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Baudouin und Fabiola heirateten 1960.

Baudouin und Fabiola heirateten 1960.

Königin Fabiola von Belgien ist am Abend des 5. Dezember auf Schloß Stuyvenberg in Brüssel gestorben. Geboren wurde sie am 11. Juni 1928 in Madrid als Doña Fabiola Fernanda Maria de las Victorias Antonia Adelaïda de Mora y Aragón. Durch ihre Heirat am 15. Dezember 1960 mit König Baudouin wurde sie zur Königin der Belgier und trug diesen Titel bis zum frühen Tod ihres Manns am 31. Juli 1993. Als König Baudouin starb und Fabiola, umgeben von mehreren hunderttausend Belgiern als einzige in einem weißen Trauerkleid dem Sarg folgte, wurde sie protokollarisch von der »Königin der Belgier« zur »Königin von Belgien«. In Spanien hatte sie das Liceo alemán de Madrid besucht und danach eine Ausbildung in der Schweiz absolviert, dadurch sprach sie fließend Deutsch. Das war mit ein Grund, warum die Deutschen diese Königin liebten und sie ihr Schicksal stets mit großer Aufmerksamkeit verfolgten.

König Baudouin und Königin Fabiola der Belgier.

König Baudouin und Königin Fabiola der Belgier.

Ohne vorher als Heiratskandidatin von der Regenbogenpresse gehandelt worden zu sein, tauchte Doña Fabiola Fernanda Maria de las Victorias Antonia Adelaïda de Mora y Aragón – so der volle Name der aus einem spanischen Adelsgeschlecht stammenden Königin – im September 1960 in Belgien auf. Die Verlobte von Baudouin, der am 17. Juli 1951 als 20-jähriger seinen Vater, König Leopold III. ablöste, um den schon damals drohenden Zerfall des belgischen Staats zu verhindern, bereitete sich schnell auf ihr neues Heimatland vor. Drei Monate später heirateten der Monarch und seine Auserwählte. Bis heute weiß niemand, unter welchen Umständen sie sich kennenlernten. Nach Angaben des belgischen Fernsehens trafen sie sich im französischen Marienwallfahrtsort Lourdes.

Die große Liebe war es – und das große Leiden. Einfach, zurückhaltend, diskret und ohne Allüren gab sich das Königspaar, dessen ernsthaft wirkendes Auftreten genau dem entsprach, was die Bürger damals erwarteten. Es sollte eine Ehe ohne Skandale werden. Zehn Jahre nach dem Tod ihres Mannes schrieb Fabiola einen ungewöhnlichen »Offenen Brief« (»König Baudouin, König meines Herzens«) über diese Liebe: »Ich möchte etwas über das Glück an seiner Seite sagen, denn je mehr Zeit vergeht, desto mehr erlebe ich es

Wichtiges Glück aber fehlte: Das Königspaar blieb kinderlos. »Ich habe fünf Kinder verloren, man lernt etwas aus dieser Erfahrung«, sagte Königin Fabiola 2008 über eine Serie von Fehlgeburten, die beim heutigen Stand der Medizin zu vermeiden wären. Zuvor waren »nur« drei Fehlgeburten öffentlich bekannt. Die Monarchin, die schon vor ihrer Hochzeit Kindermärchen geschrieben und veröffentlicht hatte, und der strenggläubige Katholik Baudouin stürzten sich in diesen schweren Jahren ganz in ihre Arbeit.

Gekleidet in weiß folgte Königin Fabiola 1993 dem Sarg ihres Gatten. Die Katholikin trug nicht die traditionelle Trauerkleidung, um damit ihrem Glauben an die Wiederauferstehung der Toten Ausdruck zu verleihen.

Gekleidet in weiß folgte Königin Fabiola 1993 dem Sarg ihres Gatten. Die Katholikin trug nicht die traditionelle Trauerkleidung, um damit ihrem Glauben an die Wiederauferstehung der Toten Ausdruck zu verleihen.

König Baudouin erwarb sich bei der Vermittlung zwischen den französisch und niederländisch sprechenden Volksteilen als politisch agierender König den Ruf, der »einzig wirkliche Belgier« zu sein. Königin Fabiola kümmerte sich um viele: Arme Kinder, Hirngeschädigte, psychisch Kranke und auch um die Belange von Landfrauen.

Aber auch den Kontakt mit den einfachen Menschen, denen die von ihr geleiteten Wohltätigkeitsorganisationen helfen, suchte sie. Sie halte sich im Gespräch mit Leidenden und Armen an ein Wort ihres Mannes: »Mein Herz sagt mir, was ich sagen und wann ich schweigen soll.« Der Zugang zu anderen Menschen dürfte ihr auch durch die eigenen leidvollen Erfahrungen erleichtert werden: »Während meiner Schwangerschaften hatte ich immer Probleme. Aber ich finde jetzt, daß das Leben schön ist.«

Königin Fabiola begnete den Morddrohungen mit Humor. Als Zielscheibe bot sie auf der königlichen Tribüne einen Apfel an.

Königin Fabiola begegnete den Morddrohungen mit Humor. Als Zielscheibe bot sie auf der königlichen Tribüne einen Apfel an.

Daran hielt sie sich auch, als 2009 Todesdrohungen gegen sie publik wurden. Sie weigerte sich, ihre öffentliche Auftritte einzuschränken und machte sich sogar über die Mordpläne lustig, indem sie bei den Feiern zum Nationalfeiertag einen Apfel hochhielt, als wollte sie einem Schützen à la Wilhelm Tell ein Zielobjekt anbieten. Besonders verletzt hatten sie 2013 Vorwürfe von Politikern, die für ihre Neffen und andere Familienangehörige eingerichtete Familienstiftung sei nichts als ein Steuersparmodell und würde zum Abfluß belgischen Gelds nach Spanien führen. Tief gekränkt löste sie ihre Familienstiftung auf und nahm auch klaglos hin, daß die Regierung die Kürzung ihrer Jahresaufwandsentschädigung verfügte.

Eine große Königin ist dahingeschieden. Sie wird unvergessen bleiben.

Anläßlich des 80. Geburtstags veröffentlichte die belgische Post einen Jubiläumsblock mit drei Briefmarken.

Anläßlich des 80. Geburtstags veröffentlichte die belgische Post einen Jubiläumsblock mit drei Briefmarken.

Königin Fabiola wird am kommenden Freitag beigesetzt. Sie erhält – wie es der Gattin eines belgischen Monarchen zukommt – ein Staatsbegräbnis, entschied die belgische Regierung am Wochenende. Sie verfügte zudem Staatstrauer bis zum Tag des Begräbnisses. Die Öffentlichkeit wird am Mittwoch und Donnerstag die Möglichkeit haben, im königlichen Palast in Brüssel von Königin Fabiola Abschied zu nehmen.

Die Begräbnisfeier ist nach Palastangaben für Freitag 10 Uhr in der Kathedrale St. Michael und St. Gudula vorgesehen.

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