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Das Kurfürstentum Brandenburg zum Zeitpunkt, als Kaiser Sigismund die Hohenzollern damit belehnte.

Das Kurfürstentum Brandenburg zum Zeitpunkt, als Kaiser Sigismund die Hohenzollern damit belehnte.

Als am 30. April 1915 das 500jährige Jubiläum der Herrschaft der Hohenzollern über Brandenburg gefeiert wurde – am 30. April 1415 war der Nürnberger Burgraf Friedrich VI. von Hohenzollern von König Sigismund zum Markgrafen und Kurfürsten erhoben und mit der Mark Brandenburg belehnt worden – hatte Brandenburg etwa 4,1 Mio. Einwohner. Heute wohnen in dem Land gerade einmal 2,5 Mio., Tendenz weiter fallend, und darüber, wieviele Menschen davon als Brandenburger wirklich dauerhaft dort leben und wieviele Zugewanderte dort nur ihren Wochenend- beziehungsweise ihren Altersruhesitz haben, gibt die Statistik keine Auskunft. Bei diesen Zahlen muß zwar auch berücksichtigt werden, daß zwischen 1915 und 2015 verschiedene Gebiete nach Berlin eingemeindet wurden und einige Teile des damaligen Brandenburgs heute nicht mehr zu Deutschland gehören, trotzdem läßt sich jedoch sagen, daß es dem Land seit dem Ende der Hohenzollernherrschaft 1918 nicht besser ergangen ist. Dies betrifft gerade auch die wirtschaftliche Entwicklung, denn zur Jahrhundertwende konnte das Land neben dem Bergbau auch in Bereichen wie der Optik oder der Textilproduktion Erfolge vorweisen, während das Land heute größtenteils von der Landwirtschaft lebt und im bundesdeutschen Durchschnitt einen der geringsten Durchschnittslöhne und eine der höchsten Arbeitslosenquoten zu verzeichnen hat.

Die Statue des ersten brandenburgischen Kurfürsten aus dem Haus der Hohenzollern, die früher auf der Siegesallee stand.

Die Statue des ersten brandenburgischen Kurfürsten aus dem Haus der Hohenzollern, die früher auf der Siegesallee stand.

Die Bedingungen für das Erreichen einer politischen und wirtschaftlichen Blüte waren dabei denkbar schlecht: Die Böden Brandenburgs galten als unfruchtbar – die fruchtbarsten Gebiete im Oderbruch wurden erst auf Weisung der Hohenzollern trockengelegt – und Bodenschätze gab es nicht. Für die Kohle fand sich erst später eine Verwendung. Die Brandenburger waren schon zu Zeiten des ersten Hohenzollernkurfürsten störrische Zeitgenossen, weswegen staatliche Strukturen erst geschaffen werden mussten, viel Bevölkerung gab es aber eigentlich auch gar nicht. Die Hohenzollern hatten in den über 500 Jahren ihres Wirkens in der Mark also wahrlich keine einfache Aufgabe und es hat in der Geschichte sicher mehr Herrscher gegeben, die blühende Länder heruntergewirtschaftet haben, als aus dem Nichts ein bedeutendes Land zu erschaffen, wie es den zahlreichen bemerkenswerten Persönlichkeiten unter den Hohenzollern durch ein jahrhundertelanges Streben gegen alle Widrigkeiten gelang.

Heute wohnen die Nachfahren des Kaisers bei Bremen und halten sich nur selten in ihren eigentlichen Stammlanden auf, die auch 25 Jahre nach dem Fall der Mauer politisch noch von Teilen des Ancien Régime beherrscht werden. In der brandenburgischen Gedenkkultur haben Überlegungen, den 600. Jahrestag der Ankunft des ersten Kurfürsten aus dem Haus Hohenzollern in Brandenburg feierlich zu begehen, auch keinen Platz. Der Verdacht, daß dies aus Scham der Fall ist, weil man es nach 1918 keineswegs besser gemacht hat, als die Hohenzollern, ist dabei sicher nicht von der Hand zu weisen.

L.R.

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