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Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kira von Preußen 1963

Heute vor 50 Jahren erlitt Ihre Kaiserliche Hoheit, Prinzessin Kira von Preußen, einen Herzinfarkt und starb kurz darauf in Saint-Briac-sur-Mer in der Bretagne. Sie war zu Besuch bei ihrem Bruder, Großfürst Wladimir Kirillowitsch von Rußland, und der Tod der 58-jährigen kam völlig überraschend. Das Wochenblatt Der Spiegel gab die Todesmeldung in der gewohnt schnoddrigen Weise zur Kenntnis:

GESTORBEN KIRA VON PREUSSEN

KIRA VON PREUSSEN, 58. Die Ehefrau des Kaiser-Enkels Louis Ferdinand, eine gebürtige Großfürstin von Rußland aus dem Hause der Romanows, war die First Lady der untergegangenen Hohenzollern-Dynastie. Briten-Queen Victoria – ihre Urgroßmutter – war zugleich die Ururgroßmutter ihres prinzlichen Gemahls: Insofern“, so einst Louis Ferdinand, wäre also meine Frau meine Tante, was uns aber nie gestört hat.“ 1917 floh Kira vor russischen Revolutionären nach Finnland, Ende des Zweiten Weltkrieges vor der Roten Armee nach Bayern. 1952 gründete die zweimal heimatvertriebene Mutter von sieben Prinzessinnen und Prinzen eine Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung“ zugunsten von heimatvertriebenen und Berliner Kindern: Unser achtes Kind.“

DER SPIEGEL 38/1967

Großfürstin Kira Kirillowna von Rußland

Die Großfürstin von Rußland wurde am 9. Mai 1909 als zweite Tochter des Großfürsten Kyrill Wladimirowitsch Romanow (1876–1938) und dessen Ehefrau Prinzessin Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha (1876–1936) geboren. Kiras Eltern flohen in Folge der Oktoberrevolution 1917 aus Rußland nach Finnland, wo ihr einziger Bruder, Großfürst Wladimir (1917-1992), zur Welt kam; ihre ältere Schwester, Großfürstin Maria (1907-1951), heiratete den Fürsten von Leiningen.

Ihr Vater, Großfürst Kyrill Wladimirowitsch, war ein Enkel von Zar Alexander II. (1818-1881). Nach der Ermordung von Zar Nikolaus II. und seiner Familie am 18. Juli 1918 galt er als nächster männlicher Verwandter des Zaren und er rief sich zum Zar aller Reußen und Oberhaupt des Hauses Romanow aus.

Als 16-Jährige lernte Großfürstin Kira 1925 im Potsdamer Schloß Cecilienhof ihren späteren Mann, Prinz Louis Ferdinand von Preußen, kennen, der damals als Zweitgeborener des Kronprinzenpaars ein relativ unbeschwertes Leben führte. Es verging mehr als ein Jahrzehnt bis sie sich mit dem Enkel und inzwischen zum Erben Kaiser Wilhelms II. aufgestiegenen Prinzen verlobte. Die Hochzeit fand gleich dreifach statt: In Potsdam standesamtlich und am 2. Mai 1938 nach russisch-orthodoxem Ritus, zwei Tage später wurde das Paar im Beisein Kaiser Wilhelms II. in seinem niederländischen Exil in Doorn evangelisch getraut. Über die Reise dorthin schrieb Prinz Louis Ferdinand in seinen Lebenserinnerungen: Noch am gleichen Abend [nach der orthodoxen Trauung] fuhren wir und die engeren Familienmitglieder mit der Bahn nach Doorn. Wir waren eine so große Gesellschaft, daß wir einen eigenen Schlafwagen brauchten. Kira und ich waren sorgsam getrennt untergebracht, denn noch fehlte uns der Segen der evangelischen Kirche.“

Der Kaiser schrieb dem Brautpaar ein Geleitwort für den gemeinsamen Lebensweg:

„Sei willkommen in meinem Haus, liebe Kira, als geliebtes Mitglied! Bei Deinem Eintritt in das Haus werden von neuem die schönen alten Erinnerungen lebendig an die Zeiten, da durch die Heirat der Schwester meines heimgegangenen Großvaters, Kaiser Wilhelms des Großen, Friedrich Wilhelms III. erlauchter Tochter Charlotte mit Kaiser Nicolai I., sich das Preußische Königs- und Russische Kaiserhaus zu inniger Freundschaft verbanden, Möge diese schöne alte Tradition wieder unter Gottes Segen durch Euren Bund erneuert werden …!

Für den Vater der Braut war es eines der letzten großen Ereignisse seines Lebens, denn er starb bereits am 12. Oktober 1938 in Neuilly-sur-Seine im französischen Exil, ohne seine Heimat wiedergesehen zu haben. Auch Kaiser Wilhelm konnte nicht nachhause zurückkehren und starb am 4. Juni 1941 ebenfalls im Exil. Nach dem Tod des Kronprinzen 1951 waren die beiden Schwäger Großfürst Wladimir und Prinz Louis Ferdinand Kronprätendenten für Rußland beziehungsweise Deutschland.

Prinzessin Kira mit ihrem Sohn Friedrich Wilhelm 1939

1940 zog die rasch wachsende Familie auf das Gut Cadinen bei Elbing in Ostpreußen. Bei Kriegsende flohen alle vor der Roten Armee über Potsdam nach Bad Kissingen. Ab 1947 lebte das kaiserliche Paar mit seinen sieben Kindern in Bremen, ab Anfang der 60er Jahre mit Zweitwohnsitz in Berlin.

Überraschender Tod

Prinzessin Kira starb überraschend am 8. September 1967 im Alter von 58 Jahren in ihrem französischen Urlaubsort Saint Briac-sur-Mer. Sie wurde in der für sie geschaffenen russisch-orthodoxen Auferstehungskapelle auf der Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg beigesetzt. Dort sollten später auch ihr Mann und zwei ihrer Töchter ihre letzte Ruhestätte finden.

Seiner Trauer über den Verlust seiner Frau gab Prinz Louis Ferdinand in seinen Lebenserinnerungen Ausdruck: „An jenem Septembermorgen endete durch Gottes höheren Ratschluß eine Ehe, die nach irdischen Begriffen vollkommen gewesen war. Als meine Frau von dieser Erde abberufen wurde, nahm sie einen Teil meines eigenen Ichs mit sich in die Ewigkeit. Seitdem wird mir von Tag zu Tag klarer, was sie mir in diesen 29 Jahren gewesen ist: Die liebevolle Mutter unserer sieben Kinder, mein bester Freund, Kamerad und Ratgeber.“

Ihr Name und ihre Aufgaben leben fort

Im Juni 1952 riefen Prinzessin Kira von Preußen und ihr Mann Prinz Louis Ferdinand von Preußen ein Jugendwerk ins Leben. Der Beweggrund für die Gründung der Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung war vor allem die schwierige Situation im Nachkriegsdeutschland, unter der besonders Kinder im geteilten Berlin zu leiden hatten.

Im Jahre 1954 verwirklichten Prinzessin Kira und Prinz Louis Ferdinand ihren Wunsch, bedürftigen Kindern aus dem damals zerstörten Berlin, kostenlose Ferien auf der Burg Hohenzollern zu ermöglichen. In jenem Sommer konnten somit zehn Mädchen und zehn Jungen erstmals über die Luftbrücke von Berlin bis zur Burg gebracht werden.

 

Prinz Louis Ferdinand und Prinzessin Kira von Preußen mit jungen Gästen in den Stiftungsräumen der Burg Hohenzollern 1965

Auch 60 Jahre nach der Gründung der Stiftung sind Kinderarmut und soziale Benachteiligung ein aktuelles Thema in unserer Gesellschaft. Die Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung ermöglicht Kindern mit sozial schwierigem Hintergrund heute ebenfalls einen kostenlosen Ferienaufenthalt auf der Burg. Dafür werden von den beiden Burgherren Prinz Georg Friedrich von Preußen und Fürst Karl-Friedrich von Hohenzollern jährlich von April bis Ende September Räumlichkeiten auf der Burg zur Verfügung gestellt.

Nach der Wiedervereinigung erweiterte man den Kreis der Gäste der Stiftung. So sind heute neben Gruppen des Kinderschutzbundes, der SOS-Kinderdörfer und verschiedener sozialen Einrichtungen aus ganz Deutschland auch Jugendliche aus New York eingeladen, die Familienangehörige bei den Anschlägen des 11. Septembers verloren. Zudem fanden Treffen palästinensischer, israelischer und deutscher Jugendlicher auf der Burg Hohenzollern statt, die sich im Rahmen eines Sonderprojektes um einen Beitrag zu einem besseren Verständnis und friedlichen Miteinander bemühen.

Bisher konnte die Stiftung mehr als 13.000 junge Gäste auf der Burg Hohenzollern begrüßen.

Der Vorsitz in der Stiftung wurde von ihrem Enkel und heutigem Chef des Hauses Hohenzollern, Prinz Georg Friedrich von Preußen, übernommen, der sie mit großem Engagement im Sinne seiner Großelternhandhabt. Die Stiftungsarbeit wird unter der Leitung von Prinzessin Sophie von Preußen geführt.

Die Finanzierung

Die Stiftung finanziert sich ausschließlich durch Spenden und erhält keine öffentlichen Zuschüsse. Ein Großteil dieser Spenden wird seit 1952 durch das einmal jährlich stattfindende Wohltätigkeitskonzert gewonnen. Hierzu wird ein ausgewählter Personenkreis von Förderern der Stiftung persönlich vom Stiftungsvorstand in den Grafensaal eingeladen und von namhaften Solisten musikalisch unterhalten.

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