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Als nach dem 1. Weltkrieg die Siegermächte die Erbmasse der besiegten Kaiserreiche unter sich aufteilten und – wie sie sagten – „neu ordneten“, zogen in Vorderasien der britische Lokalpolitiker Sir Mark Sykes und der zweitklassige französische Diplomat François Georges Picot mit dem Lineal gerade Striche auf der Landkarte. Was dabei herauskam, waren französische und britische „Mandatsgebiete“ (offiziell vom Völkerbund vergeben). Syrien ging an Frankreich, Irak, Transjordanien und Palästina an das Vereinigte Königreich. Der syrische Nationalkongreß proklamierte im März 1920 das Arabische Königreich Syrien mit Prinz Faisal bin al-Hussein als König und Hashim al-Atassi als Premierminister. Im benachbarten Irak verlief die Entwicklung ähnlich und Faisals jüngerer Bruder Abdullah wurde vom Irakischen Kongreß am 8. März 1920 zum König gewählt.

Proklamation von König Faisal I. von Irak.

Proklamation von König Faisal I. von Irak.

Die Franzosen erkannten die Wahl Faisals nicht an und gingen militärisch gegen das neue Königreich vor. Am 23. Juli 1920 trafen französische Truppen bei Maysulun, westlich von Damaskus, auf die Syrer unter dem königlichen Verteidigungsminister Yusuf al-Azma. Er fiel im Gefecht und anderntags besetzten die Franzosen die Hauptstadt des syrischen Königreichs, Damaskus, und setzten ihre Herrschaft trotz anhaltenden Widerstands durch. König Faisal verließ das Land und wurde stattdessen am 23. August 1921 zum König des Iraks gewählt. Sein Bruder Abdullah hatte bereits zuvor den ihm angebotenen Thron im Irak abgelehnt und war stattdessen als Emir von Transjordanien nach Amman gegangen.

Die britische Mandatsherrschaft war weitsichtiger und hatte im Gegensatz zur französischen kein Problem mit einer monarchischen Struktur und unterstützte sowohl König Faisal I. im Irak wie Emir Abdullah in Transjordanien. Dieser machte sich in seinem relativ kleinen Territorium (89.341 km2, etwas mehr als doppelt so groß wie Niedersachsen) daran, Strukturen einzurichten. Amman hat zwar eine lange Geschichte, die bis um 1350 v. Chr. zurückzuführen ist, aber bei Ankunft des Emirs war es nur noch ein Dorf. 1930 hatte es lediglich 10.000 Einwohner (heute: 4 Millionen) und auch andere Ansiedlungen waren wenig städtisch geprägt. Die Mehrzahl der Bevölkerung waren nomadisierende Beduinen. Emir Abdullah richtete 1928  eine beratende Versammlung ein, die 1929 eine erste Verfassung verabschiedete.

Logo zur 70-Jahrfeier des Haschemitischen Königreichs Jordanien.

Logo zur 70-Jahrfeier des Haschemitischen Königreichs Jordanien.

Im Zweiten Weltkrieg bereitete Emir Abdullah den Briten anders als Palästina oder Syrien keine Probleme. Als Anerkennung seiner Unterstützung gaben die Briten 1946 das Mandatsgebiet frei und aus dem Emirat wurde am 25. Mai 1946 – heute vor 70 Jahren – das unabhängige Haschemitische Königreich Jordanien. Haschemitisch, weil dies der Familienname der aus dem Hedschas stammenden Dynastie ist. Das Hedschas Königreich ging 1925 unter, als es ins Königreich Saudiarabien integriert wurde. Im Irak führten drei Könige der Haschemiten das Land zur kulturellen Freiheit und Blüte, die am 14. Juli 1958 in einem blutrünstigen Putsch beendet wurden. Viele Mitglieder der königlichen Familie wurden regelrecht abgeschlachtet – der Beginn eines fast fünfzig Jahre dauernden Konflikts im Irak.

Die jordanische Unabhängigkeitserklärung, die König Abdullah I. am 25. Mai 1946 verlas.

Die jordanische Unabhängigkeitserklärung, die König Abdullah I. am 25. Mai 1946 verlas.

König Abdullah I. von Jordanien

König Abdullah I. von Jordanien

König Abdullah konnte nur fünf Jahre regieren. Am 20. Juli 1951 wurde er in der Jerusalemer Al Aqsa Moschee von einem 21-jährigen Palästinenser erschossen. Der junge Mann gehörte der Husseini-Familie an, zu der auch der berüchtigte Hitler-Helfer, Mohammad Amin al-Husayni, der Großmufti von Jerusalem, und Yassir Arafat zählten.

Nachfolger im Königreich Jordanien wurde Abdullahs ältester Sohn, Talal bin-Abdullah. Aus gesundheitlichen Gründen dankte er bereits im August 1952 ab und machte wiederum den Weg frei für seinen ältesten Sohn, Hussein. Dieser hatte bei der Ermorderung seines Großvaters neben diesem gestanden und entging der Kugel des Attentäters nur, weil sie an einem Orden abprallte, die König Abdullah ihm einen Tag zurvor verliehen hatte. 46 Jahre regierte König Hussein I. und prägte lange die Politik im Nahen Osten. Er schuf aus dem Wüstenstaat Jordanien eine moderne konstitutionelle Monarchie, die weltoffen und gastfreundlich Hunderttausenden von syrischen Flüchtlingen Schutz bietet (ohne Europa damit zu erpressen). Die christliche Minderheit lebt geschützt und unbehelligt im Haschemitischen Königreich.

Seit 1999 steht mit Abdullah II. der vierte König der Haschemiten in Jordanien für ein tolerantes und friedliches Arabien. Der syrische Familienzweig hat nach der irakischen Revolution von 1958 in Amman Zuflucht gefunden. Bereit, wieder Verantwortung im östlichen Nachbarstaat zu übernehmen?

König Abdullah II, Königin Rania und Kronprinz Hussein wünschten mit diesem selbstgeschossenen Photo "A Happy Independence Day".

König Abdullah II., Königin Rania und Kronprinz Hussein wünschten mit diesem selbstgeschossenen Photo „A Happy Independence Day“.
هنالك أمور لا تتغير كهذه الصورة وحبنا للأردن.. عيد استقلال سعيد #الأردن70

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