Schlagwörter

, , , , , ,

Nach sechs Jahren einer von der Australian Labor Party (ALP) geführten Bundesregierung, hat der bisherige Oppositionsführer Tony Abbott die Parlamentswahlen am Samstag gewonnen. Auf die republikanisch gesonnenen Premierminister Kevin Rudd und Julia Gillard folgt wieder ein erklärter Monarchist an die Regierungsspitzpitze.

Tony Abbott am Samstagmorgen mit Familie bei der Stimmabgabe.

Tony Abbott am Samstagmorgen mit Familie bei der Stimmabgabe.

Die neue Koalitionsregierung aus Liberaler und Nationaler Partei wird vermutlich keinen neuen Anlauf starten, um den Australiern die Monarchie zu nehmen. In einem Referendum am 6. November 1999 unter dem letzten liberalen Premierminister John Howard – ebenfalls ein treuer Anhänger der konstitutionellen Monarchie – lehnten fast 55 Prozent der Australier die Einführung einer Republik ab. Obwohl die ALP offiziell einen republikanischen Kurs fährt und Abweichler nicht duldet, unternahm sie nach ihrem Wahlsieg 2007 keinen Versuch, ein weiteres Referendum auf den Weg zu bringen: Zu schlecht waren die Umfragewerte – sowohl die für eine Republik wie die für die ALP.

Tony Abbott im Gespräch mit Königin Elizabeth II., Königin von Australien.

Tony Abbott im Gespräch mit Königin Elizabeth II., Königin von Australien.

Für den heute 55-jährigen Tony Abbott kam Zeit seines Lebens nie eine andere Staatsform als die Monarchie in Frage, auch als namhafte Mitglieder seiner eigenen Partei diese Position aufgaben und sich dem republikanischen Feldzug anschlossen. Von 1992 bis 1994 stand er als Geschäftsführer der Australians for Constitutional Monarchy gegen die australischen Republikaner, was diese ihm nie verziehen. Auch im Referendumswahlkampf 1999 trug Abbott mit dazu bei, die gegen den Strom der veröffentlichten Meinung schwimmenden Monarchisten anzuspornen. Seit 1999 belegen ihn dafür die Republikaner mit zahlreichen Kampfbegriffen. Wie die taz heute zitieren auch andere deutsche Medien noch immer die Schlagworte, die ihn abqualifizieren sollen:

Noch vor kurzem galt der 55-Jährige in seinen eigenen Parteikreisen als „unwählbar“, wie einer seiner Vorgänger meinte. Der katholische Ex-Priesternoviz, der mal Profiboxer werden wollte, dann als Journalist arbeitete, hat einen Ruf als ultrakonservativer, aggressiver Ideologe. Mehrfach war ihm Frauenfeindlichkeit und Homophobie vorgeworfen worden.

Was die taz in schlechten übersetzten Klischees in die Welt hinausposaunt (hinter dem „katholische Ex-Priesternoviz“ steht die Tatsache, daß er eine zeitlang in einem Priesterseminar studierte) hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Keines der Vorurteile seiner Gegner wird dem jetzigen Wahlsieger gerecht.

Tony Abbotts Kampfschrift für die Monarchie, 184 Seiten und 1995 veröffentlicht.

Tony Abbotts Kampfschrift für die Monarchie, 184 Seiten und 1995 veröffentlicht: The Minimal Monarchy and why it still makes sense for Australia.

In dem Essay Monarchy is the tie that binds us together, das Tony Abbott für das Buch Her Majesty at 80 schrieb und das anläßlich des 80. Geburtstags der Königin von Australien erschien, faßt er die Quintessenz der Monarchie so zusammen, daß dies von den meisten heutigen Monarchisten unterschrieben werden kann:

The monarch has an important symbolic role too: as „fountain of justice and honour“; guardian of the integrity of the armed forces and the public service; embodiment of the unity of the Commonwealth of Nations; and a reminder of the transcendent in the life of the world. In each case, the monarch represents that ideal of duty and service that is always beyond the reach of actual human beings but towards which all should strive.

Advertisements