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Meine Damen und Herren,

Weihnachten und Neujahr sind für die meisten von uns eine Zeit des Glücks. Straßen und Plätze erstrahlen in festlichem Glanz. Zuhause herrschen Gemütlichkeit und Freude darüber, zusammen zu sein, sich wiederzusehen. Leider gilt das nicht für jeden. Viele Menschen haben es in diesen Tagen schwer. Ich denke an die Menschen, die einsam sind oder krank, und an alle, die große Sorgen haben. Und auch an all diejenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben. In diesem Jahr denke ich auch ganz besonders an die Opfer der Anschläge von Brüssel und Zaventem und an ihre Angehörigen.

Die Ereignisse dieses Jahres bei uns in Belgien, in Europa und anderswo in der Welt lassen Zweifel über die Zukunft aufkommen. Viele sind besorgt über ihren Arbeitsplatz, ihr Einkommen, ihre Sicherheit. Zuviele junge Menschen glauben, daß sie und ihre Kinder es nicht so gut haben werden wie ihre Eltern. Zu viele Ältere fragen sich, ob sie noch mit den Veränderungen unserer Zeit Schritt halten können oder dürfen. Dieses Gefühl der Ungewißheit, der Verunsicherung, ja sogar der Wut, kann zu einem Verlust des Vertrauens führen, auch in die Institutionen.

Und trotzdem wende ich mich heute an Sie mit einer Botschaft der Hoffnung. Die Königin und ich sind immer wieder beeindruckt von den vielen wertvollen Projekten, für die sich Bürger überall in unserem Land mit Herz und Seele einsetzen, und die es dabei schaffen, andere zu motivieren, sich ebenfalls zu engagieren.

Ich sehe dabei Menschen, die sich trauen, aufrichtig und echt miteinander umzugehen. Ich habe das selbst erfahren können bei meinem Besuch eines Heims, wo geistig behinderten Erwachsenen ein familiäres Umfeld geboten wird. Sich ohne Vorurteile und liebevoll begegnen, die Schwächen des anderen und seine eigenen anerkennen – es hat mich überwältigt, wieviel Energie das in einem selbst freisetzt. Sanftmut ist eine Stärke.

Ich sehe auch viele Beispiele von Solidarität und Großzügigkeit. In den Feriencamps, wo Kinder, die Opfer von Mißhandlung und Mobbing sind, ihr Lächeln zurückfinden. Bei den Familien, die Menschen aufnehmen, die ausgeschlossen sind. In Projekten, die Menschen verschiedener Generationen und Herkunft einander näherbringen. Viele zögern nicht, ihren eigenen Komfort aufzugeben, um auf den anderen zuzugehen.

Und dann sehe ich da all die vielen jungen und weniger jungen Menschen, die begreifen, daß man, um Erfolg zu haben, den Mut braucht, neu anzufangen. Sie finden sich nicht damit ab, am Rande der Gesellschaft stehenzubleiben. Sie geben sich nicht geschlagen. Sie wissen, daß zum Erfolg auch gehört, den Erfolg des anderen zu wollen und seine Hilfe anzunehmen. Ich denke an diejenigen, die eine helfende Hand ergreifen, um zu lernen, um wieder zu studieren, um eine Arbeit zu finden. Ich denke an all die Menschen im Ruhestand, die neue sinnvolle Wege für sich entdecken. Und an die Älteren, die einsehen, daß Hilfe anzunehmen keineswegs bedeutet, daß man damit auch seine Würde aufgibt.

Meine Damen und Herren,

Alle diese Beispiele drücken den Willen aus, eine Gesellschaft aufzubauen, in der wir uns in schwierigen Zeiten gegenseitig unterstützen, und uns gegenseitig zum Erfolg verhelfen. Sie zeigen, daß eine warmherzigere Gesellschaft in greifbarer Nähe ist. Sie verdienen deshalb mehr Beachtung. Ich bin überzeugt, daß sie auch eine Dynamik in Gang bringen können, die unsere Institutionen bereichert, und die das Vertrauen in unsere Demokratie verstärkt. Das ist dann auch, was ich am Vorabend des neuen Jahres von Herzen für unser Land und für Europa wünsche.

Meine Damen und Herren,

Die Königin und ich, und unsere ganze Familie, wünschen Ihnen Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.

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