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Neben der schriftlichen Anrede gibt es noch die mündliche und auch hier ist das bundesrepublikanische „Herr von …“ oder (zum Beispiel) „Herr Prinz von…“ nicht bindend. Will man kein politisches Statement zugunsten der Republik abgeben, werden mehrheitlich die traditionell üblichen Anredeformen benutzt, wie sie vor 1918 galten. Dies gilt auch und gerade in der Diplomatie. Wie der Historiker Jörg Kirschstein in der ZDF-Dokumentation „Die Erben des Kaisers“ sagte, wandte sich so selbst Erich Honnecker formvollendet an Prinz Louis Ferdinand von Preußen und sprach ihn als „Kaiserliche Hoheit“ an.

Je nach Titel gibt es jedoch Unterschiede in der Anrede. Extra geregelte Abweichungen ausgenommen lautet die traditionelle mündliche Anrede von Adeligen ohne Anspruch auf Vollständigkeit wie folgt:

Titel                                               Anrede
Kaiser                                    Majestät
König                                     Majestät
Großherzog                             Königliche Hoheit
Prinz (und Prätendent)              Kaiserliche/Königliche Hoheit
Erzherzog (Österreich)              Kaiserliche Hoheit
Fürst                                     Durchlaucht
Herzog                                   Hoheit
Graf                                       Erlaucht
Freiherr                                  Baron

Die korrekte Anrede für Prinz Georg Friedrich von Preußen würde nach diesem Muster„Kaiserliche und Königliche Hoheit“ lauten, auch wenn im Haus Preußen allein die „Königliche Hoheit“ bevorzugt wird.

Eine ähnliche Regelung wie in Deutschland gilt auch für Österreich: So wie dort niemand einen Adeltitel tragen darf, so wenig ist es strafbar, jemanden mit seinem Adelstitel anzureden. Im Beileidsschreiben von Papst Benedikt XVI. zum Tod von Erzherzog Otto von Habsburg redete er den neuen Hauschef als „Kaiserliche und Königliche Hoheit“ an und wandte dieses Adelsprädikat auch für den verstorbenen Erzherzog an. Der österreichische Bundespräsident, der dies hörte, verzog ob der zahlreichen anwesenden Staatsgäste notgedrungen keine Miene. (siehe YouTube-Video Verlesung des Beileidstelegramms von Papst Benedikt XVI.)

Um schließlich noch einmal auf den Film „The King’s Speech“ zurückzukommen: Adelige sind bei einem Fauxpas bei ihrer Anrede in der Regel wesentlich nachsichtiger, als etwa Doktoren oder Bundestagsabgeordnete. Die Familien tragen ihren Titel ja zumeist schon seit Jahrhunderten und sind deswegen entspannter als die Würdenträger unserer kurzlebigen Zeit. So reagiert auch die Königin von England gelassen auf ihre aufgeregte Gastgeberin und erklärt ihr selbst, wie sie anzureden ist: Beim ersten Mal mit Majestät und im Anschluß daran mit „Madam“.

Teil I dieses kleinen Adelsknigges können Sie hier ansehen.

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