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Einen Monat vor den Wahlen zum Europaparlament darf es bereits als sicher gelten, daß die Abstimmung ein Denkzettel sowohl für die etablierten Parteien in den verschiedenen Ländern als auch für die Brüsseler Bürokraten werden wird. Die Frage ist allein noch, wie hoch die Zahl derjenigen Vertreter ist, die in der Hauptsache deswegen in das Parlament entsandt werden, um gegen die momentane Konstitution Europas zu protestieren. Gründe dafür gibt es viele, von der seit Jahren ungelösten Wirtschaftskrise bis hin zum jüngsten außenpolitischen Debakel der EU in der Ukraine. Sowohl im Norden als auch im Süden Europas sieht man daher das eigene Wohl zunehmend besser beim Nationalstaat aufgehoben.

In Portugal wirbt die Monarchistische Volkspartei, PPM, um Stimmen.

In Portugal wirbt die Monarchistische Volkspartei, PPM, um Stimmen.

Auch royalistische Parteien versuchen dabei, sich die allgemeine Stimmungslage zunutze zu machen und beteiligen sich an den Wahlen: Royalistische Gruppierungen treten unter anderem in Italien, Frankreich, Portugal (Monarchistische Volkspartei, PPM) und Tschechien an, gerade die Franzosen von der Alliance Royale gehen dabei gestärkt aus den gerade beendeten Kommunalwahlen hervor, in denen sie einige Gemeindevertreter- und Bürgermeisterposten erobern konnten. Nicht mit dabei ist die Schwarz-Gelbe Allianz aus Österreich, die die geforderte Zahl an Unterstützungsunterschriften für eine Wahlbeteiligung knapp verpaßte.

In den verschiedenen Wahlprogrammen gibt es dabei durchaus Überschneidungen, so sprechen sich alle Gruppierungen für eine Rückübertragung von Kompetenzen an die Nationalstaaten aus. Weiterhin sind verweise auf die traditionelle Familie und die christlichen Wurzeln Europas enthalten.

Sie versprechen euch den Mond – Fordert die Sonne. Royalistisches Plakat zu den französischen Kommunalwahlen.

Sie versprechen euch den Mond – Fordert die Sonne.
Royalistisches Plakat zu den französischen Kommunalwahlen.

Dennoch wird es den Royalisten wohl kaum möglich sein, einen Sitz zu erobern. Das Europaparlament hat außerdem kaum Rechte und es ist vielleicht gleichzeitig auch etwas merkwürdig, so viel Wert auf eine Repräsentation zu legen, die man eigentlich ablehnt. Ist eine Beteiligung an den Wahlen also überhaupt der Mühe wert? Am Deutlichsten formulieren auch dies die Franzosen von der Alliance Royale. Deren Generaldelegierte Sandrine Pico-Deprez sagt, daß es auch um den Beweis geht, daß die Royalisten nicht nur aus der Zeit gefallen und im inneren Exil befindlich sind, sondern eine echte Alternative bieten können. Die Wahlen können dabei dazu beitragen, den faulen republikanischen Zauber der Alternativlosigkeit zum gegenwärtigen Zustand zu brechen („rompre le sortilège républicain“). In Frankreich sei die Alliance Royale daher auch die einzige Anti-System Partei, da sie sich nicht innerhalb der dominanten republikanischen Matrix bewegt. Wer die aktuelle Verfassung Frankreichs und Europas nicht wolle, muß royalistisch wählen. Als Alternative schlagen die Royalisten auf nationaler Ebene eine soziale Monarchie vor (Daß dies von den nicht unbedingt deutschfreundlichen Franzosen kommt, ist interessant, greifen sie doch eine Idee von Bismarck und Wilhelm II. auf.), die sich in eine „Gemeinschaft europäischer Staaten“ einfügt, wie sie im wesentlichen vor Maastricht und dem Euro Bestand hatte. Um dies zu kommunizieren, sind die Europawahlen der Alliance Royale eine willkommene Bühne, auch ohne realistische Erfolgschancen in der Form von Sitzen im Parlament. Deutschlands Royalisten dagegen verharren auch im Jubiläumsjahr des 1. Weltkrieges im inneren Exil.

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