibikstaaten bleiben der Krone treu

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