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Altenburg, ehemaliger Herrschersitz der Herzöge von Sachsen-Altenburg, ist sicher eine der am wenigsten bekannten deutschen Residenzstädte, dabei wirkt es neben anderen heute thüringischen Städten wie Gotha, Erfurt und Weimar auch aufgrund einer langsamer vorangehenden Sanierung nach 1990 weniger puppenhaushaft und dafür authentischer.

Das Herzogtum existierte als souveräner Staat seit 1826 in der Form, in der es dann 1871 auch dem Deutschen Reich beitrat. Altenburg gibt es jedoch schon seit mindestens 976 und die Stadt war seit 1603 stets Hauptstadt verschiedener sächsischer Herzogtümer, in denen zumeist eine der Linien der Wettiner herrschte. Die Betonung liegt hierbei auf „sächsisch“, als was Altenburg stets betrachtet wurde, bevor es in der Bundesrepublik in einer ahistorischen Entscheidung und gegen den Willen der Bevölkerung Thüringen zugeschlagen wurde.

Das Herzogtum Sachsen-Anhalt (in der Karte abgekürzt mit S-A) bestand aus zwei Teilen.

Das Herzogtum Sachsen-Anhalt (in der Karte abgekürzt mit S-A) bestand aus zwei Teilen.

Der erste Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg, welcher von 1826 bis 1834 regierte, trat dem deutschen Zollverein bei und begann so mit der Anbindung an Preußen. In seine Regierungszeit fällt auch die Gründung der Altenburger Concessionierten Spielkartenfabrik, die den späteren Ruf Altenburgs als Skatstadt fundierte.

Unter Herzog Joseph, welcher bis 1848 regierte und mit Prinzessin Amalie von Württemberg verheiratet war, entstanden viele Bauten und Kunst und Kultur wurden gefördert. Politisch galt der Herzog jedoch als sehr konservativ und dankte 1848 im Zuge der liberalen Protestbewegung in Deutschland zu Gunsten seines Bruders Georg ab.

Herzog Georg förderte die Verwaltung und das Handwerk in Altenburg, lebte aber nur selten in der Stadt, da er das ebenfalls im Herzogtum gelegene Eisenberg bevorzugte.

Herzog Ernst I. regierte im Anschluß daran 55 Jahre lang und siedelte Industrie im Altenburger Land an, die heute, wo Altenburg eine Stadt mit selbst im ostdeutschen Vergleich sehr hoher Arbeitslosigkeit ist, so schmerzlich vermißt wird. Er verbündete sich in den deutschen Einigungskriegen mit Preußen, wodurch das kleine Herzogtum mit nur drei Städten über 10.000 Einwohnern (Altenburg, Schmölln und Eisenberg; Stand 1910) seine Unabhängigkeit innerhalb des deutschen Föderalismus sichern konnte. Ernst I. war bei allen drei Hohenzollernkaisern sehr beliebt.

Herzog Ernst II. (2.v.l.) im 1. Weltkrieg als Divisionskommandeur mit seinem Stab

Herzog Ernst II. (2.v.l.) im 1. Weltkrieg als Divisionskommandeur mit seinem Stab

Herzog Ernst II. war ähnlich wie Kaiser Wilhelm II. sehr volksnah und technikbegeistert. In seiner Regierungszeit, die 1905 begann, wurde der Altenburger Flughafen eröffnet, von dem noch heute Maschinen starten und der heute einer der ältesten Flughäfen Deutschlands ist. Ernst II. dankte erst zwei Tage nach dem Waffenstillstand von 1918 ab und war der einzige deutsche Bundesfürst, der seinem Land auch in schwerer Zeit treu blieb und sich gegen eine Abwanderung in die BRD entschied. Er starb als letzter ehemaliger Bundesfürst 1955 in der DDR. Die Herzog-Ernst-Straße, von den Kommunisten dann praktischerweise in „Ernst-Thälmann-Straße“ umbenannt, blieb im täglichen Sprachgebrauch der Altenburger dann auch immer bei ihrem Vornamen.

Die Söhne Herzog Ernsts II. in der altenburgischen Tracht.

Die Söhne Herzog Ernsts II. in der altenburgischen Tracht.

Heute besteht die Linie nur noch durch Adoption weiter, da der letzte Erbprinz Georg-Moritz ohne männlichen Nachwuchs blieb. Franz von Sachsen-Altenburg, das heutige Familienoberhaupt, stammt ursprünglich aus Mecklenburg und ging nach der der Wiedervereinigung auch wieder dorthin zurück.

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