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Das ZDF enttäuscht selten, wenn es um Geschichte und speziell um die von Königshäusern geht. Zumeist gibt sich die Sendestation vom Mainzer Lerchenhügel Klatsch und Tratsch hin (Ausnahme: Die Reihe ZDF Traumzeit Königshäuser vom Mai 2013). Was am gestrigen Dienstagabend zur besten Sendezeit über das Haus Habsburg (Die Habsburger – Kaiser, Könige und schrille Gestalten) verbreitet wurde, mußte sämtliche Blätter der Regenbogenpresse gelb vor Neid erscheinen lassen. Zugegeben, es ist schwer, eine 800-jährige Geschichte in 43 Minuten zu erzählen, aber man hätte doch einen Versuch wagen oder es ganz bleiben lassen können.

Stattdessen springt in der neuen Dokumentation die Erzählung von König Rudolf I. zu (Erz)Herzog Rudolf IV., um bei Kaiser Karl V. einen längeren Aufenthalt einzulegen. Aber schon mit der sehr komplexen Persönlichkeit seines Sohns, König Felipe II. von Spanien und einem seiner Kinder und einer seiner Ehefrauen, kann das ZDF wenig anfangen und bringt aus seiner langen Regierungszeit wenig mehr als sein Verhältnis zu seinem Sohn Don Juan zur Sprache. Danach gab es nur noch das Aussterben der spanischen Habsburger zu vermelden, den sich anschließenden Spanischen Erbfolgekrieg, der bis heute in Europa Bedeutung hat (Stichwort: Gibraltar), erwähnt das ZDF nicht einmal. Dafür liebt es Kaiserin Maria Theresia, deren Erbfolge ebenfalls nicht unangefochten blieb, weswegen Österreich mit Preußen Krieg führte, und aus deren Regierungszeit man nach ZDF-Informationen wenigstens von der Einführung der allgemeinen Schulpflicht und der Verheiratung ihrer 16 Kinder erfuhr.

Der aufgebahrte Kaiser Franz Joseph aus einer besseren Dokumentation, Die Habsburger.

Der aufgebahrte Kaiser Franz Joseph aus einer besseren Dokumentation, Die Habsburger, die mehrmals auf 3sat lief.

Man erreicht unter weitgehender Auslassung der Zeit Napoleons und Fürst Metternichs Kaiser Franz Joseph und seine Gattin, Kaiserin Elisabeth. Bei ihr und ihrem Sohn Kronprinz Rudolf hält sich das ZDF hingegen gerne länger auf und bringt mehr oder weniger pikante Details aus beider Leben auf den Bildschirm. Schwupp, damit sind die Zuschauer am Beginn des 1. Weltkriegs, dem Sterben Kaiser Franz Josephs und folgerichtig setzt das ZDF auch der Monarchie hier ein Ende, weil Kaiser Karl I. keiner näheren Erklärung bedarf. Ein paar Fernsehbilder vom Begräbnis Kronprinz Ottos 2011 in Wien dürfen mit der entsprechenden Erläuterung, hier sei nun endgültig die Monarchie zu Grabe getragen worden, nicht fehlen.

Garniert sind die Bilder und Geschichte mit eingeflochtenen Experteninterviews und den Erläuterungen zweier Habsburger. Hauschef Erzherzog Karl von Österreich und Erzherzog Eduard, letzterer vermutlich weil er ein Urururenkel von Kaiserin Sisi ist, was beim ZDF immer ein Entréebillet zu Kameraeinladungen ist, erhalten ein paar eingestreute Minuten Sendezeit, um ihre Sicht darzustellen.

Eine zu vergessende Dokumentation. Und darum bemüht sich auch der Rezensent, der es bedauert, diese Schmonzette angesehen zu haben.

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