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Happy Australia Day CZlROEzUcAA1uO4Traditionell begeht Australien in jedem Jahr am 26. Januar seinen Nationalfeiertag – Australia Day – und erinnert an die Ankunft der ersten Siedler und die Gründung der Kolonie Neusüdwales am 26. Januar 1788. Es hat sich als neue Tradition etabliert, daß der Tag von Republikanern, Befürwortern einer neuen Flagge und Antirassisten (die drei Kategorien können auch in Personalunion auftreten) genutzt wird, um ihr Anliegen vorzutragen.

In diesem Jahr hatten die Republikbefürworter die Nase vorn und veröffentlichten bereits zwei Tage vor Australia Day ein Schreiben, das von fünf der sechs Ministerpräsidenten der australischen Bundesstaaten sowie von den  Regierungschefs der beiden Bundesterritorien unterzeichnet war, mit dem sie statt einer konstitutionellen Monarchie eine Republik verlangten. Gerichtet war ihr Brief an Premierminister Malcolm Turnbull, der im September 2015 den monarchistischen Parteifreund Tony Abbott in einer Palastrevolte stürzte und der 1999 während des Referendums über die australische Monarchie Führer des Australian Republican Movements war. Ausgerechnet er, von dem sich seine Gesinnungsgenossen viel erhofften, rät zur Vorsicht und will kein neues Referendum – jedenfalls nicht zu Lebzeiten Königin Elizabeths II.

Anders als es deutsche Medien darstellen, ist nämlich die Stimmung keineswegs prorepublikanisch und eine Volksabstimmung würde zu einer noch größeren Niederlage als 1999 führen, als die Australier zu fast 55% Nein zur Republik sagten. Der Vorstoß der Politiker hat sogar den gegenteiligen Effekt (Australian support for monarchy has grown as debate for republic revived) und die Hoffnung der unterlegenen Republikaner, daß die Monarchisten irgendwann von selbst aussterben würden, trog ebenfalls, denn es sind The young Australians who don’t want a republic. In einer Studie des Doktoranden Luke Mansillo von der Sydney University, die im Australian Journal of Political Science veröffentlicht wurde, wird belegt daß es keine Wechselstimmung gibt. Die einzige Alterskohorte, die stets republikanisch eingestellt war, sind die Jahrgänge der 50er und frühen 60er Jahre. Die Jahrgänge davor und besonders seit den 70er Jahren stehen der Monarchie mit viel Sympathie gegenüber.

Die Studie belegt, daß 1999 die Zustimmung zu einer republikanischen Staatsform am größten war, als die genannte Alterskohorte tonangebend und auch numerisch stark war. Seither nahm ihr Gewicht ab und die australische Monarchie besitzt gerade wegen der Politiker einen hohen Stellenwert. Denn anders als es sich die republikanischen Propagandisten wie Ministerpräsidenten, Milliardäre (à la James Packer), Vorstandsvorsitzende von Fluggesellschaften oder Banken vorstellen, hat ihr Eintreten für die Republik die gegenteilige Wirkung. Wenn Big Business und Big Money für die Republik sind, fragen Monarchisten zu recht: „Do we really want a system in Australia where you can, because you are wealthy, run a campaign and become the president of a nation?“ Die USA beweisen ja in diesen Tagen erneut, wie sich Milliardäre mit Millionären darum zanken, wer als Präsident ins Weiße Haus einziehen darf, wobei die Milliardäre die besseren Startchancen haben.

Die Australier haben ein Gefühl dafür, wenn die Politiker etwas fordern, was offensichtlich nur ihnen zugute kommt. Eine Republik würde an den Problemen Australiens nichts ändern, aber wieder einen Posten für einen Parteifreund schaffen („jobs for mates“).

2015 50c gold-plated uncirculated_OBV-smallDie nächsten Vorstöße der australischen Republikaner werden sicher kommen. Anlässe sind neben dem Australia Day jedes Jahr der ANZAC Day (25. April) und Queen’s Birthday (2. Montag im Juni). Die Zeitungen sind an solchen Tagen immer voll mit Lobpreisungen für eine republikanische Staatsform, ohne daß die Republikaner genau ausführen, welches Modell ihnen vorschwebt. Aber sie finden in der Bevölkerung wenig Widerhall, werden jedoch in Deutschland und anderen Ländern gerne nachgedruckt. Ein genauer Blick hinter die Propagandakulissen lohnt sich immer.

Prime Minister Malcolm Turnbull, a staunch republican says Prince Charles will become King of Australia unless the constitution changes, which he conceded could be challenging.

Anläßlich des letzten Besuchs von Prinz Charles in Australien im November 2015 sagte Premierminister Malcolm Turnbull: “If [Prince] Charles becomes the King of the United Kingdom, as I’ve got no doubt he will be, unless our constitution has been changed, he will become the King of Australia”.

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