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Auch Bilderstürmen will gelernt sein

Widerstand ist möglich: Die CDU in Bad Oldeslohe plakatierte im Juni 2015 gegen die Umbenennung.

Widerstand ist möglich: Die CDU in Bad Oldesloe plakatierte im Juni 2015 gegen die Umbenennung.

Wer in unserer Zeit vorgibt, „kritisch“ zu denken und diese Denkweise auch auf das Geschichtsbewußtsein, das historische Stadtbild und die Namensgebung für Straßen, Plätze und Einrichtungen ausdehnt, gehört meist dem zeitgeisttreuen Mainstream an und erobert nur Festungen ohne Verteidiger, die die Tore weit geöffnet und die weiße Fahne gehißt haben. Solch Denken ist dann tatsächlich auch weder kritisch, noch mutig, noch hat es in den meisten Fällen irgendetwas mit tiefergehenden Geschichtskenntnissen zu tun. An die Umbenennung von Hindenburgstraßen, -plätzen oder -brücken, wie sie zur Zeit wieder in Rinteln und Bad Homburg geplant sind, hat man sich gewöhnt und man darf sich für den alten Feldmarschall und Reichspräsidenten fast freuen, denn so ist ihm über die Jahre mehr mediale Aufmerksamkeit sicher, als wenn man einfach auf Umbenennungen verzichten würde. Schade und historisch nicht korrekt ist dabei, daß er immer als „Monarchist“ bezeichnet wird, obwohl er den Kaiser zum Exil geraten und dann auch nicht zugunsten des Kronprinzen auf eine Kandidatur für das Reichspräsidentenamt verzichtet hat. Immerhin kann man auch denjenigen, die die Straßen damals nach Hindenburg benannt haben, vorwerfen, daß er in der Rückschau weder ein besonders guter Präsident noch trotz aller militärischer Verdienste ein Befehlshaber mit politischem Weitblick war.

Leserbrief in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung… Eine Begebenheit, die der frühere Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner erzählte: Die zu Ehren von Albert Einstein benannte „Einsteinstraße“ wurde 1933 in „Fichtestraße“ umbenannt. Als der Krieg vorbei war, beschloß der Ulmer Gemeinderat, die Straße wieder umzubenennen, aber nicht, ohne vorher Albert Einstein abermals zu fragen, ob er mit der Benennung einverstanden sei. Dieser antwortete, er fühle sich wiederum geehrt, aber er gebe den Ulmern den guten Rat, die Straße „Fähnchen-nach-dem-Wind-Straße“ zu benennen, damit sei man gegen alle politischen Änderungen gefeit.
Prof. Dr. P.H., Wiesbaden, FAZ, 29. Sept. 2016

Man kann bei Namensgebungen aber auch sonst viel falsch machen, wenn man sich selbst für „kritisch“ hält und in Wirklichkeit dem Zeitgeist folgt. In Rüsselsheim etwa soll eine Gesamtschule nach Sophie Opel benannt werden, weil diese ein Beispiel für Unternehmertum durch Frauen in früher Zeit ist und man in Rüsselsheim natürlich auch einen besonderen Bezug zu Opel hat. Dies stößt aber auf Widerstand, da Sophie Opel eine Profiteurin „der militaristischen, (…) die Arbeiterbewegung unterdrückende Monarchie gewesen sei.“ Das heute gerngesehene Prinzip der erfolgreichen Unternehmerfrau tritt also hinter das Prinzip vermeintlich dunkler Vor-BRD-Strukturen zurück und schon sehen die kritischen Denker mit ihrer Umbenennung wie reaktionäre Hinterwäldler aus.

In Berlin wurde eine nach Turnvater Jahn benannte Grundschule umgetauft, weil dieser als Gründer der ersten Wehrsportgruppe Militarismus und Nationalismus gefördert habe. Jetzt heißt die Schule „Bötzowschule“ nach dem Viertel, in dem sie sich befindet, wobei man wissen muß, daß Herr Bötzow ein Bierbrauer war, der die NSDAP unterstützte und sich am Ende des 3. Reichs das Leben nahm. In Gechingen in Württemberg wird gerade über den Sedanplatz gestritten, wobei sich hier immerhin noch viele Bürger finden, die die Benennung nicht mit der Schlacht und Militarismus, sondern mit dem deutschen Einheitsgedanken verbinden wollen, und der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat beschlossen, Straßen grundsätzlich nur noch nach Frauen zu benennen, womit also die Leistung hinter biologische oder neudeutsch biologistische Kriterien zurücktreten. Ob Sophie Opel wohl im Friedrichshain Gnade gefunden hätte?

Bei soviel Unwissen, Unvernunft und Durcheinander würde man sich für Umbenennungen eine ähnliche Prozedur wünschen, wie sie im Vatikan für Kanonisierungen existiert. Einzige realistische Abhilfe gegen mangelnde Geschichtskenntnisse bei gleichzeitigem Glauben an die eigene moralische Überlegenheit ist in diesem Fall ungehemmter Kapitalismus: Mehrere Städte, wie zum Beispiel das finanziell klamme Lübeck, stellen die Namen für Sportstätten und ähnliches einfach zum Verkauf, in Aalen wurde jüngst ein zentraler Platz in „Sparkassenplatz“ umbenannt, weil die Sparkasse dessen Sanierung in erheblichem Maße mitfinanziert hatte. Es wäre also denkbar, daß Kinder zum Fußballspielen in den Kaiser-Wilhelm-Sportpark an der Hohenzollernstraße gehen, wenn es jemanden gäbe, der entsprechendes finanziert. L.R.

Die EU: Wie Österreich-Ungarn ohne Franz Joseph

Am 21. November vor 100 Jahren starb Kaiser Franz Joseph I., der Monarch, an dessen Vorgänger sich Zeitgenossen in Österreich-Ungarn nicht erinnern konnten. Der alte Kaiser war einfach schon immer da, und die meisten seiner Untertanen, ob Slowaken, Ukrainer oder Rumänen, hätten es schlicht als unhöflich empfunden, zu seinen Lebzeiten an eine Republik oder einen Nationalstaat zu denken, weswegen schon damals viele Menschen den Tod Franz Josephs I. mit dem Aufbrechen der Risse in der damaligen Gesellschaft und dem Tod der Doppelmonarchie verbanden. So ähnlich kam dies dann ja auch, denn sein Nachfolger Karl I. wurde trotz aller aufrichtigen Bemühungen nur zur tragischen Figur.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß heute nicht nur in den ehemals habsburgischen Landen des Kaisers gedacht wird. Das bedeutendste Zentrum, wo man seiner gedenkt, dürfte in der Tat Brüssel und nicht Wien sein, denn zahlreiche Artikel vergleichen die EU heute mit dem Habsburgerreich von damals: die Vereinigung mehrerer Völker in einem Verbund, die Umverteilung von Geldern, ein großer Binnenmarkt, die Garantie von innerem Frieden und Sicherheit, wo es dies vorher nicht gab… Die Vorteile der EU liegen immer noch auf der Hand, jedoch wird dies wie damals unter den Habsburgern nicht mehr so empfunden und auch die Strukturen der EU haben sich wie damals als ungeeignet für Reformen und die Lösung unvorhergesehener Probleme erwiesen. Was der EU zusätzlich fehlt, ist  eine charismatische Person, jene Person eben, die der alte Monarch darstellte und weswegen Österreich-Ungarn überhaupt so lange existieren konnte. Jean-Claude Juncker, Martin Schulz oder Angela Merkel haben dagegen das Charisma von abgestandenem Wasser und in dem Moment, wo die Mehrheit der Bürger den Nutzen der EU nicht mehr sieht, wird sie ein schnelleres Ende nehmen, als das Habsburgerreich, denn niemand wird aus Höflichkeit und Respekt ihren Herrschern gegenüber von Angriffen auf die EU absehen. Das Ende der Monarchien nach dem 1. Weltkrieg wird von vielen Historikern so gedeutet, daß diese sich einfach überlebt hatten. Wie die EU jetzt zeigt, ist die Lösung, auf eine einigende Person an der Staatsspitze zu verzichten, auch nicht überzeugend. L.R.

Kaiserdemo in Wien:
„Wir wählen den Kaiser“
am 11.11.2016, 18 Uhr
am Ballhausplatz/Volksgartennische

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Die vollständige 172. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 172

Inhalt der 172. Ausgabe:

  • Auch Bilderstürmen will gelernt sein
  • Preußischer Prinz mit Schirmherrschaft über Oldtimerrallye
  • Die EU: Wie Österreich-Ungarn ohne Franz Joseph
  • Die Alliance Royale rüstet sich für die Präsidentschaftswahl

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