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König Juan Carlos I. von Spanien schien von außen betrachtet lange die Auffassung zu vertreten, daß erst der Tod den Monarchen von seinen Verpflichtungen entbinden kann. Wahrscheinlich hat er diese Meinung auch vertreten und vertritt sie noch. Was aber hat ihn dazu bewegt, zugunsten seines Sohnes auf den Thron zu verzichten?

Trotz seiner gesundheitlichen Probleme absolvierte König Juan Carlos im April mehrere Staatsbesuche, unter anderem in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo unter seiner Vermittlung die spanische Industrie lukrative Wirtschaftsverträge schließen konnte.

Trotz seiner gesundheitlichen Probleme absolvierte König Juan Carlos im April mehrere Staatsbesuche, unter anderem in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo unter seiner Vermittlung die spanische Industrie lukrative Wirtschaftsverträge schließen konnte.

  1. Der Gesundheitszustand des Königs ist so schlecht, daß er ihn in seiner Amtsführung zuletzt sehr beeinträchtigte. Mehrere gescheiterte Hüftoperationen verhinderten, daß der König seine gewohnte Agenda wahrnehmen konnte. Ob noch andere gesundheitliche Probleme hinzukommen, darüber kann nur spekuliert werden. In den letzten Jahren ist der heute 76 Jahre alte König jedenfalls für jedermann ersichtlich deutlich gealtert.
  2. Die Volkspartei (Partido Popular) ist an der Regierung. In wirtschaftlich schlechten Zeiten versuchen die spanischen Parteien gerne, von den eigentlichen Problemen abzulenken. Was den Rechten dabei die Rückgabe von Gibraltar an Spanien ist, ist den Linken eine Debatte um die Monarchie. Für die oppositionellen, in ihrer großen Mehrheit aber königstreuen Sozialisten ist es ohne Regierungsverantwortung leichter, ihren linken republikanischen Rand im Zaum zu halten und eine Debatte Monarchie/Republik im Parlament zu vermeiden. Die Sozialisten werden zwar das neue Thronfolgegesetz, welches die bislang ungeregelte Thronbesteigung des Kronprinzen definiert, mitverabschieden, können sich aber gegenüber dem extremistischen Teil ihrer Klientel darauf berufen, ob der absoluten Mehrheit der regierenden Volkspartei ohnehin nichts dagegen ausrichten zu können.
  3. Der vielleicht wichtigste Punkt ist aber: Die jüngeren Spanier sind furchtbar wütend auf die Generation ihrer Eltern, trotz ihrer Leistungen bei der Überwindung der Franco-Diktatur und der Begründung einer freieren Gesellschaft. Anders als in Italien und Griechenland weiß man in Spanien ganz gut, daß man die Gründe der Wirtschaftskrise im eigenen Land zu suchen hat. Die jungen Spanier machen nun nicht zu unrecht die ältere Generation dafür verantwortlich, durch manipuliertes Wachstum, Mißwirtschaft, Korruption, Großmannssucht und Verschwendung das Land an einen Abgrund geführt zu haben. In der Tat spricht momentan viel dafür, daß es ein heute 25jähriger Spanier einmal wesentlich schlechter haben wird, als die Generation seiner Eltern. Diese Entwicklung war in den letzten Jahren auch in den Beliebtheitswerten des Königs als Vater der Nation zu erkennen und schien keineswegs nur konjunkturell Bestand zu haben. Die Begründung, mit der Juan Carlos seinem Volk den Thronverzicht erklärte, war in der Tat, einer bestens ausgebildeten, jungen Generation den Vortritt lassen zu wollen, die in den Startblöcken steht. Diese Worte sind Balsam für die Vertreter jener Generationen, die trotz guter Ausbildung in Spanien momentan keine Perspektiven haben.
Viele Zeitungen - hier die Süddeutsche Zeitung - hatten am Dienstag als Aufmacher die Erklärung König Juan Carlos'.

Viele Zeitungen – hier die Süddeutsche Zeitung – hatten am Dienstag als Aufmacher die Erklärung König Juan Carlos‘.

Zum Abschluß noch ein Wort zu den teilweise reißerischen Überschriften deutscher Zeitschriften, die von Massendemonstrationen gegen die Monarchie berichteten: Der Republikanismus in Spanien beschränkt sich auf die alternativen Stadtviertel von Madrid und die Regionen mit separatistischen Bestrebungen. Deutsche Journalisten finden die anderen Teile Spaniens offenbar so wenig interessant, daß sie ihnen nie einen Besuch abstatten, denn sie wüßten sonst, daß die Monarchie mit den genannten Einschränkungen fest verankert ist. Daß die Republikaner einen Versuch unternehmen würden, die Thronfolge zu verhindern, war schon lange vor der Wirtschaftskrise bekannt. Daß ihre Bestrebungen außer in Barcelona und Madrid auch im Zuge der Krise nirgends bedeutenden Zuspruch gefunden haben, spricht für sich.

In nächster Zeit wird dieser Artikel um einen Artikel mit der Vorstellung des Thronfolgers ergänzt.

Einen Tag nach seiner Ankündigung epfing König Juan Carlos den Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, und zeigte damit, daß er weiterhin in der Pflicht steht.

Einen Tag nach seiner Ankündigung empfing König Juan Carlos den Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, Martin Winterkorn, und zeigte damit, daß er weiterhin in der Pflicht steht.

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