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Der Preußenadler als Sinnbild einer kriegerischen Nation …

Fragt man heute nach Preußen, so kann man sich sicher sein, daß die Antworten eher negativ gefärbt sind. Jenes ist auch kein Wunder, wird doch zum einen in der Schule die Geschichte Preußens relativ verkürzt dargestellt als eine kriegerische Nation. Zunächst die Feldzüge des Alten Fritz, anschließend die Befreiungskriege gegen Napoleon und den Beginn der deutschen Nationalbewegung, dann schmiedet Bismarck das Deutsche Reich mit Blut und Eisen, und zum Schluß kommt der scheinbar unfähige Kaiser Wilhelm II., der uns – angetrieben von der eigenen Geltungssucht sowie den kriegslüsternen preußischen Generälen – in den 1. Weltkrieg führte. All dies Negative ist dann auch Grund für das Scheitern der Weimarer Republik, die NS-Diktatur und den 2. Weltkrieg.

Mit Preußen möchte man also nichts zu tun haben, der Name Preußen steht für ein militaristisches, aggressives Deutschland, mit dem wir heute nichts mehr zu tun haben wollen. Und ja es ist richtig, Preußen war sehr von seinem Militär geprägt, ebenso gab es eine sehr auf Gehorsam gedrillte Gesellschaft und ja, diese Aspekte spielten dann auch eine negative Rolle in der weiteren Geschichte unseres deutschen Vaterlandes. Dies alles kann man nicht wegreden und man sollte es auch nicht tun. Denn wenn man Dinge relativiert oder totschweigt, geraten sie in Vergessenheit und gerade die heutige Zeit zeigt wieder einmal mehr denn je, wie wichtig es ist sich über die Vergangenheit im Klaren zu sein.

Aber dennoch ist Preußen noch viel mehr. Wenn man das eben vorgestellte als seine negative Seite bezeichnen möchte, dann gab es auch eine andere Seite. Beide machen einander nicht weg, aber beide sind wichtig zu wissen, um sich ein differenziertes Bild über Preußen machen zu können. Mir ist es auch dahingehend wichtig, über diese zweite Seite zu berichten, da aktuell rechtsradikale, völkische Kräfte – von denen wir Monarchisten uns aufs schärfste zu distanzieren sollten – versuchen, Preußen für sich mal wieder einzunehmen. Genauso wie es bereits Adolf Hitler und die NSDAP taten und damit ist nicht nur der Tag von Potsdam gemeint.
Preußen war neben all jenen Dingen nämlich noch viel mehr. Es steht ebenso für die Befreiung der Bauern, ein modernes Gewerbewesen, Universitäten mit internationalem Ruf, kommunale Selbstverwaltung, Einkommenssteuer, Abschaffung der Folter, allgemeine Schulpflicht, usw. um nur einige Dinge zu nennen, die Preußen als einen zur damaligen Zeit fortschrittlichen Reformstaat machten.

Darüber hinaus ist noch etwas anderes nicht unwichtig zu wissen. Gerne kommen ja rechte Gruppierungen mit Preußen als dem Beispiel für Germanisierung und völkisches Denken an. Wer sich aber genauer mit Preußen befaßt, der weiß auch das Preußen auch ein Vielvölkerstaat war, in dem Deutsche, Dänen, Polen, Litauer usw. friedlich miteinander lebten. Auch war Preußen ein Staat, der weltanschaulich Verfolgten Schutz gewährte, wie z.B. im Fall der französischen Hugenotten.

… und das Koppelschloß für alles Militärische, …

Als nach den Napoleonischen Kriegen das Rheinland zur preußischen Rheinprovinz wurde, hatte es seine eigenen liberaleren Gesetze. Als 1866 verschiedene deutsche Staaten ein Teil des Königreichs Preußen wurden, frohlockten viele Menschen dort, weil Preußen trotz allem Militärischen auch für Fortschritt stand. Wie sich beispielsweise auch an Hannover zeigte, dessen Wirtschaft in Folge der Annexion und des Wegfalls des Zunftsystems florierte. Und Kaiser Wilhelm II. setzte sich gleich zu Beginn seiner Regentschaft für die Bedingungen der Arbeiter ein und verweigerte eine Verlängerung des Sozialistengesetzes, gegen den Widerstand des erzkonservativen Reichskanzlers Bismarck.

… doch das positive Preußen lebt weiter in der Familie, die den Landesnamen weiterträgt.

Preußen war also auch die Pickelhaube und die Pickelhaube beeinflußte auch negativ unser Land, aber es war gleichzeitig mehr. Lassen wir uns also ein differenziertes Bild von Preußen ziehen und lassen wir nicht zu, daß dieses Land das, auch wenn es heute formal nicht mehr akzeptiert, dennoch eine bedeutende Rolle für Deutschland, aber auch Europa spielte, im positiven wie im negativen, nicht von den rechten Scharlatanen missbraucht wird.

Aus Preußen können wir alle für die Zukunft lernen, im positiven wie im negativen Sinne. C.C.

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