Schlagwörter

, , , , ,

Nach 28 Jahren wird Australien verdiente Bürger wieder mit dem Ritterschlag ehren. „Sir“ beziehungsweise „Dame“ dürfen sie sich dann wieder nennen. Das verkündete am Dienstagnachmittag Premierminister Tony Abbott nachdem er die scheidende Generalgouverneurin, die Vertreterin der Königin von Australien, aufsuchte und sie von der neuen Entwicklung unterrichtete. Quentin Bryce wird die erste sein, die als neue „Dame Quentin“ geadelt wird. Nach fünfeinhalb Jahren verläßt die noch von Labor-Premierminister Kevin Rudd ernannte Bryce das Amt.

Daß ausgerechnet sie den Anfang macht und mit einem Adelstitel ausgezeichnet wird, entbehrt nicht der Ironie, hat sich doch Frau Bryce im November 2013 für eine Republik ausgesprochen (Monarchists decry Governor-General Quentin Bryce’s support for a republic). Ihr Nachfolger, General Peter Cosgrove AC MC, wird zum Amtsantritt von seiner Königin ebenfalls zum Ritter geschlagen und ihr künftig als „Sir Peter“ vermutlich mit mehr Loyalität dienen als es die Vorgängerin vermochte.

Tony Abbott (r.) begrüßt Peter Cosgrove als neuen Generalgouverneur.

Tony Abbott (r.) begrüßt Peter Cosgrove als neuen Generalgouverneur.

 

Tony Abbott versprach, es werde keine Inflation an Ordensrittern geben. In jedem Jahr soll es maximal vier neue Knight oder Dame in the Order of Australia geben. Politiker schloß Tony Abbott verschmitzt aus, als Journalisten von ihm wissen wollten, ob er sich als Knappe mit Anwartschaft auf den Ritterschlag sehe. Für die neue Auszeichnung kämen Australier in Betracht, die “extraordinary and pre-eminent achievement and merit in their service to Australia or to humanity at large“ geleistet hätten.

Abbotts Ankündigung brachte die australischen Republikaner zum Schäumen. Aber den Gipfel dummer Aussagen erklomm der Labor-Abgeordnete Mark Dreyfus QC, der meinte, ein Ritterschlag sei so rückschrittlich, daß Abbott als nächstes wohl die Sklaverei wieder einführen werde. (Andrew Greene, 24.3.: Shadow AG Mark Dreyfus on knights: perhaps we’re rushing back to a reintroduction of slavery or some other institution from the 19th century.) Ausgerechnet der republikanische Rechtsanwalt Dreyfus schmückt sich ausweislich des Kürzels QC hinter seinem Namen mit dem Ehrentitel Queen’s Counsel. Er hat also nicht den Ratschlag seiner republikanischen Genossen beachtet, die das QC gegen das neutrale SC (Senior Counsel) austauschen wollen.

Auch die Queen’s Counsels kehren zurück. Waren sie in den 1990er Jahren fast überall abgeschafft, haben Queensland und Victoria sie mittlerweile wieder eingeführt. Und mehr als 90% der Rechtsanwält, die in der republikanischen Phase nur ein SC erhielten, optierten in den letzten Wochen für ein QC. Man schmückt sich eben gerne mit der Königin – auch wenn man gegen sie opponiert.

Advertisements