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Nach Aussendung von Corona – Nachrichten für Monarchisten, Ausgabe 118 erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich lese rgelmäßig Ihre Online-Ausgabe von Corona. Was mir immer wieder auffällt ist, das die Titel von Königen und anderen Adeligen verkehrt geschrieben werden. Es heißt doch Mohammed König von Marokko und nicht anders rum.

Es gibt kein einfaches Richtig oder Falsch in diesem Fall, stattdessen versucht die Corona-Redaktion ihre Herangehensweise darzulegen. Weitere Ausführungen können folgen und auch die Leserinnen und Leser sind eingeladen, ihre Meinungen zu außern.
Ihre
Corona-Redaktion

In dem sehenswerten britischen Film „The King‘s Speech“, in dem ein australischer Linguist dem britischen König Georg VI. in seiner Privatwohnung Sprachtraining gibt, um dessen Stottern zu kurieren, trifft in einer Szene die nicht in dieses Vorhaben eingeweihte und daher völlig überrumpelte Ehefrau des Linguisten in ihrem eigenen Wohnzimmer auf die Königin von Großbritannien. Sie fühlt sich dabei bis auf die Knochen blamiert, weil sie nicht weiß, wie die Monarchin anzusprechen ist.

Wie aber spricht oder schreibt man einen Angehörigen eines regierenden oder vormals regierenden Königshauses eigentlich an? Wie die Filmszene zeigt, können nicht nur die Wenigen, die regelmäßig in den entsprechenden Kreisen verkehren, in die Verlegenheit kommen, die korrekte Anrede für regierende Monarchen verwenden zu müssen.

Der erste Teil dieses Artikels widmet sich der schriftlichen Anrede von Adeligen, während sich der zweite Teil mit der mündlichen befassen wird:

Nach bundesrepublikanischem Recht ist ein Adelstitel integraler Namensbestandteil. In der Weimarer Republik wurde der Adel als Stand abgeschafft, aber die Titel, anders als in der Republik Österreich, als Teil des Nachnamens beibehalten. Diese Regelung wurde 1949 in Westdeutschland beibehalten. Wer schon einmal Post von SKH Prinz Georg Friedrich von Preußen bekommen hat, wird daher auch wissen, daß er stets korrekt mit

Georg Friedrich Prinz von Preußen

(ohne Komma) unterschreibt. Er hält sich damit an bundesrepublikanisches Recht und Gesetz, hat einmal in einem Interview angegeben, daß ihm diese Anrede die liebste sei und es steht niemandem zu, dies in irgendeiner Art und Weise zu kritisieren. Eine ähnliche Regelung galt wohl auch in der DDR, denn Eduard von Schnitzler oder Manfred von Ardenne behielten ihr Adelsprädikat.

Das Bundespräsidialamt wählt hingegen eine Schreibweise, bei der der Titel zuerst steht, zum Beispiel anläßlich des Besuchs des luxemburgischen Großherzogspaars:

Staatsbesuch von Großherzog Henri von Luxemburg
Bundespräsident Joachim Gauck und Frau Daniela Schadt haben am 23. April 2012 Großherzog Henri von Luxemburg und Großherzogin Maria Teresa in Schloss Bellevue empfangen. …

Ebenso verfuhr der baden-württembergisch Ministerpräsident Winfried Kretschmann, als er das niederländische Königspaar in Stuttgart willkommen hieß:

„Ich freue mich, König Willem-Alexander und Königin Máxima der Niederlande nur wenige Wochen nach der Amtsübernahme in Baden-Württemberg zu begrüßen. Für mich ist es nach meiner Audienz bei – damals noch – Königin Beatrix schon der zweite hochrangige Kontakt zum niederländischen Königshaus in diesem Jahr“…

Der Großvater von SKH Prinz Georg Friedrich unterzeichnete seine Briefe schließlich mit

Louis Ferdinand
Prinz von Preußen

Wenn er jemanden besser kannte, zeichnete er in späteren Schreiben, wie es auch regierende Monarchen oft tun, nur noch mit

Louis Ferdinand

Auch die Broschüre „Die Hohenzollern einst und jetzt“, die ein unentbehrliches Nachschlagemedium für alle ist, die sich mit dem Kaiserhaus befassen (zu beziehen im Verlag Tradition und Leben), benutzt an keiner einzigen Stelle die bundesrepublikanische Schreibweise, sondern spricht immer nur von „Prinz Louis Ferdinand von Preußen“. Den Anhängern des monarchischen Gedankens geht dies gewiß flüssiger über die Lippen und es schreibt sich besser, ganz abgesehen davon, daß auch in anderen Sprachen diese Schreibweise gehandhabt wird:

Zum Beispiel im Nachruf der französischen Tageszeitung Le Figaro:
Le prince Johan Friso des Pays-Bas est décédé

Auch der in London erscheinende Daily Telegraph wählte diese Schreibweise:
HRH Prince Friso of Orange-Nassau, who has died aged 44, …

Welche Anrede im Schriftverkehr nun Gültigkeit besitzt, kann also schließlich jeder selbst für sich entscheiden. Die bundesrepublikanische Schreibweise ist jedenfalls für Nichtnamensträger in keiner Weise bindend.

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