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Prinz Zeid bin Zeid, neuer UN-Menschenrechtsbeauftragter.

Prinz Zeid bin Ra’ad, neuer UN-Menschenrechts-beauftragter.

Der langjährige Botschafter des Haschemitischen Königsreichs Jordanien bei den Vereinten Nationen, SKH Prinz Zeid bin Ra’ad al-Hussein, wurde am gestrigen Montag von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum nächsten UN-Hochkommissar für Menschenrechte gewählt. Er löst in dieser Funktion die Südafrikanerin Navi Pillay ab, die seit 2008 amtierte und Ende August turnusgemäß ausscheiden wird. Bereits in der letzten Woche hatte die taz eine afp-Meldung abgedruckt, in der die Berufung Prinz Zeids angekündigt wurde. Dort wurde seine Ernennung mit lobenden Worten begrüßt: „Auf diplomatischem Parkett ist Zeid ein angesehener Verhandlungspartner. In der Vergangenheit setzte er sich unter anderem mit Nachdruck für die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) im niederländischen Den Haag ein.“

Wäre es der taz-Redaktion bewußt gewesen, daß mit Prinz Zeid auch die Thronrechte für Syrien und den Irak verbunden sind, hätte sie vielleicht weniger positiv berichtet. Prinz Zeids Vater, Prinz Ra’ad bin Zeid, wurde 1936 in Berlin geboren, wo sein Vater, Prinz Zeid bin Hussein, als Botschafter das Haschemtische Königreich Irak vertrat. Prinz Zeid bin Hussein war mit Lawrence von Arabien und einigen Brüdern im Ersten Weltkrieg berühmt geworden. Sein Bruder Faisal wurde vom Syrischen Nationalkongress zum König von Syrien gewählt, allerdings vertrieben ihn die Franzosen, die in ihrem Völkerbundsmandat alleine herrschen wollten, nach wenigen Monaten. Die Briten boten ihm den irakischen Thron an, womit die Haschemitische Dynastie des Landes begründet wurde.

Mit der Ermordung des jungen irakischen Königs Faisal II. wurden 1958 viele Mitglieder der königlichen Familie bestialisch ermordet, aber einige entgingen der Furie. Die nächsten in der Thronfolge, Prinz Zeid bin Hussein und sein Sohn Prinz Ra’ad bin Zeid, hielten sich zur Zeit des Massakers von Bagdad im Ausland auf und fanden im benachbarten Königreich Jordanien bei ihrem Vetter König Hussein Zuflucht. Für das Haschemitische Königreich Jordanien übernahmen sie zahlreiche diplomatische Missionen.

Nach dem Tod seines Vaters 1970 trat Prinz Ra’ad in die Nachfolgerechte für Syrien und den Irak ein. Sein ältester  Sohn und de jure Kronprinz, Prinz Zeid, wird die dynastischen Rechte und Pflichten dereinst erben. Zwar sieht es momentan nicht danach aus, als ob sich Syrer oder Iraker auf die Vorteile der monarchischen Staatsform besännen, aber wenn das Abschlachten eines Tags endet, kehrt vielleicht auch die Vernunft zurück.

Flagge des Königreichs Syrien.

Flagge des Königreichs Syrien.

Die wohlwollende Berichtertsattung bei der Berliner taz könnte übrigens einen simplen Grund haben: In der Redaktion kannte niemand den Prinzen und seinen familiären Hintergrund, denn im deutschsprachigen Wikipedia findet sich bis zum heutigen Tag kein Eintrag zu Prinz Zeid bin Ra’ad. Auch sein Vater und Großvater werden keines Eintrags gewürdigt, was auf die Wikipedia-Regeln bezüglich Mitglieder königlicher Familien zurückzuführen sein dürfte. Bereits 2013 hieß es dazu in einer Wikipedia-Diskussionsrunde:

Die deutschsprachige Wikipedia-Community ist tendenziell, was Biographien zu Adelspersonen nach 1918 mit rein genealogischen Informationen anbelangt, äußerst intolerant im Gegensatz zur englischsprachigen Wikipedia. Es muss laut WP:RK für Personen in der deutschsprachigen Wikipedia genügend entsprechend definierte Relevanz erkennbar sein. In der englischsprachigen Wikipedia gilt eine Person des Hochadels nach meiner Beobachtung an sich als relevant und niemand käme dort auf die Idee, solche Artikel zu löschen. —Stolp (Disk.) 18:24, 24. Apr. 2013 (CEST).

Vielleicht weckt die Ernennung Prinz Zeids zum UN-Hochkommissar für Menschenrechte nun auch bei Wikipedia ein Interesse, denn eine „entsprechend definierte Relevanz“ dürfte selbst für die adelsfeindlichen deutschsprachigen Wikipedianer erkennbar sein.

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