Schlagwörter

, , , , , , , ,

Brest-Litowsk als Vorläufer von Versailles?

In diesen Wochen jährt sich zum 100. Mal das Ende des 1. Weltkrieges im Osten. Vier Friedensverträge beendeten die Kampfhandlungen: die Friedensverträge der Mittelmächte mit der Ukraine, Rußland, Finnland und Rumänien. Im Zentrum dieser Verträge steht dabei der Frieden mit Rußland in Brest-Litowsk, welcher zurecht als sehr hart bezeichnet wird: Rußland verliert einen großen Teil Staatsgebiet – die Ukraine und Finnland werden unabhängig und dem Deutschen Reich wird die Neuregelung der politischen Verhältnisse im Baltikum überlassen. Rumänien kommt weit glimpflicher weg, da die verlorene Süddobrudscha mit dem gewonnen Bessarabien abgegolten wird.

In Brest-Litowsk saβen alle Verhandlungspartner am Tisch und handelten den Friedensvertrag aus.

Manche – bundesrepublikanische – Historiker vergleichen diesen Friedensvertrag ob seiner Härte mit den Pariser Vorortverträgen, insbesondere Versailles. Eine solche Betrachtung ist jedoch absurd und dient wohl eher dem Zweck, Versailles zu verharmlosen. Es kann schließlich nicht sein, daß dem Deutschen Kaiserreich etwa Unrecht angetan wurde. Die extremistischen Strömungen in der Weimarer Republik sind vielmehr hausgemacht und irgendwie Auswuchs des deutschen Charakters, den zu bändigen ewige Aufgabe der Bundesrepublik ist. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: In Brest-Litowsk saß der Verlierer anders als in Versailles mit am Verhandlungstisch und konnte seine Anliegen jederzeit vorbringen, weswegen für Versailles das Wort „Diktat“ angemessen ist, für Brest-Litowsk aber nicht. Außerdem ist ein Teil der Härte des Friedens auf die Verzögerungstaktik Trotskis bei den Verhandlungen zurückzuführen, der die Verhandlungen mit Volksreden in die Länge ziehen wollte, um die Überführung deutscher Truppen an die Westfront zu verunmöglichen. Erst auf diese Taktik hin stellten die Mittelmächte Rußland ein Ultimatum zur Annahme der Friedensbedingungen, die nicht so hart ausgefallen wären, hätte es Trotski nicht darauf angelegt. Schließlich ging Lenin schon mit der Devise „Frieden um jeden Preis“, den er dem russischen Volk versprochen hatte, in die Verhandlungen, was nicht gerade den Eindruck vermittelte, er werde besonders viel Widerstand gegen Forderungen irgendwelcher Art leisten. Ein Vergleich mit Versailles hinkt also gewaltig und ist ahistorisch.

Wie ging es nach Brest-Litowsk weiter? Das Kriegsende im November 1918 machte den Vertrag hinfällig, weswegen die deutsche Lösung, in den neuen Staaten Monarchien zu bilden, leider nicht umgesetzt wurde. Die Ukraine verliert ihre Unabhängigkeit, Finnland kann sich durch die deutsche Unterstützung gegen die Kommunisten während des Krieges am Ende behaupten, wird aber Republik. Die baltischen Staaten werden erst Diktatur und dann durch Stalin wieder Rußland beziehungsweise der Sowjetunion einverleibt. Rumänien, welches im Krieg eine äußerst schwache Leistung zeigte, ist der große Gewinner und verleibt sich neben Bessarabien auch große Teile ungarischen Gebiets ein. Rußland und Deutschland als Parias nach dem 1. Weltkrieg nähern sich 1924 mit den Verträgen von Rapallo an. L.R.

Anfang vom Ende des Commonwealth

Zu den Titeln, die Königin Elizabeth II. führt, gehört der als Head of the Commonwealth. Zur Zeit des Empires war der britische Monarch Kaiser von Indien, als Indien 1950 die Republik ausrief, bedurfte es einer neuen Formel. König Georg VI. wurde zum Head of the Commonwealth bestimmt, was auch von den Republiken der Staatengemeinschaft anerkannt wurde. Nach dem Tod des ersten Trägers gab es keine Frage, daβ seine Tochter in die Nachfolge eintreten würde.

Beim letzten Commonwealth-Gipfeltreffen 2015 in Malta (#CHOGM2015), begrüβte The Queen als Head of the Commonwealth, die Regierungsvertreter. Am 19. und 20. April 2018 wird sie dies auch in Groβbritannien tun und dabei Prinz Charles eine bedeutende Rolle einräumen, um ihn als Nachfolger einzuführen.

Beim hohen Alter der Königin, die im April ihr 92. Lebensjahr vollenden wird, wachsen die Gelüste in den Commonwealth-Republiken, sich den Titel anzueignen. Es gebe keine Automatik, sagen sie, daβ Prinz Charles als König auch Head of the Commonwealth werde. Die Zauberformeln sind „Demokratisierung“ und „Entkolonialisierung“. Man darf unterstellen, daβ auch Regierungschefs von Ländern, die Königin Elizabeth als ihr eigenes Staatsoberhaupt anerkennen, die Idee einer Wahl des Commonwealth-Oberhaupts einen Weg aufzeigt, die Monarchie loszuwerden. Der republikanische Premierminister von Australien, Malcolm Turnbull, hat bereits angekündigt, nach dem Tod der Königin die Frage der Staatsform wieder aufzuwerfen. Auch in Neuseeland regiert seit einigen Monaten eine republikanische Premierministerin, die versucht sein könnte, über die Absetzung des Hauses Windsor im Commonwealth auch gleich die neuseeländische Monarchie zu beseitigen.

Sollten die republikanischen Pläne zur Wahl des Oberhaupts des Commonwealth gelingen, wird es in der Gemeinschaft über kurz oder lang zum Streit kommen. Kein Präsident kann jemals die Interessenkonflikte der Commonwealth-Staaten so ausgleichen wie ein Monarch. H.S.

————————————————————————————————–

Die vollständige 196. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 196

Inhalt der 196. Ausgabe:

  • Frankreich gedenkt Charles Maurras‘ – fast
  • Adieu Prinz Henrik von Dänemark †
  • Brest-Litowsk als Vorläufer für Versailles?
  • Anfang vom Ende des Commonwealth?

————————————————————————————————–

Der Info-Brief ist grundsätzlich kostenlos und wird aus Idealismus herausgegeben. Prinzipiell gilt, daß jeder, der sich mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen, Kritik oder Anregungen einbringen möchte, herzlich dazu eingeladen ist, dies auch zu tun. Um „Corona“ zu beziehen, müssen Sie sich nur per Mail an corona_redaktion@yahoo.com in die Bezieherliste eintragen, dann wird Ihnen alle drei Wochen der Nachrichtenbrief kostenlos und unverbindlich zugestellt.

Advertisements