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Montenegro, was wörtlich übersetzt „Schwarze Berge“ bedeutet (Crna Gora), ist einer der jüngsten europäischen Staaten und zählt etwas mehr als 600.000 Einwohner. Geschichtlich betrachtet verdankt es seine Unabhängigkeit vor allem seiner Unzugänglichkeit, weswegen weder Türken noch andere fremde Eroberer dauerhaft in dem bergigen Land Fuß fassen konnten. Ab dem 16. Jahrhundert bildete sich deshalb ein größtenteils unabhängiges, von geistlichen und später weltlichen Herrschern regiertes Fürstentum heraus, welches im Jahre 1878 auf dem Berliner Kongress auch seine formelle Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangte und 1910 unter dem bisherigen Fürsten Nikola I. Königreich wurde.

König Nikola I. von Montenegro.

König Nikola I. von Montenegro.

Nikola I. konnte im Laufe seiner 58jährigen Herrschaft als Fürst und später König das Staatsgebiet Montenegros fast verdoppeln und gab dem Land eine Verfassung und eine Währung. Schon 1916 jedoch wurde das im 1. Weltkrieg mit der Entente verbündete Land von den Mittelmächten besetzt. 1918 wurde es dann trotz des Status als „Siegermacht“ des 1. Weltkrieges dazu gezwungen, Teil des neugeschaffenen Jugoslawiens zu werden. König Nikola I., der im Krieg aufgrund der Besetzung seines Landes ins französische Exil gegangen war, wurde im Anschluß an den Frieden an der Ausreise aus der französischen Republik gehindert und starb dort 1921. Bis auf ein kurzes Zwischenspiel im 2. Weltkrieg gehörte Montenegro daraufhin zu Jugoslawien und wurde erst 2006 erneut unabhängig.

Zur Unabhängigkeit Montenegros - die königliche Standarte.

Zur Unabhängigkeit Montenegros – die königliche Standarte.

Die Einwohner des Landes betrachten sich heute mehrheitlich nicht als Montenegriner, sondern als Serben, Kroaten und Albaner. Die erneute Unabhängigkeit des Landes dürfte daher vor allem dem Umstand geschuldet sein, daß Montenegro mit seinen Bergen und der schönen Adriaküste vor allem vom Tourismus lebt. In diesem Zusammenhang war es nicht hilfreich, ständig mit Serbien in Verbindung gebracht zu werden, dem Land, bei welchem in Europa die Hauptschuld an den Balkankriegen der letzten 20 Jahre verortet wird. Die montenegrinische Identität ist also nicht besonders ausgeprägt und nationale Symbole, die diese fördern könnten, sind rar gesät. Eines dieser Symbole ist nun das Königtum, welches trotz des Umstandes, daß Montenegro offiziell eine Republik ist, sehr gepflegt wird. Da ist etwa die alte Hauptstadt Cetinje, in der sich im frühen 20. Jahrhundert Ministerien an Botschaften an Ministerien reihten, weil so wenig Platz war. Die neue Hauptstadt ist zwar das größere Podgorica. Das alte Flair einer klassischen europäischen Hauptstadt ist Cetinje jedoch erhalten geblieben und in der Mitte der Stadt erinnern der alte Königspalast und ein angeschlossenes Museum an König Nikola I.

Königlicher Palast in Cetinje.

Königlicher Palast in Cetinje.

Auf politischer Ebene erließ die Regierung im Jahr 2011 das für eine Republik bemerkenswerte „Gesetz über den Status der Nachkommen der Petrovic-Njegos-Dynastie“. Dieses Gesetz räumt dem Repräsentanten der Dynastie (gegenwärtig Kronprinz Nikola) eine offizielle repräsentative Funktion im montenegrinischen Staat ein – diplomatisch vertrat Kronprinz Nikola Montenegro zum Beispiel bei der Beerdigung von Erzherzog Otto von Habsburg. Das Gesetz bezeichnet die erzwungene Abdankung von König Nikola I. außerdem als verfassungswidrig nach damaligem Recht und regelt auch ein Gehalt für den Kronprinzen und Vertreter der Dynastie, welches mit dem des gegenwärtigen Präsidenten von Montenegro identisch ist. Schließlich sieht das Gesetz die Rückgabe einiger Besitztümer vor, unter anderem eines Palastes in Podgorica.

Gemeinsam eröffneten Kronprinz Nikola von Montenegro (li.) und Kronprinz Leka II. von Albanien (re.) mit dem Bürgermeister von Ulcinj , Nazif Cungu, Mitte August 2013 die 13. Buchmesse in Ulcinj - ein Zeichen für gute Nachbarschaft zwischen dem albanischen und dem montengrinischen Königshaus. Montenegro.

Gemeinsam eröffneten Kronprinz Nikola von Montenegro (li.) und Kronprinz Leka II. von Albanien (re.) mit dem Bürgermeister von Ulcinj , Nazif Cungu, Mitte August 2013 die 13. Buchmesse in Ulcinj – ein Zeichen für gute Nachbarschaft zwischen dem albanischen und dem montengrinischen Königshaus. Montenegro.

Wird Montenegro also wieder Monarchie, wenn es heute doch schon so etwas eine Semi-Monarchie ist? Dies ist in der Tat nicht unwahrscheinlich. Der gegenwärtige Präsident Filip Vujanovic war neben Ministerpräsident Dukanovic der bedeutendste Motor für die montenegrinische Unabhängigkeit und dabei ging es den beiden nicht zuletzt auch um die eigene Macht. Das Tandem wird das Land jedoch nicht ewig regieren können und irgendwann stellt sich die Frage der Nachfolge. Die fehlende nationale Identität Montenegros ist dabei sicher ein gewichtiges Argument für eine Monarchie.

Die nächste Generation im montenegrinischen Königshaus: Prinz Boris und Prinzessin Milena.

Die nächste Generation im montenegrinischen Königshaus: Prinz Boris und Prinzessin Milena.

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