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Der monarchistische Gedanke ist auch an deutschen Universitäten zu finden, wo er nicht immer feindlich, sondern mitunter auch neutral analysiert wird. Als ich vor zwei Jahren an der Goethe-Universität in Frankfurt am Seminar über das politische System der Bundesrepublik Deutschland teilnahm, entschloß ich mich, ein Essay über die Alternative zur Republik zu schreiben. Der Name war Programm: „Wieso Deutschland die Monarchie braucht“.

Wenige Wochen nach der Abgabe freute ich mich über die glatte Eins, die ich von der Lehrperson für meine Arbeit erhielt. Dieses positive Beispiel sollte Menschen ermuntern, sich nicht zu verstecken, sondern mit ihren Vorstellungen an die Öffentlichkeit zu gehen und für unsere Idee zu werben. Die Arbeit ist hier in Auszügen zu sehen, allen Lesern wünsche ich viel Spaß!

Wieso Deutschland die Monarchie braucht
Parlamentarische Monarchie als Alternative für Republik der Parteien
Fast jeder zehnte Einwohner unseres Landes glaubt, daß Deutschlands Staatsoberhaupt ein Monarch sein sollte. Bei jungen Menschen sind diese Zahlen noch um einiges höher. Doch wie läßt sich diese Tatsache erklären, obwohl Deutschland seit 1918 eine Republik ist? (…) Was einigen zunächst wie ein weltfremder Anachronismus vorkommen mag, eine Phantasie erzkonservativer Spinner und verträumter Nostalgiker, wird beim näheren Hinsehen (…) zu einer ernsthaften Alternative für eine Republik der Parteien, die unter sich ausmachen, wer der nächste „oberste Vertreter des Volkes“ werden soll. Wieso sonst bleiben so unterschiedliche Länder wie Großbritannien, Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Spanien, Japan, Thailand, Jordanien, Marokko, Kanada, Australien und Dutzende weitere bei dieser Staatsform? Mit diesem Essay wird ein Beitrag zur Debatte über eine neue Verfassung für Deutschland formuliert. Eine Verfassung für ein modernes, tolerantes und demokratisches Kaiserreich Deutschland.

Argumente der Monarchiegegner
Zunächst aber zu den Argumenten gegen die Monarchie, die zum Teil eine erstaunliche Engstirnigkeit der sie Verwendenden zeigen. Der wohl häufigste Vorwurf besagt, daß eine Monarchie absolut undemokratisch, und deshalb nicht mehr mit unserer Lebenswelt vereinbar sei. Schon ein flüchtiger Blick auf die oben genannten Staaten reicht aus, um sie als pluralistische Demokratien zu identifizieren. Doch der Verweis darauf führt meist dazu, daß behauptet wird, dies seien „keine richtigen Monarchien“. Was denn richtige Monarchien auszeichne? Natürlich: Der Absolutismus. (…) da reicht es, sich die Liste der absoluten Monarchien anzuschauen (…). Neben Saudi-Arabien, Swasiland, Brunei, Katar und Oman, taucht dort nur der Staat Vatikanstadt auf, was in dem Gros der demokratischen Monarchien eine unbedeutende Zahl ist, was freilich nicht bedeutet, daß eine Demokratisierung dieser Länder nicht wünschenswert wäre. Doch zurück zu dem Gegenargument. Eine Fortführung dessen würde bedeuten, daß eine Republik zwangsläufig eine Demokratie sein müßte. Und auch da ist es sehr klar, daß das nicht stimmen kann: (…) Republiken wie Rußland, Kongo oder Syrien sind zweifelsohne keine lupenreine Demokratien. (…)

Doch nicht nur mit diesen Beispielen könnte man ein weiteres Argument entkräften, die Monarchie unterdrücke die Frauen (…) Wird die Liste monarchischer Staaten betrachtet, fällt auf, dass überproportional viele gekrönte Häupter Frauen sind. Dieses wichtige emanzipatorische Element war auch ein konstituierendes Merkmal historischer Staaten. So gab Englands Königin Victoria einem ganzen Zeitalter ihren Namen, die russische Zarin Katharina die Große machte ihr Land zu einer Großmacht und die heiliggesprochene Königin Hedwig von Polen wurde schon im Mittelalter die erste Herrscherin eines europäischen Staates. (…)

Als letztes großes Argument wird angeführt, daß eine mögliche Einführung der Monarchie in Deutschland gegen die Verfassung verstoßen würde. (…) [Doch das stimmt nicht, denn] wenn, wie von den Gründungsmüttern und -vätern des Grundgesetzes vorgesehen, eine Verfassung ausgearbeitet werden soll, definiert Artikel 146: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Demnach kann eine neu ausgearbeitete Verfassung Deutschland zu einem Kaiserreich erklären, wie dies zum Beispiel Philip Kiril Prinz von Preußen vorschlug, als die Wulff-Debatte in vollem Gange war. (…)

Weitere Vorteile der Monarchie
Der größte Nachteil einer Republik, die ihre Parteien über die Besetzung des obersten Staatsamtes entscheiden lässt, ist letztlich die de facto fehlende Mitwirkung des Volkes. Doch wer glaubt, dieses Problem durch eine Direktwahl aus der Welt zu schaffen, irrt. Denn jemand, der von einem Teil der Wähler gewählt wurde, kann schwer die Herzen der restlichen gewinnen. Ein Monarch dagegen braucht sich keine Gedanken über eine Wiederwahl zu machen, er ist parteipolitisch nicht gebunden und repräsentiert ergo das ganze Volk. Indem schon ab dem Zeitpunkt der Geburt bekannt ist, daß das Kind künftig seinem Volk dienen wird, wird es von Anfang an zu diesem Dienst ausgebildet. Der angehende Monarch lernt viele Sprachen, den diplomatischen Umgang und Etikette, studiert an besten Universitäten, absolviert einen militärischen Dienst wie Queen Elizabeth zu ihrer Zeit als Kronprinzessin, setzt sich für caritative, umweltpolitische und sportliche Zwecke ein, kurz, genießt die beste Ausbildung, während der er einen Platz in den Herzen der Menschen findet, denen er gehört. Ganz anders ein Präsident, der vor seiner Wahl häufig nur von wenigen Menschen gekannt wird und bis kurz vor der Wahl nicht weiß, daß er die Bevölkerung eines großen Staates repräsentieren wird. Und, nachdem er sich doch einen gewissen Respekt erarbeitet hatte, nachdem er international bekannt wurde und die Regeln der Diplomatie beherrscht, wird nach einer oder zwei Amtszeiten ein neuer Präsident gewählt, der wieder einiges lernen und sich einen Namen machen muß. (…)

Wichtiger wäre aufzuzeigen, daß es dazu eine Alternative gibt. Denn der nicht um seine Wiederwahl fürchtende Monarch braucht keine kurzfristigen Erfolge, um seine Popularität zu steigern, sondern langfristige. Er kann schwer zu vermittelnde Wahrheiten aussprechen, die Politiker das Amt kosten könnten. Er denkt nicht in Jahren bis zum Ende seiner Amtszeit oder zu seiner Wiederwahl, sondern in Generationen. So waren 2007, wie Tobias Friske ausgerechnet hatte, Monarchen im Durchschnitt seit 31,88 Jahren im Amt, Präsidenten dagegen seit 4,16 Jahren. (…) In diesem Zusammenhang sind auch die Worte des britischen Premierministers Robert Peel erwähnenswert: „A King after a reign of ten years ought to know more of the working of the machine of government then any man in the country.” [Ein König nach zehn Jahren Herrschaft sollte mehr über die Arbeit der Regierungsmaschinerie wissen als jeder andere im Lande] Somit kann er den Politikern wertvolle Ratschläge geben und in Krisensituationen auf einen reichen Erfahrungsschatz zugreifen. (…)

Gekrönte Staatsoberhäupter können ihr Land daneben besser im Ausland repräsentieren. Dazu schreibt die deutsche monarchistische Gesellschaft: „Die Monarchen Europas sind weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt und beliebt, ganz im Gegensatz zu den Präsidenten. In Ländern wie Frankreich und den USA ist dies natürlich anders, da der Präsident auch Regierungschef ist und somit an allen wichtigen internationalen Konferenzen teilnimmt und die Außenpolitik maßgeblich mit beeinflußt. Wenn das Amt des Regierungschefs nicht mit dem Amt des Präsidenten zusammenfällt, sind die Präsidenten – wie in Deutschland – im Ausland unbekannt. (…) Während die Queen im Ausland jubelnd vom Gastgeberland empfangen wird, müssen sich unsere Bundespräsidenten mit dem Standardprogramm zufrieden geben und bleiben in der ausländischen Presse eine Randnotiz.“ Die Bekanntheit der Monarchen ist aber nicht der einzige Vorteil. Denn, anders als beim Präsidenten, ist es die gesamte Familie, die das Land verkörpert. (…) Somit können die repräsentativen Aufgaben besser verteilt werden, was den Einzelnen entlasten und die Repräsentationskraft eines Staates vervielfachen kann.

Mögliche Verfassung des Kaiserreichs Deutschland
Doch nun, da der Argumentation der Kritiker die wichtigsten Vorteile gegenübergestellt wurden, stellt sich die Frage, wie eine Verfassung des Kaiserreichs Deutschland aussehen könnte. Im Grunde müßte nicht viel geändert werden, um aus dem Nachlass eine monarchische Verfassung zu machen. Das wichtigste Fundament sollten weiterhin die Grundrechte sein, die in den Artikeln 1-19 des Grundgesetzes verankert sind und sich bisher hervorragend bewährt haben. Artikel 20 müsste von „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“ bloß in „Das Kaiserreich Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“ geändert werden. Artikel 32 könnte geändert werden, falls auch eine territoriale Neuordnung der Bundesländer folgen sollte. So könnten einige Bundesländer, wie dies schon in der Weimarer Republik der Fall war, ein Staatsoberhaupt haben, da die meisten der 1918 gestürzten Dynastien bereit wären, diese Aufgaben zu übernehmen. In diesem Falle könnten die Staaten auch auswärtige Beziehungen unterhalten, wie dies heutzutage die einzelnen Bundesländer im Rahmen der europäischen Union machen. [Es folgen weitere Beispiele, die hier gekürzt werden] Im Grunde könnte es sich hierbei um einige kosmetische Eingriffe handeln, diese würden vollkommen reichen, um die neue Verfassung auszuarbeiten.

Wer könnte zum Kaiser gekrönt werden?

I.K.H. Prinz Georg Friedrich und Prinzessin Sophie von Preußen

I.K.H. Prinz Georg Friedrich und Prinzessin Sophie von Preußen

Eine weitere wichtige Frage sollte als nächstes geklärt werden. Schließlich wurde bisher von einem Monarchen gesprochen, ohne daß seine Identität klar genannt würde. Das liegt daran, daß es dazu mehrere Meinungen gibt. Drei Dynastien tauchen in diesem Zusammenhang besonders häufig auf, die preußischen Hohenzollern, die bayerischen Wittelsbacher und die österreichischen Habsburger. (…) Obwohl Georg Friedrich Prinz von Preußen ein idealer Kandidat wäre, könnte es eine Volksabstimmung zwischen den drei möglichen Kandidaten geben, bei der allerdings keine „Wahlversprechen“ gemacht werden sollten, was das Wahlkönigtum in der Vergangenheit zum Beispiel in Polen-Litauen zu Fall gebracht hatte.

Deutschland braucht die Monarchie
Die meisten Intellektuellen vergessen leider, daß Politik nicht reine Kopf- und Vernunftsache ist, sondern vielmehr durch Gefühle und Herz entschieden wird. Millionen Deutsche sehen die königlichen Hochzeiten und Inthronisationsfeiern im Fernsehen und Internet, verfolgen jede Nachricht über Kinder, Kleider und Leben der Mitglieder der Herrscherhäuser. Dieses Gefühl des Vertrauens, das Wir-Gefühl, kann in einer Republik nicht so einfach wie in einer Monarchie entstehen. In unserer postmodernen Welt des Relativismus und der Unbeständigkeit, der Globalisierung und mit ihr einhergehend der tiefenpsychologischen Existenzangst, brauchen die Menschen Halt, Rollenbilder, zu denen sie aufschauen können. (…) In Deutschland (…) wird immer wieder nach einem „Ersatzkaiser“ gesucht, was bisher nur selten, um nicht zu sagen – noch nie, gut endete. Die Begeisterung für Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein gutes Beispiel für diese Sehnsucht. Der Prunk und Glanz der modernen Monarchie läßt hingegen gesunden Patriotismus entstehen, einen, den wir nur selten erleben, zum Beispiel, wenn mal wieder ein großes Fußballturnier, ein „Sommermärchen“ stattfindet. Deshalb braucht Deutschland die Monarchie. Das Kaiserreich Deutschland, ein modernes, tolerantes und demokratisches Land, würde außenpolitisch in einem neuen Licht erstrahlen und innenpolitisch die Menschen näher zueinander bringen, die gespaltene Gesellschaft einen. Ein selbstbewußtes Deutschland in einem friedlichen, einträchtigen Europa, sollte unser aller Ziel sein. Und zu diesem wunderbaren Ziel brächte uns die Monarchie ein ganz großes Stück.
Lukasz Stec
Der Autor studiert an der Goethe-Universität Frankfurt Geschichte sowie Politik und Wirtschaft auf Gymnasiallehramt.

Bei Anregungen, Kritik und Fragen E-Mail: Riedbergwe [at] gmail.com

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