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Die spanische Infantin Cristina ist an diesem Samstag als Beschuldigte im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Veruntreuung öffentlicher Gelder durch ihren Ehemann verhört worden. Die zu klärende Frage dabei ist, wieviel sie von den Geschäften ihres Mannes wußte. Das Verhör dauerte den ganzen Tag und wird wesentlich darüber mitentscheiden, ob es zu einer Anklage gegen sie kommt. Bei Fragen zu ihrem Mann soll sich die Infantin dabei auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen haben und die Verteidigung zeichnete das Bild einer Prinzessin, die ihrem Mann vertraut und nichts von irgendwelchen Machenschaften gewußt hat.

Infantin Cristina bei der Ankunft vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca.

Infantin Cristina bei der Ankunft vor dem Gerichtsgebäude in Palma de Mallorca.

Das Ereignis zog großes mediales und öffentlichen Interesse auf sich und in den Straßen von Palma de Mallorca kam es zu einer Demonstration, natürlich nicht gegen Infanta Cristina, sondern gegen die Monarchie. In den Artikeln zu diesem Thema war die Teilnehmerzahl an dieser Demonstration jedoch mit einigen Dutzend bis hundert angegeben, so daß man davon sprechen kann, daß es sich nur um die üblichen Verdächtigen aus der ganz linken Ecke gehandelt hat. Die Infantin selbst nahm es gelassen und bewies Haltung wie bei jedem anderen öffentlichen Termin.

Ärgerlich ist jedoch trotzdem, daß sich der Prozeß so lange hinzieht, denn bis zu dessen Ende wird eben mehr darüber als über die Leistungen und Verdienste der Monarchie geschrieben. Das Verfahren gegen den Ehemann von Infantin Cristina, Iñaki Urdangarín, wurde bereits im Dezember 2011 begonnen. Jetzt, im Jahr 2014, wird die Infantin Cristina beschuldigt und bis dann einmal entschieden ist, wer wegen was angeklagt werden soll, gibt es auch noch kein Hauptverfahren. Die lange Dauer ist natürlich zum einen den oft politisierten Richtern Spaniens à la Baltazar Garzón zuzuschreiben, zu denen auch der leitende Ermittler in diesem Fall, José Castro Aragón, gehört. Jene Richter lassen die Legalität gerne einmal für das zurücktreten, was sie selbst als Legitimität definieren, was Baltazar Garzón bereits das Amt kostete, da er unrechtmäßige Abhörmaßnahmen von Gesprächen Beschuldigter mit ihren Anwälten veranlaßte. Auch Castro ordnet sich selbst wie Garzón dem linken politischen Spektrum zu und ihm Sympathien für die Republik zu attestieren hat durchaus nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Auf der anderen Seite sind jedoch auch die Monarchie und der Staat an der Prozeßdauer nicht ganz unschuldig, denn königstreue Staatsanwälte versuchten lange, eine formelle Befragung der Infantin zu verhindern und sie selbst wollte auch nicht freiwillig und ohne Vorladung zu den Vorwürfen Stellung nehmen.

Um nun Schaden von einer der wenigen gut funktionierenden Institutionen des spanischen Staats abzuwenden, sollte das Verfahren unabhängig vom Ausgang so schnell wie möglich zu Ende gebracht werden.

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