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Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914 gingen in Europa die Lichter aus, wie der englische Außenminister Lord Edward Grey in seinem berühmten Ausspruch feststellte. Die ersten Schüsse fielen am 29 Juli, als österreichische Flußmonitore Belgrad angriffen. Der österreichische Plan sah vor, Belgrad zu besetzen, und dann mit Serbien über die vorangegangene Unterstützung von Terroristen zu verhandeln. Die Hoffnung auf einen begrenzten Konflikt war jedoch schon vor Beginn des Krieges mit der russischen Teilmobilmachung verflogen, die unmittelbar auf den Besuch des französischen Präsidenten Poincaré in Sankt Petersburg und damit noch vor der Mobilisierung Österreichs und Serbiens erfolgte. Damit war die ursprüngliche Idee Wiens, die auch in Berlin als realistisch betrachtet wurde, einen kurzen Präventivschlag gegen Serbien zu führen, schon vor Beginn der Feindseligkeiten hinfällig. Was folgte, ist hinlänglich aus den Geschichtsbüchern bekannt.

Politisch war der Ausgang des Krieges der Sieg der Republiken gegen die Monarchie, und das, obwohl mit Rußland die autokratischste Monarchie auf Seiten der Entente gekämpft hatte. Für die Monarchien Europas waren die Folgen des Krieges in der Tat verheerend. Der Zar wurde ermordet und der österreichische und der deutsche Kaiser sowie der osmanische Sultan mußten in der Folge des Krieges abdanken. Die Legitimität der Herrschaft von Parlament und Parteien wurde zur zentralen und einzigen Quelle politischer Legitimation. Versuche, diese Entwicklung rückgängig zu machen, endeten in blutigen Diktaturen, die nie wieder die alte Legitimität und das gute Regieren der alten Monarchien erreichen konnten. Historiker der Bundesrepublik haben in der Folge versucht, diese Entwicklung als unausweichlich darzustellen.

Doch mußte es wirklich so kommen? Für den Historiker Jörg Friedrich ist das Ergebnis des Krieges mißlungen, weil „er in einer schlechteren Welt endete, als der, aus der er kam.“ In der Tat hatte die alte Welt vorm Krieg einiges zu bieten, zum Beispiel Bismarcks Sozialgesetzgebung, ein Völkerrecht, in dem die moralische Ächtung des Gegners unbekannt war, eine Welt, die weitgehend ohne Ränkespiele politischer Parteien auskam und nicht zuletzt vielleicht auch gute Manieren und Erziehung. Insofern ist der 1. Weltkrieg nicht nur für die Verlierer von Versailles eine Tragödie. Selbst die vermeintlichen Sieger waren in Wirklichkeit Verlierer, was sich auch politisch widerspiegelte. Rußland hatte mit den unaussprechlichen Greueln der Revolution einen noch viel höheren Preis zu zahlen als Deutschland, Frankreichs Status als europäische Mittelmacht wurde zementiert und Großbritannien gab seine einstige Vormachtstellung statt an Deutschland dann an die USA ab. Die arabischen Völker, denen man die Freiheit versprochen hatte, wurden jetzt von anderen geknechtet, die Minderheiten in den neu geschaffenen Staaten Mitteleuropas terrorisiert und die europäische Wirtschaft auf lange Zeit entscheidend geschwächt. Millionen Familien verloren darüber hinaus ihre Väter, Brüder und Söhne und auch die Zivilbevölkerung hatte so zu leiden, wie vorher in der neueren Geschichte wohl nur im 30jährigen Krieg. Ganz Europa sollte an diesem 28. Juli Tränen von Scham und Trauer in den Augen haben. Der Tod von so vielen Menschen sollte den Lebenden dabei auch Verpflichtung sein, das Bewahrens- oder Bewundernswerte der alten Welt, für daß sie nach bestem Wissen gestritten haben, zu bewahren oder wiederherzustellen.
L.R.

Deutsches Kriegerdenkmal

Deutsches Kriegerdenkmal …

Französisches Kriegerdenkmal. Die moderne Welt in ihrer heutigen Welt hinzunehmen, hieße den Tod der auf beiden Seiten gefallenen europäischen Soldaten sinnlos zu machen.

… französisches Kriegerdenkmal. Die moderne Welt in ihrer heutigen Welt hinzunehmen, hieße, den Tod der auf beiden Seiten gefallenen europäischen Soldaten sinnlos zu machen.

Nachtrag: In Großbritannien versuchen Zeitungen, ihren Lesern zu erklären, warum in Deutschland der 1. Weltkrieg in der Erinnerungskultur eine so geringe Rolle spielt, z. B. Remembrance of the First World War is subdued in Germany, The Daily Telegraph, 25. Juli 2014.

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