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Hat über die Anklage gegen Infantin Cristina zu befinden: Richter José Castro.

Hat über die Anklage gegen Infantin Cristina zu befinden: Richter José Castro.

Die Anschuldigungen gegen Infantin Cristina, der Tochter von König Juan Carlos I., werden vorerst nicht komplett zurückgezogen. Dies entschied ein Gericht in Palma auf die Beschwerde der Prinzessin hin. Sie wird jedoch nicht mehr der Geldwäsche bezichtigt. Im Raum ist jetzt noch der Vorwurf der Steuerhinterziehung. Ob sie letztlich angeklagt wird, ist noch nicht entschieden. Das in dieser Beziehung etwas seltsam anmutende spanische Recht sieht vor, daß nach Bearbeitung aller Beschwerden alle Kläger 10 Tage Zeit haben, um beim zuständigen Richter zu beantragen, wer auf die Anklagebank kommt. Kläger sind in diesem Fall von Amts wegen die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft, das Wirtschaftsministerium und die Regierung der Balearen. Hinzu kommt noch die Gewerkschaft Manos Limpias. Von den staatlichen Stellen ist bekannt, daß sie nicht beantragen werden, daß Anklage gegen die Infantin erhoben wird. Das erstaunliche Phänomen Manos Limpias (auf Deutsch: Saubere Hände) will die Infantin dagegen vor Gericht sehen. Die Gewerkschaft ist eine Gruppierung, die sich die Bekämpfung der Korruption auf die Fahnen geschrieben hat und der kleinen republikanischen Rechten in Spanien nahesteht. Der Richter kann nun entscheiden, daß die Anklage verworfen wird, wenn es nur private Kläger, jedoch keinen Kläger von Amts wegen mehr gibt.

So oder so: Das durch den Thronwechsel wieder deutlich verbesserte Image des Königshauses wird wohl leider Schaden nehmen. Gerade wird Spanien wieder von mehreren Korruptionsskandalen erschüttert, in die hochrangige Politiker, Bänker und Gewerkschafter verstrickt sind. Sollte es nicht zur Anklage gegen Infantin Cristina kommen, würde in der Öffentlichkeit schnell der Eindruck einer parteiischen Justiz entstehen. Käme es hingegen zu Anklage und Verurteilung, hätte die Familie des Königs eine verurteilte Straftäterin in ihren Reihen, auch wenn die Infantin aus der engeren Familie ausgeschlossen wurde, was auch Konsequenzen für Thronfolge und eventuelle Apanagen für sie hat.

Es bleibt also nur zu hoffen, daß in dem Prozeß, der sich nunmehr bald vier Jahre hinzieht, schnell ein Urteil gefällt wird.

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