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Monarchietheorie: Max Weber und die traditionelle Herrschaft

Max Weber (1864 - 1920)

Max Weber (1864 – 1920)

Der weltweit anerkannte Erfurter Soziologe Max Weber (1864-1920) bedauerte das von ihm in seinen letzten Jahren erlebte Ende der Monarchie, auch wenn er kein besonderer Freund des Monarchen Wilhelm II. war.

Nach Weber gibt es drei reine Formen der Rechtfertigung von Herrschaft: die rationale, die traditionelle und die charismatische. Wenig überraschend fallen die Monarchien dabei unter die traditionelle Rechtfertigung von Gewaltausübung, während die charismatische Herrschaft theoretisch auch von einem Diktator ausgeübt werden könnte, und die rationale Herrschaft schließlich beim Parlament liegt. Wie schon Montesquieu, spricht sich aber auch Weber für eine Mischung aus verschiedenen Elementen aus, da die rein rationale Herrschaft zu schwach sei, um für sich allein genügend Legitimität für eine stabile Herrschaft zu begründen. Nur die Monarchie könne eine fruchtbare Verbindung mit den anderen beiden Formen der Legitmität herstellen. Unter anderem sei dies auch notwendig, damit das nicht von anderen getan wird – so war Max Weber ein ausgesprochener Gegner der von Hindenburg und Ludendorff geführten Obersten Heeresleitung und lastete es Kaiser Wilhelm II. an, sich dagegen nicht verwahrt zu haben.

Gegen Ende des 1. Weltkriegs sprach sich Weber für eine parlamentarische Monarchie aus, die ja auch im Oktober und November 1918 für kurze Zeit Bestand hatte. Unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg war er allerdings der Meinung, die preußische Monarchie sei diskreditiert und er konnte sich für Deutschland eher eine Republik vorstellen, wobei auf einer theoretischen Ebene „die streng parlamentarische Monarchie die technisch anpassungsfähigste und damit stärkste Staatsform” blieb, wie Weber in seinem Werk „Deutschlands künftige Staatsform” aus dem Dezember 1918 schrieb. Dies schrieb er aber nicht zuletzt auch deswegen, weil er die kleindeutsche Lösung ablehnte und den Weg der Österreicher ins Reich nicht durch dynastische Vorbehalte gefährdet sehen wollte. Wie Max Weber die weiteren Entwicklungen in der Weimarer Republik gesehen und ob er sich am Ende durch die Unfähigkeit der republikanischen Staatslenker nicht auch wieder mit den Hohenzollern versöhnt hätte, wird man durch seinen Tod im Jahre 1920 leider nicht erfahren. Für Royalisten bedeuten die Schlußfolgerungen, zu denen Max Weber bezüglich seiner Herrschaftslehre gelangt ist, auch, daß die Möglichkeit einer Wiederkehr der Monarchie so gut wie ausgeschlossen ist. Ist mit der Tradition erst einmal gebrochen, gibt es auch keine Legitimität mehr. Ein neuer König müßte sich also zuallererst auf sein Charisma stützen, damit dessen Nachfolger dann wiederum eine traditionelle Herrschaft begründen können. L.R.

Pressefreiheit im Kaiserreich und heute

In der Corona wurde schon oft darüber geschrieben, daß die Presse im Kaiserreich frei und vermutlich freier gewesen ist, als heutzutage. Hierfür sind wir teilweise auch kritisiert worden und es kam der Eindruck auf, wir würden uns den Lügenpresse-Vorwürfen anschließen, einem Terminus, welcher fälschlicherweise Akteuren im 3. Reich zugeschrieben wird, jedoch aus dem 1. Weltkrieg kommt und die Erfindungen der englischen und sonstigen Entente-Presse über vermeintliche deutsche Greueltaten bezeichnete.

Wer dies will, kann sich selbst ein Bild von der Pressefreiheit im Kai-serreich machen: Das Reichspreßgesetz ist bei Amazon erhältlich

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Wie war es also wirklich? Die Pressefreiheit wurde 1874 im Reichspreßgesetz festgelegt. Es führte unter anderem die Impressumspflicht ein, was die Verantwortlichkeit der Herausgeber sicherstellen sollte, hob die Konzessionspflicht für den Betrieb eines Verlages auf und führte die Pflicht zur Gegendarstellung im Fall von Falschmeldungen oder verleumderischen Behauptungen ein. In einigen Bundesstaaten Deutschlands galt das Gesetz bis 1966 und in den neuen Bundesländern wurde es in Ermangelung anderer Gesetzestexte 1990 wieder eingeführt und erst 2007 abgelöst, was vor allem am Aufkommen der neuen Medien lag.

Ein weiterer bemerkenswerter Umstand war die Kleinteiligkeit der damaligen Presse. Medienkonzerne gab es nicht und überregionale Zeitungen waren eine große Ausnahme, auch wenn der Telegraph und die Verbreitung von Meldungen über Nachrichtenagenturen schon üblich waren.

In der Praxis wurden die im Reichspreßgesetz vorgesehenen Bestimmungen jedoch von Bismarck zwischen 1878 und 1890 im Rahmen der Sozialistengesetzgebung für einen Teil der Publikationen aufgehoben. Im 1. Weltkrieg wurde die Presse dann einer strengen Zensur unterworfen, um die Bevölkerung im Unklaren über die militärische Situation zu lassen.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Pressezensur dann im Zuge der Republikschutzgesetze, die gezielt gegen Monarchisten gerichtet waren, und während des Nationalsozialismus fortgesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Gründung von Zeitungen und Verlagen von den alliierten Militärregierungen gefördert und in der Bundesrepublik wurde die Pressefreiheit auf Grundlage des Pressegesetzes aus dem Kaiserreich wiederbelebt. Dies funktionierte dann alles auch eine ganze Weile recht gut und sogar so gut, daß die Bürger im feindlichen System der DDR zahlreiche Anstrengungen unternahmen, um Zugang zu westdeutschen Medien zu bekommen.

Nach der Jahrtausendwende und dem Einzug des Internets in alle Haushalte hat sich diese Situation jedoch verändert. Die freie Zugänglichkeit von Nachrichten stellte Zeitungen und Verlage vor ernsthafte ökonomische Probleme und führte in der Konsequenz zu Schließungen und Fusionen. Warum sollte man etwas finanzieren, was man kostenlos und oft auch in einer halbwegs akzeptablen Qualität im Internet finden kann? Die Journalisten werden nunmehr oftmals als sogenannte „Freelancer” beschäftigt, und für wirklich gehaltvolle Recherche fehlen oftmals Zeit und Mittel. Möchte man also schnell und damit rentabel an Insiderinformationen herankommen, muß man denen gewogen sein, die einem diese Informationen zukommen lassen, oder sucht sich andere Einnahmequellen, wie jüngst der Fall eines Journalisten zeigte, der der AfD für eine monatliche Zuwendung eine positive Berichterstattung versprach. Die Dunkelziffer von Journalisten mit solchen Sondervereinbarungen dürfte dabei entsprechend sein. Unter diesen Voraussetzungen läuft auch der Betrieb eines gigantischen, öffentlich-rechtlichen Rundfunkbetriebes, wie er weltweit einzigartig sein dürfte, ins Leere. Die Journalisten und Moderatoren werden angesichts der Situation auf dem freien Markt nicht in die Hand beißen, die sie füttert. Schließlich führt die Marktsituation dazu, daß die Journalisten skandalisieren müssen, denn andere Nachrichten lassen sich nicht verkaufen. Bei alles in allem recht harmlosen Erscheinungen wird schnell der Teufel an die Wand gemalt, was zu Reizüberflutung und Hysterisierung in der Bevölkerung führt. So kommt dann der Eindruck auf, die Medien würden alle dasselbe berichten und es kommt auch eine Art Weltuntergangsstimmung auf.

Ist es also haltbar zu sagen, daß das Kaiserreich mehr Pressefreiheit hatte, als die Bundesrepublik? Zumindest teilweise schon. Dies ist zwar nicht immer der Absicht der verantwortlichen Politiker geschuldet, denn diese hoben ja mehrfach die rechtlichen Errungenschaften des Pressegesetzes auf. Wie auf anderen Gebieten hatte das Kaiserreich aber wenigstens dieses für die damaligen Zeiten sehr moderne Gesetz, welches seitdem kaum verändert wurde, und gleichzeitig war die Technologie noch nicht so weit, daß es zu einer Monopolisierung der Medienlandschaft kommen konnte. Man kann der Politik heute also sicher nicht vorwerfen, daß sie mit den Medien zusammen in irgendwelchen Hinterzimmern konspiriert, um den Bürgern die objektive Wahrheit vorzuenthalten, wohl aber, daß sie nicht in der Lage ist, wie in Deutsch-lands Gründerzeit in der Monarchie kreative und fortschrittliche Antworten auf die Anforderungen der Zeit zu finden. L.R.

Unter den zehn freiheitlichsten Staaten sind sieben Monarchien.

Unter den zehn freiheitlichsten Staaten fanden sich 2015 sieben Monarchien. Auch zwei Jahre zuvor waren in der Statistik der Reporter ohne Grenzen sieben der zehn pressefreundlichsten Staaten Monarchien.

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Die vollständige 163. Ausgabe von „Corona – Nachrichten für Monarchisten“ steht hier zum Herunterladen bereit:

Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 163

Inhalt der 163. Ausgabe:

  • Monarchietheorie: Max Weber und die traditionelle Herrschaft
  • Pressefreiheit im Kaiserreich und heute
  • Prominente Monarchiebefürworter
  • Jungroyalisten in Nepal wollen mit Waffengewalt die Monarchie zurückbringen

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