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Das Kronprinzenpaar mit seinen Kindern.

Das Kronprinzenpaar mit seinen vier Söhnen.

Am 6. Mai 1954, dem Geburtstag meines Vaters, starb meine Mutter in Bad Kissingen, in demselben kleinen Zimmer der Villa Fürstenhof, in dem sie jahrelang nach dem zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebene gewohnt hatte. Obwohl sie schon seit längerer Zeit ein eigenes Haus auf dem Frauenkopf in Stuttgart bewohnte, das mein Vater ihr noch zu seinen Lebzeiten bauen ließ, besuchte sie gerne Frau Sotier und deren Tochter Elisabeth in der Villa Fürstenhof.

Prinz Louis Ferdinand von Preußen, Die Geschichte meines Lebens, Göttingen 1969, S. 337

Wenn in deutschem Zusammenhang von „der Kronprinzessin“ gesprochen wird, ist fast immer Kronprinzessin Cecilie gemeint, die als Frau von Kronprinz Wilhelm (1882 – 1951) Zeit ihres Lebens eine Person des öffentlichen Interesses war. In Potsdam erinnert Schloß Cecilienhof dauerhaft an die Kronprinzessin, der es nicht vergönnt war, Kaiserin zu werden.

Die deutsche Kronprinzessin Cecilie

Die deutsche Kronprinzessin Cecilie

Geboren wurde sie am 20. September 1886 als Tochter des regierenden Großherzogs Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin. Ihre Mutter, Großfürstin Anastasia Michailowna, stammte aus dem russischen Kaiserhaus und Cecilies Sohn, Prinz Louis Ferdinand, der 1938 ebenfalls eine russische Prinzessin heiraten sollte, schrieb in seinen Lebenserinnerungen: „Beide hatten wir [Kronprinzessin Cecilie und er], wie mein Vater meinte, in unseren Charakteren eine starke russische Komponente, die er manchmal als etwas Unheimliches empfand.“

Im September 1904 verlobte sich die 17-jährigen Herzogin Cecilie mit dem deutschen Kronprinz Wilhelm. Die Hochzeitsfeierlichkeiten am 6. Juni 1905 waren ein gesellschaftliches Ereignis und zogen Besucher aus ganz Europa an. Bereits am 4. Juli 1906 wurde mit Prinz Wilhelm ein künftiger Thronerbe geboren, ihm folgte am 9. November 1907 ein zweiter Sohn, Prinz Louis Ferdinand, der 1951 in die Nachfolge eintrat. Bis 1917 gebar Kronprinzessin Cecilie noch zwei Söhne und zwei Töchter.

Jörg Kirschstein, der jüngst eine Biographie der Kronprinzessin veröffentlichte, hat über die zweite Dame des Kaiserreichs viel Lobendes zu sagen: „Durch ihr unkompliziertes, freundliches Wesen avancierte Cecilie in kürzester Zeit zu einem der beliebtesten Mitglieder des Kaiserhauses. Sie zählte zu den elegantesten Damen der Kaiserreiches und wurde zum modischen Vorbild für die Damenwelt.“

Die Novemberrevolution 1918 veränderte ihr Leben grundlegend. Generalfeldmarschall von Hindenburg legte dem Kronprinzen nahe, seinem Vater ins niederländische Exil zu folgen, der gab dieser Forderung nach, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden. Der Kronprinz wurde von der niederländischen Regierung auf der Insel Wieringen in einem ehemaligen Pfarrhaus untergebracht und durfte die Insel nur zu Besuchen der Eltern in Doorn verlassen. Während Kaiserin Auguste Viktoria ihrem Mann ins niederländische Exil folgte, lehnte die Kronprinzessin es ab, ins Ausland zu gehen. Sie widmete sich der Erziehung und Ausbildung ihrer sechs Kinder, mit denen sie vorwiegend in Oels, in der Nähe Breslaus, lebte. Als Kronprinz Wilhelm nach fünfjähriger Verbannung im November 1923 zurückkehren durfte, wurde beiden Ehepartnern bewußt, daß sie sich durch die lange Trennung entfremdet hatten.

Das Kronprinzenpaar mit seinen sechs Kindern, am rechten Bildrand steht Prinz Louis Ferdinand.

Das Kronprinzenpaar mit seinen sechs Kindern, am rechten Bildrand steht Prinz Louis Ferdinand.

In den 20er Jahren widmete sich Kronprinzessin Cecilie verstärkt der karitativ-sozialen Arbeit, ganz in der Tradition ihrer Schwiegermutter, der 1921 verstorbenen Kaiserin Auguste Viktoria. Kronprinzessin Cecilie wurde 1924 Protektorin des monarchistischen Bunds Königin Luise, des größten Frauenbunds der Weimarer Republik, sie war Schirmherrin der Johanniter Schwestern und hatte den Vorsitz über den Vaterländischen Frauenverein inne. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden alle monarchistischen Verbände aufgelöst, so daß die Kronprinzessin gezwungen war, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Sie kümmert sich nun um die hohenzollerische Großfamilie.

Die musikliebende Kronprinzessin veranstaltete Hauskonzerte und entwickelte Schloß Cecilienhof zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt. Musiker und Dirigenten gehörten zu ihrem Freundeskreis. Bogislaw Hubermann, Wilhelm Kempff, Elly Ney, Wilhelm Furtwängler sowie der junge Herbert von Karajan verkehrten am kronprinzlichen Hof. Die Musikbegeisterung reichte über ihren Tod hinaus. Karl Münchinger und das Stuttgarter Kammerorchester begleiteten auf Wunsch Prinz Louis Ferdinands die Trauerfeier der Kronprinzessin 1954 auf Burg Hohenzollern.

Kronprinzessin Cecilie nach dem 2. Weltkrieg auf Burg Hohenzollern.

Kronprinzessin Cecilie nach dem 2. Weltkrieg auf Burg Hohenzollern.

Im Februar 1945 mußte Kronprinzessin Cecilie vor der herannahenden Roten Armee fliehen. Dabei war es ihr nicht mehr möglich, ihren persönlichen Besitz aus Schloß Cecilienhof zu retten. So lebte die Kronprinzessin nach dem Krieg in äußerst bescheidenen Verhältnissen in zwei Zimmern in Bad Kissingen. Erst 1952 konnte sie ihr eigenes Haus in Stuttgart beziehen. Kronprinzessin Cecilie war es nicht mehr vergönnt, die positive wirtschaftliche Wende zu genießen. In den letzten Lebensjahren litt sie zunehmend unter gesundheitlichen Problemen. Während eines Besuches in Bad Kissingen starb sie an den Folgen eines Schlaganfalls am 6. Mai 1954 im Alter von 67 Jahren.

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