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Kaiserkrönung 1967

Am 16. Januar 1979 bestiegen Schah Mohammed Reza Pahlevi und seine Frau, Kaiserin Farah, auf dem Flughafen von Teheran eine Boeing 727 mit Namen „Schahine“ (Königsfalke), der Monarch nahm auf dem Pilotensitz Platz, um höchstpersönlich zunächst auf die Elefanten-Insel nahe der ägyptischen Stadt Assuan zu fliegen. Fast alle Generäle, die den Schah am Flughafen begleitet hatten, wurden unmittelbar nach der Revolution hingerichtet.

Letzte Treuebekundung auf iranischem Boden am 16. Januar 1979.

Das Kaiserpaar verlieβ das Land, das zwölf Monate Demonstrationen, Unruhen, Streiks und Agitation durchlebt hatte. Die westlichen Partner hatten auf einer Konferenz auf der französischen Karibikinsel Gouadeloupe am 5. und 6. Januar 1979 die Lage des Irans besprochen. Als Ergebnis der Beratungen legten Bundeskanzler Helmut Schmidt, Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing, Premierminister James Callaghan und Präsident Jimmy Carter dem iranischen Schah nahe, sein Heimatland zu verlassen. Anders formuliert: Sie lieβen ihn fallen.

Warum setzte der Schah nicht die kaisertreuen Streitkräfte gegen die Demonstranten ein? Der iranische Journalist Ahmed Taheri hat diese Erklärung dafür:

„The Shah had no stomach for bloody repression. His constant, and rather charmingly naive, motto was: ‚A king cannot kill his own people.'“

Zwei Tage nach seinem Abflug schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in einem Kommentar auf Seite 1:

Schon der junge Kaiser verteilte einen Teil seiner Güter, in den sechziger Jahren übertrug er nicht nur das Eigentum der Groβgrundbesitzer am Boden den Bauern, sondern auch den Rest seiner eigenen Ländereien. Daβ er sich noch kurz vor dem Ende von dem noch verbliebenen Familienvermögen in Persien trennte – es waren nicht mehr Landgüter, sondern vor allem Industriebeteiligungen und Häuser -, war politisch eine eher unkluge Geste. Die Perser jedenfalls deuteten die Schenkung als Zeichen der Schwäche. Für den Schah aber bedeutete der letzte Akt viel.

Von den drei Siegern im Kampf um die Macht, die Mullahs, den Groβgrundbesitzern und der persischen Linken, haben sich die ersten stets nahegestanden. Auch die nächsten Vertrauten des Ajatollah Chomeini zählen zu den alten bekannten Familien.“

Das Schicksal des Landes nach dem Machtantritt Ajatollah Chomeini ist bekannt. Der krebskranke Kaiser wurde um die Welt gejagt. Kein Land war bereit, ihm langfristig Zuflucht zu gewähren – vor allem nicht die einst von ihm profitierenden westlichen Staaten, die hofften, ihre Geschäfte würden wie bisher mit dem Mullahregime fortgesetzt werden. Am 27. Juli 1980 erlag er dem Morbus Waldenström (MW), einer malignen Lymphomerkrankung. In Ägypten ordnete Präsident Sadat ein Staatsbegräbnis für ihn an. Neben Angehörigen der iranischen Kaiserfamilie nahmen auch, Anwar Sadat, Richard Nixon und König Konstantin II. der Hellenen teil an den Beerdigungsfeierlichkeiten in Kairo.

Grabstätte von Schah Mohammed Reza Pahlevi in Kairo

Was aus dem Iran wurde, ist bekannt. Eine Zusammenfassung beschrieb Behrouz Khosrozadeh im Online Magazin Telepolis:

Der Entwicklung des Iran wäre die Fortdauer der Monarchie besser bekommen. Trotz sich anbahnender ökonomischer Krise gegen Ende, steuerte das Land unaufhaltsam auf Industrialisierungskurs, die Staatskasse war voll, die Mittelschicht satt, die Arbeiter hungerten nicht und die Lage der Frauen verbesserte sich immer mehr. Die Monarchie zählte nicht zu den brutalsten Despotien der Welt. Die iranische Auslandsopposition verbreitete dämonisierende Gerüchte, wonach das Land Zehntausende politische Gefangene hätte.

Tatsächlich waren es weniger als dreitausend. Tausende sollten allein beim Massaker auf dem Teheraner Jaleh-Platz am 8. September 1978 getötet worden sein. Heute wissen wir nach der offiziellen Statistik der Märtyrer-Stiftung, einer Revolutionseinrichtung, dass von 1963 bis zum 12. Februar 1979 insgesamt 3 164 Menschen Opfer des Pahlawi-Regimes geworden sind. Die Islamische Republik übertraf diese Zahl schon in ihren ersten zwei Jahren.

Mit einem einzigen Dekret Ayatollah Khomeinis wurden im Sommer 1988 etwa 3-5000 bereits verurteilte politische Gefangene hingerichtet. Die Monarchie war vor ihrem Ende zu umfangreichen Reformen bereit. Bei einem Fortbestand hätten ihr die globalen Rahmenbedingungen der 80er, spätestens der 90er Jahre keine andere Wahl gelassen, als demokratischen Wandel zuzulassen. Selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, wäre ein Volksaufstand in den 90er Jahren von anderer Natur gewesen als der von 1979 in einem Land, in dem Analphabetismus herrschte und dessen Revolutionäre bis auf eine winzige Minderheit genauso wenig von Demokratie und Menschenrechten hielten wie der Schah selbst. Die Revolution kam zu früh. Sie war ein historisches Pech für den Iran.

Das grösste Pech der Monarchie bestand darin, dass sie zu diesem schicksalsschweren Zeitpunkt eine mit einer unentschlossenen, konfus agierenden und in sich zerstrittenen US-Administration zu tun hatte. Der Streit über die Iranpolitik zwischen Außenminister Vance und dem Nationalen Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski irritierte den Schah und nahm ihm die Handlungsfähigkeit. Carters Menschenrechtspolitik im Bezug auf Iran hätte funktionieren können, wenn sie zwei oder drei Jahre vor 1977 eingesetzt hätte. Seine Vorgänger, Ford und Nixon hatten den Schah mit modernsten Waffen überschüttet und ihn mit ihrer bedingungslosen Unterstützung in seiner Überheblichkeit gestärkt.

Iran steckte 1978/79 in der Krise, auch wenn es, verglichen mit vielen anderen Staaten der Dritten Welt im Revolutionszustand, die wenigsten Probleme hatte. Trotz der leichten Wirtschaftskrise steuerte das Land unaufhaltsam auf Industrialisierungskurs, die Staatskasse war voll, die Mittelschicht satt, die Arbeiter hungerten nicht und die Lage der Frauen verbesserte sich immer mehr. Die Armee war nach der israelischen die stärkste in der Region. Der Schah unterhielt auch gut ausgebaute Beziehungen zum Ostblock und zu China. Iran war 1978 auch ein mustergültiges Beispiel für katastrophales Krisenmanagement, an der die Carter-Administration massgeblich beteiligt war.